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Jüdische Rundschau · 1909-09-03 · Heft 36 (3.9.1909) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 36 (3.9.1909)
Date
1909-09-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 416. Hingabe an die Stuutsinteresscn und zur Erlernung des Türkischen malmten, das ein nützliches Werkzeug zur Vertretung der eignen, insbesondere der palästinensisch-jüdischen Angelegenheiten vor der Zemralregicrinig werden konnte, das aus einer grösseren Anzahl von Juden kleinere Beamte von lokaler Bedeutung machen, und so, da, wo cs nötig war, den jüdischen Einfluss erhöhen und befestigen konnte. Biese Ratschläge hauen jedoch keine initiatorische Kraft, da sie lediglich an die palästinischen, zionistisch denkenden Juden gerichtet waren; sic tra* fett auf Asciikcuaslin und fremde Untertanen und zudem ein Milieu, das arabisch und nicht türkisch war. Bern Hili'svcrein der deutschen Juden erst gebührt das Verdienst, als erste Instanz nicht nur das Prinzip der Notwendigkeit der Erlernung der Landessprache für 1 die türkischen Jaden aufgcstellt, sondern auch die ersten wirksamen Schritte zur praktischen Durchfülming dieses Prinzips getan zu haben. In einem Moment, wo von ״anderer" Seite Jer Hilfsvereiu dafür verketzert wird, dass er die ottoinauisclicn Juden mir hcbraisicrc, darf wollt daran erinnert werden, dass die Schulen des Hilfsvereins in Konstaiitinopcl noch unter dem allen Regime die einzigen v.aren, die das Türkische als Maiiptgegcnstaml unterrichteten. Die Alliance, der von ihren Anhängern das Prinzip zugcselirichcn wird, die ihr anvertrauien Kinder an ihre Umgebung zu assimilieren und zu guten Vollbürgcrii zu machen, hat, unentwegt ihr Ziel der Pranzosieriiiig verfolgend, erst in letzter Stunde von der konstiiiilionellen Strömung und dem Beispiele des Jlili'svcrcins gezwungen, sieh dazu verstanden dem Türkischen ein etwas weniger bescheidenes Plätzchen im Lehrplan anzuweisen. Sofort nach Einführung der Konstitution gab es denn auch unter den türkischen Juden ein allgc• meines Bedauern. Hs erwies sich nun, dass jetzt, wo die Oheul der iiiclitmohamincdiinisclien Nationen sielt öffneten, den Juden durchaus die Kräfte fehlten, um in die Staatsmasciiinc, die unzählige Hände brauchen j konnte, wirksam emzugreifen. Hs fehlte ihnen das elementarste Werkzeug, das Türkische. Hs gab sogar J (legenden, wo die Aufstellung jüdischer Parlaments- J kandidatmen nui aus diesem einen UrunJe grossen | Schwierigkeiten begegnete. Die Offiziers- und Oendarmerieschulcn werden heute allen liiirgern des Reiches eröffnet: für die Juden bleibt einstweilen dieser Voticil aus dem gleichen Qrnnde mehr oder weniger illusoriscn. Wir setzen uns nicht in Widerspruch mit uns selbst, wenn wir auf einer Seite gegen Assimilation und auf der andern ft.r ausreichenden Besitz der türkischen Sprache bei den mumtaniseiien Juden plä-! dieren. Man kann alle Vorteile aus diesem Sprachbesitz zielten, der zugleich die Erfüllung einer Bürgerpilicltt bedeutet, ohne darum ein Turkomane werden zu müssen »nd die nationalen Ehrenpflichten und Interessen zu verleugnen. Hs muss leider konstatiert werden, dass der alte Hehler unseres Stammes, nur die Extreme zu suchen und zu realisieren, auch hier wieder im Begriff ist, Bestall anztmehmen. Unter denselben Juden, die bis dahin fast nicht mehr vom Türkischen wussten, als was nötig ist, um mit dem Bootsmann, dem Haus- Wächter und dem Milch- oder Obstverkäufer um einige Paras zu markten, fehlen schon heute die Stimmen nicht, die einen Hrsatz. aller eignen bisher kultivierten Sprachen (das heilige Hranzüsiseh aus- Brust; Wenn ich dein verfasse, o Jerusalem, so dorre meine Hechle. — Nordwärts rollte das Dampfross, und die Magnetnadel des Herzens zeigte unverrückt noch Osten.- Ich bin zurückgekehrt mit einem Gefühle halb wehmütiger, halb freudiger Art. Der Ruf der Wehmut lautet: Ach, es beginnt der Druck der Arbeit. Die Freude aber jubelt: Gottlob, die Arbeit beginnt \ — Gottlob, Ihr Brüder, dass aufs neue die Arbeit beginnt für un.ser Volk und unser Land, dass hure Kräfte erfrischt sich regen, die Nerven sich sehnen, ihre Spannungen zu entladen, das Herz entbrannt ist, int Getümmel sich hinzu• werfen. Hört Ihr den seltsamen Klang des Schofar? Die Schlaehttrompete ruft Euch zu Sieg und Wunden! Wo ist der Mann, d:m stumpf bleibt das Ohr, der schwachen und feigen Herzens ist? Pfui über die Buben hinter dem Ofen! — 0, möchte doch das ganze Volk Gottes aus Kämpfern bestehen — ich hebe die Arme zum heiligen Schwure: Um Zions Willen ruhe ich nicht und um Jerusalems Willen raste ich nicht, bis wie Lichtglanz hervorgeht sein Heil und seine Hülfe wie eine brennende Fackel.— JUED ISCHE RUNDSCHAU genommen) durch das Türkische verlangen möchten. Das hört man vor allem dem Hebräischen gegen- Ober, unserer nationalen Sprache par cxccllcncc, von der wir gleich noch ausführlicher sprechen werden. Hs ist dieselbe Seite, die nationalpolitiscl! die Juden am liebste!) vollkommen verschwinden sehen möchten und mit Emphase, womöglich unter Dcmmzicrung der NaUonnlgesimiten, Ihren monotürkischen Patriotismus in alle vier Winde schreit. So hat die Assimilation überall in der Welt begonnen. Und doch ist, so hoffen wir. die Türkei für sie kein Held. Nicht mir kategorische Imperative, sondern auch kategorische Tatsachen nationaler Natur stehen ihr entgegen. Erstens die exklusive Natur des N'ationaltürUen, die aus dem Molumnncdanismus ihre Wurzel zieht mul ans ihm mehr ein religiös, als national gestempeltes Rasseindividuum macht. Zweitens aber das religiöse Gesetz des Türken, das Selteriut. das die Mischehe ohne den Uebertriti zun» Islam verbietet. Brittens die alte jüdische Rassen* festigkeil,׳.die es zuwege brachte, dass seit Jahr- hunderten zum Islam übergetretene Juden docli keine; Türken wurden, iuiulcrn Boimids, Halüfuden, blieben l und sind. Viertens die Existenz einer Reihe anderer, ן nicht assimilationslähiger Nationalitäten im Reiche, deren Beispiel «egeugewichtig w’irksam bleibt. Etinftens die altcrcrbteu jüdischen, vom Staat ancrkannten nationalen Orgauisationsformen und Prtvilegien. Sechstens die Hranzösiernttg durch die׳ Alliance. Siebentens die Existenz Palästinas innerhalb des ottonianiselieii Reiches. Achtens die hebrä* i s e 11 c S p r a e h e. Wir rechnen auf sic nicht zu allerwenigst. Sie lut ihre Wurzeln in der ottomanischen Judenheit bis zum heutigen Tage nicht ganz verloren. Man fühlt allenthalben noch das Hohe, Geheiligte, Unauslöschliehe an ihr. man hängt noch au ihr, wie man noch als Ideal an Palästina hängt. Die einfache, von der Alliance noch nicht unnatürlich veränderte jüdische Bevölkerung ist glücklich, wenn sic diese reJen hört und ihren Kindern als lebendige Sprache vermittelt sieht. Und gerade die sträfliche Vernachlässigung dieses nationalen (lutes ist cs, die einen Teil dieser Bevölkerung, vielleicht den wichtigsten, den von Salouik, der sonst als Vorsehung betrachteten Alliance entfremdet hat. WahrschcinliYi wird diese Tendenz noch wachsen. Demi, wenn cs eine Zcitlang schien, als hätte man sieh in Paris und Berlin eines Bessern besonnen und darum die Inspcktionskominissioii in den Orient gesandt, so musste das famose Ergebnis dieser Blit/.zugs-Inspcktioiis-Koiumission bald wieder jede Hoffnung täuschen. Erst kürzlich hat ja Rabbiner Israel Ldvy ans jkiris, einer der drei Koumiissurc, in einem sehr deutlichen Artil.d. den man, wie alel ähnlichen anationalcn Verlaut• baiuugcn, möglichst schnell und möglichst weitum in der'fürkci reproduzieren lässt, festgcstellt, dass die Vorgefundenen Resultate im Hebräischen durchaus genügten, und dass nach wie vor die ausschliessliche Bevorzugung des Er.iiizösisolicu sich als das Zweck• entsprechendste erwiesen habe. Um diese Best• Stellung -.11 illustrieren, sei angeführt, dass der hebräische Unterricht. der einige Wochen oder Monate vor Ankunft der Kommission an den hiesigen Mädchenschulen der Alliance eingeführt worden war und in einem Einpaukcit französisch transskribierter hebräischer Gebete und der Erlernung des Lesens 11cstand, bald nach dem Verschwinden der gefürchteten :: MisceuLers :: Eine tausendjährige jüdische Gemeinde Die jüdische Gemeinde von T h c 0 d o s f a hat jüngst das Jubiläum ihres tausendjährigen Be- Stehens gefeiert. Man hat ziemlich sicheren Anhalt dafür, dass die dortige Synagoge bereits auf eine tausendjährige Vergangenheit zurückblicken kann. Sic ist auf einem Berge gelegen und war lange Zeit unbeachtet und unbenutzt geblieben. Zeitweise war sie durch einen Erdrutsch zu einem unterirdischen Dasein verdammt. ..Erst" vor wenigen Jaltrhundcrteil haben pietätvoll Hände das ehrwürdige Bauwerk ausgegraben und seiner früheren Bestimmung Ubergeben, der es seither ohne Unterbrechung gedient hat. ] Wo Juden erwünscht sind j Aus Ode s s a wird uns geschrieben: Wenn man i annimmt, dass den russischen Behörden die Juden : nirgends genehm seien, so tut man damit der! menschenficimdlicheii Gesinnung der hiesigen Macht- ‘ haher offenbares Unrecht• Selbst der vielgcschinähtc j Selbstherrscher von Odessa, der Stadthauptmann 1 I oinmtschew, wünscht Juden in einem hohen offiziellen Institut ausdrücklich herbei ״ nämlich: Juden als « Leichen im anatomischen Saal. Dean das um die 1 Wissenschaft so besorgte Stadthatipt ist der Meinung, dass zu wenig jüdische. Leichname In diesem Saal; Verwendung finden, — und hat deshalb ungeordnet, dass?.ur Abholung von jüdischen Toten aus Kranken- | häusern nur deren Verwandte, die sich als solche 1 legitimieren können, berechtig: sind. Die nicht abi geholten jüdischen Leichname sollen dann zu Sezierzwecken verwendet werden. No. 36. Kommission vom Lehrplan wieder spurlos verschwu nden ist. Dass auch liier der Hiifsvcrcin der deutschen Juden ganz andere Wege wandelt, mag ihm die Alliance ruhig weiter zum Vorwurf machen. |j,e hiesige jüdisch fühlende Bevölkerung weiss ihm Uuiur unendlich Dank und beklagt nur, dass die Anzahl seiner Institute zu der Nachfrage noch in keinem Verhältnis steht. Bass die hiesigen Juden den ausgiebigen Unterricht des Hebräischen als lebender Sprache wünscht und verlangt, hat mir noch während seiner Kaimakaniperiode der jetzige Qrossrabbincr II.!״,! Nalium ausdrücklich versichert und darauf seine Absieht basiert, sämtliche Talmud Toras der liaupisi.t-u zu hebräisch-türkischen Volksschulen umzugcstalteu. Von dieser Absicht hat sich freilich bis jetzt leider nichts realisiert, aus Mangel an Mitteln oder .,us sonstigen Gründen. Dagegen verlautet mm. dass die Alliance sich die Reformierung der Talmud Toras .1״. gelegen sein lassen werde. Wenn der Grossrabhuter da nicht mit besonderer Energie zugunsten des \on ilun proklamierten Hebräisch intervenieren wnd. wird wenig national Erfreuliches zutage kommen. Was in Konstantmopei versäumt wird, hat 0; Sulonik alle Aussicht zum Leben. Die national ge* siiiutc Jugend, der Eifer des dortigen Grossrublmsa . für die Sache, und die Stimmung gegen die Alliance werden das begonnene Werk der Modernisierung I feinaisieruiig der Talmud Toras hoffentlich zur!׳:! fiillung bringen. Es bestellt für mich auch kein Zweifel, dass »Ik• Entwicklung Palästinas zu einem hebräischen Zc trum mit der Zeit von bedeutender Einwirkung auf ü..- allUirkixche Judenheit sein wird. Schon jetzt wenn• die dortigen hebräische׳« Schulen, Lehrmethoden. Bücher und Lehrer für das Reich auf dem Gebiete des Hebräischen zum Muster. Und das wird m׳c um vieles wirksamer werden, wenn die grossarti.u•;!!!jüdische Schöpfung des jüdischer. Toeiinikums *•> י Leben getreten sein wird. Schon jetzt finden hebräischen Blätter des Heiligen (.;indes einigen Ab- J sau unter den türkischen Spaniolen, und Stimmen j nach einem eigenen hebräisetten Organ o.k.׳ wenigstens einer Beilage zu einer der sp.miohs-.it ן erscheinenden Zeitschriften werden verachmb.1t. j Dass die fortschreitende Nationalisierung der Volksgesinming, die die türkischen Zionisten nicht verahsäumen werden, hier ein Weiteres für unsere Spruch•: tun wird, ist als gewiss zu betrachten. Wenn durch Vorträge. Schule und Presse die scphardisclie Judenheit mit den Schöpfungen der modernen hebräischen Literatur bekannt und vertrau; gemacht sein wird, wird ihr die grosse Bedeutung ihrer nationalen Sprache als kulturfärdcrmkn l’.lvmeiits mehr und mehr aufgehen. Sic werden he• greifen, dass es um eine grosse Stufe hinabstcigvti hicssc, wenn sic. anstatt eins Türkische aus praktischen und patriotischen Gründen sieh ai.zucigneii j und zunutze zu machen, cs mit Inbrunst als ihre neue einzige Kulüirspraehe begrüssen wollten, der J alle geistigen Anstrengungen zuzuw'cudeu seien. Ihr ן nationales Selbstgefühl wird das nicht gestatten. IS! wird gewiss eine Zeit kommen, wo sie für diesen I ihren nationalen Schatz mit genau der Glut eintretei; | werden'wie die andern, bereits selbstbewusst er•; zogenen ottomanischen Nationalitäten.! Es ist tiiivorsieiitig, mitten im Strom der Ein- ' Wicklung den Propheten spielen zu wollen. Wenn Hebräischer Schulvcrein ln Galizien Um die Zahl der hebräischen Schulen in Galizien zu vergrößern, das gesamte jüdische Schulwesen in diesem Lande zu überwachen und nach einheitlichen Gesiclnspunkten zu leiten, wurde hier im April d. .1'. eine Konfeienz der Vertreter sämtlicher Schulkomitees in Galizien abgchalten und die Gründung eine י 11״ c I) r ä 1 s e h c n S c h 111 v c r c i n s f ii r G a I i z i c :! und Bukowina" beschlossen. Der Verein hetrachtet cs als seine vornehmste Aufgabe, über diese beiden Ländergcbietc ein Netz gut funktionierende.', zweckentsprechender hebräischer Schulen zu verbreiten. JeJe jüdische Gemeinde, möge die Zahl ihrer Mitglieder noch so gering sein, soll ihre hebräische Schule haben. Die Leitung des Schulvereius wird die gesamte Oberaufsicht übernehmen und die Schulen von bewährten Pädagogen inspizieren lassen. Die Grundlage des Erziehungswesens soll der Kindergarten bilden, an den sich die scchskiassigc Schule uughe• den, w'orauf ein Oberhau in Gestalt von hebräischen I ortbildungskurscn gesetzt w׳crdcn soll. Die Leitung des hebräischen Schulvcrcins erlässt jetzt einen Auf- 1׳üf. worin sic die eminente Bedeutung des hcbrai• sehen Erzichungswcsens für das Judentum beleuchtet. in der dritten Vorschulklasse (Nona) eines lheslauer Gymnasiums fragte dieser Tage der Lehrer die kleinen A*U-C-Schützcn, was sic einmal werde» wollen. Die Antworten waren die üblichen wie Droschkenkutscher, Strasscnbahnschaffncr, Lokotnotivfünrer, Kürassloricutnant u. dergi. Der kleine Sah>* mon K. ober rief laut: Zionist.Und sein Vater ist ein ausgesprochener Antizionist. hhli״

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