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Jüdische Rundschau · 1909-08-27 · Heft 35 (27.8.1909) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 35 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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No. 3ר. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 403. j,1s Zcrtiiiknt nicht erholten haben, so bitten wir um Mitteilung an das Kure tut der' Qesellschaft in Der•!in W 15. Bleibtrcustr. 31/35־. Hei dieser Gelegenheit geben wir der Erwartung Ausdruck, dass die zahlreichen Freunde der wirt- M'hafriichcn Erschliessung Palästinas, die bisher noch Keine Aktionäre unserer Qesellschaft sind, nunmehr mit dem Erwerb von Alctioen nicht länger zögern werden. Der Ankauf, die' landwirtschaftliche Vor• Kreitling und die Parzellierung von Land sind <110 wichtigsten Arbeiten, die wir in Palästina ,,ib/.iififhren haben, und elno Parzcllicrungsgoscll• «cii.tft. wie cs die P.L.D.C. ist, ist deshalb eine der notwendigsten Institutionen. Wenn bei der Gründung unserer Gesellschaft deren Ziele leider nur von nvc• nigen verstanden, von den •meisten nicht genügend gewürdigt und von manchen sogar bekämpft wurden um! dadurch manche Pnlästlnafrcuudo zu einer ab• w.iriviiden Haltung veranlasst wurden, so Ist jetzt,!!mildem sogar viele unserer früheren Gegner die ab• ׳ m'Iuso Notwendigkeit unserer Gesellschaft im Inter• cs• e einer systematischen Kolonisation cliisehcn mul cingcstchcn, eine solche abwartendo II.׳Innig nicht mehr am Platze. Zur Vermeidung von Missverständnissen bcmcrkeu wir ausdrücklich, dass die Tätigkeit der P.L.D.C, n 1 c 111 etwa mit der Tätigkeit der geplanten A g r a r* h.iiik kollidiert oder durch dieselbe überflüssig wird. Die Agrarbank wird sich, um eine erfolgreiche '!.itigkcit zu entfalten, auch hauptsächlich dem Par• z׳ iliorimgsgeschüft zuwenden müssen. Aber cs wäre .״׳s verschiedenen Gründen für unsere Interessen v.'li.idlicii und gefährlich, wenn wir bis zu dem vori;.11hg noch ganz unbestimmten Zeitpunkte, in wcl• v cm die Agrarbank ihre Geschäfte beginnt, mit der!וו.י •ellierungstätigkeit warten wollten. Vielmehr tniiicii wir keine Zeit unbenutzt verstreichen lusscn;::ul müssen sofort mit der Arbeit beginnen. Es!st daher Pflicht unserer Gesinnungsgenossen und ganz, besonders unserer wohlhabenden Freunde, nicht länger in der Rolle stummer Zuschauer zu verharren, sondern durch zahlreichen Erwerb von Aktien an der 1 Förderung der Kolonisation direkten Anteil zu nehmen, Wir hoffen, dass unsere aktiven Vertrauensmänner sich dessen bewusst sein werden, dass die Inangriiinähme und energische Fortführung der Kapitahver• bung für die P.L.D.C. gegenwärtig zu.den aller• wichtigsten Arbeiten gehört. Tito Paiestlno Land Development Company igoz.) O. Wa r b 11 r g, Vorsitzender des Direktoriums, (gez.) Dr. Arthur Kuppln, Director managing. Nähere Auskünfte erteilt das Bureau der Gesell• Schaft, Berlin W 15, Blcibtrcustr. 34/35. 1 Grunderaktie der P.L.D.C. kostet £ 50 Mk. 1025,— 1 gewöhn!. Aktie der P.L.D.C. kostet £ 1 Mk. 20,50 1 Vorzeigeraktic der P.L.D.C. kostet £ 1/1/6 22,— Die P.L.D.C. ist laut ihren Statuen zum Verkauf von Aktien auf Teilzahlungen nicht berechtigt. Zahlungen für Rechnung der P.L.D.C. nehmen fotgende Banken entgegen: 1) The Jewish Colonial Trust Ltd. London E.C.. Walbrook Brook House. 2) The Anglo Palestinc Company Ltd., Jaffa. Ausserdem können neue Aktionäre der Einfachheit halber Aktienbeträge an das Bankhaus A. H, H eyma nn & Co., Berlin N. W. 7, Unter den Linden 59, überweisen. Meinen Kindern bin ich fremder geworden, seit der junge Geist in meinem alten Kopf cingczogcn Ist; cs trennt mich etwas von ihnen; Ich komme mir ihnen gegenüber jung vor, jetzt, da Ich weiss, dass wir Juden ein Volk sind, ein stolzes Volk, das sich nistet, sein altes Land zu erobern. Ich lese nicht viel, der Arzt hat mir nur für eine Stunde am Tage das Lesen erlaubt, diese kurze Zeit benutze ich, um in der Bibel zu blättern; und;dies, was darin steht vom heiligen Lande, von seiner Schönheit und Fruchtbarkeit, das kommt mir nicht mehr wie eine Märchenphantasie vor; ich weiss, es ist auch heute dort so, wie es früher gewesen Ist. Nur wie einstmals der Tempel, so Ist jetzt das Land lauge Zeit nicht gereinigt worden und viel Unkraut ucliert herum und eine Kruste Schmutz bedeckt den gesegneten Boden. Aber unter der Kruste spriessen billige Keime, die darauf warten, dass man die hin• dernde Decke entferne, damit sic blühen und gedeihen können. Und Juden aus der nächsten Umgebung bereiten sich zur Fahrt, gehen ernstlich an die Arbeit, die lange verborgenen Schätze zu heben, das Htiinaihmd zu befreien vom kalten, fremden Bann, ihm die erlösende Wärme zu bringen. Ist das nicht doch ein Märchen? Nein, nein. Die stürmende Jugend malt sich die Zukunft aus, sic träumt von den künftigen Zelten in schönen, aber verschwimmcndcn Parheu. Ich bin alt, wenige Tage habe ich nur noch übrig, mich an . den Zurüstuugen *u freuen. Ich kann keine Träume spinnen; ich bin dem Ziele nahe. Vor meinem Auge leuchtet die Zukunft als ein klares Bild. Ich hoffe nicht auf den Flulklürungs-firbelt In einer Beziehung geht cs uns unerwartet gut: ln der Aufklärung — über die Ziele des Zionismus, über die Lage der Juden des Orients und über die Möglichkeiten des Orients für die Juden — unter• stützen uns neuerdings eine Menge teils freiwilliger, teils unfreiwilliger Helfer. Erst kürzlich zeigte die Allianco Israeli tc mit ihrem (wie uns scheint noch sehr jungen und wohl daher noch so tappigen) ottomanischen Patriotismus, wie sehr sie mit einer jüdischen Entwicklung im Orient sympathisiert. — Die ״Allgetn. Jüdische Kolonisations-Organisation" verkündet der nicht• und anti-zionistischen Welt ein in Sinn und Wort buchstäblich zionistisches Arbeitsprogramm, und soeben erscheint im Frankfurter (früher Mainzer) »,Israelit" ein geradezu prachtvoller Leitartikel: ״K 0 n s t a n 11 n 0 p c I und J 0 r u s a I e nt". , Raummangel hindert uns. den Artikel vollständig abzudrucken und da, wo cs nötig, unseren abwelchcnden Standpunkt zu präzisieren. Aber wer auch nur die folgenden Auszüge liest, wird erkennen, wie wertvolle Propaganda-Hilfe in diesem gar nicht eigentlich zionistisch gemeinten Leitartikel liegt. Vor allem helfen uns solche Äusserungen auch die Kunde von den neuen (Inneren und äusseren) Möglichkeiten des Zionismus auch in denjenigen Kreisen zu ver• breiten, in die unsere eigene Presse nicht dringt. Der erwähnte Artikel beginnt foigendermassen: ״Als vor einem Jahre die konstitutionelle Türkei wie mit einem Zauberschlage aus den Trümmern eines tausendjährigen Absolutismus sich erhob, und die lauernden Erben des ״kranken Mannes“ in den europäischen Haupt- Städten mit sauersüssen Mienen dem Patienten zur Wiedcrgeiicsung gratulierten, da herrschte eine durch und durch ehrliche Freude über den Wandel der Dinge vor allem im Lager der Zionisten. Zwar musste die Wiederaufrichtung eines lebenskräftigen ottomanischcn Reiches eine 1 radikale Änderung der bisherigen Interpretation j des zionistischen Programms bedingen, das sich die ״öcntlieh-recluliche" Sicherung der jüdischen Heimstätte wohl als eine Art Neutralitätserklärung von selten der Grossmüchtc vorgcstcllt hatte, allein um so näher und greifbarer zeigte sich den Hoffenden die Möglichkeit, In dem jungen ottomanischen Reiche mit seinen zahlreichen Nationalitüten auch für die jüdische Nation, die in der Türkei offiziell sogar schon jüdische Nation genannte, freie politische Entfaltung und schliesslich eine Art provinzieller jüdischer Selbstverwaltung in Palästina zu erlangen. So war dem seiner Zeit an dieser Stelle gekcnnzclchnctcn Ergebnis des VIII. Kongresses: ״Preisgabe der Herzlichen Charter-Politik und Pflege des wirtschaftlichen Zionismus mit politischein Endziel“ durch die geschichtliche Ent• Wicklung ein unverkennbar günstiger Resonnanz* boden geschaffen worden." Weiterhin heisst cs dann: ״Alle diejenigen, die aus religiösen und so• zialcn Gründen den Wunsch hegen, dass Palästina für die aus den osteuropäischen Ländern auswandernden Massen geöffnet bleibe, haben ein Interesse daran, dieses möglicherweise erst in Frühling, ich sehe den Sommer in prangender Reife. Es ist dasselbe Bild, das Immer wieder in blendender Deutlichkeit vor mir aufsteigt. Gebräunte Juden erbücke ich auf halbgcmühtcm Felde, neben sich die Sense, Maariw beten und vorne balgen sich zwei kleine schwarzäugige Jungen und schimpfen einander auf ioschuun kaudcsch. Närrisch, aber cs lässt mich nicht los, dieses Bild. — — Verübeln Sic mir nicht, werter Herr, dass ich so offenherzig zu Ihnen gewesen bin; aber Sie sind der erste Mensch, der seit langer Zeit zu mir aut* richtig freundlich war, und da Ich mich lebhaft sehnte, meine Gedanken lemancienm mitzuteilcn, fasste Ich zu Ihnen Vertrauen. Glauben Sie mir, cs ist schwer, allein durch die Welt zu gehen, zumal wenn man alt Ist. Leben Sie wohl und denken Sic einmal an Ihre alte — ich vermute wohl richtig — Gesinnungsgenosse. Brief von der Ostsee II. Swlnomünde Anfang August 1909. LWorarlsclio Ausgrabungen auf dem Ausslchtsturm. Es war ein prächtiger Sturmtag in Swinemündc. Das schäumende Meer hatte wohl die Hälfte des Strandes überschwemmt, so dass cs kein sonderliches Vergnügen gewährte, dort einen Spaziergang zu machen; ich entschloss mich daher, trotz meiner, seinen Anfängen begriffene Misstrauen Überwinden zu helfen. Das kann unseres Erachtens weder nach der Methode der ״Alliance Isradlitc“ geschehen, noch nach derjenigen der zionistisehen Partcipressc. Die crstcrc scheut sich nicht, durch zweideutige Wendungen und in Form der üblichen Selbst-Beräucherung dem Verdacht gegen die Loyalität der zionistischen Politik immer neue Nahrung zu geben. Wenn die zionistische Presse darüber in Wut gerät, so ist das ihr gutes Recht, und unsere Sympathien stehen in diesem Falle völlig auf ihrer Seite. Wir halten es aber andererseits auch nicht für taktisch klug, wenn von zionistischer Seite das Bemühen obwaltet,׳ die eigene Politik nun & tout prix als Ausfluss durchaus einheitlicher und geradliniger Qedunkengänge, als die verkörperte Konsequenz darznstcilcn, Man sollte vielmehr offen und ehrlich bekennen, was doch nicht geleugnet werden kann, sollte darauf hinweisen, dass gegenüber dem verrotteten alten türkischen Staatswesen der Gedanke einer jüdischen Autonomie uusscrordcntlieh naheliegend und berechtigt war, dass aber mit den veränderten Verhältnissen naturgemüss grundstürzende Änderungen der eigenen politiselten Anschauungen auch im Lager des Zionis• 11111s Platz greifen mussten und Platz gegriffen haben.“ Freilich schlosst dann auch der ״Israelit‘‘ wohl über das Ziel hinaus, wenn er im Anschluss hieran fordert: ״Die Zionisten sollten ohne Bedenken den so• genannten politischen Zionismus für abgetan er• klären und ausschliesslich die wirtschaftliche und humanitäre Seite ihrer Palästina-Arbeit auf den , Schild erheben.‘‘ | Auch diese Tätigkeiten bezwecken ja jüdische Majorität im Lande oder doch jüdische kompakte Sicdclung in einzelnen Distrikten und sind ohne entj sprechenden Zusammenschluss von Individuen, : Institutionen und Organisationen gar nicht oder nur sehr schwer durchführbar. Alles das aber sind Dinge, denen ein gewisser politischer Charakter nicht ahgesprechen werden kann, und das, worauf wir alle hinzielen - auch der Kreis des ״Israelit‘‘ — nämlich ein vorwiegend jüdisches Palästina, i s t etwas ״Politisches“. Politisch frcilicli nicht in dem Sinne in dem ״Israel wieder im Rat der Völker" sitzen soll, sondern in dem sehr viel bescheideneren Sinne, dass wir als eine der vielen Nationalitäten des tiirkisehen Reiches resp. des weiteren Orients die Rolle ausfüllcn, die unserer speziellen Eignung entspricht. # Sehr z ir rechten Zeit lässt übrigens Dr. Pasmanik;n der Wiener ״Jüdischen Zeitung" einen Artikel ״Zum IX Zionistenkongress" erscheinen, in dem er — im .Anschluss an Wolffsohns jüngst bekannt gewordene Äusserungen über die politischen Absichten der Zionisten folgendes ausführt: .Damit ist aber mar ein Teil der Aufgaben des Kongresses angegeben. Er muss unbedingt die logischen Konsequenzen der veränderten Lage in der Türkei ziehen und dementsprechend das Baseler Programm selbst umändern •- nicht tun jemandem zu gefallen, sondern um seinem eigenen Ideal treu zu bleiben, respektive zu werden. Wie der Leser bald einschcn wird, durch das Prinzip der Sommerruhe immerhin begründeten Abneigung gegen grössere Touren den Aussichtsturm des grossen Sccbriickcn-Restaurants zu erklimmen und von dort das wilde, brausende Meer in seiner Schönheit zu betrachten. Gesagt, getan! Ich gehe durch die kleine Tür, die zu der halsbrecherischen schmalen Wendeltreppe führt, mittels deren man sich zu der schönen Aussicht emporwinden muss, als ich auch schon, unangenehm berührt, zusammcnzuckte; ״Juden raus!" steht da in grossen kühnen hingeworfenen Zügen zu lesen. Fürwahr, recht einladend I Da mir das Verbot aber nicht von ganz kompetenter Seite auszugehen schien ignorierte ich cs kaltblütig und gewann denn auch, nach kurzem Kampfe mit den Geistern der Finsternis die sich auf der dunklen Treppe breit machten, die Plattform. Hier oben nahm mich naturgemüss zuerst längere Zeit das herrliche Panorama gefangen, dann aber wandte ich mich arglos den Innenwänden des Turmes zu, in der Absicht, die schönen Sprüche und Vcrslein mit denen sich hier zahllose Zeitgenossen zu verewigen gedacht hatten, In Augenschein zu nehmen. Das Resultat war ein überraschendes. — Die schönen Sprüchlein Hessen sch nämlich ganz regelrecht und mühelos in drei scharf getrennte Gruppen sondern. — ״Gruppe I. umfasste die etwa naiven Ausrufe frommer und meist etwas beschränkter Seelen, die in gedankentiefen Wendungen ihrem Erstaunen und Ihrer berechtigten Freude Ausdruck gaben, dass ״hier die Luft so wunderbar rein sei", dass ״das Herz hier schwelle" und ähnliche interessante anatomische etc.

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