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Jüdische Rundschau · 1909-08-06 · Heft 32 (6.8.1909) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 32 (6.8.1909)
Date
1909-08-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile 370. JUED1SCHE RUNDSCHAU dülicr wünschen wir, dass die vom Zionismus ver* ursuchtcn lkfürclituiiKcn zerstreut werden." Welche Wahrscheinlichkeit besteht hinsichtlicht der Aufliobiiiig der EliiwutideruiiKSbcsclirtinkuug nach Palästina?", fragte Ich. ״Die Aufhebung der Beschränkung," erwiderte Dr. Riza Tewiik. ״hänKt von den Gefüllten ab, die von den Handlunnen des Zionismus ausgeiöst werden. Sie müssen sich erinnern, dass die Griechen und Mos*!eins der freien Hinwanderunj: von Juden feindlich gcgcnubcrstchcn» und cs werden grosse Schwierig* Keilen entstehen, wenn nicht die Juden die gegen* wartige Lage erfassen." * Aus allem, was Dx• Riza Tewfik Bey in London gesagt hat, geht jedenfalls das eine klar hervor, dass das von der A 11 i a ״ c e in den letzten Wochen geflisscutlich verbreitete Communiquö, laut welchem Riza fewfik sich gegen jede Unterstützung der zionistischen Bewegung ausgesprochen haben sollte, -.— . — ....— ׳ '• . •'׳ ■ uden am dem von Hungersnot betroffenen Jcid, In Hamadan Hille suchend. sehr — sagen wir einmal: ״frisiert" war. Statt die Acusscrungcn des Abgeordneten und vor allem die sie provozierende Anrede oder Frage des Herrn Leven genau wiederzugeben, be* soll rankt sielt das Bulletin auf einen indirekten Satz, der durchaus nicht so eindeutig gelautet haben kan n, wie er in der Allianccfrisur aussicht. Wir kütmen es aber wohl nachgerade dem jüdischen Publikum überlassen, derartige Machinationen zu beurteilen, Line jüdische Organisation vom Range der Alliance, die solche kleinlichen imd dabei nicht ungefährlichen Manöver nicht scheut, um dem Zionismus eins auszuwischen, die hat sich damit eigentlich selbst gerichtet. Von den persischen Juden Auch in Lündern, wo Ordnung herrscht und zu Zeiten des Friedens pflegt cs den Juden minder gut zu gelten als ihren Mitbürgern. Oelu's aber irgendwo drüber und drunter, wie bei Krieg oder Revolution, so haben rast ausnahmslos die Juden viel schwerer zu leiden als ihre andersgläubige Umgebung, derart, dass wohl jeder Krieg ausser dem allgemeinen noch ein speziell j iiil i s0 11 e s Unglück ist. - Bei den jetzigen Unruhen in Persien liegt cs nicht anders. Schon seit vielen Jahren sind die Zustünde derart, dass persische Juden mehr und mehr a u s w andern, und die Zustände der allerletzten Zeit haben ihre Lage noch verschlimmert. Ks gibt in Persien etwa 50000 Juden, die meist in den Städten leben. Die vier grössten Judenge* meinden (von je etwa 6000 Seelen) befinden sieh in Teheran, Ispahan, Schiras und Hamadun, Oie Lebenshahimg ist niedrig, was allerdings mit den Verhültnissen der allgemeinen Bevölkerung übereinstimmt, ln der Stadt, wo die Juden den grössten Flciss und die grösste geschäftliche Rührigkeit entfalten, nämlich in Kasan sind an 300 junge Mädeben in den Spinnereien und Webereien beschäftigt und verdienen bis zu 20 Pfennigen per Tag (I). Bemerkenswert Ist die Rolle, die die ״Alliance lsra61ite" in Persien (ähnlich übrigens auch in Marokko) spielt. So wenig wir mit ihrer Wirksamkeit in Palästina einverstanden sein können־, wo sic — bisher wenigstens —• die Schüler ihrer Anstaltcn mehr für die Auswanderung als für eine geeignete Existenz im Lande vorbereitet hat, so sehr müssen wir nach allen zugänglichen Informationen anerkennen, dass sic in diesen beiden Ländern den jüdischen Kinwohnern einen Schutz verschafft, wie ihn anderwärts nur Konsulate Ihren Schutzbefohlenen gewähren können. In zahlreichen Fällen Ist der Direktor der Alllancc-Schulc das Bindeglied zwischen der Gemeinde und der übrigen jüdischen Weit, und er ist gleichzeitig der Vertraucnsmann, dessen Intervention in allen möglichen Nöten angcrufcn wird. Oft genug }tonnte ein solcher No. 32־. Alliance-Direktor durch Vorstellungen bei der Zentralrcgict'ung oder der französischen Gesandtschaft schweres Unheil von den Judengemeinden abwenden. Wir fügen eine Liste der Allianccschulcn in Persien bei und bemerken dazu, dass auch die gewerbliehe Ausbildung (darunter auch seit einer Reihe von Jahren der Unterricht in der Tcppich-Knüpfcrei — der grössten Industrie Persiens) mehr und mehr gepflegt wird. Die Schulen der Alliance Isradlüe In Persien. Stadt (Status 1909.) Jüd. Ucvöl* kurung ״ Zahl der Schiller Schulgelder und lokale Subven* »luncn Fr»s. Subven* «Ion der Alliance Frei. Orün* düng•* Jahr Schiras . . . Hamadan . . Ispahan . . . Kirmanschah Senneh . . . Teheran. . . 6000 6000 6000 1400 3000 5500 K. 258 ) M. 70 I K. 352 l M. 120 ן 258 \ 144) 249 177) 85; 499 198 K M. K. K. M K M. 4252.95 7077,35 1203,- 3072.95 3222,05 4188,40 704,90 15011,70 1903 26065,- 1900 13797 30 4671,- 10208,10 14682,50 6819,40 1901 1904 1903 U898 I * א ** Knabenschule, M Mädchenschule, Probleme der jüdischen Emigration und Kolonisation Von DavisTrietsch (Berlin). (Fortsetzung.) Noch viel weniger aber kann man aus dem sogenannten Eimvaiidcrungsverbot schlossen, dass die Türkei ihre Haltung den Juden als Juden gegenüber geändert, oder dass sie auf* gehört hätte den Juden gegenüber eine auf* richtige Sympathie /.u lühlen, deren die Juden in keinem der christlichen Länder teilhaftig waren. Als Beweis dafür diene die Tatsache, dass die türkische Regierung, als in den letzten Jahren die Pogrome in Russland wieder auf* traten und auf Grund dieser Pogrome eine neue Auswanderung aus Russland sich ergoss, vom ersten Augenblicke an alle Hinder* nisse beseitigte, die einer Einwanderung von Juden in ihr Reich hätte im Wege stehen können. Das sogenannte Einwande* rungsverbot wurde in detn Momente be* seitigt, als die Pogrome in Russland eine neue Auswanderung veranlasst«!! jüdische Pamlllfi In Hamadan. Aber nicht nur in diesem Falle und nicht nur in einem E i n z 01 f a 11 c hat die Tür* kei eine solche Haltung gegenüber den jüdischen Flüchtlingen gezeigt. Als im Winter 1899 auf 1900 in Rumänien eine Auswanderungspanik: entstand, nicht durch Pogrome liervorge* rufen, ab«־ durch wirtschaftliche Verfolgungen und Unterdrückungen der schlimmsten Art, da flüchtete die Judenheit Rumäniens und einige nahmen auch ihren Weg nach der Türkei. Ob* gleich damals das sogenannte Einwandorungsverbot bestand, wurde den rumänischen Flächtlingcn kein Hindernis in den Weg gelegt, aber nicht nur das! Hunderte von rumänischen Juden wurden mit Unterstützung der Türkei in Klein* asien angesieddt. Und zwar mit welcher Unter- Stützung! Die Leute kamen auf dem Wege über .Konstantinopel nach Kleinasicn und im Hafen von Konstantino״el hatten sie nicht ein* mal Geld, um Brot zu kaufen. Die türkische Regierung gab ihnen Unterkunft und Brot, und brachte sie auf eigenen Schiffen und eigenen Beförderungsrouten nach Ismidt am Marniara* Meer und von da aus mittelst der (deutschen) anatolischcn Bahn ins Innere von Kleinasicn, Man führte sie nach Angora, Hess sie dort auf Kosten der Regierung überwintern, suchte ihnen inzwischen Ländereien in der Nähe der deutschen Bahn aus, gab ihnen dieses Land, gab ihnen die Aussaat, Ackergeräte und Zug* vieh, man gewährte ihnen die Erlaubnis, Bau* material aus den Wäldern des Sultans zu holen etc. — mit einem Worte :sie wurdcnvoll* ständig installiert auf Kosten der türkischen •Regierung. \ ״ <•••■■»׳ Fcriliche Juden, bet Opferung eine» Hammel» (!um Neujahrsfest). * vt Es sind dabei auch Schwierigkeiten eilige* treten. Hierbei hat man sich an den Sultan selbst gewendet und der Sultan hat inner* halb einer Stunde die notwendigen Massrcgeln getroffen, die dazu dienen sollten, den Miss* ständen abzuhelfen. Auf diese Weise sind im Winter 1S99 aui 1900 zwölfhundert rumänische J u d e n nach Asien gekommen und mit 1 lilfe der Regierung installiert worden. Und das, was damit augebahnt wurde, hätte sehr viel weiter wiiken können. Denn wenn diese Vor* suche geglückt wären, hätten uns bald auch die Wege nach P al ä s t i n a offen gestanden und nach allen Provinzen des türkischen Reiches, wohin die Auswanderung hätte gelenkt werden können. Und warum ist es nicht ge* schelten? An der Türkei hat es nicht ge* legen, sic hat ihren guten Willen gezeigt und hat viel mehr getan als man von den Christ* liehen Regierungen Europas vergebens erwartet hatte. Es lag vielmehr an den Juden! Nie* tttand wollte davon hören, dass Juden nach Kleinasien gehen und sich dort niederlassen. Weint Einer davon sprach, dann hörte mutt die Antwort: ״Was, nach Kleinasien, wo die Arme* nier-Massneres stattgefunden haben, wo keine Ordnung herrscht, dorthin wollt ihr die Juden bringen?“ Und als datm die Türkei sah, 1ta:s wohl hunderte von Juden nach Kleinasicn kamen, aber nicht einer, der nur das Not* wendigste gehabt hätte, und dass die jüdische Welt auch k e i 11 e n F i n g e r r ü 11 r t c, um mitzuhelfcn, da musste die Türkei ange* siclits der knappen Mittel, die ihr zur Verfügung standen, schliesslich diese so hoffnungsvolle Einwanderung unterbinden und ein Entwände* rungsverbot erlassen, auch für Kleinasicn und auch für die rumänischen Juden! Ininierhin sind von jetten denkwürdigen Kolonisationsvcrsuchcit au der deutschen Bahn 3 Kolonien übrig geblieben, die sich in letzter Zeit nicht schlecht entwickelt haben und die da zeigen, dass eine jüdische Einwanderung diese Länder wohl möglich und erfolgreich durchführbar ist. Bei Gelegenheit der lustalla* tion dieser 3 Kolonien, an der ich einen ge* wissen Anteil genommen hatte, habe ich be* merken können, welche ausscrordcnt* l i c 11 e Förderung von Seiten der türkischen Regierung, aber auch seitens der Bevö 1 * k e r u n g wir zu gewärtigen hätten. Ich habe (Portsetzung auf Seite 372.)

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