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Jüdische Rundschau · 1909-09-03 · Heft 36 (3.9.1909) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 36 (3.9.1909)
Date
1909-09-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seile 420. 11 זP.חISCHE RUNDSCHAU No. 36. Israelitischen Allianz", dum Wienur Filial-Jnstitut der ״Alliance Israelile Universelle" lasen wir kürzlich, die Auswanderung von lüOüOü bis HO000 Juden aus Russland nach den Vereinigten Staaten (dies sind Jahrcsziffcrnf) sei in keiner Weise beim• ruhigend,*) Und dabei geht die Wiener Allianz eigentlich doch die jüdische Auswanderung aus Osteuropa tn ehr an, als den Autor des zitierten Artikels die Griechen. ZIONISTISCH B€We6UM6 Eine Nutzanwendung Recht eindringlich waren die Worte, mit denen Pr. Heyninnn bei der Berliner Herzlfcicr den Arbeits• vifer der Zionisten aufgerütteit hat. Dieses gute Beispiel verdient es, dass wenigstens einer in jeder Stadt, wo die ״Rundschau" gelesen wird, diesem Beispiel folgt. Dies wllrc ein guter Anfang. Dass es Dutzende von Urten gibt, wo auch nicht c i n Zionist im ganzen langen Jahre agitatorisch tütig ist, beweist der letzte Semesterbericht über üio Nationallondssuuunlung, Es gibt reiche Städte, wo im ganzen Jahre 2 und 3 Mark gesammelt worden sind, während doch beispielsweise in diesen Orten zahlreiche Mitglieder des Zentralvcreins sitzen, von denen jeder einzelne einen Mitglicdcrbcitrag von 5 Mark zahlt, ganz zu schweigen von den Logenmitglicdern, die je 60—10(1 Mark jährlich für die laufenden Verwaltungskostcn geben, ״ohne auch nur mit der Wimper zu zucken". — Und bei uns handelt cs sich um den Nationalfonds, um Lundkauf für ewige Zeiten. Indessen es ist nicht das Vorbild allein, das die Schläfrigen aufwecken wird. Wenn man unseren nntätigen Zionisten zeigt, welche Fülle von Arbeit un* mittelbar vor jedem einzelnen liegt, dann belebt ganz instinktiv die Aussicht auf Erfolg ihren Tätigkeits• drang. — Im Handclsteil des ״Berliner Tageblatts" vom 2. August findet sich unter der Überschrift ״Vom transatlantischen Schiffahrtsverkehr" eine Notiz, die tatsächlich geeignet ist auch bei einem Zionisten, der sich jahrelang nicht gerührt hat, das Verantwortlichkeitsgcfühl und den Arbeitseifer zu erhöhen. Es heisst darin*. ״ln Schiffalirtskreisen wird das Nachlassen der Einwanderung nach Amerika auf die rigorose Wirksamkeil des neuen New Yorker Einwanderungs-Kommissars zuriickgcfiihrt, der einer grösseren Anzahl von Zwischendeckpassagieren, die nicht über einen genügenden Geldvorrat verfügten die Landung in New York nicht gestattet. Infolgedessen mussten nicht unerhebliche Mengen von Auswanderern wieder nach Europa zuriiektransportiert werden. Wie wir hören, handelt cs sich dabei weniger um Zwischen• dvckpassagierc auf Bremer, als auf Hamburger Schi!• fen, da die russischen Auswanderer, deren tinanziello Ausrüstung für eine Aufnahme in New York nicht ausreichend war, meist die Überfahrt von Hamburg aus antreten. Die grossen Schiffahrtsgesellschaften treffen natürlich, nachdem sie die Handhabung der Einwandcnmgsbcstimimmgc» durch den neuen New Yorker Kommissär kennen gelernt haben, jetzt auch ihrerseits Massnahmen, die die Notwendigkeit eines Rücktransports zurückgewicsener Auswanderer so gut wie aussehliessen." — — — Das ist mit einer vorbildlich gesehäftsmüssigen Kühle gesagt. Aber diese nüchternen Worte enthalten wieder ein ׳trostloses Stück Judenclcnd, denn sic bcsagen: Die deutschen Schiffahrtsgesellschaften lehnen den Transport tausender armer russischer Juden nach Amerika ab, und da russische Juden in Deutschland nicht bleiben dürfen, und somit nur dann ein Billct von der russischen Grenze bis Hamburg bekommen, wenn sic gleichzeitig in Russland ein Bidet von Hamburg nach Amerika lösen, so heisst das mit dürren Worten: Die armen russischen Juden dürfen nicht mehr aus Russland heraus, weil sic zu arm sind. Es soll-liier nicht untersucht werden, ob durch diese Massnahmen nicht die Pogromgefahr in Russland erhöht wird. Die Auswanderung von Hunderttausenden trug bisher zur Erleichterung der clcktrischcn Spannung in den gefährdeten Bezirken bei. — Das Traurigste dabei ist, dass diese Notiz im Handclsteil steht, und nicht im politischen, dass also die russischen Juden heutzutage ein Handelsartikel und kein politischer Paktor sind. — Ich frage mm: Sind solche Tatsachen, die die Bestätigung unserer — von Nichtzionisten früher stets belachten — Befürchtungen bilden, nicht ein Argument, dass uns auch bei den Kurzsichtigen und Müden Erfolg verheisstV Liegt cs nicht an uns selbst, wenn solche Vorgänge der Mehrzahl der deutschen Juden . f י) Weil die Ziffern der italienischen und der russisch•!!ich tjüdischen Auswanderung noch grösser seien!! •— Dabei sind sie in Wirklichkeit prozentual (und nur das ist ein berechtigter Verglcichs-Massstab) viel viel geringer I — Es wunderten aus: von russischen Christen?1״ %, von Italiener»! 0,0 % und von russischen Juden 2’׳i< %|| 1 verborgen bleiben, und infolgedessen auf sie Keinen Eindruck machen? Jetzt können uns die Nicht- Zionisten — Organisationen und einzelne — nicht mehr antworten: Die russischen Juden wandern nach Amerika aus. Trlctsch hat berechnet, wie viel Ge d fiir Ansicdhingszwcckc Ubrigblcibcn würde, wenn die russischen Juden, statt nach dem fernen Amerika nach dem nahen Palästina auswandern würden. Aber wie viel günstiger würde seine Berechnung lauten, wenn er schon gewusst hätte, dass Tausende, das Geld für die Reise nach Amerika aufwenden, uin wieder zuriiektransportiert zu werden. — Auch auf Nichtjuden machen solche Erwägungen Eindruck. Ich weiss cs. Versuchen wir cs, ob Juden sich dem verschiiessen können. — Und angesichts .dieses Elends vergegenwärtige man sich, wohin die Millionen fliessen, die reiche Juden heutzutage für Wohltätigkeit übrig haben. -> Der junge Baron Rotscliild ist vor wenigen Wochen gestorben. Um sein Andenken zu ehren, hat Baron Rotschild in Wien 220000 Kronen (also ungeführ so viel, wie in der ganzen Welt in einem Jahre für den NationnHonds gesammelt wird) für folgende Zwecke gespendet: 1. 10 000 Kronen für die Stadt• gemeinde Wien: 2. 10 000 Kronen für die jüdische Gemeinde in Wien: 3. 100Oüü Kronen fün eine Sternwarte und 4. 100üüü Kronen für den akadentisehen Freitisch in Wien. — Der akademische Freitisch in Wien besitzt ein grosses Vermögen, das zum grossen Tcü Juden zusammengehracht hüben, und von dessen Zinsen, nach der Absicht der Stifter, Studenten ohne Unterschied der Konfession freies Mittagessen haben sollten. Die antisemitischen Studenten jedoch, die nicht zu vornehm sind, um von jüdischem Oelde sich ernähren zu lassen, hielten sieh für zu vornehm, mit den .luden zusammen zu essen. Sie haben vor etwa zwei Monaten die Juden mit Gewalt aus den gemeinsamen Räumen entfernt. Fünf Wochen dara,11f gab Baron Rotscliild KM) 1100 Kronen filr den akademischen Freitisch, zu derselben Zeit, wo Tausende russischer Juden ״wegen mangelnder finanzieller Ausrüstung," aus Amerika nach Russland zurückgcschickt wurden. So seltsam es klingt, der Baron Rotschild weiss den Wert des Geldes nicht zu schützen, sonst würde er es anders verwenden. — Wenige Tage da rauf konnte man, wenn man wollte -• die meisten tun es bloss nicht — im ״Bei• lincr Tageblatt" lesen, dass die Stadt Berlin allein im Monat Juni dieses Jahres annähernd 100000 Mark aus verschiedenen jüdischen Testamenten erhalten hat. - — Bisher war es eine festgewurzelte Praxis unter uns Zionisten, dass man zwar die Millionenspenden von Nielitzionisten für andere Zwecke im Kreise der Gesinnungsgenossen kritisierte, aber Bekannten gegenüber, die vom Zionismus nichts wissen, verlor man darüber kein Wort. So kann cs aber nie anders werden. Es unterliegt keinem Zweifel: wenn die 6000 Zionisten in Deutschland, deren Zahl sieh seit zwei Jahren nicht vermehrt hat, mit dem gleichen Eifer, mit dem sie von den ersten Gesinnungsgenossen zu Zionisten erzogen worden sind, mmmehr in ihrem Bekam1tenkrei.se für den Zionismus arbeiten und wenn sie dabei solche Kontraste, wie die eben gcschildcrteil, immer mul immer wieder im Gespräch vorbringen, dann muss der Zionismus immer mehr Anhänger gewinnen, bis er auch die Kreise erreicht, die Millionen für wohltätige Zwecke übrig haben. — Nur durch Kleinarbeit — aber durch diese bcstimmt - können wir das grosse Ziel erreichen; die Gewinnung der ״Massen" hängt davon ab, dass jeder bei seinen Bekannten seine Pflicht tut. , Was sind die Massen?" Viele einzelne. Nur darf keiner vergessen, was zionistische Arbeit mit jeder andern Arbeit, die bisher Erfolg hatte, gemein hat: Es gehört zu ihr ein Anfang und Ausdauer. Königshtittc (O.-S,). Lach m a n n, Rech tsanwalt. ■ * Kroatien- Sonntag, den 22. August, fand in Brod a. S. die vom Essegger zionistischen Verein ״Theodor ller/.l" einberufene erste Konferenz sämtlicher Zlo* nisten Kroatiens, Shivonlcns. Dalmatiens, Bosniens, der Herzegowina und Fiumes statt. An den Konferenzberatungen, die im grossen, festlich geschmückten Saale des Kasinos stattfandcp, nahmen hundertvierzehn Delegierte und ein Vertreter der hebräischen und jüdischen zionistischen Presse, Moses Sch achter aus Budapest teil. Die Konfcrcnztoilnclmicr rekrutierten sich folgcndcrmasscn; 72 stellte Kroaticn-Slavonien. 41 Bosnien-Herzegowina und l Dalmatien. Von den 115 Teilnehmern waren l(> Damen. . Beteiligung war also eine über alles Erwarten imposante und die Kouiercnz gestaltete sich zu einer erlichenden Manifestation des jüdischen Einheitsgedankens, welcher im Zionismus verkörpert ist. Obwehl Juden und Jüdinnen aus den verschiedensten Gegenden, fremder Sprache, fühlten sie?ich'eins in dem Bewusstsein, dass das jüdische Volk wieder einmal in seinem ncimatlandc konzentriert werden und sein' eigenes jüdisches Leben leben wird. Und dass auch sic durch die geplante Schaffung einer Org,1״j״lm der Zionisten obengenannter Länder zur Vc>wm iichnng der zionistischen Ideale ihr Schcrflcin tragen״ dieser Oedankc^ verlieh allen Ko״lcrcn71*,f nchmern Würde und Selbstbewusstsein, und £•״.״ zur Folge, dass sich die Beratungen, wenn auch öl stürmisch, stets auf einem Niveau bewegten, wjc i[ selten in den Parlamenten der kultiviertesten ״״a politisch geschultesten Völker zu konstatieren jM, Im nachfolgenden ein kurzer Bericht »her den Verlauf der Beratungen: Namens der Broder jüdischen KuUusgcmeuuie hc grösste Herr Vorsteher Kohn diy zur Konferenz Erschienenen. Hierauf sprach Herr Meiiiüeh sc I! 1 ״. in n n n, Präsident des Broder Vereins ״Jeliuda U,! levy" einige Begrüssungsworte, sodann Hur j. y Schulhof, als Präsident des Esseger zionistischen Verein ״Theodor Herzi", welcher die Konferenz ״t״ WVjc Uhr vormittags als eröffnet erklärte. Dr. Edmund Fischer {Esseg) referierte über den gegenwärtigen Stand der zionistischen Bewegung in Kroatien. Slavonicn und Fiume. D,t$ Referat enthielt interessante Daten, welche emen klaren Uebcrblich über die rasche Verbreitung des zionistischen Gedankens in diesen Ländern ei.m.g. liehen. Heilte existieren z. B, folgende Korporationen, die zionistischen Charakter haben: Der Verein ״Theo, dor Hcrzl" in Essegg. der Verein ״Zion" in Vini.t.vcj, der Verein ״Jehuila Hale.vy“ in Brod, der Bürgers crem ״Achdus" und der akademische Klub ״Judäv* m Agram, der Mädchenverein ״Moriah" in Djukuv,., a:e Jugendorganisation in Vukovar, die literarischen '. er• eine in Viroviticia und Pozetja, sowie der ״Juuisehc Leser verein in Scnilin.“ Ausserdem ist in jedem Ort, wo keine Vereine bestehen, ein zionistischer Vertraucnsmann. Herr Ala'dar Merklcr (Sarajevo) gab emu. ge• schichtliclicn Uebcrblick über die Entwicklung des Zionismus in Bosnien, der Herzegowina und Dalmatien. Seinen Ausführungen ist zu cm. nehmen, dass die bosniscli-herzcgowinischen luden• .schalt in ihrem überwiegenden Teile zionistisch iuhlc «nd stets zu grossen Opfern fiir das Judentum bereu sei. Soweit der' Verlaui der Vormitiagssitzmig. Die Nachmittagssitzung wurde mit der Ijcrutung der Landesorganisationsstatuten eröffnet. Als Referent fungierte Herr Lav. Stern <&jram). Hierbei kam cs zu stürmischen Debatten, sclmn bei § 1, weil sich die bosnischen Zionisten zu einer bm• ileiidcn Zusage bezüglich der Hohe des l.andesiurtei• beitragos nicht cntschlicssen konnten. Nach zuei• ständiger, äusserst lebhafter Debatte, wurde ein Mo• das gefunden, welcher alle Konferenzteilnehmer zu• fricdcnstclltc. Es wurden .sodann alle weiteren P.ir.e graphen durchgcnommen und mit kleineren Almudenmgen auch angenommen. Hierauf wurden die Waiden des L an de s k out i tc c s. dessen Sn/, für das kommende Jahr Essegg sein wird, vorgenommen. Nachdem noch einige Konferenzteilnehmer das Wort zu Eventualia ergriffen, schloss der Vorsitzende die Konferenz. Nach Schluss der so ergebnisreichen Konferenz• beratungen fand ein Pestgottesdienst 1׳n Tempel statt, welchem die Mehrheit der Konferenz• tcilnelniier beiwohnte. Der Gottesdienst endete mit Absingen der zionistischen Hymne seitens des Churs. Abends fand ein Kommers statt, der einen sehr animierten Verlauf nahm. Längere Reden hielten 11. a. Dr. A. Coralnik und Rabbiner Dr. H. E. Kaufmann. Das Gios der Konferenzteilnehmer verlass, noch in derselben Nacht die Stadt. Zu erwähnen ist noch, (lass die gegenwärtig in Essegg erscheinende, vorzüglich redigierte Halbmonatsschrift ״Zidovska smotra“ zum offiziellen Grgalt der zionistischen Vereinigung für die siuisi.tvisehen Länder der österreichisch-ungarisch. Monarchie erklärt wurde. Persönliches Am 31. August feierte unser Gesinnungsgenosse Julius Holländer, Altona, seine Vermal!.:me mit Frl. Paula Qutmann, Stuttgart. — Die Redaktion und der Verlag der ״J. R." sehliesscn v;!1 den Gratulanten aufs herzlichste an. PALÄ€5TINA:RUN DSC HAU VI. Generalversammlung des Lehrerverbandes In Palästina Vom 1. bis 3. Elul tagte in der Kolonie ״Siciu ■n Jakob" die VI. Generalversammlung des Lehrerve!־׳ Landes in Palästina. Das Programm umfasste feigemle Punkte: I. Berichte des Zentralkomitees 11!׳d der Zweigabteilungen. 2. Revision der Prinzipien des Verbandes — von Lehrer Wilkowitz. 3• Der Eidai beitsuutcrricht in den städtischen und Dorfschulen — von J. Wilkansky. 4. Die Pflege des ästhetischen Empfindens bei den Kindern, in Kindergärten und in Schulen — von Prof. B. Schabz. Die Verhandlungen boten manche wichtigen und lehrreichen Anregungen für eine crfolgverhcissendc Ausgestaltung des nationaljüdischen Erziehungswesens in Palästina. Nach der Versammlung wurden Probelektionen in der Schule von ״Sichron Jakob" erteilt.

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