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Jüdische Rundschau · 1909-09-03 · Heft 36 (3.9.1909) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 36 (3.9.1909)
Date
1909-09-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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No. 36. Seite 410. er יד הם n -• I i , « ' ד-/ K:'J u Merkspraeti Gewöhne dldi, die klelniten Pflichten ITlit liienßem €1tcr zu ucitlchlen, Dann werden clnlt die Qtossen Idiwcrcn Dir nl« des Qebons Freude Iiörcn. Aus Moses Kindheit Dem Midrasch »achcrzählt von Lina Wagner- Tauber. 1;״st gab Pharao, König von Ägypten ein grosses Feü in seinem Palaste. Alle Weisen und Fürsten a״j dein ganzen Reiche kamen, um diesem Feste be!.׳ :!wohnen, in einem grossen Saaic aus v/clsscm Ai.״ mor stand eine herrlich geschmückte Tafel mit kt*. Hielten Speisen. Quirianden aus duftende Bi::mcn waren an den Wanden befestigt und durch 1ie1׳ ganzen Saal gezogen. Von der Decke herab v,.;ien tausende von Kerzen ihre Strahlen in m..1l1tige, grosse Spiegel, so dass der ganze Saul v.i• in einem Lichtmccrc getaucht war. Oben an der Tafel war der Thron errichtet, zu d ■ >i vier Stufen führten. Auf einem goldenen Stuhle, u. aor, einem Baldachin ans wclssem Sammet, sasa e 1 König. Ein Mantel aus purpurner Soldu fiel von v. iuen Schultern bis stur Erde herab und auf seinem iv.itc trug or eine goldene Krone, die 10 mit Edel* i י׳.nicn besetzt war, dass das Auge geblendet wurdo \.!;t dem Glanze der kostbaren Stoino. Neben Ihm, seiner Rechten, sass die Königin, strahlend in l'iacht und Schönheit. Ticfschwarzc Locken fielen ..ri ihre Schultern herab und um den Hals trug sic .;ne Reihe Perlen, die wie Tautropfen schillerten. Weit schöner aber als die Königin war die junge Königstochter; denn sie war nicht nur schön, sondem auch gut und edel, und Jeder, der sie sah, musste sic Heb gewinnen. Ihr Qcwand war zart und fein wie Spinngewebe und glanzte in den herrlichen iielblaucn Farben des Himmels. Auf dem Kopfe trug sie einen Kranz von roten Rosen. Sie hatte zur Linken des Königs Platz genommen. Neben ihr stand der damals dreijährige Moses, von ׳dem sic sich niemals trennen wollte, seit sic Ilm uus dem Nil gu* rettet hatte, Moses war aber auch ein klustes und liebliches Kind, das man vom Herzen iiobgcwlnncn musste. Auch er war festlich gekleidet. Fr trug ein Kleidchen aus weisser Seide, seine Füsschcn staken in goldenen Sandalen und um seine Hüften hatte er einen goldenen Qtlrtcl geschlungen. Bo* scheiden hörte er dem Ocsprücho der Weisen zu und sah, wie hundorte von Dienern herumliefen, dio Gäste zu bedienen. Auf goldenen Schüsseln brachten sie duftende Speisen und in krystallencn Bechern, die in allen Farben des Rcgenbogcns erglänzten, gossen sie schaumenden Wein. Die Güstc assen und tranken und eine heitere Fröhlichkeit herrschte im Saale, ״Nun lasset die Posaunen und Zimbeln erschallen." befahl der König. ״Zum frohen Feste gebt frohe Musik." Sofort setzte die Musik ein und schmetternde Hvmnett ertönten. Moses, der eine leidenschaftliche Liebe zur Musik hatte, sah dankbar zum Könige auf. Dabei erblickte er dio Krone auf dem Haupto des Königs. Zum ersten Male sah er die Pracht und den Olnnz der kostbaren Steine und freute sich über das Blinken und Flimmern derselben. Ehe man cs verhindern konnte, stlcss er den Arm der Königsmchter, der ihn umschlungen hielt, zurück, sprang auf, nahm mit seinen kleinen Hündchen dio schwere Krone vom Haupte des Königs und setzte sich die* selbe auf seinen Kopf. Der König und alle Güstc ci schraken Uber die Tat des Kindes. Die Musik verstummte plötzlich. Eine unheimliche Stille Herrschte mit einem Male Im Saale. Ailo fürchteten den Zorn des Königs. ״Was sagt Ihr zu der Kühnheit dieses jüdischen Knaben," sprach der König. ״Was soll mit ihm ge* 5-clichcn, welche Strafe verdient dieses Kind?" Unter den Gästen befand sich auch der böse Kuubercr Bileam. Er hasste alle Hebräer und freute sich, dem Moses Böses zufügen zu können. ״Edler König," sprach er, ״nicht in kindlicher Unwissenheit hat Moses gehandelt, sondern mit Verstand und Überlegung. Er ist ein hebräisches Kind und daher erfüllt von Qottesgcist und Weisheit. Die Tat ist hir dich, mein König, von schrecklicher Vorbedcutung. Moses wird einst eine grosse Herrschaft über viele Völker erlangen und dich, mein König, verspotten und vernichten. Darum töte ihn beizeiten." ״Ja, ja," riefen alle Fürsten, ״der Knabe soll ge* tötet werden." JU.HDISCxiE RUNDSCHAU 4 I w ü ר> חי ג׳, r/|) ן* ח׳ T v* W** 11 b kt **ס׳,!־ •ww Von Kurf Abraham ״Sag, was suchst In unoerm Baum?״ Fragl der Bub das Dlrnchcn. ״Ach, ich wollt ja nur ein ganz, Ganz, ganz kleines Blrnchenl“ ״Franzi, ach verrat es ,nicht! Kennst ja unsre Väter l Deiner sagt e3 meinem gleich — Puh! das Donnerweiterl ״Gelt? Du schwelgst? Du mopstest ja Auch bei uns mllunterl Sieh, Ich werf dir auch zum Dank Eine Birne runlerl“ ״Euer Rat, mclno Untertanen, Ist gut," erwiderte der König, ״doch wollen wir zuerst die Richter und Weisen befragen, was sie dazu sagen." Da trat der Weiseste unter ihnen hervor. Es war ein alter Mann, mit langem, woissem Bart und scharf bückenden Augen. ״Mein König," sprach or milde, ״wir wollen doch genau prüfen, ob sich du• Kind mit Absicht und Vorbedacht. der Krone be* mächtigen wollto, oder es nur aus kindlicher Einfalt getan hat. Lasse, 0 König, zwei grosso Schalen hcrbelschaffcn. Dio eino mit kostbaren Edelsteinen gefüllt und in die ander 0 häufe glühende Kohlen. Qrcift das Kind nach den Edelsteinen, dann lasse cs töten, greift cs nach den Kohlen, dann soll es leben bleiben, denn daraus werden wir ersehen, dass das Kind aus Unwissenheit und kindlicher Einfalt gehandelt hat." Dem Könige und allen Gästen gefiel dieser Rat und der König befahl, beides sofort zu bringen. Zwei Diener brachten die Schalen, wie ihnen be* fohlen wurde und stellten sie vor Moses hin. Moses betrachtete eine Weile die Edelsteine und die glühenden Kohlen. ״Nehme, mein Kind, was dir gefüllt," sprach der Zuubcrcr Bileam voller Bosheit. Aber nocli Immer stand Moses unschlüssig, im Anblicke der beiden Schalen verloren, da. Eino atemlose Stille herrschte Im Saale. Jeder glaubte sicher, dass Moses nach den Steinen greifen würde und dann sollte der unglückliche Knabe vor ihren Augen getütet werden. ״Nimm, nimm," sprach Bileam wieder eindringlich. Da, schon wollto Moses scino Hand nach den Edelsteinen ausstrcckcn, als plötzlich leise und unsichtbar ein Engel in den Saal schwebte und Moses Hand In dio glühenden Kohlen stiess. Das Kind schrie laut auf vor Schmerz und führte die Hand zum Munde. Dabei wurde auch seine Zunge derart verletzt, dass er sein ganzes Leben hindurch stammelte. Die Königstochter, glücklich darüber, dass Ihr Liebling am Leben erhalten wurde, umarmte und küsste Moses. Der Weise aber, der den guten Rat erteilt hatte, sprach: ״Gewiss wird Moses einst gross und müchtig werden, ein Vorbild edler Weisheit und Gottesfurcht, aber deshalb, mein König, fürchte ihn nicht, denn er wird Recht und Gerechtigkeit auf der Erde verbreiten." Dann nahm er dio verletzte Hand Moses in dio seine und rief begeistert: ״Heil, Hell dir, dass du ein hobrülachos Kind bistl" ״Hell, Mclll** riefen allo QUsta. Dio Musik stimmto wieder frohe Lieder an, das Fest verlief! weiter in ungeteilter Freude. Auch der König war wieder heiterer Laune. Er neigte sich zu Moses hinunter und sprach freundlich zu ihm: ״Bleib an meinem Hofe. Wie ein wirklicher Königssohn sollst du erzogen worden, in Glanz und Pracht, und tausende von Dienern solien deinen Befehlen gehorchen, denn Ich welss es: Ein Fürst und FUhror wirst du deinem Volko werden l" Von Jaffa nach Jerusalem Von J. H. Kann.•) Die Eisenbahn von Jaffa nach Jcrsuatem ist als Lokalbahn angelegt. Der Zug braucht für eine Entfernung von 87 Kilometern ungefähr 3Vj.\ Stunden. Es gibt jedoch einen kürzeren Weg für Pferde und Fuhrwerke, und in diesem Lande, wo alles noch an frühere Zeiten erinnert, konkurriert der Postwagen noch sehr erfolgreich mit der Eisenbahn. •) Wir entnehmen diese anschauliche Schilderung dem schönen Buche des Verfassers: Eroz Israel (Das jüäischo Land). Köln und Leipzig, Jüdischer Verlag, 1909. VIII und 185 Seiten, 2 Landkarten. Nach der Abreise aus Jaffa führt man längere Zeit an den ziemlich gut gepflegt ausschcndcn Äckern, zwischen ölbaumwüldern und Gemüsegarten, an Lydda und Ramlch vorbei, und gelangt dann in die Nähe des Gebirges, wo der Boden schon weniger kultiviert ist. Der Zug hält an der Station Dcir Abän, in der Nähe des alten Zoreah, dem Schauplatz von Simsons Heldentaten. Unsere Ahnen hatten dort in ihren Kriegen mit den in der Ebene wohnenden Philistern gewiss eine bevorzugte Stellung, denn nachdem sic ihre Feinde im offenen Felde überfallen hatten,, konnten sic sich leicht in ihre Verstecke in den Bergen Judäas zurückziclicn. Die Gegend fängt an wüst zu werden;,man sieht ungeheure Felsen und Höhlen/ von de'rcn Ausdchnung fabelhafte Geschichten erzählt werden. Weiter hinauf fast auf dem ganzen Wege nach Jerusalem sind die Bcrgabhängc terrassenförmig angelegt, was deutlich auf eine frühere Kultur hinweist. ־ Teilweise ist die Erde durch den Regen weggespült, aber cs kann keine erheblichen Schwierigkeiten bicten, hier wieder Reben zu ptlanzcn, wie sic wahrsclicinllch auch in alten Zeiten diese Abhänge bedeckt haben. Jetzt wächst hier fast nichts, aber sobald wir in die Nähe Jerusalems kommen, sehen wir wieder Olbäume und hie und da Gemüsegärten, Jetzt erreichen wir den Bahnhof, aber von der Stadt selbst sehen wir vorläufig nur dio freundlich nuitohondon Häuser der deutschen Kolonie. Der Weg nach dem Joru1alem׳Hotoi liegt ausserhalb der Stadt* mauern• aber ich konnte doch schon dio herrliche Lago Jerusalems, der Stadt auf den Hügeln, bowun• eiern, ein Anblick, der allein schon genügt, das Ent* zücken des Beschauers zu wecken. Es war Freitag Nachmittag und nach Sonnen- Untergang brach der Sabbat an. Ich eilte deshalb nach der Klagemauer, einem Überrest der alten Tcmpelmaucr, wo die Juden Jeden Tag ihre Gebete verrichten• Besonders am Freitag abend versammeln sich dort viele, zu Ehren des Sabbats in Fcstgcwündcr gekleidet. Ein eigentümliches Gefühl bemächtigt sich unserer, wenn wir diese Hunderte von Juden, unter denen auch Frauen und Kinder sind, mit lautem Jammergeschrei und lebhaften Qcbcrdcn beten sehen. Es scheint mir, dass hier nicht von einer Komödie die Rede sein kann, die den Fremden imponieren soll, aber ich kann doch auch nicht glauben, dass diejcnlgcn, die dahin kommen, nur noch Uber den Untergang des Tempels trauern. Eigenes Unglück ist wohl die Hauptquellc des Schmerzes derjenigen, die sich dort versammeln, ln einer seltsamen Umgebung beten sie dort aus tiefster Seele, und sic scheinen auf ein Wunder zu warten, das Jerusalem plötzlich wieder zur alten Herrlichkeit erwecken möchte. Auf dem Rücken eines Esels sitzend, habe ich einen grossen Teil des alten Jerusalems gesehen. Von dem Zionstor aus ritten wi ran den alten Mauern cutlang durch das Hinnom• und das Kidrontal, die in das Tal Josophat münden. Hier ist der Hiobsbrunnen, von welchem man das Wasser in Säcken aus Ziegenliäutcn nach Jerusalem bringt. Weiter sehen wir die Gräber Absaioms und Zacharias und den Garten von Gethsemane. Über uns sehen wir die Mauern des alten Tempcihofcs, wo jetzt die Omar-Mosclice steht, und das goldene Tor, das vielleicht früher teilweise vergoldet gewesen, jetzt aber ganz zugemauert ist. Nach einem alten Volksglauben wird einst dieses Tor sich mit donnerndem Getöse öffnen und der Messias wird durch das goldene Tor in Jerusalem cinzicltcn. Am Damaskustoc nahm Ich Abschied von meinem Begleiter und von meinem schönen, starken Esel, einem würdigen Vertreter der syrischen Esclrassc, der seiner Würde gemäss mit orientalischer Pracht aufgezäumt war. Merlei Kurzweit lieber die Geschwindigkeit der Dinge Gar selten hat der Mensch eine richtige Vor- Stellung darüber, wie schnell ein Gegenstand sich bcwegen kann. Man hat berechnet, dass in einer Sckünde zurücklcgen kann: Der Pussgängcr 1,5 Meter, ein Daucrläufcr bis 5 Meter, der Radfahrer 12 Meter, ein Pferd Im Trab 2 Meter, ein Pferd im Oalopp vier Meter, ein Schnellzug 14 Meter, ein Falke 25 Meter, eine Brieftaube 28 bis 40 Meter, der Schall in der Luft 333 Meter, eine 24pfündigc Kanonenkugel 726 Meter. Der Mond läuft um dio Erde mit grösster Qcschwindigkeit von 1049 Metern in der Sekunde, die Erde aber um die Sonne mit der rasenden Schnelligkeit von 30 700 Metern in gleicher Zeit. Aber diese wird noch weit übertroffen von der Schnelligkeit des Liehtes und der Elektrizität. Erstercs legt zurück in einer Sekunde 300000 Kilometer, die Elektrizität sogar mehr als 450 000 Kilometer Ä

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