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Jüdische Rundschau · 1909-08-20 · Heft 34 (20.8.1909) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 34 (20.8.1909)
Date
1909-08-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 300. JUßDISCME RUNDSCHAU No. 34. Gewissen der anderen, das ihnen diese Taktik cingibt. Das ist die Methode ßalizischer oder rumänischer Juden, die nach Deutschland kommen, um uns deutsche Juden in deutschem Patriotismus zu unterrichten. Wir kennen die Weise und kennen den Text, wir kennen auch die Verfass er-und wenn es notwendig sein sollte, reden wir noch etwas deutlicher miteinander. Professor Otto Warburg ln Noordwijk bei Leiden (Holland) feierte am 20. Juli der Leiter unserer Palästinaarbeiten, Herr Professor Dr. Otto Warburg in aller Sülle, im Kreise seiner Familie, seinen fünfzig• sten Geburtstag. Hätten unsere Gcsinuungsge* nossen rechtzeitig davon Kenntnis erhalten, so würden sie zweifellos der Verehrung, die sie für Professor Warburg empfinden, durch Spenden für diejenigen Institutionen, deren Entwicklung ihm am meisten am Herzen liegt, Ausdruck gegeben haben. Unsere Gesinnung• genossen werden das gewiss noch nachzuholen Gelegenheit nehmen, indem sie für den auf An• regung der Dessauer Ortsgruppe in Galiläa an* zulegenden W a r b u r g W a 1 d zahlreiche Oelbüume stiften. Hoffen wir, dass uns die tätige Energie des Leiters unseres palästinensischen Ko• l o n i s a t i o n s w e r k e s zum Segen unseres Volkes und Palästinas noch lange erhalten bleibt. Die Dankbarkeit des jüdischen Volkes wird auch den grossen Verdiensten Warburgs den gebührenden Tribut zollen, Verdiensten, die so klar vor aller Augen liegen, dass cs keiner Worte bedarf, um sie unseren Freunden näher zu bringen. Wir können nur wünschen! dass Professor Warburg aus der dankbaren An er* kvnnung, die ihm in der zionistischen Bewe• gung, auf Kongressen und bei sonstigen Gelogenheiten so einhellig zuteil wurde, Mut und Kraft zu weiterer Arbeit auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Erschliessung Palästinas schöpfen möge. Ihm verdanken wir zum grossen Teil die Initiative auf diesem Gebiete, und wie starken Schwankungen auch sonst in unserer Bewegung das Urteil über einzelne Ak* timten unterworfen sein mag, so gibt es doch wohl nur eine Meinung darüber, dass ein gedeihlichcs Fonschreiten unserer kolonisatorisehen Arbeiten in Palästina fast unzertrennlich au Warburgs Persönlichkeit geknüpft ist. Das vornehme und bescheidene Wesen Warburgs, der nicht nur für unsere Volksbe• wegung von entscheidender Bedeutung ist, son* dern der auch der Kolonialwirtschaft des Deutschen Reiches anerkanntermassen die wertvollsten Dienste geleistet hat und noch leistet, kennzeichnet sich eigentlich am besten dadurch, dass in der Tat selbst seine ihm näher stehen* den Mitarbeiter von seinem Geburtsjubiläum nichts wussten. So möchte cs am Ende auch nicht in seinem Sinne sein, wenn wir diesen nun schon vergangenen Tag zum Anlass einer eingehenderen Würdigung nähmen. Wir be• gnügen uns also damit, unsere Freunde und Leser darauf aufmerksam gemacht zu haben, in welcher Weise sie am besten ihrer Anerkennung für das Wirken Warburgs Ausdruck geben können. Herrn Professor Warburg aber rufen wir als nachträgliche Gratulation herzlich zu: Ad rnultos annosl Kleine Lehren Die ״Norddeutsche Allgemeine Zeitung", das halbamtliche Blatt der deutschen Regierung, bringt folgende Notiz.: Ahlde Strafe. Paris, 12. August. Das Zuch tp oll zeig er i clit hat den früher c n jüdischen H a u p t m a n n M a r i x, der wegen betrügerischer Machenschaften angeklagt svar, zu einen! Jahr Gefängnis verurteilt. Wir wissen nicht einmal, ob Marlx Jude war — das ist aber midi völlig glclehgiltig — und wir möch• len das deutsche Regierungsblatt nur fragen, ob cs bei Vergehen oder Verbrechen anderer Offiziere auch jedesmal die Religion bezw. die Herkunft crwlihnt, und ob es auch öfters die — Strafe zu milde findet?? U. A. w. g.f Diese illoyale Praxis der offiziösen Blattes erscheint in besonders eigentümliche»! Lichte, wenn man gerade heutzutage, wo die ״Eroberung der I. u f t" bisweilen zu recht chauvinistischen Auslassungen Stoff gibt, auch in konservativen Blattern den stolzen Hinweis auf ״unseren Deutschen Lilienthar als ersten Bahnbrecher des Systems ..schwerer als die Luft“ liest. — Das ist ja eben das Schicksal *der Schwachen, dass sic an ihren Schlechtesten gemessen werden. Der IX. Kongress Zwar sind Ort und Zeit des IX. Zionisten- Kongresses noch nicht genau bestimmt, doch ist soviel sicher, dass «er nächste Kongress Im Dezember dieses Jahres tagen wird. Bei der entscheiden• den B e ü c u 111 n g, die diesem ersten » a c h der Umwälzung 111 der Türkei stattlindcndcn Kongresse z.ukcmmu, halten wir cs fiir ratsam, bereits jetzt die Diskussion über die grossen politischen mul wlrtscliafispolitisclicn Fragen des Kongresses zu crüfinen. Die nachstehenden Zeilen über die Äusserungen von Dr. Riza Tewfik Uey, der noch oft zitiert werden wird, scheinen uns eine ganz, geeignete Einleitung zu dieser Diskussion. Ebenso selbstverständlich wie wir jedem gern das Wort geben, der zu den ernsten Fragen unserer Bewegung etwas wesentliches in angemessener Form zu sagen hat, so selbstverständlich können wir uns nicht mit den hier vorgcbrachtcn Meinungen ohne weiteres identifizieren. Das Für und Wider Jcticr Sache dürfte auch ohnedies so reichlich zur Geltung kommen, dass wir darauf verzichten können, unsere etwa abweichende Meinung jedesmal besonders zu dokumentieren. Indem wir unsere Leser und Freunde zur Teil, nähme au dieser Diskussion höflichst cinladea, be. merken wir noch, dass wir die rein internen!,arteifragen der zionistischen Bewegung _ ohne die grosse Wichtigkeit z. B. der Organismus, frage etc. im geringsten zu verkennen! — vorläufig aus der Erörterung in der ״J. R." aussehaltcn m״ch. ten; sie finden ihre Besprechung besser im Zentral, organ der Partei als in einem Landesorgan. Je mehr aber die grossen prinzipiellen Fragen der Politik mul der Kolonisation vorher diskutiert worden siiui, desto rascher und reifer können die he. schlösse des Kongresses uefasst werden, | auf dem ja alle Meinungen nur in RösunRs wieder- I holt werden können. So möge auch diese Krorwning der Ziele und Wege unseres Strcbens der Sache des jüdischen Volkes zum Segen gereichen! Redaktion der ״J. R.״. w Dr. Kizu Tewfik liey und der Zionismus ln ihrer Nummer 32 veröffentlicht die ״Jiidi .ae Rundschau" die hochbedcutsame Unterredung ei. .er Mitglieder der Deputation des türkischen Parlamentes mit den Vertretern der English Zionist Feder.!. 1 >;u Ans den Worten Dr. Riza Tewfik Heys * zweifellos klar hervor, dass die Verlautbarungen der Alliance über die Stellungnahme Dr. Riza Tcw. Iiks zum Zionismus nicht den Tatsachen entsrpeehen. Aber noch ein anderes kommt in den Aum'.iIirungen Riza Tcwiiks — besonders dem Korres!..-«. deuten der ״Welt" gegenüber — unzweideutig /.na Ausdruck, nämlich dass die Türkei tatsächlich!!:»er die letzten Bestrebungen des Zionismus ernste hefürchtungen hegt, über die Bestrebungen zur f:r!.!ngung der S c I b s t v e r w a 11 u n g für die in i kistina und dessen Nachbarländern geschlossen .11,. zusicdelndcu jüdischen Massen. Wir müssen erkennen, dass das Verharren des Zionismus bei diecsn Bestrebilligen, deren eventuelle Verwirklichung in weiter, weiter Zukunft liegt, iiir die gegenwärtige zionistische Arbeit ein ernstes Hindernis darstelli. m• dem cs die Aufhebung der Finwaudenmgsbesclir.m• kuiigeu zum mindesten zu verzögern, vielleicht sogar zu verhindern geeignet ist. Wir müssen wohl oder übel Dr. Riza Tewfik Bey zustimmen, wenn er 11ns rät, auf dem Wege zur V!•.׳■• wirkliehung des zionistischen Ideals schrittweise, von F.tappe zu Etappe vorzugehen. Warum sollten wir «ns in unserer Gegenwartsarbeit ein Hemmnis bereiten durch das Betonen von Bestrebungen, deren Verwirklichung das Gedeihen dieser unserer Gegen• wartsarbeit zur unbedingten Voraussetzung hat? Die Gcgcnwartsarhcit des Zionismus besteht in der Rück* crzielumg der gesamten Jtulcnheil zu einer selbsihc• wussten Nation, — Rn ck kehr zum Judentum — und in der Riickvcrpflaiizung dieser Nation nach Palästina — Rückkehr ins Jude 11 fand. Zur Psychologie der Jungjuden Von Heinrich M a r g 1111 e צ - Leipzig. 1. Dass der junge Zionist ein Idealist ist, dass er sich nur aus jugendlicher Begeisterung zum Zümisimis bekennt, ist ein Dogma, 1u\ dem weder Zümist noch Niclitzionist zu zweifeln wagen. Nur einer ist hierin etwas skeptisch, nur einer glaubt cs besser zu wissen -- das ist der junge Zionist selbst, ln der Tat ־•• warum will man uns durchaus besser machen als wir sind? Seien wir offen: die grossen Worte wie sittliche, nationale Heldentat, Edelmut, Stolz — Kriecherei, Feigheit usw, berühren uns im Grunde gar nicht so sehr, wenn wir uns auch noch so oft an ilmen berauschen. Wenn der Zionismus uns nicht mehr hätte bieten können als dies —־ wir wlircn nicht zu ihm gekommen, Die jüdische Jugend ist über derlei Motive hinaus, die jüdische Jugend ־— doch davon später. Aber man sollte auch In der Methode vorsichtiger sein. Nicht stets die ideale Seite zeigen, betonen und predigen. Es könnte geschehen, dass der jugendliche Zionist, sobald er das skeptische Alter erreicht, so* bald er erkennt, dass der Idealismus unmodern ist —, dass er dann init allen anderen Idealen auch den Zionismus über Bord wirft. Und wozu auch! Ob der Zionismus etwas Grosses, etwas Edles ist, mag die Zukunft lehren. Man wird darüber urteilen, wenn der Zionismus selbst (als Bewegung genommen) bereits der Vergangenheit angelüirt. Sieh zu einer Aiiseliammg bekennen, mir weil malt sie für gross und edel hält, ist auch dann stets etwas Zweifelhaftes, etwas eminent Gefährliches, wenn mail noch jung ist. Es stände schlimm um eine Bewegung von solcher Tragweite, wenn sic nur auf der Aestlietik der Gefühle basieren würde. Dies ist ja glücklicherweise liier auch nicht der Fall*. Der jtmge Zionist ist kein Träumer, kein Idealist, kein begeisterter Verfcclitcr der Idee. ״Der Zionismus hat der Jugend ein Ideal gegeben!'* — Möglich — so war das eine der zahlreichen Wohltaten, die der Zionismus mit sich bringt — aber das hat uns nicht zu Zionisten gemacht -־ das nicht. li. Es gibt dreierlei Arten von Zionisten: Zionisten nus Individueller, aus politischer undaus imcllektucllcr Notwendigkeit, Die ersten — dus sind die Zionisten des Temperaments, bei den zweiten tritt die Er* wägung, die Uoberieguug dazu, bei den dritten ist cs Sache der Notwendigkeit schlechthin, der intcllcktuclien Entwicklung: wenn man will: der Welt* anscliaming. Die ersten — das sind die Trotz-Zionisten’, zwischen ihnen und den blossen Abwehrvereinen, zwischen ilmen und dem K. C. und dergl, sehe ich keinen allzugrosscn Unterschied. Die zweiten findet man selten unter der Jugend. Die Jugend kümmert sich wenig um Politik und Soziologie — sic versteht davon auch nicht viel mehr, als man ihr vorplappcrt. Die dritten schliesslich — von ihnen will ich hier reden. Dass uns der Zionismus eine intellektuelle N<>1• wemljgkcit wurde, dass wir ihn als solche crkannu.ii, danken wir weder dein Antisemitismus noch du,1 Zionismus. Weder die ״Gemeinheit" und ״Roheit" des ersteren, noch der ״ideale Gehalt'* des letzteo n vermochte uns dazu zu bringen. Von dritter Seite ging der Zwang aus, von Männern, die gleich uns dem Judentum entstammte», die aber mit uns keine.■Vi Fühlung mehr hatten. Sie gingen den Weg. den u l• leicht auch wir gegangen wären. Sie aber zeigten uns, wohin dieser Weg führt — sic machten!ms stutzig, durch sic kamen wir erst zur Besinnung. Der Zionismus war in seinen Anfängen eine Reaktion, eine Reaktion auf politische, Wirtschaft• liehe, gesellschaftliche und moralische Zustände. Der Zionismus des jungen Juden aber war in erster Reihe eine Reaktion auf jene Männer. Nicht!11• Schlechtesten gehörten zu ihnen — sic bilden t uwahr eine stattliche Reihe. Von Heinrich Heine, der trotz allem so fest im Judentum wurzelte, dass er, wenn auch reichlich spät, selbst noch seinen Irrtum einsall und zu seinem Ausgangspunkt zurückzukehren den Mut fand — von ihm an bis zu Walter CaR, bis zu Welm'ngcr, die zu dieser Einsicht sich nicht mehr durcliztiringcn vermochten — den Mut hierzu nicht mehr fanden. Wciningcr und Walter CaR sind Typen des modernen, deutschen, jungen Juden — Wciningcr der Wiener, Walter Cal6 der Berliner. Nicht alle haben so viel von sich reden gemacht wie diese beiden, denn nicht alle waren so konsequent wie sic. Aber viele, nur zu viele sind gleich ihnen gescheitert, zu Grunde gegangen in dem vergeblichen Bemühen,

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