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Jüdische Rundschau · 1909-09-15 · Heft 37-38 (15.9.1909) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 37-38 (15.9.1909)
Date
1909-09-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 42S. JUEDISCHE RUNDSCHAU No. 37/3S. Ausdruck der zwingenden Logik des Inhalts geben muss. Ja, für Agitationszwockc, als Rede in einer Volksversammlung, oder wenn cs sich um einen kasuistischen Beitrag handelt, mag diese Ausdrucks• form geeignet sein. Aber das liegt alles hier nicht vor, und so bleibt mein Bedenken der Inkongruenz des Stoffes und der Form und des dadurch ent• stehenden Mangels an Übersichtlichkeit bestehen. — Wie wenn man etwa eine medizinische Abhandlung im ],nebjournai im leichten Pluudcrtou lesen würde. Aber mehr als die Bonn frappierte mich der Inhalt, lfs ist mir nicht möglich, Zeile für Zeile durch/.ugegehen und zu zeigen, mit wievidem ich nicht übereinstimme, liier seien nur einige wichtige Punkte zur Sprache gebracht. Zunächst! Es gellt aus dem ganzen Artikel — vielleicht aus der Überschrift — nicht recht hervor, wen der Verfasser mit ,.Jiingjudcn" meint, die erst kurze Zeit der zionistischen Bewegung angeitören• den Juden, ohne Rücksicht auf das Lebensalter, oder die Zionisten allgemein, oder die jugendlichen Zionisten allgemein, oder die jugendlichen Zionisten, mit Rücksicht auf das Lebensalter. Praktisch trifft das Erste mit dem Letzten oft zusammen (Es wären einmal statistische Angaben über Alter, Beruf etc. der Zionisten, wenigstens Deutschlands, sehr erwünscht.), und ich glaube diese Gruppe meint der Verfasser. Und diese Zionisten — oder gar alle — sollen sich v׳ic die Auguren anlächeln. Edelmut, Stolz, sittliche Heldentat nur als S c h 1 a g w o r t e anscltcn. die ihr die grosse Menge, zu Agitationzwecken, gut genug sind? Und das sind die Leute, die erst die Zukunft lehren wird, ob der Zionismus etwas Grosses, Edles ist? Also das Edle, Gute, Grosse wird nach dem Erfolg beurteilt, nicht nach seinem inneren augenblicklichen Werte? Genug der Worte darüber! Nein, der Idealismus machte uns nicht zu Zionisten, aber er führt uns der zionistischen Bewegung zu und veranlasst uns, in die zionistisclicn Probleme uns zu vertiefen. Geht nur in die Versammlungen und seht, ein wie grosser Teil derselben aus jüdischen jungen Hand• werkern. Kaufleuten, Studenten bestellt, die man sonst überall zu selten gewohnt w׳ar, und zu finden vermuten konnte, nur nicht in Versammlungen, in Vereinen, in Gesellschaften, in welchen über jüdische und speziell jiidisclmationalc Brägen gesprochen wurde! lc)1 selbst, ein Jungjude, war nie ein Mucker und habe mich doch herzlich gefreut über den Idealismus, der nicht nur ans der blossen Anwesenheit dieser jungen Schar in den Versammlungen und aus den Beifallsäusscrungcn, vor allem aus den Reden dieser ״Jung- Juden“ stets zu konstatieren war. Und ich rechne mich auch zu diesen. Der Idealismus existiert und er ist cs, der zum Zionismus führt -־ Ausnahmen bestätigen die Regel — und den wir auch als überzeugte Zionisten noch brauchen. Natürlich, wie schon oben ausgeiiihrt, bedurfte es der intimen Einführung in die Materie; wie schwierig das aber — in Anbetracht der Materie und der gesellschaftlichen Anschauungen darüber — war, bedarf keiner Ausführung. Und das alles ohne Idealismus? Aber, gesetzt, der Verfasser hätte recht, es ist mindestens despektierlich, so Uber die jungen Zionisten zu sprechen, ihnen jeden Idealismus ubziisprcchen, ihn flir quasi ״Mumpitz" zu erklären. — Das nenne ich: A u t i a g i t a 11011 i Und nun zur Einteilung in die drei Arten der Zionisten: 1. Was heisst das: Trotz-Zionisten? 2. Die jüdische Jugend ist, praeter, propter, zu unreif, politische, soziale Probleme zu verstehen? Sic plappert mir nach, was amu ihr vorplappert? Hoffentlich wenden sich noch andere ״Juugjudcn" gegen diese Anschauung des Herrn Verfassers, gegen seinen Trotz-Zionismus und ähnliche schöne Be- Zeichnungen und Ansichten, gegen die statistischen Verstümmelungen, die ihr Anteil an der zionistischen Bewegung erfältrt, und die er daher mit so wenig Worten ubfertigt. Und nun zu den Zionisten aus intellektueller Not- Wendigkeit. Diese sollen also in ihrem geistigen Entwlcklungsgange die Entstellung des Zionismus historisch zeigen. Wenn iclt diese ״Jungiuden" auch als junge Zionisten mischen, so ergibt das einen Widerspruch: Denn sic sind ja nicht die ersten zionistische Generation, die Zionisten abcr'au's ■intellektueller Notwendigkeit sind es doch oder sollten cs sein. Damit wird der Hauptteil der Arbeit des Verfassers ausgcfllllt und dieser verdient natürlich die Hingste Erörterung.*) (Schluss folgt.) Der IX. Kongress Wir ceben In dieser Rubrik Jeder Mtclillclien Aemscrunu l'bcr die trrov,vn piihthcbcii und wiruclialtllclicn Probleme, die den JX. Knmrrcüs Insehlitiieen. Raum ohne um tnii den liier vonre- Voreebraeliiett Meimimsen sm HlenUli*ieren. Red. d. ״J. R." Zur neuesten ״Krisis“ im Zionismus Wer von uns einmal ernstlich den Versuch gemacht hat, möglichst unbefangen und losgelöst von persönlichen Empfindungen den Entwickclungsgung der zionistischen Bewegung zu prüfen, den in Anbetraeht der Grösse der Aufgabe winzigen Zeitraum ihrer bisherigen Geschichte zu überblicken, dem drängt sich unwillkürlich die Anschauung einer spezifisch zionistisclicn Krisemheoric auf. Dem nur sachlich Interessierten kann cs nicht entgehen, wie wir mit übermoderner Geschwindigkeit von einer Krise in die andere geraten. East scheint der kritische *) Wir wollten dieser Entgegnung gerne Raum gewähren, obwohl sic uns den temperamentvollen Ausführungen unseres Freundes JVIatgulics etwas verständnislos gegeniiberzustclien scheint. Wir meinen, dass man auch sehr, sehr ernste Fragen in flüssiger, leicht lesbarer Form, wenn man will, gar feiiilietomstischer Form behandeln kann. Andererseits ist es einleuclUenU, dass die Behandlung eines derart schwierigen Psychologischen Problems stets nur eine recht subjektive sein kann. Wenn wir daher jetzt die Diskussion über dieses bisher so wenig beackerte und doch so überaus fruchtbare Gebiet eröffnen, so wollen wir stillschweigend voruiissutzcn, dass es sich für einen jeden eben nur um die Psychologie seines Jungjudentums handeln kann. Diese Voraussetzung hatten wir allerdings mich bei den Ausführungen des vorigen Artikels gemacht. Nichtsdestoweniger glauben wir doch, dass׳ zahlreiche unserer deutschen Gesinnungsgenossen in dem Artikel ihr Jungiudentum wiedererkaimt haben werden. Zustand die einzig permanente Lebensform unserer Bewegung, ihr Gleichgewicht nur ein labiles zu sein, aus dem sic schon durch leise Erschütterungen gebracht werden kann. Man müsste sich schon zu der Meinung bereit finden, dass in einem kurzen Zeitraum zufällig elementare Ereignisse in wunderbarer Weise sich gehäuft haben, wenn man die Schwäche unserer Position selbst nicht anerkennen will. Jedenfalls scheint es mir die Pflicht eines jeden Zionisten zu sein, sich ernstlich mit diesen Fragen zu beschäftigen, gerade in einem Zeitpunkt, der uns wieder einer neuen Krise zuzuführen scheint. Diesmal will man besonders kritisch zu Werke gehen, das Programm soll geändert und den ״neuen Verhält• nissen״;»!gepasst werden, und es liegt sogar schon ein fertiger Entwurf vor, von dem sein Verfasser ernstlich zu holten scheint, dass er allen bis zum übernächste» Kongress, bis zum Jahre lull cintreten•! den neuen Verhältnissen gewachsen sein wird. i Es ist nicht uninteressant, diese neueste Wund• j, hing im Zionismus in ihren verschiedenen Phasen z1׳ verfolgen, denn wir gewinnen einen tiefen Einblick i in die Psychologie unserer Politiker, in die Art, wie | gegenwärtig ״zionistische Politik" gemacht wird. 1 Ausgelöst wurde die neueste Krise durch die | türkische Revolution, die vor den Augen der erstaunteil Kuliurwelt mit bewundernswerter Energie durchgeführt, dem Lande die Konstitution gebracht hat. Wie freudig man auch den Erfolg des Jungtürken• tums begrüsstc, wie sehr jeder Kulturfrcund mit den modernen Elementen in der Türkei sympathisierte, darüber waren und sind sich alle Kenner und Freunde der Türkei einig und nicht nur diese, sondern alle, die historisch zu denken befähigt sind, dass mit der Konstitution nur der äussere Rahmen gegeben ist, רו dem ein bisher geknechtetes Volk die Möglichkeit hat. sich kulturell fort/iientwickdii. Unsere ׳,P«>!1• tiker" aber fassten die Situation anders auf. Was Jahrzehnte emsigster Arbeit der Türkei hoffentlich einmal an Kulturgütern bringen werden, scheint ihnen bereits gegeben zu sein. Vierzehn Tage nach der Bekanntmachung der Konstitution wurde die Streb chnng des Absatzes lil des Baseler Programms als die Forderung des Tages liingestcllt. Regierungszu• Stimmungen? Brauchen wir nicht, da die Türkei in die Reihe der Grossmüchtc cingctrctcn ist. (Beweis: Siehe Kreta.) Es dauerte nicht lange bis man da« Osimuicntum sans pltrase als das erstrebenswerte Ideal liiustelltc und sich auch in seinem Begeisterungs• taiimel durch sehr bedeutsame Beschlüsse des türkisclicn Parlaments nicht irre machen Hess, weder durch das Verbot von Vereinen auf nationaler oder rassiger Basis noch durch die Festsetzung des Türkischen als der einzig zulässigen Unterrichtsspräche an höheren Lehranstalten, einen durchaus reaktionären, kulturfeindlichen Beschluss. Dann kam die bekannte Rede des Dr. Tefwik Bei, in der er von den Allianccmanagcrn inspirierte, nicht gerade freundliche Worte über den Zionismus ge• sprachen haben soll. Und prompt erfolgt diesmal vom Präsidenten, also von höchst authentischer Seite, die Erklärung, dass die Forderung der öifentlicli-rcclitlicli gesiclieriei, Heimstätte unter dem alten Regime hätte erstrebt werden müssen, dass aber unter dem netten Regime alle Privilegien überflüssig seien. *י1י..JJ-..., ׳1 '■.יי״ויייי.וי■!»■ ■ju-j gern, um jeden zu hören, der ihn um Rat frägt. I'in wohlwollendes Lächeln gleitet über seine Züge und in seinen sanften Augen leuchtet es auf, wenn man die Rede auf Miriams Enkelsohn bringt. ״Gott segne mir das Schimmele, sagt er, der wird noch mal ein grosser Chocham. Aber ein bisschen Makkes tut ihm not, sonst wird er zu übermütig.“ Und der alte Mann sieht fast schalkhaft aus, während er spricht. ״Wenn ganz Israel war’ wie die Miriam, würde Jerusalcm heut’ noch stehn, meinte er, was sie betrifft, könnte der Messias heut schon kommen.“ Wirklich, es muss der Mühe wert sein, Miriam zu besuchen, und um der Wahrheit die Ehre zu geben, nur deshalb kam ich her. Wenn ich wollte, könnte ich ein hübsches Märchen erzählen von Reichtümem, die den RotschUd'schcn gleichen, oder von dem Juden, der bis zum Päpstlichen Stuhle emporstieg, Geschichtchen, wie sic in den romantischen Ghettos Spaniens und Roms spielen, in denen jeder Stein ein Schicksal für sich hat, aber ich gehe lieber nach Maritz und beobachte dort die Juden, wie sic leben und lieben, lachen und weinen, wie sie arbeiten und beten, und wie am Ende auch sic ein Gewaltiges wenn auch uhbesungenes Mar* tyrium durchmachen, weil ich dort überall Mi* riam treffe, die Bäckerin: in der Synagoge, wo sie die Gebete milsumnit, auf dem Markt oder zu Hause, wo sie arbeitet; und auch Schimmele trefi' ich, das Bocherle, ohne den die Judengasse leer und öde wäre, ohne Leben und ohne Licht, ein Ding ohne Salz und Schmalz wie Brot ohne Butter. # MisceaeM 9 Dem Budnpester medizinischen Kongress erstattete Dr. Emamiel Wein Bericht über seine Erfahrungen mit dem Aiititubcrkiilosc-Scrum Marmoreks. Der Vortragende konnte fcststcllcn, dass das AnUtuberkulose-Serum Marmoreks nuf jegliche Tuberkulose einen günstigen Einfluss ausllbt. Nach den Ausführungen des Vortragenden ergibt die Behandlung mit dem Serum Marmoreks auffallend günstige Resultate, wenn die Behandlung, den Erscheinungen entsprechend, sorgfältigst Individualisiert wird. Der Vortragende teilte sodann die Statistik der Resultate mit dem Marmorek-Sensm mit. Die Sennnbchandlung er־ zielte in 49 Prozent der Fälle Heilungen, in 34 Prozent der Fälle eine Besserung des Zustandes. * Während des Monats September Ist in der Galerlo Schulte, Unter den Linden 75, eine Kollektion der wundervollen Schncclandschaftcn des Malers Abraham N c u in n n n aus Zakopane. ausgestellt. Fritz Stahl schreibt im ״Berliner Tageblatt“ 101• gendes; ״Ehrliches und innerliches Erleben der Natur, auch wenn cs mir ein kleines Stück ist, gibt Immer wieder Neues.Abraham Neumann nimmt seine Motive aus dem Winter seiner gallzischcn Heimat. Und trotz dem engen Gebiet wiederholt er siel! nicht. Nicht einmal in der Grund• Stimmung. Sein Hauptstück, ein verschneiter Eichen• wald, in den die Sonne hineinleticlitet, ist voll van dieser sauberen Heiterkeit, die keine andere Jahreszeit hat. Daneben stellt ernst und ruhig der ״Kalte Tag", der mit seinem Grau Haus und Bäume und Boden mit ihren verschiedenen Farben tonig vorbindet. Ein Stück Steppe, braun unter grau und gelbem Abcndliimmcl, spricht eine tiefe Melancholie aus." Der ״neue Kurs“ Schwamm Ueber das Baseler Programm! Wir wollen nur das Türken- Reich stärken. Und immer lauter, immer heftiger Schrein: (Musik: Fest steht und treu die Wacht am Rhein) Nur gute Türken woll’n wir sein! Wir gründen ’nen entsprechenden Zcntralvcrein Und sehn allmählich wie ein Ei dem andern gleich Den' lieben Leuten ״im Deutschen Reich.“ Harry Epstein.

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