Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1909)
- Date
- 1909-08-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 33. JUEpISCHE RUNDSCHAU Seite 407. 1 i | i'O » 0׳ ü Li ü V. \ n n 1־ 1 1 / ׳ 1 . . ' ',< 1!!| י 1 Oü u גז;/ / i; rxn ח ך.א¬ י 1 Max Nordaus Zionistische Schriften Wer seit Jahren In unserer Bewegung stellt und;,״ allein seinen Teil nimmt und gibt, dem wird dieses Huch’) nicht viel Neues bringen; und doch soll der cr»t ״״eh geboren werden, der sich mitten ln einer ,S'ohi.iuVIieit Rede freiumelien kamt und das Buch et* **).. /nM.t|t|>1: ״Das keime ich schon 1“ --Nein, mau I1C1111 es nicht, und wenn matt alle KoagressfeUen vii ■•11 gelesen hat. Nordau Ist ein Zauberer, Er zu•;;, mit seiner Feder einen Kreis um uns, und wir h׳:׳> vtt diesen Kreis nicht eher verlassen, bis es ihm gevät. Wir müssen ihm im Banne seiner Rede!ו, "ir müssen cs. Die Sachlichkeit, mit der er /1•;׳ns »!n icht, die Geistesschärfe, mit der er unsere S! «’ vor den Gegnern vertritt, lüsst uns vergessen, we: «1c Kmistlerkraft notwendig ist, um Wirkungen /■> •11׳elen, wie es Nordau gelingt. Er redet nicht in••׳׳ ׳•» unserem Hetzen, nicht mir zu unserem Vor- 1.: .ל. sondern ulles dies und noch etwas mehr bringt;11. Wirkung hervor{ er Ist nicht nur ein Rhetoriker, v• :-ו nicht nur uluo überragende Persönlichkeit, er 1>, ein Künstler, ein Erschaffer. Unser Nordau — wir sagen es stolz! — ist ein . •nerer; er ist der beste Agitator für unsere Sache, t...!eitrigste Anwalt für die Sache unseres Volkes, •m der tapferste Krieger im Kampf mit Gegnern ■,; i Feinden, er ist der hoffnungsfreudigste und bcooürteste Darsteller unseres Ideals, mit einem \\ >rtc: er Ist ein Zauberer, dieser, unser *Mag .\ •i d.iii, der ein grosser Künstler ist. liehet hin und leset und ״lernt" in seinem Buche. Im Ihr’s, dann muss in wenigen Wochen eine zweite Ablage erscheinen. Wir erwarten, dass in keinen! •ח0«5€1)1*י״ו'יו. in keinem jüdischen Hause dieses Buch;'cuie. Georg Hecht. Jüdischer Novellenschatz her Jude ist ein Volksproblem, wie wir glauben; selbst, er, der Mensch, ist das Problem. Darum ,si es wahrlich kein Wunder, ihm auch in der Dichum« zu begegnen. Es ist in den letzten Jahren in Deutschland kein Roman erschienen (wenigstens nicht unter denen, von welchen ״man" spricht), in dem nicht der Jude mitaglcrt. Noch in weit erheblicherem Masse gilt dies von der Tagesliteratur, die in der Form von Novellen, Skizzen, kleinen Erzählungen ..unter dem Strich" oder in der ״Untcrhaltungsbci* luge" dem Publikum geboten wird. Es wäre unbe• streitbar ein Verdienst, das Beste aus diesem täg• liehen Unterhahungsfuiter hcrauszuklaubcn, zu sam• mein und einem grösseren Publikum zu reichen. Bio Bedingung aber ist, dass eine sorgsame Aus• w a h I stattfindet und nur unter solchen Erzeugnissen, die, gleichgültig, ob sic von jüdischen Schriftstellern Mammen oder nicht, doch irgendwie mit dem Juden• Problem Zusammenhängen, Im ersten Bund des Novelclnschatzcs*•) aber steht eine Novelle von G. Hermann, die, abgesehen davon, dass ihr Autor ein Jude ist, in keiner Wciso eine Berechtigung zur Aufnahme in der Sammlung hatte, obwohl dieser erste Band schon ein Muster von kunterbuntem Durcheinander ist. Der Titel ״Prin• /tssin Sabbath", den dieser erste Band trägt, ist so viel versprechend; aber sein Inhalt hält nichts davon. Denn mit Ausnahme der ersten 11 Zahlung von Silberglcit, Uber deren Wert man v reiten kann, hat keine einzige mehr das Lied von Ucr jüdischen Sabbathfrcudc aufgenommen. Was also vil der Titel besagen? — Wir verlangen auch wahrlich keine literarischen, iiiNi'irlselien oder philologischen Einteilungen, kein 11Hinken mit solchem toten Wissen, aber wir vor• l.nizen entschieden einigen künstlerischen Instinkt, niuc den ein Herausgeber einer Novcllcnsammlung meüt zu denk Ist. Man füllt aus seinem Qlcichgc• viclu, wenn man hinter J. Löwenbergs ..schwarzer Rlwkc" die Ergüsse der Else Las kor* א c h ü I c r genlcsst. ״Die tote Frau" York S t c i ners und!1. Blumenthals ״Frühllngsopfer" werden zu jeder Seele sprechen; aber diesen Ein• *) Nordaus Zion. Schriften, herausgegeben vom Zionistischen Aktionskomitee. Qr. 6°, V und 402 S. Volksausgabe Mk. 2.•־• Jüdischer Verlag, G. in. b. 11״ Köln und Leipzig. **) 1. Prinzessin Sabbath. 2. Tante Outtraut. •L Ruchclc. 4. Der Streik der Schnorrer. 5. Zelte Jakobs. 6. Ghetto. 7. Pogrom. 8. Chanukahlichter. — Hcrausgcgcbcn von Dr. Julius Moses. Verlag Hermann Seemann Nachfolger, Berlin. druck verderben die Schlafmittel, die uns Turc z l n 5 k I, B r 0 c l n c r, v. DI n c k 1 a g c C a tn p e, St Ottenheim und andere reichen. Wozu noch weiter Namen nennen? Was mir aus diesem ersten Bande mit dem schönen Titel ״Prinzessin Sabbath" die Seele in eine höhere Schwingung brachte, war leider nicht .׳;dir viel. Der zweite Band zeigt ein neues Prinzip, dem wir eine gewisse Anerkennung nicht versagen wollen. Er ist dem vergessenen Moscnthal gewidmet, und die Auswahl Ist glücklich. Solcher Bünde wünschten wir mehrere zu lesen. Es würc, um eine Anregung zu gehen, gewiss kein Uebcl, wenn bis• weilen ein Bündchen auch Gedichte enthielte. Wio wär’s mit einem Abdruck kleinerer Dichtungen von Welll und L. W i 111? Gewiss, viel wird In Deutsch• l.1nd nicht zu holen sein; aber J. J. David und vielleicht noch Kompcrt seien genannt. Und dann das ganze Meer ostjüdlschcr Schriftsteller, die Reisen, Poroz") usw. Nur müssen wir Im letzten Halle um solche Erzählungen bitten, die noch nicht durch dus Buch oder diu Zeitung dem 111• turussiertou Publikum 111 Deutschland allzu bekannt sind, Es sei auch darauf hingewiesen, dass sich ebenso in England und Frankreich Stoff für dlo Novellonsammiung fände. Nur bitten wir entschieden tun Schonung und Schutz unserer Seelen vor jener Art jüdischer Novcllistik, die als Kennzeichen den Schlusssatz aus Lcssings harmlosem Stück ״Der Jude" tragen könnte: ״Wären doch alle wie Siel" — -Eine Novcllcnsammlung ist keine demokratische Versammlung, zu der jeder Zutritt hat, und darf cs nicht sein: sic ist vielmehr eine Aus-sammlung, eine Art von Wühltätigkeit, die sogar die Aristo* kraten bevorzugt. Politik und Literatur haben eben verschiedene Methoden, jede nach ihrer Art. Von den weiteren Bänden aber lüsst sich leider mir wenig Gutes sagen. Abgesehen vom 3. und 4 Bändelten bieten sie abermals eine wahllose Zusammcnklittcrung alles Möglichen und — Unmöglichen. So gern wir unseren Lesern eine gute Sammlung empfohlen hätten: diese ist, von den wenigen genannten Ausnahmen abgesehen, eine schlechte, ja Ist geradezu eine l.iteraturmachcrci, die einen üblen Eindruck liintcrlässt. Aber wir erwarten gern bessere Bände, freilich mit geringer Hoffnung. Georg liecht. Bficher-Besprechungen Die Grundzüge der israelitischen Religion!• gcschlchto. Von Fr, Gicscbrccht. 52. Bändchen der Sammlung wissenschaftlich-allgemeiiivcrstäiidlichcr Darstellungen ״Aus Natur und ücisteswcit". Leipzig, B. U. Teubncr DOS. Welcher Beliebtheit sich die kleine Schrift des verdienstvollen Künigsbcrgcr Theologen erfreut, bcweist die Tatsache, dass der rührige Teuhucrsche Verlag es vor einiger Zeit in 2, Auflage erscheinen Hess, Giescbreelits besonders auf rcligloiisgeschlohtlicliem Gebiet liegende Studien, denen wir auch neben anderen Monographien das vorzügliche Werk über das Problem der ״Dcrufsbcguhung der alttcstamcnt• liehen Propheten" verdanken, halten in weiser Zurücklialtung zwischen wissenschaftlichem Freimut und bedächtigem Abwügcn die goldene Mitte, ein Vor• zug, der auch dem vorliegenden Bändchen zugute kommt. Es Ist, soweit das auf 125 Seiten überhaupt möglich Ist, in der Menge und Auswahl der bchatt• Gelten Fragen recht gründlich. Die Ausführungen über den zweiten Jesaia z. B. (S. 91 ».), dem Vcrf. übrigens schon vor vielen Jahren eine eigene Unter* sucliung gewidmet hat, sind sehr fein und lesenswert. Ob er immer den rechten Ton trifft, der für ein po• piüärcs Werk massgebend sein muss, möchte ich Im Hinblick auf die dem l.aieu doch nicht sofort vor• ständllclicn llterar-kritlsehen Beatcrkmigcn hezwei• fein. Der Vergleich mit dem klassischen Muster einer allg'cmeiiivcrstüiidliehcu Darstellung religionsgc* schiclitliclier Probleme, mit Cornllls ״Isrnclitischcm Prüplictisimis", drängt sich doch Immer wieder auf. Aber die Erinnerung an Cornill bringt einem auch öle Tlicologemuitiir des Verfassers zum Bewusstsein, die sich nur allzu oft in cliristologischcii Pcrspck* tlvci! unangenehm aufdrängt. Man kann es Ja ciuctn christlichen Theologen am Ende nicht verdenken, dass für Um ״erst das Christentum die richtigen Kon- Sequenzen aus der Religion dos Alten Testamentes In seiner Idee der Ootteskindschaft" usw. zieht uu*1 somit den Abschluss der Darstellung bilden müsste. *) Von Pcrcz existiert bekanntlich In deutscher Sprache die Sammlung .,Erzählungen", die der Jüdische Verlag in sehr vornehmer Ausstattung vor einigen Jahren hcrausbrachto. — Red. d. ״J. R.״, Gcrado worauf Verfasser in einem Schlusswort‘mit Befriedigung verweist: ״Ist ja doch überall an seiner Stelle der Fortschritt der alttcstaiiieiitliclien Ideen und ihre Zielstrebigkeit auf das Christentum hin zum Ausdruck gekommen," gerade das ist seine ärgste Schwäche. Reine Wissenschaft ist das nicht. Und soll es wohl auch nicht sein. Da aber scheint cs doch angebracht, an den Verlag die prinzipielle Frage zu richten: welss der Verlag nicht, dass es zahlreiche auf der Höhe 11t«dcrnwlM»enschaitlicher Bildung stehende Gelehrte gibt, die Ucrartige Monographien ohne christliche, also im Grunde kirchliche Aspekte zu liefern imstande wären? Ist dem Verlag vielleicht überhaupt ganz unbekannt, dass cs heute eine 111• discho Wissenschaft gibt, deren Vertreter das alto Testament mindestens ebenso gut beherrschen wie christliche Professoren und Ule uueh genügend aus• gebildet sind, streng methodische Kritik zu üben, die aber, soweit sie wenigstens religiös unabhängig sind, völlig objektiv einen ilmcii imvertrautcii Stoff Belumdein könnten? Und es Hegt doch eigentlich sehr nahe, Jüdische Wissenschaft von jüdischen Kräften verarbeiten zu hissen, die tatsüehlleh viel mehr über der Materie stehen köimcnl Vielleicht zeigt der Verlag .seinen guten Willen, unabhängige Wissenschuft zu pflegen und vor allem zu verbreiten, dadurch, dass er bei Vergebung weiterer Themen aus jüdischem Gebiet auch die darin heimischen Gelehrten berücksichtigt. Und cs gäbe noch eine Reihe von diesbezüglichen Aufgaben, deren Erfüllung Im Rahmen der Tctihncrschcn Sammlung kulturell!)höchst ver• dicnstvoli und für den Verlag sehr ehrenvoll wäre. Dr. Bruno K i r s c h n c r. m Lebensfieber. Roman von A. Halber t. Verlag Q c o r g Müller, München. Der Verfasser beweist seine Zugehörigkeit zum überzeugten Judentum nicht mit geblümten Redensarten. Obwohl er äusscrlich dem Zionismus fern steht, weiss er sich innerlich mit ihm durch manches Oclülilsband verknüpft. Er möchte mit Gesinnungen kein Geschäft machen. Der Adel eines solchen Standpunktes ist schätzbar. Halberts jüdische Note offenbart sich in seinem Roman auf eigenartige Welse: in den Briefen, die zwischen einer Schauspielerin und einem Dichter gewechselt werden, wandeln die fiebernden Sinne erst den Weg der Geistigkeit. Diese intellektuelle Erotik reizt und schürt das Feuer der Leidenschaften erst recht und ihr flimmerndes Geleucht lässt ihren Farbenbrand gleich einer roten Fontäne in die Himmel unserer Sehnsucht wachsen. Wundervolles Schauspiel, wie der Fontäne Strahlen hoch* und niedcrtanz.cn und wie durch jedes einzelncn Gesicht Eros Antlitz glänzt! Die Zcrbrcchung 1 und ewige Ncuformung der Gefühle, das Auf und Ab zweier Seelen. Wort und Widerhall, Tanz und Taumel finden in diesem Werke künstlerischen Ausdruck, und die Musik des Daseins bezaubert uns wieder als die Sinfonie süssester Sinncntnmkcnhcit, wildester Wonnen, reichsten Rausches und durchzuckt uns mit einem neuen Lcbcnsficbcr. — Arthur Silbcrglcit, ongegangene ßücner Scndun(:t׳, sind nur an die Redaktion der ״JfldUchen Rundschau• nlchi10,' ״י״",* «■״•«* *•* richten. Ruck.cVidun« kann mehl »tatifindcn. Die um beicichnctcn Werke sind utrclu xur Besprechung vergeben. Israeliten auf das Jahr 5670 (1910), mit literarischen Notizen und einem Gedcnkblatt versehen. 50. Jahr«. VcriÜK M; Poppclauer. Berlin 1909. Voltaires Briefwechsel, aiisgewählt und übertragen von Käthe S c 11 i r r m a c h c r. Leipzig Insel- V c r I a g 19(» Och. 4 Mk.. Puppbaiul 5 Mk. 1#c1icr 7 mk. * l.chunsüclicf, der Roma״ eines Dichters und einer Schauspielerin von A. Halben. München und!-einzig, Verlag von Georg Müller ) Rosa, Roman von Knut Hamsun. Einzig berechtigte Übersetzung aus dem Norwegischen von Gertrud Inge borg Klctl. Albert Langen. \ erlag ü)r Literatur und Kunst. München 1909. »10 Geis$essl«)rm1«en bol den Juden. Eine klinisch■ historische Studie von Dr. Max Sichel, Leipzig, Verlag M. W. K a u f m a n n. 1909. ,״* Jahrbuch lür Jüdische Gcschlchto und Lltcratui 1909. Hcrausgcgcbcn vom Verbände der Voreine für jüdische Qcschichte und Literatur in Deutschland. 12. Band. M. Poppclaucr. Berlin 1909. Dlo Juden In Rumänien. Veröffentlichung des Bureaus für Statistik der Juden. Heft 5 Verlag Louis Lamm. Berlin 1903, 40 S. Or. Oktav, * Sammlung preisgekrönter Sagen und Märchen, Gr. Ausgabe mit 6 Ton- und 12 Text-Vollbildern. In Kommission bei Locwes Verlag, Perdinand Carl, Stuttgart. Ladenpreis 2,50 Mark.