Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1909)
- Date
- 1909-08-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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* JH II a 0 1. 1! te j■• .4 1 ■*» •ז ־1 ן; 1; t! 1 <j JUEDISCHE RUNDSCHAU חיחמ Merkspruch einer Sut's mH dem Verstand, Und der Bndcre mit der Hand, Was man tut, womit mans tut, Ssi gleldt viel — nur ward as gut I Vom Schneidertein und vom ewigen Juden Von S c 11111 m i c 1 b c n Z u r i S c h a d d a i. Es w,!r einmal ein Sclmeidcrlcin, das sass eines Abends in seiner Werkstau und las die Zeitung. U11׳.l als cs so;-, wie viel da draussen in der Welt vor* £inu. da;.am der alte Sdmcidcrmut über cs, denn wiewohl es nur ein dreikäsehoch war, so hatte cs (joch das Iler/, auf dem rechten Flecke sitzen. Hs sprang au; und fing an zu fluchen: ״Bomben und Gra* Juten, selü'vkschwcrc Nm! Da soll ich jetzt noch dem Gevatter lioimes das Hoscnfti ttcr nusbesser und dem Herrn Huiucrmdsier den Zipfel an seiner Nachtmütze fest nahen. Ich denk, ich kann auch was Bess’rcs :an! Ich will hinuusziclicn in die Welt und Abenteuer bestehen.'■ Spracli’s, gürtete sich sein Mctcrmass um. steckte seine Schere als Waffe an und — hast da incli •*׳.•..clieul — wollte es zur Türe raus. ״Mia-u, •׳;.»eilte aber da des Schneldcrlcins alte Kotze, aW v ollte sie auch mit. Und weil der Sclincl• der ein gmes Herz hatte, nahm er sic auf die Schul• tcr. indem er hei sich dacht: ״Wer weiss, ob die . mir nicht hei meinen Heldentaten helfen kann, denn גי eine Kaue ist euch ein grausliches Tier.״ Dann; schloss er viie Haustür hinter sich zu, ging rasch zum ^adidai. luiums und imitier geradeaus weiter. Es v..tr schon ganz dunkel geworden, da kam er in einen grossen imstcrcn Wald, und weil er nirgends einen Ausgang finden konnte und müde war, wollte er sich 1111: seiner Katze gerade unter einem Baum schlafen legen, da hörte er ganz in der Nahe ein vjttsi.iiiniu.;lichcs Gestühl). ״Hass auf, Katz, jetzt ’ gibt's vos. ' sagte der Schneider und ging beherzt 1 die Steile zu. woher die Töne kanten. Da sah er. einen ganz alten Mann mit einem langen weissen Bart und .einer grossen Nase auf einem Steine sitzen unJ *bitterlich jammern. ״Du, was hast du denn," fragte dos mitleidige Sclmeidcrlcin, kann ich dir nicht lielkuV" Der Alte aber achtete gar nicht auf es, und äcti/.te mul stöhnte immerfort. Da wurde , zuletzt das SelmcMerlcin böse und schrie: ״Wenn du mir jetzt nicht gleich sagst, was du hast, so schneide ich dir deinen ganzen Hart ab," und zog schon die Schere. Ha schaute der alte Mann auf und sagte: "ח« scheinst gerade der Rechte, um mir zu helfen! Ich bin du ewige Jude und muss solange wandern nnJ klagen und finde solange keine Ruhe, als cs den JuJen ’schlecht geht." ,.0 je," sprach da das Schnei* derlei״, ,.letzt dacht ich schon wunder, was los vare: dass es den Juden schlecht geht, das ist eine •׳־he ׳gc'cl.iclite, darum kümmert sieh doch kein Mensche mehr. Aber im Grunde tust du mir docli ,cui. v...; 0u so gar betrübt aussichst; sag, kann ich der.; gar nichts für dielt tun?" Zuerst wollte der cvige Jude nicht mit der Sprache heraus, a!s ihm aber dos Sclmeidcrlein keine Ruhe licss, sagte er endhv 11 ״Du kommst eigentlich gerade zur rechten Za!, l u hebe Gott nat Mitleid mit den Juden und hat hcsclilitsseii, dass alle hundert Jahre einmal die > /.ei; k׳, u », {n *,je erlöst werden können, wenn sich d״:.n einer findet, der drei Dinge fertig bringt, j mshcr b!‘.s noch keinem geglückt. Nun aber ist die ׳ /eit wH.igr um, willst tlu's versuchen?" ״Wie du < r,lir fragt:(» konnst! Ei natürlich! Was sind denn I <j;׳s für drei Dinge?“ Darauf erwiderte der ewige |. Judc: ••יHs Erste ist, dass du in einem Tage eine feste Strasse bauest quer Uber das mittelländische ־ Meer nach dem alten Judcnlandc Paliistina," und wie I cr gesagt hatte, war er verschwunden, che ihn ,,’,•'י di-r Schneider nach dem niiehsten Weg zum I |!||ttell1״ulischcn Meere hatte fragen können. Wie er *° dastand und sich überlegte, wie er wohl am besten liiiiküme, sprang die Katze von seiner Schulter ״cral», licss laut ihr ,.Miau" hörpn und wedelte mit * inrent Schwänze auf eine ganz seltsame Art. Als nun der Schneider den Schwanz ergriff rannte sic f. 1״h ilmi fort über Stock und Stein, so rasch, dass : W1r alle nicht mitgekommen wären. 1 Der Morgen war kaum angebrochen, da war , »clion unser Schneider, ohne dass er sich unterwegs I auch mir an eine Baumwurzcl angesessen hütte, am | Eier des Meeres. In der Nahe des Strandes lag ein l riesiger Haufen von Steinen, und das Sclmeidcrlcin 1 begann sofort flcisslg einen nach dem andern Ins ן Wasser zu werfen, um die fcsto Strasso anzufangen■ Aber das Wasser war so tief, dass, als. es gegen Abend ging, noch keiner der hincingeworiencn Steine wieder bis an die Oberfliichc des Meeres reichte. Nachdenklich kratzte sich das Sclmeidcrlcin hinter den Ohren, da tauchte aui einmal aus dem Wasser der Mcerkötilg auf, der hatte ein Kleid aus Schilf an und auf dem Kopfe trug cr eine Krone von Perlen and Smaragden. ״Du Knirps," fuhr cr das Schneidcrlciu zornig an, ״hast du nichts Besseres zu tun als mir Steine in die See zu werfen?" ״Verzeihung, Herr König," sagte da das Schneiderlein, ״ich habe dem ewigen Juden versprochen, poch heute eine Strasse über das Wasser nach dem heiligen Lande zu bauen." Da wurde das böse Qcsicht des Meer* königs ganz freundlich, mul cr sprach: ״Bis du das fertig hast, könntest du lange arbeiten, Aber weil der ewige Jude ein guter Bekannter von mir ist von seinen vielen Fahrten auf allen meinen Meeren her, und well du selbst ein so gutes Herz hast, will Ich dir helfen. Es liegen da ein paar insei״, mit denen ist doch nichts!Rechtes anfangen kann, mit denen will ich dir deine Strasse durchs Wasser bauen. Lege dich nur ruhig schlafen, morgen früh' ist sic schon, lange fertig." Ehe noch der Schneider ein ״Vorgelt's Uott" sagen konnte, war der Mccrkönlg wieder verschwunden. Die Katze, die in der Zeit auf der Jagd gewesen war, brachte dem Schneiderlein noch Wildprct zum Abendessen, und als er ver* gnügt geschmaust hatte, legte cr sich schlafen. Wie erstaunte er aber, als er am andern Morgen erwachte! Da war eine grosse, schöne, breite Strasse, die führte über das Wasser geraden Weges nach dem heiligen Lande. Das Sclmeidcrlcin hatte sich noch gar nicht richtig tuugcschcn, da stand schon der ewige Juden wieder vor ilnn, der sah schon gar nicht mehr so sehr betrübt aus und sagte: ״Die erste Arbeit ist vollbracht; nun kommt die zweite, die ist aber auch sehr schwer. Das heilige Land liegt schon lange wüst und Öde, du sollst cs an einem Tuge wieder schon und fruchtbar machen, wie in der alten Zeit. Wirst du das können?‘ ״Ein schwer Stück Arbeit," meinte der Schneider, ״aber ich wili's versuchen," egriff wieder den Schwanz üer Katze, die raume mit ihm über die schöne Strasse nach Palästina, und in wenigen Augenblicken war cr dort. Das sah’s nun freilich recht böse aus. Auf den Bergen standen keine Bäume mehr, die Flüsse waren ausgetrocknet, und im ganzen Lande wuchs nichts als Unkraut. Das Sclmeidcrlcin ging hin und her, schaute sich die Sache an, wusste aber nicht was machen. Auf einem Felde fand cs endlich einen alten Handpflug, der war wohl tausend Jahre nicht mehr benützt worden, so rostig sah cr aus, den nahm der Schneider lind versuchte mit ihm das Unkraut auf dem Felde auszujaten, um wenigstens einen Anfang zu machen, aber als cs Abend wurde, hatte er mit allem Flcissc so gut wie nichts fertig gebracht. Da stand plötzlich eine Frau vor ihm, so schön, dass ichs euch gar nicht sagen kann, die schaute ihn mit ihren leuchtetulei» schwarzen Augen freundlich an und fragte ihn, was cr denn täte. Das Schneiderlein antwortete, indem es bescheiden das Hütchen zog: ״Ich habe dem ewigen Juden versprochen, noch heute das Land hier wieder schön und fruchtbar zu machen." Da lächelte sic und sagte: ״Das wilrdcstc du wohl kaum können: aber w׳ci! du ein so gutes Herz hast, und weil ich dem ewigen Juden, der mit allen anderen Juden aus meinem Lande stammt, von ganzem Herzen gern etwas zuliebe tue, will ich deine Arbeit selbst verrichten. Lege dich mir schlafen; morgen früh, wenn du aufwachst, ist schon lange alles getan." Spruchs und w׳ar fort! Wie am ׳läge vorher war die Katze auf die Jagd gegangen, hatte aber i׳n ganzen Lande nichts gefunden als ein mageres Mäuschen und eine alte Nachteuie, und da dem Schneiderlein dies Gericht nicht schmecken wollte, übcrliess er cs ganz der Katze und legte sich lieber mit knurrendem Magen schlafen. War das aber eine Pracht, als cr am Morgen erwachteI Das war wieder das Land, ln dem Milch und Honig floss. Der Himmel war blau, die Sonne lachte, auf dem Libanon grünten die Ccdern, der Jordan rauschte, Rosen und Lilien blühten in den Tüicrn, in schweren Ähren stand das Korn, und Obstbäume waren da mit soviel schönen Früchten, dass man sich gar nicht satt daran sehen konnte. So schön war das alles, dass der Schneider beinahe seinen Hunger vergessen hätte, dann aber verzehrte er fröhlich rotbäckige Äpfel, zarte weiche Pfirsicho und süsse grosse Trauben, bis cr nicht mehr konnte. Da kam auch der ewige Juden wieder, der sah heute beinahe sehen zufrieden aus und hatte sich sogar seinen dicken Struwclbart fein ordentlich gekämmt. ״Ist's mit den zwei schweren Arbeiten so gut gegangen, so wird dir die dritte leicht werden," sagte cr. ״Heute musst du die Juden hierherbringen, dass sie wieder in ihrem alten schönen Lande wohnen; und cs brauchen nicht einmal alle zu sein: die reichen kannst du lassen, wo sic sind; wenn du nur die holst, denen cs schlecht geht, so ist das genug." Das Schncidcrlcln licss slch’s nicht zweimal sagen und mit Hilfe der Katze kam cs rasch wieder nach Europa zurück. Sie kamen durch eine Stadt, da stritten sich ein paar Menschen mit lautem Geschrei auf der Strasse herum. Der Schneider licss dje Katze halten, denn er wollte sehen, was cs gäbe. Es waren aber zwei Männer, die einen Juden misshandelten und schlugen. ״Du Judd," schrieen sic, ״dq bist nur geduldet, du. liast bei uns überhaupt kein Recht. Wenn wir dich nicht totmucltcn sollen, so musst du uns dein ganzes Geld geben, das du doch nur bei uns zusaimnengcstöhlen Imst." Umsonst jammerte der Jude, dass er sein bischen Geld mühsam Pfennig fiir Pfennig verdient hätte, die bösen Männer hätten cs ihm w’olit mit Gewalt genommen, aber das tapfere Schneiderlein eilte hinzu und bläute den einen tüchtig durch, die }(atze sprang dem andern ins Gesicht und zcr. kratzte cs ilun, so dass die beiden heulend fortiiefen. Der Jude aber schaute das Sclmeidcrlcin verwundert an; dass ihm jemand boistand, kam ihm ganz seltsam vor. ״Freu' dich, du Jude," rief ihm das Schneiderlein zu, ״du sollst cs von jetzt ab besser haben und dich nicht von jedem mehr schinden und plagen lassen müssen. Es führt jetzt eine bequeme Strasse m dein altes Vaterland, dort ist cs schön, dort sollst du jetzt wieder leben, und kein Mensch darf dir was machen, und ich will dich jetzt gleich hinfuhren." Sagte der Jude: ,W,as du nur redest! Ich will ja gar nicht fort. Das Leben hier bin ich gewöhnt und von w׳as anderem weiss ich nichts, und will ich nichts wissen " Da verwunderte sich das Sclmciderlei»: ״Ja, fühlst dn denn gar nicht, wie schlecht es dir liier gellt?" Ncr Jude erwiderte: ״Wer sagt dir denn, dass cs mir schlecht geht? Ja, vor langen Jahren, da wurden vicht meiner Vorfahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt, weil sic Juden waren, aber heute sind docli die Menschen viel kesser. Und wenn sie mich auch alle verachten, so musst du doch nicht denken, dass sic mich jeden Tag so verhauen. Und die Welt geht noch nicht unter, w׳cr weiss, ob das in tausend Jahren nicht noch viel, viel besser w׳ird?‘ Und als das Sclmeidcrlcin nicht ablicss und immer wieder versuchte den Juden auf eine andere Meinung zu bringen, du wurde der Judo am Ende ungeduldig und rief nach der Polizei, um Ruhe zu bekommen. Da machte das Sclmeidcrlcin mit der Katze, dass cs los kam. Es wurde ganz traurig, denn es sah ein, dass cs die dritte Aufgabe nicht lösen konnte. Wie cs den ewigen Juden wieder traf, erzählte cs ihm, w׳ie cs ihm gegangen sei und sagte dann: ״Ja. weiss: du, solange die Juden sich ruhig alles gefallen lassen und gar nicht fühlen, wie ungerecht man mit ihnen umgeht, und dass man sio nie wird richtig; leiden können — solange kann ihnen kein Schneider von der Welt helfen." Der ewige Jude nickte: ״Du hast wohl recht," und dann musste sich der milde alte Mann aufs neue auf die Wänderung machen. Ich glaube fast, die Tränen liefen ihm die Backen herab. Rätsellösung Auflösung des Zuhlcnrhtscls aus No. 30. Tischobcaw. 1 c h schwach Cosel llase Ochs Ball E is A w Waise Richtige Lösung sandte ein: R u t h E p h r a i m, Posen. Briefkasten B. S.f Posen. Da hast du aber bei der Lösung des Zahlcnrätscls einen kleinen Schnitzer gemacht. Die Stadt heisst natürlich Cosel. Walther Nathan, Berlin. So einfach ist cs denn doch nicht, eine Rössclsprungaufgnbc hcrzustcllcn. Der Springer darf natürlich keines der Felder zweimal berühren. Vielleicht nächstes Mal) J