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Jüdische Rundschau · 1909-08-13 · Heft 33 (13.8.1909) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 33 (13.8.1909)
Date
1909-08-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 380. .!!IRDISCHE RUNDSCHAU No. 33. Das Sumpfgebiet der Hule umfasst einen zusammcnliängenücn Komplex von zirka 18 000 ha, der für die Wintcrkultur wegen der Bodennässe fast uitbrauchbar ist und nur zum Teil mit Sommergetreide angebaut werden kann. Mit verhältnismässig geringen Kosten könnten die sämtlichen Sumpfe und feuchten Niederungen trocken gelegt und die Malaria aus Palästina und Syrien verbannt werden. Die durch die Trockenlegung gewonnenen Ackerfluchen könnten die Kosten der technischen Arbeiten reichlich bezahlt machen. II. Oewiisscrung, Die Irrigation oder BodenbcwUsscrmig vermag die Erträge bis aufs Zehnfache zu vermehren. Man hat in dem benachbarten Egypten mit Hilfe der B c w U s s e r u n g D a u m w 011 e anbauen können. Diese Kultur wurde so lohnend, dass die Fellachen einen Reingewinn von filier 500 M. pro ha erzielen konnten. Die Bode ח preise stiegen daher in wenigen Jahren dank der }}odenbewilsserung.von 180—21)0 M. pro ha auf *1000—10000 M. pro ha. Durch die Möglichkeit der künstlichen Wasserzufulir wird der Ackerbau viel unabhängiger von der Unregelmässigkeit des Regenfallcs. Der Landwirt hat cs dann in der Hand, die Bodenfeuchtigkeit so /.u regulieren, dass die Pflanzen weder dursten noch .111 überreicher Wasserzufuhr zu leiden haben. Unter künstlicher Bewässerung kann mau Drangen, Citro* neu, Granatäpfel und andere Baumarten kultivieren. Aber auch Weizen und Gerste geben auf bewässertem Boden viel sicherere mul reichere Ertrüge als auf trockenem Boden, vor allem aber ist cs der Mais, die Luzerne und die Baumwolle, drei ausseist, lukrative Kulturen, die bei künstlicher Uodenbewässeruug angebaut werden können. Die in den letzten Jahren von dem Ba'ukhatise Soursok in Heyrout angcstcllien Versuche zum Anbau von Baumwolle haben nachgewicseii. dass diese Kultur in Palästina und im südlichen Syrien eine giossc Zukunft hat. hu nördlichen Syrien und Karomanien hat die Deutsch-Levaminische B;mmw״]l- Gesellschaft die dortige Bevölkerung zum Anbau von Baumwolle mit Erfolg ermutigt. Die Wasser׳beschaff ung ist in vielen Teilen PaUistinas, wie im Jordnntale, der Kison-Kbcnc und im östlichen Teile der Ebene Jcsrcel nicht schwer, da dort reichliche (.,Hellen und!Hielte zur Verfügung stehen. Dagegen in der Saroncbeue lind im Küstengebiete muss das Wasser durch Bohrungen oder Teiilbrmmeu erschlossen und durch Pumpwerke zu Tage gefördert werden. Diese Art der Wasserbcschafiung ist zuweilen kostspielig, hat sicli aber in den meisten Fällen als lohnend heratisgostcllt. Auf der Basis dieser Be־, wiisserimgsart hat sieh die ganz bedeutende Orangen- Kultur in Jalta und Pctach-Tikwah entwickelt. In Egypten hat sich ein besonderer Geschäftszweig lierausgcbildet, der darin beruht, dass Wasser gebohrt, gefördert und den Feldern der einzelnen Eellahcn zngewiesen wird. Der Preis des Wassers wird pro chm oder pro Eeddau und Saison berechnet. Mehrere Gesellschaften arbeiten auf diese Weise und bezahlen den Aktionüron hohe Dividende. Es besteht kein Zweifel, dass solche Gesellschäften sich ein hohes Verdienst um die Förderung der Bodenkultur erwerben, obwohl sie in erster Linie ihren eigenen Vorteil im Auge haben, und es wüte sehr wünschenswert, wenn die Initiative zu derartigen Unternehmungen auch für Syrien und Palästina ergriffen würde. Ich halte cs noch fiir angebracht, ein viel verbreitetes Vorurteil gegen die Bodenbewüsserting vorzubringen. Man findet nicht selten die Ansicht vertreten, dass mit der BodcnbcwüsscrunK auch die Malaria ciukcUcc. Diese Auffassung hat aber nur dann eine Berechtigung, w׳cnu die Bewässerung schlecht durchgcfiihrt wird und wenn infolge unvernünftiger Anordnung des Graben- Systems Wasserlachen und kleine Sümpfe entstehen. Hat man cs mit einem sehr durchlässigen Boden zu tun, so liegt diese Gefahr kaum vor; ist der Boden aber zlili und schwer durchlässig, so muss an das Bewässerungssystem ein Drainagesystem angcschlossen werden, so dass das Wasser auf und in der Erde in steter Zirkulation bleibt. III, Wegebau. Neben der Ent- und Bewässerung gehört der Wegebau zu den wichtigsten Vorarbeiten der Kolonisation. Das Qcdcihcn der Kolonien ist eben so sehr von den Ab- und Zufuhrvcrhältnissen als von der Qualität des Bodens und von Landwirtschafts• methoden abhängig. Der Ausbau des Wegenetzes muss meiner Ansicht nach im gleichen Tempo mit dem Qrunderwcrb vorangehen, wenn man eine schnelle Entwicklung der Kolonien herbeiführen will. Dabei sollte auch dem Wegenetze zweiter und dritter Ordnung, dem der Vicinal- und Feldwege die nötige Auf* merksamkeit geschenkt werden.. Im Verwaltungsbezirke Tibcrias hat die Jcwish Colonisation Association im vergangenen Jahre ein grosses Netz von Feldwegen tracicrcn und ausbauen lassen und damit die vorher wüsten und utizugängliehen Abhänge des Höhetizugcs von Dclaika dem Ackerbau und der Kolonisation erschlossen. Im allgemeinen fehlt cs auch nicht un gutem Bcschotierungsinatcrial. Im Dscliolän und im Bezirke Tibcrias stellt die üusserst dauerhafte Basaltlava zur Verfügung, im übrigen Palästina, wo die Kreideformation vorherrscht, liefert der Cenoman guten Schotter, während das Scnongestcin bisweilen zu weich ist. Der Bau der Heeresstrassen obliegt der Vilalcts- Verwaltung, während die Befestigung und Neuanlage der Strassen zweiter und dritter Ordnung der Privatinitiative überlassen bleibt. IV. Parzellierung des Boden*. Eine gut geleitete P a r z e 11 i c r u 11 g s g c s c 11 - schuft könnte die Atisiedlung von brauchbaren Einwanderern ganz besonders fördern. Die erste Schwierigkeit, die sich dem Einwanderer entgcgensicllt, ist der Mangel an käuflichem Farmland. Die Bodcnltündlcr bieten ihm zuweilen ganze Gemarkungen zum Verkaufe an, mit denen ilun nicht geholfen ist, da er weder imstande ist, ein so grosses Gebiet zu erstellen, noch es zu bewirtschäften. Seihst wem! ihm auch mitten im arabischen Fellachendorfe ein geeignetes Grundstück augeboten würde, was aber üusserst selten verkommt, so wäre ihm auch damit kaum gedient, da er nicht aus eigenen Mitteln die allgemeinen Ameliorationcu ausfiilircn könnte, die von einer Parzellierungsgcsellsehaft mit Leichtigkeit bewältigt werden können, wie z. B. Anlage von Ziifulirw’egen. Trockenlegung der Sümpfe, Bewässerungsanlage. Wasserleitung etc. Die Parzeliieriingsgcsellschafieu in Verbindung mit einer Agrarbank können grosse Latifundien aufkaufen, ameliurieren, in Lose verteilen, Wirtschaftsgebäude errichten und die einzelnen Farmen gegen massige Amnriisations•• und Zinsraten verkaufen. Der neue Ansiedler könnte dann sofort mit der Bewirtschaftung einer sulche» Farm beginnen, während er jetzt gezwungen ist, einen grosse» Bruchteil seines initgebraeliten Kapitals zu verzehren, bcvor er den Boden gekauft, sein Haus errichtet und die ersten Ameliorationcu durcligcfiilirt hat. Unter den sieh um Ansiedlung bewerbenden Farmern sollten solche bevorzugt werden, die einige Jahre laug in» Lande landwirtschaftlich beschäftigt waren. Auf diese Weise hätte die Gesellschaft die grössere Gewähr für das Fortkommen des neuen Kolonisten. Unter An Wendung ähnlicher Methoden hat die .lewisli Colonisation Association während der letzten fünf Jahre manche schöne Arbeit im Bezirke Tibcrias geleistet. Die von ihr gezeitigten Resultate sollten zur weiteren l’arzellierungstätigkcit anspornen zum Segen unserer bedrängten, zur Auswanderung gezwungeneii Brüder, zur Förderung der Landwirtschuft unter den Juden und zur Stärkung des indischen Einflusses in dem neuen jüdischen Ansicdclungsgebiete. Unsere Kritik kann kurz sein. Wir können selbstverständlich nicht das Geringste gegen eine Gesellschuft Haben, die statt einer ühellophilumhropic eine vernünftige Kolonisation jm Orient betreiben will, die den Katastrophen Vorbeugen will, statt nachher iiirc Folgen zu mildern, die die Juden in Palästina oder in seiner Nähe sesshaft machen will, statt sie als Genossen Ahasvers durch die alte und die neue Welt in ruheloser Jagd zu hetzen — wir könnten cs nicht verstehen, was irgend ein Jude, irgend ein Mensch der Welt gegen dieses Wollen cinzuwcnden haben möchte. Und wenn es der A.J.K.O. wirklich gelingt, den reichen Juden die Taschen zu öffnen und die Gelder wirklich in der erstrebten Art nutzbar für die Judcuhcit atizulegeti, so wünschen wir ihr einen vollen Erfolg. An unserem Segen soll cs nicht fehlen.- Aber nun ist die Frage nur die, ob der A.J.K.O. an unserem — der Zionisten — Glückwunsch etwas liegt? Man sollte cs meinen und kann cs doch wieder nicht glauben. Der Leser wird das verstehen, wenn er hört, dass Herr Justizrat Dr. Pricdcmann — offenbar einer zwingenden Notwendigkeit folgend — gleich zu Anfang jener Versammlung mittcilen musste: .Sodann aber ist mir mitgcteilt worden, dass von einigen Seiten Bedenken gegen unser Unternehmen als ein zionistisches erhoben werden. Meine Zugehörigkeit zum Präsidium der A.J.K.O. sollte Ihnen eine Ocwühr dafür sein, dass die Sache eine zionistische Tendenz nicht hat. Ich kann Ihnen aber noch die ausdrückliche Versicherung geben, dass die Sache eine ״tCj«LhTa,nltär,cJst und dass sl« *10• mstlsche Tendenz nicht hat." Man sollte cs kaum für möglich halten, dass heute «och in einer Versammlung jiu'hic)lcr ״Notabcln" bei Beratung einer jüdischen Sache nicht danach geiragt wird, ob sic gut und nützlich, sondern danach, ob sic nicht etwa —־ horribilc dietii — Zj(). nistisch sei! Sind denn Zionisten und Zionismus Infektionsträger, vor deren blossen Berührung man sich lifiten muss? Und wenn diese Sache nun hundert, tausctulet» Juden eine Existenz für Generation;׳! schaffen kann, wenn Ihr Euch davon überzeugt habt, dass sic ״edel, hilfreich und gut" ist, pl1iluntropis;l1 im besten Sinne dieses unangenehm gewordenen Wortes — dann wollt Ihr die Tat unterlassen, ugj| man ihr auch einen Namen geben könnte, der. nun Euch einmal hässlich vorgesprochen hat, und den Ihr deshalb nicht hören mögt? Das soll human,tar sein, dass Eure Hilfe sich versagt, weil Euch der Name des Medikaments nicht schmeckt? Nun gut, man klebe der Sache eine an 1:,« Htiquette auf. Was liegt am Titel! Aber das u..li;a wir doch feststcllen dürfen: ohne die zehn ,1;lire Zionismus, ohne Hcrzl und die von ihm inaugurierte Bewegung, an deren Namen man sich schließlich noch wird gewöhnen müsse», hätte es auch eine ״A.J.K.O.״ gegeben. Was wir da lesen, d.;s ist uns ja nicht neu — wir wollen gewiss nicht!1 ..־!• iniitig sein, aber wir kennen es wahrhaft,•׳״ it Jahren. Vor wenigen Jahrzehnten noch wären nc deutschen Rcicltsversichcrungsgeseizc als cm gespitmst des Sozialismus betrachtet worden, v. m! sic jemand in Vorschlag gebracht hätte. Und l.c;׳•.? So ist nun einmal der Gang der Dinge. ,t verketzert man das Wort, und dann nimm: die Sache gern an. Das wiederholt sich auch r. Wir wollen aber deshalb nicht den Fehler ״•• gehen, dieser Sache zu grollen, weil sic .-,c Worte und Werte unter anderem Namen wic׳.'e: 1׳ führt. Und wir wollen nur hoffen, dass cs vr A.J.K.O. gelingt, ihr Programm diirclizufuhreii. welches ist: Diu Ablenkung der JnücuWanderung \<m Jen sich Immer mehr verschließenden Ländern des Westens nach Palästina und seinen Nachbar• ländern, unter Anwendung systematischer Vor• arbeiten und gescliüftsinässlgcr Methoden. Oh die dahin zielende Arbeit unter der Fahr.v :«•י Zionismus oder eines vorgeblichen Amiz1״t,1*...!1s geleistet wird, ist schliesslich von untergeordneter Bedeutung. Die jüdischen Kolonien um Jaffa Von Dr. Lothar M c y c r Qross־Lichtcrfelde־\Vc»t. Wenn nun es als eine der grossen Aufgaben einer weisen Regierung bezeichnen darf, dafnr zu sorgen, dass auf einer bestimmten Scholle eine mögliehst grosse Anzahl von Familien ihren hesclici* denen Erwerb findet, so lassen die meisten Kultur• Staaten viel zu wünschen übrig, last alle tun zu wenig zugunsten der Landeskultur, ihr gegenüber nicht nur absolute Indolenz zu bezeigen, sondern s״g.,1 ihr direkt eiitgegcnzuarbuten, ist das traurige Privileg des türkischen Regiments. Angesichts dieses wird jeder Volksireimd mit grösstem Interesse die frei»• den Bestrebungen. Kultur ins Land zu tragen, ver* folgen. Wesentlich von diesem Standpunkt aus habe ich mit land- und volkswirtschaftlichen Augen die jüdischen Kolonien in Palästina betrachtet: den spezifisch jüdischen Interessen, welche in religiösen Mo• tiven gipfeln, stehe ich neutral gegenüber. Auch sonst, glaube ich, völlig leidenschaftslos beobachtet zu haben, so dass wenigstens nach dieser Richtung hin, mein Urteil auf Objektivität Anspruch machen darf. Insofern allerdings vermochte ich der jüdischen Landcsbcsicdlung meine Sympathie nicht zu ent• zielten, als unter allen Umständen dip jüdische Land• und vor allem die jüdische Plantagcnwirtschnft ah der von ihr abgclösteti Wirtschaft überlegen bezeichnet werden muss. Ich glaubte dies vorausschickeii zu sollen, da ich in» Folgenden gezwungen bin, recht viele Mängel des bisherigen Procrcderc aufzudeckcii. Es ist m. E. hohe Zeit, die vielen infolge des Fehlens zielbewusster und tatkräftiger Instruktion und Direktion cingctrotcncn Versäumnisse gut zu machen. ^'c älteste jüdische Niederlassung in Palästina »st Mikwch Israel; sie geschah bereits im i -1. n aaniv eine Kiosseru ouiu reise nach Palästina unternommen und stellt uns unsere Bitte nun den vorstehenden hochintcrcssai Bericht, der bisher noch nicht veröffentlicht wu?!ü! Y7־ *™“״ ^as '״ diesen Ausführungen ü das Verhältnis der türkischen Regierung zur La Wirtschaft Gesagte bezieht sich natürlich noch aas alte Regime, und es unterliegt wohl keit ,, ״,s? ncue Türkei auch hierin mit Zelt gründlich Wandel schaffen wird. Red. d. ״J. R.״

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