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Jüdische Rundschau · 1909-08-13 · Heft 33 (13.8.1909) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 33 (13.8.1909)
Date
1909-08-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 33. Seite 381. 1,hre 1*70. Mikweh Israel Ist ein schönes, arrondier- (cs l.amlK״t von etwa 230 ha, cs besitzt - roh '> khssifi/iert - ■״ seinem nördlichen, von der Balm jajfa—Jerusalem begrenzten Teil, schweren humosen! Lciimlwulcn. in seinem inittlern Teil leichten humosen Lehm nmt lehmigen Sand; seinen südlichen Teil bildet ein sandiges Miigclgcbict, welches in die Dünen »bcrgeln. Neben dieser giinstigen Bodenbeschufien-!וסו ei freu! es sieh, weil im Stadtgebiet von Jaffa ״■leeei). auch noch der Steuerfreiheit. Dies ist nicht nur iin.m/iell von Bedeutung, sondern sehliesst auch jede Prscliweriing neuer Kulturen aus, die anderswo die v.hmscIk» Behörden in ihrem instinktiven Misstrauen ■regen jeden hottschritt als eine ihrer wichtig-! sten Auig.iben ansehen. I Vr die Leistungen der S c h u I c als solche habe ich kein Urteil gewinnen können; der Direktor war nicht .!;.wesend, auch waren Ferien, ich sah nur, j dass bereits Knaben von 10 oder weniger Jahren nufjjctv!•r.smen werden; ob an diese bereits irgend welcher spezifisch landwirtschaftlicher Unterricht er-!eilt \u1d. habe ich zu erkunden vcrsüumt, dagegen fragte ich. ob auch diese Kleinen bereits mit praktische:: \1 Beiten beschäftigt werden, und erhielt eine bejahe■ .de Antwort. Ich möchte daz.u bemerken, dass sich ia Deutschland alle Versuche, Knaben von 10, ין in die Aufangsgründe der landwirtschaftliehen :,i-.iNis ciii/iiführcn, als verfehlt erwiesen haben. Die JN.che artet einerseits filier kurz oder lang in werti.'c Spielerei aus, andererseits schadet die unvermeidlich auch öfters anstrengende körperliche Bescli.ui.gimg dem Unterricht. IW U 111 s w i r t s c 11 a f t bot ein Bild grosser Yerv .1 .!.iosimg dar. Offensichtlich mangelt cs an jeder;.eimischen Direktion. 1111 Felde fand {eit ln l־‘...s. jämmerliche Ochsen vor, mit ebensoviel arabise'u .1 Pflügen, grösstenteils von Arabern, einige auch v.v. Schülern geleitet, auch werden einige ältere Schule:• .ils eine Art von Aufseher benutzt. Ein Pilus׳ mit einem störrischen Maultier bespannt, welche:* ein Kummet mit nicht passendem Kissen trug mal dadurch augenscheinlich einen Druckschaden da\ongetragen hatte. So wurde cs nötig, dass cm Schäler das Maultier, ein anderer den Pflug führte. Der betreffende Plan sollte mit Durra bestellt werden, selbst das flache Durchwühlen (Pilügen kann man die Arbeit in unserem Sinne nicht nennen, da wir damit vornehmlich den Begriff des Boden- Wendens verbinden, eine Arbeit, die der arabische Pilm׳ niclit leistet) brachte Schollen zutage,• welche jeden praktischen I.andwirt dazu geführt hätten, niüglieliM bald eine Egge folgen zu lassen, da später eine Zerkleinerung nur durch günstigen Zufall möglieh ist. Wenn es, wie ich auch glaube, richtig war, in diesem Stadium den betreffenden Schlag nicht auf europäische Art zu pflügen, sondern nur aufzulockern, so bedeutet die Verwendung des arabischen Pfluges eine eimmie Verschwendung tut Menselienarbclt. Plc Arbeit jenes Nachmittages würde von ein Viertel der Menschen mit der Hälfte besser gehaltener Zugtiere vermittelst Urubbern viel zweckentsprechender ausgeführt worden sein. Von Futterbau war wenig zu sehen; eine kleine Mache schlecht bestandenen Klees war derzeit alles: fiir die spätere Jahreszeit schien durch grossere Maisaussaat besser vorgesorgt. Nachlässig waren auch diese Felder bestellt. Das Getreide stand miUelmüssig, auf einigen der besten Buden auch gut, Unkraut war fibcrall in sehr viel reichlicherem Masse als nach 37 jähriger vermeint* lieh europäischer Kultur hätte vorhanden sein düifen. Dieselbe Nachlässigkeit zeigten die Gärtn c r e i c n und die PI a n t a g c n; Einzelheiten aus- Zufuhren möchte ich liier unterlassen. in den Wirtschaftsgebäuden zeigte sich m gleicher Weise, dass jede ordnende Hand, jeder Ueberlilick eines Disponenten fehlt. Alles lag so heru״|. wie cs vor Jahren, Monaten, Wochen einmal dort iigend einem nützlichen Zwecke gedient hatte.; Um ein Beispiel anzuführen: Bei meinem Eintritt in;las Molkcrcigcbäude sticss ich auf eine alte ver- , rostete Zentrifuge und eine ebenso defekte Brut-; maschiuc. Das Milchbuch wies einen Tagesertrag v°n einigen 50 Litern auf, gleichbedeutend mit einem Milchertrag von etwas über 2 Litern pro Tag und Kuh. ist dieser Einzelcrtrag an und für sich höchst tranrijf zu nennen, so ist cs noch unbegreiflicher, dass dieses hübsche grosse Gut nur so viel Milch produ- *äert, wie irgend einer der Bauern in Sarona, dessen Besitz ein Zehntel an Flüche betragen mag. Es 'viirüc liier zu weit führen, ausclnanderzusctzcn, invielem die gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse darauf hinweisen, den Schwerpunkt der Wirtschaft »uf die Milch- und Butterproduktion zu; verlegen, aber ohne eine exakte Betriebsrechnung , n1<v/.u{uhrcn, lässt sich wohl sagen, dass das zehn- ן *■•ciic Milchquantum recht wohl erzeugt werden ■ Konnte, wenn mit Sorgfalt nach dieser Richtung hin 1 der Betrieb organisiert wäre. Schon deshalb sollte 1 in Mikweh in dieser Richtung gearbeitet werden,; weil cs dcr palästinensischen Viehzucht an leder - J UEDISCHg RUNDSCHAU_ wissenschaftlichen Direktive insofern fehlt, als über- , all m den langen Sommermonaten sehr wenig Futter tiir die Kühe disponibel ist und infolgedessen kaum irgendwo, abgesehen von den deutschen Kolonien auch nur leidliche Milchwirtschaft zu finden ist. Deshalb wäre cs ganz besonders wichtig, geeignete Futterpflanzen in grösserem Masse anzubaucn, welche eine bessere SoiiinicriilttcrmiK gewährleiste* tcn. ln erster Utile wäre auf das nordamcrlkanlschc Vorbild zurückzugreifcn und ausreichende Mengen von Mais zu ensilieren. Abgesehen von dem dringenden Bedürfnis, in dieser Richtung eine Musterwirtschuft zu schaffen, würde auch allein aus diesem Zweige bei rationellem Betriebe eine volle Rente für das ganze Gut hcrauszuholcn sein, da Milch und Butter etwa das doppelte von dem cinbringen, was hier zur Zeit erzielt wird, während die Produktions• kosten höchstens dieselben sein können. Obwohl die Milchproduktion der deutschen Bauern in Sarona durchaus nicht hoch genannt werden kann, verdanken sie ihr doch zum grossen Teile ihren Wohlstand. Es läge nahe, hieran die Frage zu knüpfen, wie solche Zustände Imbun cinrcissen können. Ich er* achte cs jedoch keineswegs fiir meine Aufgabe, darüber eine historische Untersuchung anzustelien. Nur das möchte icli nicht unerwähnt lassen, dass meines Erachtens dieser Skandal der Sache der gesamten jüdischen Kolonisation in Palästina ausserordentlich schadet. Man kann nicht erwarten, dass der fern* stellende Beobachter die verschiedenen jüdischen Unternehmen auseinander halten soll und die Zu* stände in Mikweh lediglich der Unternehmerin, der Alliance israclitc Universelle in die Schuhe schieben soll. Liegt docli der Schluss nahe und bequem, dass, wenn selbst mit den bedeutenden Mitteln dieser Institution auf einem vortrefflichen Ob* jckt nocli so Klägliches geleistet wird, in der harten Praxis der zum Zweck des Erwerbes geschehenen Ansiedlung erst recht nichts solides geschafft wird, insofern sind alle, welche an der jüdischen Koloni* satior. in Palästina Anteil nehmen, daran interessiert, dass in Mikweh sobald wie möglich eine konsequent( sachverständige Leitung eingesetzt wird. Ich kann mir nie 111 denken, dass die Macht der öffentlichen Meinung der jüdischen Kreise der Alliance gegenüber ohn* mächtig sein sollte. Hier folgt eine kurze Zusammenstellung der Punkte, die bei einer Reform zu berücksichtigen sind: Die Schule ist in eine untere und obere zu trennen, die erstere, wie jede andere Elementarschule zu führen und nur mit der Oberschule landwirtschaft* liehen Unter!feilt und praktische Übungen zu ver* binden. Die Hauptil.lcht der Farm ist als eine Muster* grosswirtsclmft zu organisieren, unter Bcrücksichti* gung der bisher im palästinensischen Klima gemach* teil Erfahrungen, jedenfalls aber unter Bo vor* zuguiig der Rind Viehhaltung res ין, der M11 e 11 p r o d u k 110 n oder unter Zurückstellung des zweifellos weniger rentablen Getreidebaues. Überall ist die Anwendung arbeitsparender Geräte anzustreben, neben dem europäischen Pflug sind (anstelle des arabischen Piluges) die modernen, amerikanisches Bodenlockcrungsgeräte anzuwenden, um die Wasserverdiinstung im regenlosen Sommer zu reduzieren. Aus alten Zeiten spukt noch die an* geblich billige Handarbeit des Arabers in der Wirtsciiaft. Diese ist fiir die heutige Zeit ein Märchen und nur durch Einführung erheblich rationellerer Arbeitsmethoden ist das Lobnkonto in ein richtiges Verhältnis zu den zu produzierenden Werten zu bringen. Neben der Orosswirtschaft sind kleinere Versuchsfelder zu unterhalten, auf denen systematisch diejenigen Varietäten der kultivierten Grnmincern, Leguminosen u. a. hcranzuzüchten sind, welche im dortigen Klima und Boden gute Erträge versprechen. Das allcrwichtigstc ist ein Experlmontieren darüber, welche Pflanzen die grössten Futter mengen für den Sommer zu liefern imstande sind, die nicht frisch, sondern wahrscheinlich als Silage ver* fügbar gehalten werden sollten. Der Auswahl geeignetcr Varietäten sowohl wie der Züchtung neuer Formen der in Betracht kommenden Plantagcngc* wäclisc: Orange, Wein, Mandel, Olive u. a. ist ein besonderer Versuchsgarten zu widmen. Schliesslich möchte Ich nicht versäumen, auf die Frage der Bodenkultur hier hinzuweisen, die deshalb für Palästina ganz besonders wichtig ist, weil dän* gende Substanzen: Mist oder mineralischer Dünger kaum je im selben Verhältnis zur Ackerfläche zur Verfügung stellen werden, wie etwa im dicht bcsiedcl* tcn Mitteleuropa. Est Ist dies die Frago nach der Stickstoffversorgung des Bodens. Es wäre deshalb ausserordentlich wichtig, umständliche Unter* iiclimungcn darüber cinzulcitcn, wie die Nitrifikation unter den dortigen natürlichen Verhältnissen erfolgt, cs ist wohl möglich, dass die Akalcszenz der dortigen Kulturbüdcn im Verein mit der viel erncrgischcrcn und längeren Einwirkung von Licht und Wärme, auf dem Boden eine weit erheblichere natürliche Nitrifikation bewerkstelligt, als bei uns je hat beobachtet werden können. Nur so lässt sich eigentlich erklären, dass die Araber seit Jahrtausenden dem Boden, wenn auch meistens nacli unseren Begriffen nur kläg* liehe Ernten entnehmen, ohne dass irgendwo liier eine nennenswerte StickstoKzufuhr nachweisbar wäre. (Leguminosen bauen sic nicht im erheblichen Umfange, nur auf ganz geringen Böden sicht man Lu* pinen.) Dies alles sind aber nur Vermutungen und es wäre ausserordentlich wichtig, ln dieser für den dortigen Ackerbau fundamentalen Frage Klarheit zu schaffen. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie viele Probleme dort noch der Lösung harren. (Schluss folgt.) Das Judentum am Scheidewege. Von Rabbiner Dr. Max Joseph, Stolp i. P. (Portsetzung.) Zur Beherzigung fiir solche orthodoxe Juden, die ähnlich wie Kaatz denken, setze ich die sehr verständigen Worte des orthodoxen Frankfurter Israelitischen Familicnblatts (6 Jahrgang No. 24 ״Eine Mali• nung") hierher: ״Eines aber hatte S. R. Hirsch nicht beachtet und konnte cs auch mit Rücksicht auf die sonstigen!־*fliehtcn, die die Zcitumständc gebieterisch erheischten, nicht beachten: nämlich, dass die Beschäftigung mit der ausserjüdischcn Gedankenwelt bei einer so zerstreuten Minorität, wie wir Juden sic darstellen, immer nur einzelne dem Judentum erhalten kann. Und so sehen wir denn, dass die wenigen im Hirschsclicn Geiste gegründeten Rcligionsgcjelischaftcn die Trümmer hunderter altiüdischer Dorf- und Kleinstadtgemeinden Deutschlands darstcllcn und sich aus sich heraus durchaus nicht so entwickeln, wie man es bei einer normalen Entwicklung voraussetzen musste. Der grösste Teil der Jugend dieser Religionsgescllschalten fällt trotz iiircr Erziehung in Schulen, die Thorawissen und allgemeines Wissen zu vereinen suchen, der uns umflutendcn nichtiüdischcn Kultur, mindestens in ihrer Denkweise zum Opfer . . . Man hat seit einigen Jahren begonnen, all die in Stadt und Land zerstreuten Reste der Orthodoxie zu sammeln und hofft, durch eine Konzentration der Kräfte der Schwierigkeiten, unter denen die gesetzestreue Judenlicit leidet, eher Herr zu werden. Es ist nicht ersiclitich, welche wesentlichen Besserungcu auf diesem Wege, der übrigens das Schicksal der Infolge äusserer Umstände der Sabbathbcobaeli• tung entfremdeten Majorität misscr acht lässt, erzielt werden sollen; bleibt doch die geistige Assimilation — der Krebsschaden, ucr auch an dem Mark der orthodoxen Judenlicit frisst — bestehen! Nach alledem sind die Zukunftsaussiclitcn der Orthodoxie keine erfreulichen, und zwar aus denselben Gründen, wie bei der Gesamtiudenheit; auch die Orthodoxie kann sich, wenn sic den bisherigen Weg weiter verfolgt, schwerlich erhalten. 1800 Jahre erhielt sich die Judenheit, weil sie sich Ihre Eigenart als Volk und damit ein ihr eigentiimlichcs Denken wahrte und weil die Sehnsucht nach einem Wiedererstehen im Lande der Väter ihr lebendig im Herzen blieb. Seitdem aber das jüdische Volksbcwusstscin. das erhaltende Qcfiiss für indisches Denken, geschwunden und das jüdische Volk zu einer Glaubensgemeinschaft geworden ist, — seitdem wächst der Verfall lawinenartig, und alle Qegenbemiibungen vermögen ihn niclit aufzuhaltcn. So sind denn die Worte Rabbiner Dr. Joscph's: ״Der orthodoxe Jude kann eine Besserung seiner religiösen Lage nur auf nationaler Basis und am ehesten In einem jüdischen, politischen Gemeinwesen er• warte»," eine Mahnung an jeden ehrlichen orthodoxen Juden, dem die Zukunft des Judentums nicht gleichgültig ist, zum ernsten Nachdenken.“ Und nun wieder zurück zu meinem Rezensenten! Kaatz wundert sich, dass ich von der ״logischen Unlialtbarkeit eines cntnationalisicrtcn Judentums" spreche. Darüber wundert sch ein orthodoxer Rabbincr! Kaatz will seinen ganzen, mit nationalen Elementen völlig durchsetzten Kultus behalten; er will mit dem 9. Ab sämtliche nationale Fast- und Trauertage bobachten, er will die vielen, rcliglonsgcsctzlich vorgeschricbcnen Erinnerungen an den Untergang Jerusalems mit liebendem Herzen pllcgcn und bewahren: und findet mcrkwürdigcrw׳clsc bei alledem als orthodoxer Rabbiner die Entnationalisierung mit dem religiösen Judentum vercinbarl Unlogisch ist. denke ich, was in sich widerspruchsvoll Istl

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