Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 37-38 (15.9.1909)
- Date
- 1909-09-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU. Seite 433. No. 37/33. 1 עד״1ש 0 q ,f י7; a n n <כ1ד 1 ׳! U ü W U ץ?-.:u U V ג. ח rv ח ן (5ץז 1j r Hebräische Legenden Ls «ein jetzt ein neuer Zur durch das schaffende .Judentum: ein Schauen nach rückwärts. Sein inten- >ivcs Streben nach neuen Werten hat im Oegcnwürtn'.cn keine dauernde Befriedigung zu finden vertu׳,clit. So wendet es sich seinen alten Schätzen zu. Lud siehe: sic sind gar nicht veraltet. Durch die Jahrhunderte ist ihr innerer Gehalt nicht gemindert worden, ihre Leuchtkraft nicht verblasst. — * Ein nicht blos historisches Interesse weist uns auf die geistigen Güter aus der Vergangenheit unseres \ olkcs hin. Sic werden uns vielmehr zum lebendigen ,Jesitz, zum befruchtenden Quell, zur wortbildenden Kraft. Wir feiern an ihnen ein Neucrlebnis, ein scelisches Erstarken. Wir werden gleichsam ihre wir-!.enden Eortsetzcr. Das tiefste Erlebnis bietet uns die altjildischc Lc- .,cndcnschöpfung. Ihr ernst-ethischer Gehalt, ihre;:berwcltlichc Weisheit, die stille und feierliche Qottnahe, die klar geschauten und sinnreichen Dilder und Gleichnisse, der schlichte, prägnante Ausdruck verbunden mit verhaltener Stiinmungsgcwalt machen uns diese Schöpfung zu einer ‘Offenbarung, zu einem Welterfassen. Unsere Generation ist klug, gebildet, kulliviert, fortgeschritten — aber nicht weise. Dazu ist sie zu gescheit. Weisheit lit grosse Naivität — und diese besassen unsere Vorfahren. Von dieser grossen Naivität ist die Sagcnliteratufjm Talmud, Midrasch und Bcraitha getragen. Dieses weitverzweigte, mit anderen Stoffen und Materien cngvcrschlungcne Gebiet in systematischer Einteilung, trefflicher Auswahl und wertvoller Erläutcrung dem weiteren hebräisch lesenden Publikum zugänglich zu machen — das ist das Verdienst des bckannten hebräischen Dichters Ch. N. B i a 1 i k und J. C h. R 0 w n i t z k y ’ s mit ihren ״Scpher ha-AgadnV) von dem bisher 2 Hände in 4 Büchern erschienen sind, und das im ganzen 3 Bände in 6 Büchern umfassen soll. Die Herausgeber haben sich ihrer schwierigen und komplizierten Aufgabe mit grosser Hingebung ■gewidmet und sind ihr vollauf gerecht geworden. Das ״Scpher ha-Agada“. ist dazu berufen, einen Grundstein in der Portentwicklung unseres geistigen Nationalbcsitzcs zu bilden. Die von denselben Bearbeitern hcrausgcgcbcnc jüdische Legendenauswahl für die Jugend unter dem Namen ״Dibrci Agada" ist wegen Ihres sprachlichen Wertes und nationalen Gehalts zu Un* tcrriclitszwcckcn sehr geeignet. J. Lin. Schulgarten an jüdischen Anstalten Die Simonsche Stiftung zu Hannover und der Deutsche Verein •für ländliche Wohifahrts- und Heimatpflcgc (Vorsitzender Professor Sohnrcy) haben gemeinsam ein Buch hcrausgcgcbcn ״Der Schufgarten dos In - und Auslandes" verfasst von Lehrer Bernhard Cronberger, in Frankfurt a. M. Der Verfasser ist der bekannte Vorsitzende des Vereins für KIcingartenbau. Diese hübsch ausgcstattete Schrift, 244 Seiten stark und mit 12 Gartenplänen versehen, kann vom Verlag der Deutschen Lundbuchhandlung In Berlin bezogen werden. Die Schrift soll der Verbreitung von Schulgärten dienen und zwar von Schulgärten, mit denen nicht nur botanische Lchrzwccke verbunden sind, sondern in denen den Kindern im schulpflichtigen Alter gewisse Kenntnisse im Obst- und Gemüsebau vermittelt werden sollen. Hierzu bietet die vorliegende Schrift reichliche Anregung, indem sie bestehende Musterciariclitungcn schildert und Anleitungen gibt, wie ein Schulgarten cinzurichtcn und zu bewirtschaften ist. Die Simonsche Stiftung hat cs in der kurzen Zeit ihres Bestehens vermocht, die Qrllndung einer grösseren Anzahl solcher Schulgärten an jüdischen Lehrerseminaren,Internaten,Schulen, Erziehungsanstalten der verschieden־ sten Art zu verwirklichen. Überall sinsd damit gute Erfahrungen gemacht worden. Der gesamtc Unterricht hat dadurch eine wünschenswerte Bereicherung erfahren, die Kinder haben durch dieso gesunde Beschäftigung mancherlei Nützliches gelernt und Insbesondere wo es sich um kleine Gemeinden handelt, hat der Schulgartcnuntcrricht auch schon dazu bclgctragcn, das Interesse der älteren Generation *) Siehe unten unter ״Eingegangene Bücher". am Gartenbau zu vertiefen. Jüdische Lehrer, soweit sie sich auch dieser Lchrbetätlgung gewidmet haben, hüben von der Simonschcn Stiftung namhafte Subventionen erhalten und einigen ist auch die Möglichkeit geboten worden, besondere Obst- und üartenbauktirse mitzumaciicn, um sich die Fähigkeit zur Erteilung des Schulgarten-Unterrichts anzucigncn. Von der Verbreitung der vorliegenden Schrift ist auch eine Verbreitung der Schulgärten an jüdischen Schulen zu erhoffen, die von der Simonschcn Stiftung mit Rat und Tat gefördert wird. Jüdische Lehrer oder Unterriclusunstaltcn, die sich für die vorliegende Schrift interessieren, können sic von der Simonschcn Stiftung besonders billig beziehen. Ihre Lektüre sei allen empfohlen, denen eine möglichst vielseitige Erziehung unserer Jugend am Herzen liegt. Jüdischer Noveltensehatz Wir erhalten folgende Xuschrift: Es sei mir erlaubt, an der Kritik, die Herr Hecht über den ״Jüdischen Novellcnschatz" in der "vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes erscheinen liess, eine Bemerkung zu knüpfen. Sic betrifft nicht meine Person (die ja noch bei der Besprechung sehr glimpflich davon kam); sic will sich auch nicht über die Schärfe des Tones ereifern. Ich möchte vielmehr nuf meinem Erstaunen darüber Ausdruck geben, dass Herr Hecht bei Besprechung des ersten Bandes der M a r t f n B u b e r s c h c n Erzählung auch nicht mit einem Worte gedachte. Bubcr ist meines Er* achtens der bedeutendste und berühmteste Vertreter jungiüdischcn Schrifttums In deutscher Sprache (nächst Fciwcl.) Müssen uns denn erst christliche Kritiker (Harden) an unsere Pflichten gegenüber den Wenigen, die uns zur Zierde gereichen, erinnern? Arthur Silberglcit. Eine numismatische Erinnerung an Vespaslens Trlumh über die Juden Aus dem •Jahro 71 n. Chr., dem Jahre des Triumphs über die Juden, ist ln sieben Exemplaren eine Qrossbronce des Kaisers Vcspasiah bekannt, deren Prägbild nach einer im April d. J. von Drossel in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie der ,Wissenschaften veröffentlichten Deutung einen Isistcmpcl darstellt. Drcsscl brachte dieses Münzbild ln überraschender Weise mit einer Stelle im Jüdischen Krieg des Joscphus (7, 5, 4) in Verbindung, in welcher berichtet wird, dass Vcspaslan und Titus für die Nacht vor dem Triumph ihr Hoflager In den Isistcmpcl vorlcgt und die Truppen vor dem Tempel blwuklcrt hätten. Es kann kein Zweifel bestehen, dass diesor Zusammenhang richtig ist und In der Münze eine vom Senat ungeordnete Verherrlichung: des Triumphs über die Juden — daher auch die' kleine Zahl der Fundstückc — vorliegt. E. Täübler. Bficher-Eesprecfwingen Dlo Jude» lu Rumänien, Von Dr. ArthurRuppln. Heft 5 der Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der Juden. Berlin 1903. Louis Lamm. Statistisches Material über die rumänischen Juden stu sammeln und zu veröffentlichen, Ist gewiss eine um so dankbarere und anerkennenswertere Aufgäbe, als wir ja über die Lage der Juden in Rumänien bisher mangelhafter unterrichtet waren als über irgend ein anderes europäisches Land. Von Zeit zu Zeit kam ein Notschrei aus jenem Imlbasiatischcn Staate — Asien »lüge verzeihen —, und Eingeweihte, die cs wissen musste», behaupteten, dass Russland ein Paradies gcRca Carmen Sylvas Land sei. Nun liegen uns aus der Feder ״dos jüdischen Statistikers", wie sich Ruppht mit Recht nennen darf, einige exakte Zahlen über Rumänien vor. ״Einige" muss ich leider sagen: denn die Arbeit macht nicht den Eindruck der lückenlosen Vollständigkeit, die möglich gewesen wäre. Dabei verkenne ich nicht die Schwierigkeiten, speziell einer jüdisch-rumänischen Statistik, die 7״ B. fortwährend mit dem formalen Moment zu kämpfen hat, dass viele Zahlen der Spalte ״Juden“ nicht die Juden enthalten, die naturalisierte Rumänen oder Angehörige eines fremden Staates sind; wodurch also diese Zahlen hinter der Wirklichkeit mehr oder minder Zurückbleiben. Ungenügend ist das 6. Kapitel ״B > 1 dungsstand" bearbeitet, das mit keiner/Silbe die akademischen Verhältnisse der Juden berührt. Ein flüchtiger Blick in das Statistische Jahrbuch der Stadt Bukarest •für das Jahr 1895 (Anuarul Statistic al orasului Bucurcsci pc anul' 1896), das 1893 erschien. geigt mir über, dass die Universitütsstatistik (S. 340 ff) konfessionell — oder richtiger, wie auch der amtliche Ausdruck lautet: national •- gegliedert ist. Dabei ist interessant, dass in der Abteilung: ״Strefhi" (Fremde) die Juden die erste Spalte cinnehmen, also vor den Deutschen, Franzosen, Griechen, Polen etc. stehen. Das hängt natürlich mit dem grossen Anteil zusammen, den sic an den ״Frcindcn" haben: sie bilden in der juristischen, philosophischen und naturwissen• schoitlichen Fakultät durchschnittlich etwa 76 VI:, in der medizinischen mehr als 81 % aller Fremden! Mit einer Gesamtzahl von 172 betrug der Prozentsatz der jüdischen Studenten etwas über 8 % sämtlicher (2141) Studierender, bleibt mithin sowohl beträchtlich hinter dem allgemeinen Bcvülkcrungssatz für die Städte (20,2) als auch immer noch hinter dem speziellen Satz für Bukarest (14,7) zurück. Es wären also ein paar Worte über die restriktiven Bcstinummgen hinsichtlich des Universitätsbesuches von Juden wohl am Platze gewesen. Audi iiber die Verhältnisse an der anderen Landesuniversität Jassy, hätten sich wahrscheinlich amtliche Zahlen finden lassen. Ich kann auch einige rein formal-statistische Mängel nicht unterdrücken. Ob ein Nichtstatistiker sich unter der (in Rumänien freilich üblichen) Kategoric: ״Extraktivindustrie" etwas anderes vorstellt als den — zahnärztlichen Beruf, bezweifle ich: ist doch der Ausdruck selbst in Fachkreisen Deutschlands recht unbekannt! Soll also die gebotene Statistik brauchbar sein, so hätte das Wort erklärt werden müssen. Vielfach sind auch die Köpfe der Tabellen nicht klar genug, erfüllen also diese erste Bedingung einer korrekten Statistik nicht. Eine scharfe Definition der Begriffe: ״Orthodoxe“ und ״Katholiken", die dem rumänischen Leser der amtlichen Statistik natiirlieh sofort klar sind, wäre gut gewesen. Aber diese Ausstellungen sollen den Wert des Ganzen nicht herabsetzen. Speziell das 4. Kapitel, das die ״Bewegung der Bevölkerung (Geburten, Ehcschlicssungcn und •Scheidungen, Stcrbcfällc, Auswanderung) bc• handelt, ist vorzüglich. — In Aussicht gestellt sind entsprechende׳ Monogra• phien über die Juden in Ungarn, Deutschland und Holland. Wir freuen uns auf sie wie auch auf das im Druck befindliche Heft 7 der Veröffentlichungen des überaus arbeitsfrohen Bureaus, das eine Arbeit über die Münchener Juden aus der Feder des tüchtigen jüdischen Statistikers Dr. Segall enthalten wird. D r. Bruno K i r s c h nje r. Eingegangene Bücher ScndiniKon Rind nur nn dlo Reduktion der ״JlldUchcn Rundtch*u• ChnrlüiicnUurd, Ulrlhtrcusir. 4V, jtu rlcliicn. Kuckicnduiiif kann nicht ilattlindcn. Ula mit ״ ficrclclmeton wirkt sind Bereits zur Besprechung vergeben. Zionistische Palästhiaarhelt. Von A. Böhm. Publikation des Zionistischen Zentralburcaus. Wien 1909. Preis 30!1. * Die Gesellschaft- und Staatslehre der Physlokratcn. Von Benedikt Günzberg. Staats- und völkerrechtliche Abhandlungen. Band 6. Heft 3. Leipzig 1907. Verlag von Dunker öt H umblot. Preis 4 Mark. Jüdische Legenden von Leo Tolstoi. Verlag Kurt Wiegand, Berlin-Leipzig 1909. י Kleines philosophisches Wörterbuch von Dr. Rudolf Odebrecht. Buchverlag der ״Hilfe", Q. m.b.H., ßcrlin-Scbönebcrg. Preis 1 Mark, Die MUchna, Aufbau und Qucllcnschcldung von Rabbiner Dr. Ludwig A. R 0 s c n 111 a I - Herlin. 1, Band: Scralnt, aus der zweiten Hälfte: Masscr selten!. Strassburg 1909. Verlag Karl J. Träfen«ז. Preis 1,20 Mark. Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde. Herausgegeben von Dr. M. 0 r u n w a I d. 10. Jahrg., 2. Heft. Leipzig 1908. M. W. Kauf m a n n. Die Fraitcnfrago bei den Juden. Von Dr. med. H. L. Eisenstädt. Separatabdruck aus ״Sexual- Probleme, Zeitschrift für Scxualwissenschaft und SexuaIpo 1 itik." * Dlbrcl Agada (Hebräisch). Eine Auswahl von Sagen aus dem Talmud und den Midrasc.him. (Für Schüler). Geordnet, erläutert und punktiert von J, Ch. Rownitzky und Ch. N. Bia lik. Band I, erste und zweite Ueferung. Krakau, 5669. Verlag ״M 0 - riah", Odessa. Preis für jede Lieferung: 30 Kopeken. * Sepücr ha-Agada (Hebräisch). Eine Auswahl von Sagen aus dein Talmud und den Midraschim. Systematisch geordnet und erläutert von J. Ch. R o wnitzky und Ch. N. BJaiik. Bd. II, Buch 3-4. Krakau, 5669. Verlag ״Moriah", Odessa. Preis I, 25 Rubel. * Vercholcmto Scho’cn (Verträumte Stunden). Jargonlicdcr von JakobNcstcl. Heraugegeben von Ch. Itzkowitsch. Lemberg, 1909.