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Jüdische Rundschau · 1909-09-03 · Heft 36 (3.9.1909) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 36 (3.9.1909)
Date
1909-09-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 36. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 417. * man aber alle Winke und Anzeichen, Neigungen und Kraltc aufmerksam absehätzt, wird es doch vielleicht nicht allzu falsch sein, wenn man dem Sprachen- Problem der ottomanischcn Bürger das Prognostiken folgeiidermnssen .stellt: Das Spaniolischc werden sic nach und nach ver- Heren, das Französische als Luxus- und Vcrmittlungsspräche behalten. Das Türkische wird Immer mehr /1,1״ UllwrheMt/. und prukliselien Lclicu.slitHlrmiivni '»erden (In nnibl.sclien (legenden vorwiegend das Arabische), und das Hebräische wird sich zu ihrer KiiUiirspraelic, zum elulgemlcn Bund für alle In der l'iMiu-l li'lu’iKk'ii .lmk'11, v״n t’nliiMliiii ,migeluiitl in 1'Miiu'i wmimi ii K11׳d*111׳ als Heliul. mul PivMis-ldlmu, Mial vielleicht auch — insehallalil — /,uni lebendigen Organ des Familienlebens entwickeln. Bis dahin wird es aber noch viel Verwirrung, Kampf und Arbeit geben. Also sprach Maximilian ... Herr Harden orakelt in seiner ,,Zukunft"•. ״Scm's in der Presse bedienstete Söhne sollten «loch in ihrem nüchternen Rechnersinn bedenken, dass im Glaubonsbezirk des Koran der Israelit ein Knecht geblichen ist und wie ein Hund wedelnd dem Muselmanen anfwarten muss." Das Bild ist herrlich. Womit wedelt so’n Hund? Herr Harden (weiland Wltkowski — noch weitander — leider ein Sohn Scm's) ״wedelte" um christlichen Oermanen aufzuwarten, mit Uebcrlauf ins profitablere Christentum und nachherzigem — obligatem — Antisemitismus. Seine Jüdischen Vorfahren, die in der Türkei lebten, hatten das nicht nötig. Probleme der jüdischen Emigration und Kolonisation Von DavisT 1־ietsch (Berlin). (Fortsetzung.) Der Erfolg der landwirtschaftliehen Kolonisation in Palästina. - Die Kostenfrage. — Industrieile Kolonisation. Man hat ja ganz unleugbar viel gelernt in diesen dreissig Jahren. Vieles, was früher falsch gemacht wurde, versteht man heute besser, und wenn es hoch vor ganz wenigen Jahren sehr zweifelhaft schien, ob die landwirtschaftliehe Kolonisation in Palästina schliesslich ein in Palästina ocJcr irgend wo anders: ״Was kostet cs, eine Familie ansässig zu machen?“, . so wird man Ihnen, wenn man gut informiert ist, antworten, das die Kolonisation einer Fa• milc in Palästina zwischen 12* und 20000 Francs kostet ־— natürlich kann es auch mehr sein, und in vielen Fällen besonderer T ti c!11 i g k e 11 kann es auch mit weniger /;eilen. Das Ist die Kolonisation s e 1 b s t ä n 11 i g e r Kolonisten. Handelt es sich aber da• rum, T n g 101111 e r n , die selioit 111 Kolonien ar• iu’lhit, auf dm W1״; dm1).'; ־Ile,Hbnll,׳;Iselt zu liellm (mit einem kleinen 1 länselien, mit einem Stückchen Garten, mit einem Stückchen Feld, damit• er durch Arbeit auf seinem eigenen Grund und Boden vorwärts komme, und mit der Zeit ein kleiner Kolonist wer.de), so ist erwiesen, dass ein solches System der Ansiedlung von Taglöhiiern bisher ein Minimum von 5000 Francs gekostet hat. —• Nun stellen Sie sich vor, was das heisst, wenn wir daran denken, im Laufe der Zeit grosse Massen in Palästina anzusiedein und wenn die kleinste Ansiedlung in Palästina (die bereits andere Arbeitsgelegen h eiten voraussetzt), 5000 Francs kostet. Sehen Sie sich dagegen die Kosten der i n - dustrieUen Kolonisation ,an. Für diese eine bestimmte Norm zu finden, ist freilich sehr schwer. Es gibt Industrien, in denen ein grosser Aufwand von Maschinen, Gebäuden und sonstigen Einrichtungen notwendig ist, ur/. einen einzigen Menschen zu beschäftigen. Es gibt andererseits Industrien, in denen die A n ־ läge fast garnichts kostet und der Arb e i t s 1 o h n die Hauptrolle spielt. Die erste Kategorie von Industrien ist die G r 0 s s i n - d u s t r i e, in diese Grossindustrie ist in Palästina und im Orient heute noch nicht da und hat auch in der Hauptsache noch keinen Platz dort. Denn die Grossindustrie kann sich erst gesund entwickeln auf Grundlage eines breiten Handwerkerstandes, auf Grundlage einer grossen und weitfassenden Klein- und Mittelindustric. Vorerst aber haben wir in der Türkei fast keine Industrie, die diesen Namen verdient. Die Türkei ist ein kolossales Land, dessen Ressourcen ausschliesslich auf landwirtschaftlicher Basis ruhen. Erfolg oder ein Misserfolg sein wird, so kann man heute mit Sicherheit sagen, die landwirtschaftliche Kolonisation ist ein Erfolg, es ist sogar geschäftsmässig ein Erfolg. Ich meine das in dem Sinne, dass, wem! heute icmand kommen und bei guter Kenntnis der Landwirtschaft den Wert der Kolonien abschätzen wollte, den sie heute repräsentieren, und die Summe vergliche mit den Geldern, die hineingcsteckt wurden, so würde das Resultat sein: Heute decken die Kolonien im Grossen und Ganzen bereits alle Summen, die sie beansprucht haben, und die waren bekanntlich gross. Wir können also sagen: die landwirtschaftliche Kolonisation ist aus der Zeit der Krisen bereits heraus. Es kann und wird vielleicht noch kommen, dass die eine oder die andere der Kolonien einen Rückschlag erlebt, aber im Grossen und Ganzen genommen ist der Erfolg entschieden. Wir haben sozusagen den Sieg erfochten auf dem schwersten Gebiete, das wir versuchen konnten, auf dem Gebiete der landwirtschaftliehen Kolonisation, die den Juden so a u sserordentlich fremd war. Ich spreche nach alledem sicherlich nicht als Gegner der landwirtschaftlichen Kolonisation, wenn ich im weiteren Verlauf die ind u s t r i e 11 e Seite der jüdischen Einwnndc* rung, ihre industriellen Möglichkeiten, mit besoliderer Liebe darlegen werde. Ich bin nicht itir landwirtschaftliche oder für industrielle Ko* Ionisation, sondern ich bin für Kolonisation. Ich suche die praktischste Art jüdischer Ansiedlung zu finden, den schnellstcn Weg eine jüdische Majorität in einem möglichst grossen Teile Palästinas und seiner Nachbargebiete herbeizuführen. Wenn wir dieses Problem nun rein sachlich betrachten, — ohne Vorliebe für das eine oder andere, — so fallen uns zunächst folgende Tatsachen auf: Fragen Sie irgendeinen Freund der landwirtschaftlichen Kolonisation Nun denken wir daran, diesem Lande eine Einwanderung zuzuführen, und wenn wir die Frage in einer anderen Form betrachten, nämlieh nicht von uns aus, sondern von dem Lande aus, dem wir dienen wollen, so stellt sie sich uns dar wie folgt: Die Türkei ist ein landwirtschaftliches Produktionsgebiet. Sie exportiert landwirtschaftliche und i m - portiert Industrieproduktc.. Bei solchen' Verhältnissen kann es nicht die natürliche Aufgabe einer Einwanderung sein, die landwirtscliaftlichc Produktion z.u vermehren, sondern das selbstverständlichste Gebot wäre, dass die Einwanderer den Stamm von Industriearbeitern bilden, den das Land braucht, aber noch nicht aufzuweisen hat, — dass die Einwanderer durch ihren Vvrbrauch den landwirtschaftlichen Export in das Inland selbst verlegen. Wenn wir also von der jüdischen Ein- Wanderung oder Auswanderung und den jüdischen Notwendigkeiten a b s e 11 c n und uns rein auf den Standpunst stellen, was die Türkei resp. Palästina von irgend einem F.inwanderungselemcnt verlangt, so ist die Autwort: ״in erster Linie und als Wichtigstes industrielle Betätigung!“ Nun handelt es sich aber bei uns nicht um irgend wen, sondern es handelt sich um Juden. Und wir wollen untersuchen, wie ist diese Antwort auf u n s anzuwenden. Und da muss ich sagen :fast wundervoll gut! Die Juden sind ein industrielles Element. Die Juden Osteuropas sind im Kleinhandel und in der Industrie beschäftigt. Der Kleinhandel ist im Niedergange, die Industrie im Auf• schwunge. Die Judenauswanderung, die nach England und Amerika gegangen ist, ging nicht dorthin auf Basis von Ackerbau. Die grosse Masse von Auswanderern die dort zur Selbständigkcitgelangt sind, sind industriell tätig und haben gezeigt, das die industrielle Befähigung so• ausserordentlich gross ist, dass selbst <licse längst hoclunt* wickelten Industrie-Länder durch unsere Ein- Wanderung einen neuen industriellen Aufscliwung nehmen konnten. Grosse, riesige Branchen sind in England und Amerika erst eingeführt worden von osteuropäischen Juden und sind heute fast ausschliesslich in jüdischen I lündcn, —• Industrien, in denen Eng* land und Amerika bis dahin auf den Import aus Deutschland etc. angewiesen waren. Die Juden 9111(1 also befähigt /111)111 ׳ווו r» I 11 e 11 «11 ׳ Ar he 11. Und wm hat das in Amerika gekostet, wo wir ln den letzten 20 Jahren eine Einwanderung von über einer Million gesehen haben? -־ Das hat — verglichen mit den Kosten landwirtschaftlicher Ansiedlung — fast gar nichts gekostet. Die Kosten entstanden dadurch, dass man Einwanderern etwa 2—3 Wochen lang an die Hand ging. Man hat sic in Berufe gesteckt, die sie vorher nicht gekannt hatten. Und nach etwa 3 Wochen Lehrzeit haben die Leute meist schon verdienen können, was sie zu ihrem Unterhalte brauchten. Damit hatten sie bereits ein erstes Stadium von Selbständigkeit er* reicht und konnten nun weiter vorwärts kommen! Was dazu nötig war, ist eine Ziffer, die mit wenigen Zwanzig-Kronenstücken ausgedrückt ist, und die nicht zu vergleichen ist mit der Summe von 5000 Fr., die die landwirtschaftliche Basis schon für einen unselbständigen Tagelöh• ner erfordert. Wie stehen nun die Chancen der Industrie in Palästina? Wir müssen!ryr vor allem trachten, diej e n i g e n Industrien ausfindig zu machen, die möglichst wenig Geld erfordern; solche entsprechen am besten der jüdischen Lage. Wir haben mit einer ganz ausserordentlich grossen Zahl von Auswanderern zu rechnen. Es wäre sogar falsch, auf die Dauer nur nach Hunderttausenden zu rechnen, der bisherigen jährlichen Maximalzahl der verschiedenen Auswanderungen. Denn die Himderttauscnde, die bisher ausgewandert sind, waren ja nicht dieselben, die auswandern mussten, sondern es waren die, die auswandern konnte n. Ausser denen, die die Mittel erschwingen konnten und sonst die Möglichkeit fanden, die Auswanderung durchzuluhren, war eine vielfach ■grössere Zah 1, für die die Auswanderung die einz i g e Rettung gewesen wären, sie waren aber nicht imstande, diesen Rctt u n g s w c g zu besc 11 reiten, weil es ihnen an Mitteln gefehlt hat. Ich habe Ihnen aber bereits gezeigt, dass der Orient durch seine grosse Nähe als Ein wänderuugsgebict für eine Schicht von Juden geeignet wäre, die wesentlich weniger besitzen, als eine Auswanderung nach den Ländern des Westens erfordert hat.. . Und so kommt für den Orient die kolossale Zahl derer in Betracht, die eigentlich aus wandern müssten! (Fortsetzung folgt.) ״ AUS ALLER WELT ־־: Deutschland Ein unverdient bitteres Schicksal erleidet der Jüngst verstorbene Dr. Gustav Kameles noch nach seinem Tode. Der Verlag Rudolf Messe teilte nämlich am Mittwoch Abend im ״Berliner Tageblatt" mit, dass die Hauptleitung der ״Allgemeinen Zeitung .des Judentums", die Karpelcs bekanntiieh 30 Jahre inne hatte, Prof. Ludwig G c i g c r übertragen worden sei. Da man uns Konkurrenzneid in diesen!!falle nicht gut vorwerfen kann, wollen wir cs ruhig aussprechen, dass dieser Mann unseres Erachtens zur Leitung einer Jüdischen Zeitung der Allcrunbcrufcnste ist. Wir sind gespannt, wie die ״A.Z. d. J." unter der Leitung Ludwig Geigers fertig bringen wird, )für die Gleichbcrcchtigung der deutschen Juden zu kämpfen, wo doch der neue Herr selber vor einigen Jahren dafür plädierte, einem Teil der deutschen Juden — den deutschen Zionisten — das Bürgerrecht zu entziehen. Wer solche Ansichten vertritt, sollte zum mindesten selber von der Leitung einer allgcmeinen Zeitung des Judentums ausgeschlossen sein. Wir wollen nun abwarten, welche Entwicklung das Herrn Professor Geiger überantwortete Blatt

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