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Jüdische Rundschau · 1909-08-20 · Heft 34 (20.8.1909) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 34 (20.8.1909)
Date
1909-08-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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*ein mag. Ich will r.iclit verkenne״, dass l>aliistina in Uor Ki.mclfraclit ein wunderbares Ausgiclciismittei (;tr den Manuel an festen Strassen mul Eisenbahnen licsit/1: •,"י /•war, dass Kamele selbst auf Strecken von s1 '׳’is l׳ü km (Entfernung zwischen Jaffa und jer.iv ilcm) mit der Eisenbahn konkurrieren. Ils liegt;!bei .uulercrscits auf der Hand, dass dieses Verhaltnis rer so lauge bestellt, als wirkliche Alasscntransntirn* mclit in Krage kommen. Bei weiterer Aus- .ne der Kolonisation durch Ausländer und damit :eilendem Bedarf würde dieses Transportmittel ,!״.-!.:nativ sehr bald versagen. Aber nicht sowohl aus Jicm '1 tirundc. als vielmehr weil eine gewisse Viel- .«Citi. ■eit eine bessere Ausnützung der Inndwirtschaftl, 01:.׳( Produktionsmittel gewährleistet, sollte man ut-rr. Ü mehr darauf bedacht sein, innerhalb jeder Kol *;0 das an Nahrungsmitteln zu erzeugen, was von man Bewohnern gebraucht wird; für den l’.va ־« muss man natürlich, wie cs schon geschieht, .!!taten bevorzugen.; '!• R0 r. tu b iI i t ä t des Weinbaues bat mit ־.cigemien Produktion und demzufolge sinkenden Pr! ■«.a abgenomiuen und die Aufiucrksaiukeit der K« v MC״ auf andere Kulturen hingclenkt. Schon Vl.; « ..:ritt dieser Kalamität hatte man in Rcchoboth in ehliclicm Umfange Mandeln angcpflanzt. Leider sie!״ mcIi in den letzten Jahren mehr und mehr lim '• dass die damals bevorzugte Sorte (Victoria) rco,; geringe Erträge (vom ha durchschnittlich weni* ge; > öotl kg im Werte von etwa 350 Fres.) gibt. Pie*!>t ein allzu geringer Rohertrag, selbst wenn m. m die laufenden Spesen der Mandclkultur noch s״ ..cring veranschlagt. . Vor wenigen Jahren hat 11,.י., eine italienische Sorte kennen gelernt, die 1111:0• den gleichen Umständen das 2 und 2U• fache an l;r: . g ergibt. Die Umpfropfuiig mit dieser Sorte v. 1. aa Maadclkiil'ur dort sicherlich einen bedeutend, Auischwung geben. An diesem einen Beispiel : ui.m so recht sehen, welchen enormen Nutzen v. rechtzeitig, sagen wir vor 20 Jahren cingelcitctc \. ־ .!chstätigkeit — in diesem Kalle vergleichende ielsoitcnbauversuciie — hätten stiften können. 'he Unrentabilität des Weinbaues hat ferner die urksamkeit wieder mehr auf die älteste Kultur- 1 •׳׳V l'aläMliia-., »len Ollmnm, lilligcleukt, Mau ,׳. m/t ihn ,1h einzige Kultur im emtcicn Verbände >• "׳•hl als mit 11er Absicht, Zwischenkulturen zu h oben, in weiterer Entfernung. Die HO Bäume, c dche im letzteren Kalfe auf den ha kommen, erc ben. soiern man mich in Rcchoboth gut informiert l״t, in guten Lugen vom 5.—ü. Jahre an 500 Kr. pro 1. also unter Hiir/ureehmmg der Unterkultur unverreichlich mehr als etwa der Weinbau. Als eine 1 tercssamc Kultur fand ich auf einem kleinen Kcldc,!Is bessern Bodens, teils sogar in einen Sandberg; u-iuragend, Baumwolle. Der Besitzer konnte mir , ruber keine nähere Auskunft geben, icli nehme aber;,ne •weiteres an, dass es die auf Bewässerung! inen Anspruch machende Varietät war. Auf dein Heimwege von Rcchoboth nach Jaffa lassierte ich Ri schon. Linen grossen Teil seines \reals nehmen gut gehaltene Weingärten In Anvrucli. Die Piece de resistancc von Rischon ist der .imite, riesige und opulent gebaute Weinkeller, der! ciicrdings. nachdem verschiedene Kolonien eigne Kdkrraumc anzulcgcn vorgezogen haben, wohl auch zur Erntezeit niemals voll in Anspruch genommen war. ln Kellcrciangclcgcnheltcn nicht sachverständig, laum ich mir kein Urteil über seine Leistungen erlauben, jedoch möchte ich der Verwaltung den Rat geben, einmal einen Riesenverkauf von Käsen, Kupfer, Messing etc. vorzunchmcn. Das Maschinenbaus z. B. hatte wenig mit einem solchen gemein, es sah vielmehr aus, wie der Trödclschuppen eines Altmetallcisenhändlers in Berlin C., insofern kleine Dampfkcssel, Pumpen, Gasmotoren, Rohrleitungen, Messinghälme, Ventile u. v. a. wüst durcheinander lagen. Die grösste und am dichtesten besiedelte (2500 ha., — 16011 Seelen) Kolonie ist das nördlich von Jaffa gelegene Pc tach Tikwah. Die Ansicdlung ist in ihren filteren Teilen eng gebaut, schmutzig und 11nfreundlich. Hauptsächlich ist dieser ungünstige äussere Kindruck dem Umstande zuztiselircibon, dass weitaus jeglicher, auch der einfachste gärtnerische Schmuck der näheren Umgebung des Hauses verschmäht ist. Die wenigen Ausnahmen zeigen, dass ohne jeden Luxusuitfwand freundliches Aussehen zu erzielen Ist. Ich kann mir kein Urteil über die ästhetischen Bedürfnisse der in Palästina cingcwanderten Juden erlauben, ich möchte aber auch hierin die Leiter der Kolonisation nicht von aller Schuld frei sprechen. Mit verhältnismässig geringen Mitteln hätten sich gute Beispiele von nett umpflanzten Häusern schaffen lassen. Das ganze Lehen PetachTikwahs konzentriert sich auf die Orangcnknltur, und seine Bewohner haben cs hierin offenbar zu ansehnlichen Leistungen gebracht, — und sich dadurch zu einem grösseren Wohlstand aufgeschwungen. Obwohl bereits von Überproduktion gesprochen wird, sali ich mehrfach Arbeitertrupps mit der jeder neuen Anpflanzung vorangehenden Rajolararbeit beschäftigt. In dieser sehr schweren Arbeit konkurrieren die indischen Arbeiter (meistens Kolonnen von unverheirateten) nicht nur mit den Arabern, sondern leisten sogar in der gleichen Zeit iiielir, verdienen also auch bei gleiche.11 Akkord•!־.atz mehr. Gerade eine so schwere ׳and zähe Übung erfordernde Arbeit widerlegt den den Jüdischen Arbeitern oft gemachten Vorsvnrf, dass sie physisch 11111 den einheimischen Arbeitern nicht kiinkiirrlercti Minnlcn. Diu gi-dnchle KuHni'iii'Ml wild mit einer fein׳ schweren llm.he, die bis zu .111 cm hielt mul ebenso hoch ist, vorgeunmmun, ich habe niemals irgendwo in der Welt bei einer landwirtschaftlichen Arbeit ein gleiches Quantum von Kilogrammetern leisten sehen. Neuerdings weidet man der Anlage von Obst• Plantagen grosses Interesse zu. Ls finden sich in P. T. bereits mehrere grosse Plantagcn-Ncuanlagcn. die mit verschiedenen, meistens aus Krankreich bc• zogenen Äpfel-, Birnenetc. (Sorten bepflanzt, in den nächsten Jahren zu zeigen haben werden, ob der Obstbau im dortigen Klima mit der bisher übliehen Pkintagenwirtschait konkurrieren kann, oder :11111 gar überlegen ist. Zwischen den Plantagen fand ich auch grössere leidlich bestandene Getreidefelder, im übrigen Hesse siel; ven der eigentlichen Landwirt• schuft dasselbe sagen, was Ich bei Rcchoboth monieren zu sollen glaubte. Ich könnte noch eine Reihe von Linzelheiten aus den genannten und einigen anderen fluchtig berührteil Kolonien anführen, müsste mich aber dabei in vielem wiederholen und ziehe es deshalb vor, einige allgemeine Sclilussbcmerkungen zu machen. Keineswegs Mangel ’ an Strebsamkeit ist mir meistens entgegengetreten, wohl aber;and ich vielerorts allzuviel Unsicherheit und einseitiges Bevorzugen bestimmter Kulturen, in denen man eine gewisse Routine erlangt batte. Wo die Intelligenteren nach Portschritt uni Neuerungen strebten, fand ich ]läufig eine allzu naive Vcrsuchsanstellung, die grosse Unkenntnis mit den Schwierigkeiten exakter Vergleiche 11. ä. verriet. Ks fehlt eben atlerwärts an plainnässiger Direktive und der Khekt ist deshalb unzulänglich. Einc Reform kann ich mir nur so denken, dass in jeder Kolonie eine oder mehrere Musterwirtschäften unterhalten werden, die sieb ganz und gar In den Rahmen der dort heimischen und 11 c r k ö 1111111 i e 11 e n Kulturen eiiifiigen. Ausserdem bedarf es auch in geringerer Zahl der Anlage von Versuchsfeldern. Versuchsgärten, Versuchsplantagcn, welche neue Sorten, neue Methoden zu erproben hätten. All diese Unternehmungen niiissteil an einer Stelle ihre Spitze haben, als welche sich, wie bereits erwähnt, seiner natürlichen Beschaf'enheit nach, Mikweh Israel sehr gut eignen würde Nicht verschweigen möchte ich schliesslich, dass mich die Stellungnahme der türkischen Regierung, gegenüber allen Fremden, speziell den jüdischen Lin• Wanderern, ein grosses Kragczeicheu hinter all diese Vorschläge machen lässt. Unter den vielen neuen Eindrücken, welche der Orient für mich brachte, war einer der stärksten die Indolenz ja mehr noch die instinktive Abneigung der Rcgicrungsorgane allen Kragen der Landeskultur gegenüber, und ich bin geneigt, daraus sehr pessimistische Konsequenzen zu ziehen. Da aber den massgeblichen jüdischen Kreisen niclns ferner zu liege.־( scheint, als auf Grund solcher Erwägungen ihre Position in Palästina zu räumen, so muss allerdings energischer als bisher in der von mir angedcutctcn Richtung planmässig vorgegangen werden. Das ünterrichtswesen In der neuen Türkei Auf dem Gebiete des Untenichtsweseiis hat In der konstitutionellen Türkei die Reformära eigentlich erst mit der Ernennung Nail Beis zum Unterrichts• minister begonnen. Obgleich er erst seit ungefähr einem Vierteijahr an der Spitze dieses Amtes Stent, hat er bereits eine bedeutende Wirksamkeit entfaltet, die zv.eiiclios iür viele junge Zionisten von Bedeutung und Interesse sein wird, da diese energischen Reformen, die Zeit näher zu rucken scheinen, in der unsere Pioniere iiire Ausbildung auf türkischen Schulen und Hochschulen werden finden können. Kr iiat eine neue Sektion für S c 11 u I i n s p e k t i o n geschahen. Sie besteht aus vier Inspektoren, die direkt dem Minister beigegeben sind, aus zehn 111spektoren für die niederen (ibtidaye) und die höheren Normalschulen (ruschdfe) und vier Inspektoren für die Mädchenschulen. Die neue Sektion wird nach Massgabc des Bedürfnisses erweitert werden. Auch die Krage der Beaufsichtigung der Schulen der nichtmohammedanischen Konfessionen befindet sich im Stadium der Prüfung. I caiismus. aus Zeitvertreib, möglich aus politischer \'*.twendigkeit. So aber wurde der Zionismus eine '־.Veitanschauung. Das ganze letzte Jahrhundert war uns ein .",reben nach Kultur — aber cs war ein Irrtum, ein Streben nach falscher, nach fremder Kultur. Erst v Ziwwismws bo\ \m vUe ehv/Age NUigUcUV.cU, dieses Miebeu in wirklich wahrer Korm zu realisieren, krst der Zionismus ermöglichte cs uns, Kultur- 1.1 ״sehen zu werden und nicht nur Menschen, die ' eh mit Kultur brüsten, die fremde Kultur um ihr >eclcnhcil erschachert haben. Und darum wurden wir Zionisten. Und hier sollte die Erziehung der jüdischen K.gcnd cinsctzcu. Keine grossen Worte: Heldentum, K,t1!k, Grösse, Idealismus — lehrt die Jungen, dass ocr Zionismus den Weg ins Freie bedeutet nicht aus uxellschaftlichcr, aus moralischer, wohl aber aus intellektueller Bedrängnis — sprecht so zu den Jungen י sind sic doch das Volk der Intellektualisten —' — Kleines Feuilleton Hin Jüdischer Reisender des Mittelalters Ein jüdischer Gelehrter, Obadjah ausBartonura in Portugal, machte In den Jahren 1473 und *v eine grosse Reise nach Italien, Ägypten mul der Türkei und berichtete darüber an seinen Vater in einem hebräisch geschriebenen Briefe. Noch bedeutend mehr wie Zeppelin heute hatte er auf seinem Segler mit widrigen Winden zu kärnpfeil. Er musste oft auf Wochen ans Land und war mehrere Male nahe daran, zu ertrinken. Uber Messina, das der Reisende auf einem Abstecher mittels einer französischen Galeere von Palermo aus besuchte, enthält der Brief folgende Angaben: ״Messina ist ein Handelsplatz für alle Nationen; von allen Gegenden kommen Schiffe dahin, da Messina in der Mitte des Pliars liegt, so dass Schiffe aus dem Osten und dem Westen du Vorbeigehen. Auch ist sein Hafen einzig in seiner Art in der Welt; die grössten Schiffe können hier bis ans Ufer kommen. Messina ist nicht so gross wie Palermo und hat auch nicht solche gute Quellen, aber die Stadt ist sehr schön und hat eine starke ־Festung. Es sind hier an vierhundert jüdische Familien, die ruhig in einer Strasse leben; sie sind reicher als die In Palermo, und fast alle sind Handwerker; doch gibt cs auch einige Kaufleutc unter ihnen. Sie besitzen eine, Synagoge mit einer Vorhalle, die oben offen, aber an den vier Selten geschlossen ist; In der Mitte der Synagoge ist ein Brunnen mit Quclhvasscr. Sic haben eine Verwaltung bestehend aus Auserwühltcu, die Jedes Jahr neu ernannt werden und sind in dieser wie auch in anderen Einrichtungen den Juden in Palermo ähnlich. Ich habe bei einer Trauung, der ich daselbst ungewohnt habe, folgendes gesehen: Man hat die Braut, nachdem man die sieben Segens- Sprüche verrichtet hatte, auf ein Pferd gesetzt; sie ritt durch die Stadt. Die ganze Gemeinde ging vor ihr her zu Fuss, der Bräutigam befand sich in der Mitte der Ältesten, und vor der Braut, die allein zu Pferde war, trugen Jünglinge und Kinder brennende Fackeln und machten ein lautes Geschrei, so dass die ganze Stadt erschallte; man machte die Runde in den Strassen und in allen jüdischen Höfen; die christlichen Bewohner sahen cs mit Vergnügen, und niemand störte die Festlichkeit." Von Messina fuhr unser Reisender nach Rhodos, wo er zweiundzwanzig jüdische Familien traf. Sic waren alle arm und ernährten sich kümmerlich von Gemüsen; sic schlachteten nie, aus Furcht, mit den dort wohnenden Griechen Unannehmlichkeiten zu bekommen. In Kairo wurde der Rabbi von dem Fürsten der Juden feierlich empfangen. In Jerusalcm will er noch bedeutende Überreste des salomonischen Tempels gesehen haben. Die Wiedererbauung des salomonisehen Tempels In Jerusalem ist, wie die ״Jewish World" berichtet, durch die Freimaurerlogen der ganzen Welt geplant worden, und zwar geht diese Bewegung von den Freimaurern von Boston aus, die jetzt um die Registrierung einer Gesellschaft, die sich mit der Angelegenheit zu befassen haben wird, eingekommen sind. Der Platz, auf dem sich einst in Jerusalem der salomonische Tempel befand, wird heute von einer mohammedanischen Moschee eingenommen.

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