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Jüdische Rundschau · 1909-08-06 · Heft 32 (6.8.1909) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 32 (6.8.1909)
Date
1909-08-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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hat sich entschieden gegen die Immigration erklärt, — und Oompers spielt hier eine bedeutende Keile in dieser Angelegenheit. Ebenso hat sich vor kur c .1 auch der Oberprokurator von New-York in זי״יס öffentlichen Versammlung gegen die Einwanderung ausgesprochen. Er sagte: ״Die Immigration 2erstört die Einheit der Nation! —- und cs ist mehr als billig• dieselbe cinzuschrünken." Solche feindlichen Stimmen «egen die Einwanderung werden fortwührend laut und finden ein Echo im ganzen Lande. Es ist auch bekannt, dass auch der neue Minister No-el und der Präsident Taft zu dieser Richtung gehören. So wird der Diktator von ״Ellis-isiand“ — der ״Teiifelsinsel״, wie cs Jetzt genannt wird —, William Willums. in seinem «cradczu barbarischen Vorgehen gegen die Einwanderer von mächtigen Schultern und einer starken Volksstrümung getragen, — und dieses Vorgehen ist deshalb nicht als eine zufällige, vorübergehende, der Willkür eines Einzelnen cntsprun״cnc Erscheinung anzusehen. Es ist vielmehr der Ausfluss eines engherzigen nationalen Chauvinismus und einer egoistischen Arbeiierpolitik,.! und der Beginn eines fortgesetzten und systematischen Kampfes gegen die ״unerwünschten Eindringlinge.“ Dieser ״Kampf* hat gleich mit voller Wucht und Rücksichtslosigkeit eingesetzt. In der kurzen Zeit seit dem Erlass der Be- Stimmung, dass nur Einwanderer mit dem Besitz von mindestens 25 Dollar das Land betreten dürfen, sind M« Personen zurückgcschickt und fast 900 zur Zuruckscliicknng ״verurteilt“ worden! Über 579 Personen ist die ״Untersuchung" noch nicht abgeschlossen. Den Zuruckgcschicktcn hat man nicht einmal erlaubt, sich mit ihren hiesigen Verwandten telegraphisch in Vorbir.dung zu setzen. In den jüdischen Kreisen, namentlich in den aus den östlichen Ländern stammenden, herrscht hier darüber grosse Aufregung, die sich auch in der Jüdisehen Presse wiedcrspicgelt. Es werden vcrschie« «Jene Schritte vorbereitet, wie die Veranstaltung von Protest-Versammlungen und die Entsendung von Dernt.itioncn nach Washington. Man hegt aber nur wem»; Hoffnung auf piuc Wirkung dieser Bemühungen. Türkische Abgeordnete in London S!r Prancis Monlcfiorc, Ehrenpräsident der hnglish Zionist Federation, empfing am ver* ilossenen Sonnabend einige Mitglieder der Deputation des turkischen Parlaments zum Frühstück Im Hotel Gre.n Central. Die Qiistc waren: Ta laut Bey (Präsident der Deputation), N iss im Masliach Eifendi (Sekretär), Dr. Riza Tewfik Bey, Sass0n Eskcll Effendi und Ruhil Khalidi Bey. Von den anwesenden Einheimischen sind u. a. zu nennen: die Herren L. J. Oreenberg, Vize- Präsident der Federation, Joseph Co w c n und Leopold Kessler, Direktoren des Jcwlsli Colonial Trust, Israel Cohen, Sekretär der Federation, die Reverends Dr. Strauss und J. K. Goldbloom, Dr. M. J. Salkind und die Herren Herbert Bentwich, H. Bernhard Cohen, Rüben Cohen, P. Baker, J. Danziger, H. Oinzburg, S. Goldreich, B. Grad, L. Eisen, N. Lazarus, Walter Nathan, S. B. Rublnstcln, B. S. Straus, Mitglied des Parlaments, Lucicn Wolf und J. L. Slobodinsky.!ווי blasser Färbung. Ihr Geist Ist bei der Kurmusik. nd in den Herzen der Jugend jauchzt und jubelt cs. •eben, leben: das ist ihr einziger Gedanke, den sic ureluienkcn können; leben, so wie die Kurmusik es men in sinnlich-berauschenden Tönen vorspielt, ׳iclits. nichts von all dem Grossen, das durch die Veit zieht, bewegt sic. Ein 1mar Strassen wcitcr.wohin die Klänge der ^nsik nur noch )eise dringen, ist ein jüdisches Hotel, ,rinnen sind Juden versammelt und feiern den Tischo- •c-Aw im Speisesaale, der schnell in einem Betraum imgcwandclt worden ist. Wir sprechen die Klageieder vom Falic Zions. Docii wie verschieden sind ie Betenden I Da sitzen alte, bärtige Juden mit krumicn Rücken auf den niedrigen Klagestühlcn. Sie eten mit Wehmut und hören nicht die Musik, die raussen spielt; sie hören sic weder heute noch an ntlcrcn Tagen. Sic spüren das Leben nicht, das!!gewaltig um sic herum wogt, Sic leben treu irer Religion, ohne sich um das Qcschchcn des Tages u kümmern, ohne das Erwachen ihres grossen, ewigungen Volkes zu ahnen. Das Leben schreitet über ie hinweg, sic bleiben am Wege liegen. Und doch, uch sic gehören zu den Besten unseres Volkes, sic lic die Religion aufrecht erhalten, wenn sic selbst uch nicht aufrecht gehen und wenn Ihnen auch das radc Rückgrat fehlt, das die Jungen unseres Volkes ich erarbeitet haben. ׳ , , . .. Es sind ihrer nur wenlgo hier. Ich glaube, d a venigsten von diesen beten. Wir starren In d Ciagelicdcr. Wir beten sie nicht so wie die Alten. U)cr dennoch sind die Gedanken, die uns bewegen, > Nr.ci1dc:n die Toaste auf König und Sultan ausgvoracht waren, sprach Sir Francis Montefiore auf die Delegierten des türkischen Parlamc: Er gab seiner Freude Ausdruck, den Vorsitz bei solchen Gelegenheit führen zu können, sowie e. .ühmtcr Träger seines Namens den Juden im ...rkischen Reiche vor mehr als CO Jahren glänzende Dienste geleistet habe. Nissim Masliach Effendi antwortete auf Französisch und sagte, er und seine Kollegen seien glück- Heu, unter Juden weilen zu dürfen, die unter der freien britischen Flagge lebten.. Auch in der Türkei könnten die Juden jetzt sagen,* sie lebten unter einer freien Flagge. Die Juden der Türkei •seien immer ein intcliigentcr und betriebsamer Teil des Volkes gewesen, der durch die politischen Umstünde an der vollstüneigen Entfaltung seiner Kräfte gehindert worden sei, aber unter der neuen Freiheit mit Anstrengung zu diesem Ziele streben werde. Er müsste Jetzt etwas sagen,, was für seine Gastgeber mehr unmittelbares , Interesse hätte, und das sei, dass das Türkische Reich herzlich alle jüdischen Einwanderer willkommen heisse. Er müsse indessen betonen, dass der Willkommcngruss davon abhüngc, dass die Juden nach der Türkei ohne jede unpatriotisehc und Separatist!- sehe Absichten kämen. Es sei hinreichend Raum für ihre Ansiedlung in den Ländern des Reiches, und wenn sie kämen, um sich als loyale und betriebsamc Bürger niederzulassen, würden sic den herz- Heilsten Willkommen finden. Der Name des Vorsitzenden sei ihm schon lange vertraut, und er sei sehr erfreut, heute seine Bekanntschaft zu machen. Sein Name stände als der Vertreter hochherziger jüdischer Philanthropie im ganzen ottomanischcn Reiche in Ansehen, und freue sich schon auf den Tag, wo es ihm vergönnt sein werde, Sir Francis Monteiiore in Konstantinopel zu begrüssen. Er wolle deshalb nicht mit einem ״Adieu“, sondern mit einem ״Auf Wiedersehen In Konstantinopel" schlicsscn. Dr. Riza Tewfik Bey begann auf Englisch und sprach dann ebenfalls in französischer Sprache weiter. Auch er drückte seine Freude darüber aus, dem Vorsitzenden begegnet zu sein, denn das Bitil seines berühmten Vorfahren, Sir Moses Montefiore, sei ihm seit seiner Kindheit vertraut. Obgleich er selbst kein Jude sei, habe er doch die wärmste Sympathie mit dem jüdischen Volke, denn er sei in ' einer Jüdischen Schule in Konstnntinopel erzogen worden und habe ein gut Teil jüdischer Gelehrsamkeit und Qcfühlc in sich aufgenotnmen. Daher sei cs natürlich, dass er eine Einwanderung von Juden in das Türkische Reich lebhaft wünsche. Was die zionistische Bewegung aniangc, so empfinde er wärmste Sympathie für sie, sofern sic auf die soziale Hebung des Volkes und die Besserung der Lebensbedingungen ihrer Glaubensgenossen hlnziclc, die in den sogenannten zivilisierten Ländern verfolgt würden. Die politischen Ziele des Zionismus indessen könnten nicht in gleicher Weise Beifall innerhalb des Türkischen Reiches finden, insbesondere im gegenwärtigen Augenblick, wo so viele internationale politische Probleme zu lösen seien. Weil er ein Freund der Juden und des jüdischen Idealismus sei, wolle er ihnen sagen, sio sollten mit liircin Werk beginnen, aber nicht über llirc Absichten sprechen. Um ein Ideal zu erreichen, sei es nötig, Schritt vor Schritt vorwärts zu gehen, und als ein wahrer Freund des jüdischen Volkes würde er es nicht gerne sehen, wenn ihm im Bestreben,sein Ziel zu erreichen, ein Missverständnls unterliefe. Talaat Bey antwortete gleichfalls kurz aut französisch und drückte seine Uebereinstimmung mit den Ausführungen seiner Kollegen aus. Herr Qrccnbcrg brachte einen Toast auf den Vorsitzenden aus und bemerkte, Sasson Effendi habe ihm vor ein paar Tagen gesagt, die Leute in England hätten bisher die Türken als Wilde betrachtet und er hoffe, dass dieses Missverständnis durch den gegenwärtigen Besuch ausgeräumt werde. Er, Grccnberg, möchte auch den Wunsch ausdrücken, dass die türkischcn Deputierten, die eine so eigenartige Meinung über die Art der Zionisten gehabt zu haben schienen, in ihr Land mit rieht*- gcren Anschauungen darüber zurückkehren' möchten. Was die Absichten der Zionisten anlange, sei cs durch und durch irrig, ja, selbst bcicidigend, zu unterschieben, sic verfolgten irgendwelche unpatriotische oder separatistische Absichten, wenn sic die jüdische Einwanderung in die Länder des türkisehen Reiches förderten. DicZionistcnwünschten lediglich, das ottomanische Reich mit einer loyalen und betriebsamen Bevölkerung zu bereichern, die in keiner Hinsicht die Unantastbarkeit des Reiches zu •beeinträchtigen bcabsichtige. Er könne daher auch nicht verstehen, warum man irgendwie zögern solle, ein so wichtiges und bedeutsames Angebot anzunehmen. Die Gebete vor dem Frühstück wurden von Rcv. Dr. S. Straus, nach dem Essen von Rev. J. K. Goldbloom gesprochen. H! * # Interview mit Dr. Riza Tewilk Bey. In Anbetracht der divergierenden Meldungen über die Ansichten Riza Tewiik Beys vom Zionismus, fragte der Korrespondent der ״Welt" den Abgeordneten um seine Meinung. Dr. Riza Tewfik. erwiderte: ״ich hoffe, dass cs nicht nötig ist, Ihnen zu versichern, dass ich ein wahrer und aufrichtiger Freund des jüdischen Volkes bin. Aus diesem Grunde intercssicrc ich mich für den Zionismus und wünsche, den Zionisten einen freundlichen Bescheid zu geben. Sic müssen wissen, dass cs augenblicklich eine sehr kritische Zeit für die Judenfragc im türkischen Reiche ist. Separation Ist letzt das Nachtgcspenst der Türkei, und ich würde nicht gern die Juden durch die Alarmnachrichten, die verbreitet werden, gefährdet sehen. Ich bin sicher, dass die hervorragendsten Juden, die das Geschick ihres Volkes im Herzen tragen, taktvoll sein werden. Um ein Ideal zu erreichen, müssen Sic schrittweise Vorgehen. Sic müssen praktisch sein und sich den Umstünden und der Umgebung anpassen. Die ottomanischcn Juden sind der tatsächlichen Lage näher als Sic hier. Sie liier sprechen von Sclbstvcrwaltung für eine jüdische Siedlung. Das ist sehr wohl angebracht für das englische Volk, das in freilieitliclicn Ideen und Einrichtungen sich entwickelt hat. Aber in der Türkei stehen wir jetzt 1111 Kampfe gegen die Selbstverwaltung, die von verschiedenen Provinzen gefordert wird und I tief und ernst. Wir beten und denken unseres Volkes Zukunft. Für wenige Minuten vergessen wir alles um uns herum, schlicsscn die Augen und träumen von dem, was einst in unserem Volke war, und von dem, was einst sein wird. Vor unseren Augen ist cs ganz lieht und hell. — Plötzlich werden wir aufgeschreekt. Lauter spielt die Kurmusik das bekannte Lied vom Tanz und von der Liebe. Die Alten haben nichts ge- Uürt, sic beten weiter, ahnen und spüren nichts. Wir Jungen hören die Musik, hören das Leben. Mir ist’s, als könnte ich in deren Augen lesen: Wozu dies alles, wozu unsere Arbeit und unsere Mühe? Vielleicht haben die da draussen recht, die das ״Leben gcnicsscn?" Vielleicht nehmen wir das Leben zu ernst? Doch nur wenige Augenblicke dauern die Zweifel, dann vergessen wir die Menschen und bcenden die Klagelieder. Wir verlassen den Betraum. Die Alten gehen in den Garten hinaus, wechseln noch ein paar Worte, wünschen sieh ein gutes Pasten und legen sich zur Ruhe nieder. Wieder haben sic die laute Kurmusik nicht gehört und werden sie nie hören. — Mir ist’s noch zu früh. Ich gehe in den Kurpark, setze mich an einen Tisch und lasse die Menschen an mir vorüberziehen. Viele von unseren Qlaubcnsgeuossen — leider sind sie unsere Glaubensgenossen — sind darunter. Was wissen sic vom Tlscho-be-Aw? Einige von ihnen haben während der Konzertpauso einen Seitenweg (Ungeschlagen, sind am Bctloknl vor- (li)orgei(oinmon, haben das Murmeln der Klagelieder gehört, als sie durch das Fenster hlnclnschauton, haben höhnisch gelächclt und sind zur Kurmusik zurückgegangen. Gerade gehen sic einher und sprechen vom Tanz und der Liebe. — Leben! Wie bist du so sonderbar! Die Alten da drinnen krumm und gebückt, aber die Besten unter uns, die da draussen, äusscrlich gerade, aber mit verbogener Seele, innerlieh halb und hohl, treulos und fremd ihrem Volke. Der Gedanke ist schmerzlich. Er treibt mich fort und ich flüchte mich hinaus in den stillen Wald. Und neue Hoffnung kommt über mich. Noch sind w i r da, die Jungen, äusscrlich und innerlich gerade. Ich schaue zum besternten Nachthimmcl empor und glaube, in den Sternen unseregrosse Zukunft, von der wir Jungen während der Klagelieder träumten, lesen zu können: ״Siehe, cs schlält und schlummert nicht der Hüter Israels!" Kleines Feuilleton Die Frage, ob dlo Juden als Asiaten oder als Europäer zu bezeichnen sind, wird letzt in Südafrika eifrig erörtert. Bekanntlich ist liier ein Gesetz ausßcarbcitct worden, das die Einwanderung von Asiaten ln Südafrika cinschränkt. Dieses Gesetz ist vornehmlich gegen Neger. Indier und Chinesen gerichtet. Die Juden dachten nicht daran, dass auch sie davon betroffen werden könnten, und dass man auch sie wegen ihrer Stammesherkunft als Asiaten bezeichnen würde. Dies ist nun doch von judcnfcindllchcr Seite geschehen. Die dortigen Juden und die führende cnglfscho Presso bemühen sich daher, cino entsprechende Aciulcrung 1111 Wortlaut des Gesetzes hcrbclzufllhrcn. Es Ist ober sehr fraglieh, ob ihnen das gelingen wird.

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