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Jüdische Rundschau · 1909-08-13 · Heft 33 (13.8.1909) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 33 (13.8.1909)
Date
1909-08-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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e=r=5> ü \ 1 u u Das Buch Joram Von Georg Hecht-Leipzig. Es ist eine alle Binsenweisheit, so billig, dass man jjc nicht geschenkt nehmen möchte: Das Leben ist jwiisaiti. »ei»! mehr als das; cs ist ungerecht. Scli.i.a titulier. Das Kail der Zeiten rollte durch ,״ehr als ••"ei Jalirtaiisende, aber wie vordem ist cs (■chlicbc‘•:: Der Gerechte leidet, dem Frevler crgclu's vvohl;1 ui l-rden. Die letzte Frage (- und nicht unr an l.et.׳!.1׳ im Werte! — ) wird der erste Gedanke, vic lli-'t־ «:aalvoll ticlizt: Warum, 0 Gottl Warum? Und 111a:: «'er eine mit dem Manne aus dem Lande l!t vor «!er gewaltigen Grösse der ewigen Allmacht mit dei lVimit «los F.rdenwurms resignieren, und mag siet« «la . Jcre in der zerrissenen Verstandesweisheit <jCj K«*I1< -1: ״Alles ist eitel und Jagd nach dem Wind!" «•׳•a! bitteren Trost finden, die Frage bieibt im (irmi!• ewig; nicht Resignation, noch Negation Können 0- •' Menschen genügen; die Harmonie des Gatt -in •-!! Fiilileiis vermögen sic beide nicht aufs i'.cuc akii -ai zu lassen. — Nur einer, der in den liiliaida: «U־iihlen der Hagadah bisher ein unbcachictes n.1- .1 batte, war so glücklich, eine neue Hartu, 111c m■■«•!• Seele zu erringen, und von diesem Hinein \\.;׳ •G1 liier nach dem Hcrichtc des Dichters’‘‘) Hur/, er/..nicht von dem Drama, das er litt, mr sehhait von dem Huche, in dem cs verzeichnet. ״Iv'.il!•'. Mordechai ben Gabirol, der Syrer, erzählt ii! .י*׳״ Dnclic, das genannt ist ״Die Kranze der!s'iidcrbauv. Lebens - Deschrcibungcn“, Dass ein Manu w״r Israel von den Kindern Gad, der wohnte zu Omca llaphercseh bei den Eingefassten Teichen, Und war satt Name genannt Pinchas .... Ein Mann 1:111er rn, schlecht und recht und harten Wandels ah «.״! Israelitcr. . . . Und hatte einen Sohn von Kiiiai. Weihe. Mit Namen Joram; aber mehr denn du! eau.11 ... ae er nicht; Des wurden froh, die seiner ans.iltcii. mal seines Vaters Herz voll vieler Freude, 1;r.J Ja a.ie.sten voll Trostes, Denn er war beides, hemm m.d wohlgesehaffcn, rötlich und weiss, dazu tin l.aafa unter den Wett Lüufcrn, und all sein Wandel imMiaflich vor dem Herrn von Kindes Tmtai.״ I'ud Joram ward mannbar und heiratete Jtzeijc!. ane Tochter Zacliri. Aber die. Ehe blieb 1: n 11 11 e 111 b a r. Doch trotz der drängenden Unten des Vaters verstiess Johm1 sein Weib nicht, v. ic er hatte tim körnten ״nach dem Gesetz, das ge- Klmehen ^:elit, von den Unfruclrtbarcn," Denn das Weil» war süss und lauter, gross und sehr sänftlich, und niivei .iisehter Seele als ein Kind; und Joram w. «r ihr 11׳•U. Und hiess sic wohnen an seinem Her- 701."!'ir.e'm.s war bedrückten Gemütes und endlich starb a und w ard begraben mit seinen Vätern. Joram hatte ..las geerbt und einst ״begab cs sich, dass er auszid.eii musste seines Handels zu pflegen.“ Er «bergab ״lies seinem Weibe. ״Denn cs steht geschnei en: >u wer sein Maus verlüsset um mehr d.cnn drei I a^e, der soll einen Statthalter bestellen, weleher su an seiner Statt, auf dass sein Name nicht fahre unter den Leuten.“ Dann nahm Joram Absdiied. ״Und Joram herzte sein Weib lange mit Arme:, nml Uppen, denn er war ein fröhlicher Mann." b'ntav. e״s wurde Joram von Räubern ״von den Kittdem Chasch" überfallen, seine Knechte erschlagen, er se!0M verwundet und als Gefangener verkauft. Nsir ein Utecht war dem Gemetzel entronnen; dieser .•wdaeaie sich wiederum zu kehren gen Otpcn flanket •..di, als ein Botschafter, dass ers denen dort ans.iuie Der selbige Knecht lief zwölf Meilen und ,׳is'ii׳. water, drei Stunden Weges und nicht mehr, ^mkin allda erschlug Ihn der Herr und starb dos Todes ::: der Wilsto." (1 ".)"! וווו aber war ein Knecht im Lando Chaldacu." - Hs )«•um nicht unsere Absicht sein, auch nur auszugsweise von dem Schicksal Jorams als Knecht beriaucn. Wer nach diesen wenigen Proben schon die lidiigc Einfachheit eines biblischen Berichts erbdilt t::'d dankbar die genialo Anpassung des Luther- Kliei, liibcldeutschs an den hebräischen Text be* "•׳umiu t, wer mit Ohren hören und wessen Herz emp- ‘1«deii!;am), wer in der Unrast des Tages und der Mnnhcr«eltharcn Fülle der heutigen Literatur nach einer ׳,׳ästigen Erhebung dürstet, der wird nicht voriaimiai, das Schicksal Jorams in dem erstaunlich <>11110.11 |}uehe .selbst und immer wieder zu lesen. Die vielen Feinheiten in der Schilderung von den vor* plilidien Versuchen, ein Löscgeld für Joram zu 'i!׳Icn, lassen sich ausserdem doch nur Im ganzen Zu- *jimmuthang vortragen, soll nicht das Desto: die kfufi. die uns fortrclsst, verloren gehen, ,, •laitig: Joram wurde nach fünf Jahren der Knechtschaft frei und zog, reich beschenkt, ln dio ') R. Borchardt! Das Buch Joram. Leipzig• unwI-Vcrlog) I9U7. ר J f] ü ח ע"■" יי 1; \ V u kjJ 1׳'m״״״״*i Mürr צ"" Hut Gelten seines Weges ,״ ‘a 1™01,'H ״nd wartete sein in! Schwelgen iMondes und der Sonne.“ Und so kommt er clUcklicii ־ ״ f1‘ cj'lüi»,Verständnis für das ganze biblische MiliwU und für die seelischen Erregungen seiner Mensehen hisst uns der Dichter erkennen, welche Vcr- Änderungen seit Jorams Abreise vorgegangen sind; ist er doch selbst weissbärtig geworden und versteht gar nicht mehr die alte Sprache; er wird darum gar nicht erkannt. Und nicht nur ringsum alles trägt cm anderes Qcsicht, sogar — weich* bange Ahnungl •- auch sein eigenes Haus ist Joram fremd. ״Wo ein Feigengarten gestanden war, da war eine l ennc; und wo ein Weingarten gewesen war, stand Brache. Und Joram stand auf, und trat herzu, allda fand er das Tor nicht, das er gebaut hatte. und war voller Angst und Wahnwitz und ging um das Haus, Als ein Dieb, nach dem rückwärtigen Hofe, die iiir zu suchen; diu selbige fand er nicht, Sondern einen Gang unter Lauben . . . und trat ein . ... so sah er allda ein Weih, schimmernd von köstlichem Purpur und tönend von Steinen und Golde . . . . Und Joram erkannte an ihren Salben und Geruch den Atem ihrer Hurerei; und wurde ihm sein Herz froh zur selbigen Stunde .... Denn er sähe wolil ein, dass Jezebcl seine Habe verkauft habe mul lobte ihr Tun; .... Und Joram sprach zu sich selber: Lasset uns ein Fest machen und fröhlich sein nach dem Harme 1 . . . und er trat hinzu, Das Weib aber bog sich rückwärts mit starken Augen und Winken wie zuvor und lachte. . . . Jorain trat zu ihr ins Tor und sic goss das Schwelgen ihres Mundes in ihn aus wie heisse Nardcn; Bis herzu kamen zween Mägde mit Lampen ihnen zu leiten; allda erkannte Jorain sein Weib, Jezebcl, die Tochter Zachrl, eine Hure.״ Jedes Wort ein furchtbarer Kculensclilag, von dessen Gewalt jedes Gemüt im tiefsten Innern erschüttert werden muss. Das ist mehr als der Verlust von Kindern und Herden, da verstummt ieder Klageton vor solchem Schicksal, liier wäre selbst Wahnsinn nicht der genügende Ausdruck des Schmerzes, der zu gewaltig ist, um sofort ganz empfunden zu werden. Es muss eine Ablenkung erfolgen. Wie viel Kunst, wie viel heiliges Eindringen in die menschliche Seele diese wenigen Seiten enthalten, das kann hier kaum angedcutct werden. Der Ungehorsam der Mägde bringt Jorain zu einem mechanischen, rcilcktiven Bewusstsein, und so fordert er Rechenschaft von seinem Weibe, ״als einem Statthalter, dass Du vor mir bestehest und gerechtfertigt seiest vor dem Angesichte des Herrn.“ .Und das Weib antwortet abermals aus dein Dunkel und sprach: Du lügst; sondern ich weiss von keinem Gemahl, dass iclt Ihn hätte; so Du aber die Wahrheit sprichst, so rufe ins Haus nach Deinem Sohne, ob Du einen habest, dass er Deinem Eide helfe und strafe mich LügenI" Dies ist, nebenbei bemerkt, der Angelpunkt des Dramas. ״Und Joram ward stumm, und ward eine Nacht in ihm; und stand auf schweren Leibes. Das Weib aber sprach aberi mals und schrie: Siehe, ich bin in Deiner Qcwalt . ... als eines Fremden und nicht als meines Herrn, und hin Dir nicht verhaftet . . . . D e nn ich 11 abc kein Kind von Dlri . . . . Noch tiefer ergreifen uns Jorams Worte von der göttlichen Macht stolzer, erhabener Fraucnschönheit, Worte, die er seinem bedrängten Innern mit der Wollust, dem Schmerz und der Trauer, der Selbstzerilcischung abringt. Und da erkennt er in seinem Geschick den harten Beschluss der Gottheit. Was soll die VcmtwottWMt des Weibes, mit. dem et vcrimnden Ist, olmo ein Kind zu zeugen? Geschieht denn nicht alles nach dem Ratschluss Gottes? Wohlnni 80 mag sich die Gottheit verantworten, Und Joram geht, mit Gott zu rechten, ״damit dlo Welt nicht untergeh zum zweiten Male an Joram." Dreimal, wio Hiob, klagt Joram dlo Gottheit an. Der Engel des Erbarmens kann ihn nicht trösten. Dass ihm’ sein Recht geschehe, fordert er stark. ״Und joram blickte gegen die Tür des Söllers, ob der Engel sich stellte als Fürsprech Oottos, Gott zu er- Zeiten vor Joram; da kan niemand." Also spricht Jorain zum dritten Male, noch gewaltiger, ״Denn cs Ist Deiner Engel keiner so stark, dass er mich gcschweigctc und auf sich nähme Dein Gebrechen vor mir, atisscr Du selber kämest Dich zu offenbaren, che* ich stcrbcl — Und Joram blickte abermals in die Türe des Söllers, ob er otwas sähe, Und vermeinte, er sähe Gott selber wio ein weinendes Gesicht in einer ungeheuren Hello, nicht länger als eine Wimper schlägt, und war geblendet, dass er nicht sähe, Noch erkannte, was in der Türe stand und gegen ihn aus- ״in׳״, ihm zu antworten. .Es war aber sein Weib, die**!'.:!: suchte; und trug zwei Teppiche und Licht; und!egto ihn auf die Teppiche und lag bei Ihm und sprach nicht; und er fühlte ihr Gesicht zittern durch das Dichte der Nacht .... und wurden einer des anderen satt mit Tränen ....." Ijt * # Das christologischc Schlusskapitcl braucht keinen Uavonzuiagen. Denn trotzdem bleibt das Buch eine Erbauung fiir jedes Gemüt. Die wahre Frömmigkeit ist Ja eine Art der Äusserung von Seeleitstärkc, wio der Mut und die llofinung. Und hat darum schon Hiob vor den tröstenden Freunden unsere Liebe, weil er auch stark ist und fromm, während jene schwach und demütig-bigott sind, so darf uns Jorain, der noch stärker ist als Hiob, auch umso lieber sein. Dieser Joram resigniert darum auch nicht; so gewaltig und stark ist seine innere Frömmigkeit, dass ihn das Bewusstsein von Gottes heller Nähe tröstet; so wurzclliaft und suelcnfcst ist dieser Mann, dass Gott nicht erst zu ihm, wie zu Hiob, reden muss, und schon der Abglanz göttlicher Herrlichkeit ist ihm genug. Und aus seiner Seele waschen die Tränen alle Bedrängnis und Beklemmung fort. Ihn hat mit Recht, ja mit Notwendigkeit das Leben wieder! Noch eine Frage: Werden sich unsere jüdischen Dichter solche Stoffe auch weiter entgehen lassen? Bücher-Bespreehungen Dlo Juden, Schauspiel in 4 Aufzügen von Eugen Tschirikow, deutsch von Georg P01onskiy. München 1904, Verlag von Dr. J. Marchlcwski 6; Co. Obwohl schon vor längerer Zeit erschienen, findet dieses Werk bei weitem nicht die Beachtung in zionistischcn Kreisen, die ihm zukommt. Ein Schauspiel, nicht eine Propagandaschriit, wendet cs sich mehr nn das Gemüt als an die Vernunft. Aber vielleicht gerade deshalb wirkt cs um so tiefer auf den Loser, durch die packende Macht der Sprache, das tiefe Gefühl, das durch alte Worte weht, durch die wahrhaft realistische Darstellung, und die echt kilnstlerische Charakterisierung aller Personen. So, gerade so können wir uns das Leben der amten Juden in einer Stadt des russischen Ansicdlungsrayons vorstellen. Alle Richtungen, die im Judentum heute vcrtreten sind, der Assimilant, der Nnr-Philantrop, der Zionist, der gcsctzcstrcuc und der freidenkende Jude, sic alle sehen wir vor unserem Auge vorüberziehen. Und wohl nicht beabsichtigt, tritt doch schon bald am sympatischsten die Person des Zionisten und die derer, die ihm geistig naliestchen, hervor. Darum eignet sich dieses Werk vielleicht besser als manche zionistische Schrift zur Propaganda. Aber auch so, zur Lektüre möchte ich cs jedem empfehlen. Selten hat mich ein Werk derartig ergriffen. Vergleichen möchte ich es nur mit ״Elektra", mit dem cs nicht nur in der grausen Tragik der Handlung Aehnlichkclt hat. Zahnarzt L i c 111 w i t z. Kultur- und Blklum’siorisclirliic unter den Judt Palästinas. Von Josef Gcrstmann, Leiubcr 5(> Seiten. München 1909. Max Steinbacl Buch- und Kunstverlag. Der Verfasser gibt in seiner Schrift über das m« derne Schul- und Volksbil-Iungswcscn, sowie Uber d aiisgcbildcten Sanitäts« und Wohltätigkcitsvcrhäl nissc in Palästina Aufschluss. Jede Schrift, — mö; sie nun 5ft oder SfiO Seiten umfassen — die uns iib< die Kulturfortschrittc in Palästina berichtet, ist tti Ercudc zu begrüssen, auch wenn schon oft Gesagt! darin wiederholt wird, wie es in dieser Broschüi der Fall ist. Was der Autor uns vorführt, kennen w grösstenteils aus Vortrugen und zionistischen Zeitu gen. Trotzdem uns als) nichts Neues geboten wir Bt cs doch zu wünschen, das? solche Bücher imm wieder erscheinen, um den eingefleischtesten Qcgnc des Zionismus zu zeigen, dass Palästina kein so uri seliges Land ist, wie sic annehmen, und dass sich doi dnst Hcrzls prophetisches Wort erfüllen wird, 1r dem der yerfasser seine Schrift schticsst: ״Wci ihr wollt, ist es kein .Märchen!" Paul Michaelis, Berlin. ongegangene Bücher ment »tattllnuen. Dia mit bcxclchnctcn Werk« sind bare. *ur Ucsprechung vertuen. * * Max Nordaus Zionistische Schriften, heraus« geben vom Zionistischen Aktionskomitee, Jüd 8 c ^.° n 0 f *? e י0 •0 י• b• H., Köln und Leipzig 19( Rovohitlonsgeschlchton von M. Artzlbt schow, autorls. deutscho Übersetzung von $• Bi S0 }״ ״?Ä״A ״ d r« V11U r d, mit einer Einleitung v< Andrö Villard, einer autobiographischen Skizze ui einem Porträt von M. Artzibaschew. 2. Aufl. Vei lag Georg Müller. München und Leipzig 1909. I

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