Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1909)
- Date
- 1909-08-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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n r u V _- : ־U Vir Merkspruch Ordnung nur erhält die Welt, Wo sie ist, ist’s wohl bestellt) Lass sie ja, bist du auch klein delzl dir schon empfohlen sein. Königreiche der Kinderwelt (Eine Erinnerung.) Von Abraham Reisen. iv.st zweitausend Jahre sind verflossen, seitdem die Juden kein Königreich und keinen Herrscher mehr haben, mid doch macht ihnen dieser Umstand nicht viel Kopfzerbrechen, das heisst den Erwachsenen, die vUlmgere Sorgen haben, als Königreiche und Hcr1>ciur. Sic haben ums liebe Brot sich zu k 11111:1.. 1M. W:r Schuljungen jedoch konnten Königtum und Hcrr?.c:u.r nicht vermissen. Zwölf waren wir beim Lehre 1. mul es konnte sich doch nicht jeder so bcnchuun. wie er wollte! Nein, unmöglich! Man musste ein K״:!i־,'tun1 gründen und einen Herrscher krönen. V. .r lernten nicht vergebens die heilige Schrift, um nicht zu wissen, wie man ein Königreich einrichte, und einen Herrscher salbe. Die ganzen Bücher ״Smmd 1 und 11", un׳l die ganzen Bücher ״Könige I und ii" erzählen von den Heldentaten jüdischer Kfl* nicc. von ihren Kriegen mit den Philistern und ähnliehen Ungeheuern. 11 sere Vater freilich, die den ganzen Tag im Kr.trui.iücn sitzen mussten oder denen das noch unverkaufte Getreide Set ge machte, wussten das nicht oder hatten cs zumeist vergessen. Wir Kinder jedoch, die wir keine andere Beschäftigung hatten, wir wiiNM.n genau, wie ein Königtum nach alter Sitte gegrtmJet werden musste. Und selten versagten, wir uns dieses mich, so dass cs fast keine Schulklasse ohne Königtum gab. Zum Könige wühlten wir den Stärksten und Körnigsten, das heisst nicht: wir wühlten ihn, — sondem, da er der Stärkste war, wühlte er sich selbst.. Wir hatten fast nie etwas dagegen. Der König msi'ste doch stark und kräftig sein! Vielleicht kommt cs zu einem Kriege mit einem anderen Königreiche, da musste er doch Schlachten gewinnen. Bei uns zog er nämlich selbst in den Kampf und empfing nicht bl׳><*. wie cs heute allgemein üblich ist, Berichte, wie viel Mann gefallen sind. Zur Zelt, als wir hei Reh Jossef, dem Schlechten, leinten, war Motke, des Fleischhauers Sohn, unser König. Würden die Schuljungen Oeschichtc schreibeii, sic hätten ihn sicherlich ״Motke, der Qcrcchtc“ gen.!mt, denn er hielt sich streng ans Gesetz und regierte mit Gerechtigkeit. Wir wurden von ihm nicht umerdriiekt, auch nahm er keine Bestechung an und duldete keine Zwischcntriigerclcn. Besonders gut vertrug er sich mit mir. Erstens, weil ich sein Nachbar war und zweitens, weil meine Mutter immer hei seinem Vater das Fleisch kaufte. Er wollte mich auch anfangs zu seinen Stellvertreter ernennen, aber da Ich der JüngklO und Schwächste war, so duldeten das diu undoren nlelti. ״Ein solcher Knirps Stellvertreter olnei KünlmV" K’hrk-ün »le. Und so wurilo Ich Rolehsknnxlor, *war kein kc* tingvrts Amt, aber ein leichteres. Und dann war ich ja dir Einzige, der eine grosso Feder bcsass, so dass Ich Imstande war, die Protokolle zu schreiben, was (Kl! ebenfalls In den Bereich eines Reichskanzlers 1 fällt. j In dm Fricücnszcltcn herrschte bei uns voll-; ständige Ruhe, und jeder ging seiner Pflicht nach und leistete dem Könige Gehorsam. Auch ich hatte nicht viel zu tun, nur dass ich selten ein ״Protokoll" zu; schreiben hatte, sobald ein Kollege mit dem anderen | Streit gehabt und zu mir geführt wurde. Unserer Lehrstubc gegenüber war eine zwelto mit einem selbständigen Königtum. Dieses war Je* doch ein wildes, barbarisches. Der König, zwar , sch'.u ein ״ücniarah-Junge", aber dennoch kriegsüeiaig, verlangte, dass unser Reich Ihn! einen Tribut von 12 Knöpfen zahlen sollte. Ein solcher Tribut war ab׳ r Kir uns fast unerschwinglich, so dass wir nicht cinwiiiixen konnten. Als er zum zweiten Mal durch seinen Stollvcr* treter sagen Hess, dass wir Ihm endlich für die ab-, gelaufenen Wochen, zahlen müssten, berief unser König nochmals einen Ministerrat In den Garten hinters Haus, und wir beschlossen, die 12 Knüpfe 1 Jochanon ben Sakkai Von Ernot Erdmann. Ea geht zu Ende. Länger trag lch'0 nimmer. Schon wütet Argwohn schlimmer als das Schwert. Verblichen Ist der letzten Hoffnung Schimmer. Mi cht Mut —Verzweiflung ist’s,die noch sich wehrt. Nicht Rom, nur uns’rcr Zwietracht Ist’s gelungen» Dass unser letzter Kampf des Sleg’s entbehrt* So hab Ich Oahr für Oahr umsonst gerungen, Dass wir noch retten, was zu retten Ist. Es geht zu Ende, Zion ist bezwungen. Ich welss cs wohl, dass Titus nicht vergisst, Was Rom vor aller Welt an Ruhm verloren, Seit sich mit Ihm so stolz der Sude misst. Könnt* alles er vergessen, der erkoren Zum Weltbeherrscher — eins verzeiht er nicht« Das Rom man Halt gebot vor Zions Toren. Hier knie Ich, Sott vor deinem Angesicht. Erhör* mich,׳ Dafer, lisch nicht unser'n Namen Aus deinem Lebensbuch im Strafgericht. 0 denk der Uäter, wie sie jubelnd kamen Nach Zion, dich zu preisen hoch und hehrl 0 denk, was du verhiessest Dakobs Samen. Den Sternen gleich und zahllos wie am Meer Der Sand, so sollte Dudas Uolk erscheinen. Derwlrf uns nicht und straf uns nicht zu schwerl Ich aber will nicht klagen und nicht weinen. Klar seh* Ich meine Pflicht. Ich muss sie lassen, Die sich zum biltern Todeskampf vereinen. Weh* mirl Welch Losl Wie werden sie mich hassen Ertrag* Ich’s selbst? 0, Gott mich ruft die Pflicht, Was bleibt zu retten und In eins zu fassen. 0 Uater, hilf! 0 Herr! Derlasg uns nichtI Muss deine Stadt, delnUolk dem Schwert erliegen, Schenk uns, 0 Golf nur deiner Wahrheit Licht, Dann wird nicht Rom, wird niemand uns besiegen! wöchentlich nicht zu zahlen. Obwohl sich in dem Schatze fast 30 Knüpfe befanden, so sahen wir uns dennoch zu diesen: Beschlüsse berechtigt, da man doch an dem Staatsschatz nicht rühren darf. Darauf!!,!•א•׳ uns der aiulero König sagen, wir möchten ihm bl« zum Abend diu 21 Knöpfe schicken, 10t1*l werde er mit oinem gangen Heere luifhreelioii lind uiiier Lügen »ursidreu• wie elinieiia König David das der Philister, Da brauste unser König Motko nut, Heldenmut erwachte!n seinem Herzen. Er Hess ihm durch den Gesandten die Antwort bringen: ״Geh hin und sage deinem Herrn, dem Bösen, dass wir seiner lachen. Unser Lager Ist mehr bc• festigt, als das seine. Wir haben uns nicht deshalb ruhig verhalten, weil wir uns schwächer gefühlt, Ich wollte bloss keinen Krieg. Jetzt aber, da euer König so hartnäckig Ist und von dem Frieden nichts wissen will, bin ich bereit, den Krieg aufznnehmcn. 24 Knüpfo Tribut wird unser Reich nicht zahlonl" Abends aber versammelten wir uns im Garten, wo uns bereits das feindliche Meer schlagfertig erwartete. Ueber eine halbe Stunde kämpften wir mutig wie die Löwen. Unser Herrscher bewies Wunder von Heldentaten. Aber mich der feindliche Führer war Mark, und so endete die erste Schlacht ohne eine ondglltigc Entscheidung. Als 08 immer mehr dunkel zu werden begann, schickte unser König, der sehr fromm war, seinen Minister las Lager mit dem Ersuchen, 1mm möge den Kampf unterbrechen, da man sonst das Mlnchah-Gcbot versäumen künnto. Der feindliche Herrscher Hess zwar anfangs sagen: ״So werden wir beim Mariw-Gebet zweimal das Achtzehn-Oebet sagen." Als sich jedoch unser König darauf steifte, dass man cs nicht dürfe, Hess sich jener bewegen, nachzugeben, und müde und zerschlagen gingen wir ins Bethuus, das Minchah-Qcbct verrichten. Wir hatten das Minchah-Ocbet bereits versäumt, und trotz aller Müdigkeit mussten wir zweimal das Achtzchn-Gcbct stehend sagen. Was spielen wir? Rette sich, wer kann! Alle Kinder, die sich an dem Spiel beteiligen wollen, setzen sich draussen im Freien in einem Kreis zusammen. Wer um besten reden kann, erzähle eine lange Geschichte. Also z. B. beginnt Karl folgender- «nassen: ״Eines Tages ging icl« mit meinen Freunden am Mccrcsstrund spazieren." Alle Kinder wiederholen nun: ״Eines Tages gingen wir mit . unseren Freunden am Meercsstrand spazieren." ׳ , ■ Karl: ״Es war ein herrlicher Sonnenschein, und wir suchten Muscheln und allerlei seltsame Steine." Die Kinder sprechen dies nach. Karl: ״Nach einiger Zeit wandelte uns die Lust an, auch Fischchcn zu fangen.“ Die Mitspiclcnden wiederholen diesen Satz. Karl: ״Mit grossem Vergnügen legten wir Schuhe und Strümpfe ab und sprangen in der kühlen Flut umher.“ Wiederholung. Karl: ״Schon hatten wir mehrere niedliche Fische gefangen, als plötzlich ein gewaltiger Hai auf uns zuschwanmi." Wiederholung. Karl: ״Ganz starr vor Schreck drohte mir der Atem zu stocken, aber ich nahm alle Kraft zusammen und rief meinen Freunden zu: ״Retie sieh, wer kann!" Bei diesem Ausruf laufen alle Kinder nach einem vorher bestimmten etwa zehn Schritte entfernten Ziel, schlagen dreimal an und suchen nach eiligem Rücklauf ihren verlassenen Platz wieder cinzunchmcn. Wer das dreimalige Anschlägen am Ziel vergisst, muss einen Pfand geben: wer als letzter seinen Platz erreicht, übernimmt die Rolle des Erzählers. Je lustiger und abwechslungsreicher die Geschichte erzählt wird, um so mehr Spass werde ihr Kinder an diesem Spiel haben. Allerlei Kurzweil Die verzauberte Streichholzschachtel Man sucht zwei gut erhaltene Streichholzschachteln mit gleichen Etiketten und wirft die Hülse der einen in laues Wasser, tun die Etikette abzuweichen. Diese wird dann zwischen Löschpapicr und danach an der Luft getrocknet, worauf sic der (blauen) Rück- Seite der zweiten Hülse aufgcklcbt wird. Nun steckt man zwischen dem Boden des Schubkästchens und der unteren Seite der Hülse eine Reihe Streichhölzer ein, so dicht, dass von dem blauen Papier, mit welvlium der Boden an den Rahmen fcstgeleliiil Ist, nichts ku «colm ן«(, wobei imm den Itmlvn freilich mich der Mine ein wenig eliulrlieken muii, Man g'mibt mm, wenn man die Schachtel halb mifzleht, eine volle Streichholzschachtel xn schon, dreht man 1)0 um, Ist klc jedoch leer. Je rascher und unbemerkter die! ge* schlcht, desto überraschender wirkt die Täuschung. Ein Eiscnbahnbiltet von der Erde bis zur Sonne Ein Amerikaner hat ausgerechnet, dass ein Elsen• bahnbilict von der Erde bis zur Sonne 930000 Dollars kosten würde. Nach dem Tarif für deutsche Elsenbahnen ,würde sich, bei Annahme der mittleren Entfernung in Höhe von 140 Millionen Kilometer, der Preis für eine Fahrkarte 2. Klasse auf 6׳H Millionen Mark stellen. Die Bestimmung der deutschen Vorschrift aber, dass die Pnhrknrtcn nicht übertragbar sind, würde bei einer soeben Fahrt schwerlich durchführbar sein; wenigstens müssten dieso — und zwar bis ins zehnte Glied — vererbbar sein; denn bei einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern In der Stunde würde dio Reise 2500000 Stunden, d. I, KM 16(» zwei Drlliel Tuge oder 2.% ein Drittel Jahre dauernI