Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1909)
- Date
- 1909-07-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 360. JUEDISCHE RUNDSCHAU No. 31. Nationalismus. Und als in der Konstantinopder Presse mehrere Artikel für den Zionismus erschienen waren — wurde er vom Schrecken ergriffen und verfasste seine bekannten Ausführungen im ״Jewish Chroniclc". Der Herausgeber dieses Blattes, der, wie es scheint, seinen Konstantinopder Korrespondenten nicht kennt, richtete in seiner Bestürzung an diesen ein dringendes Telegramm ״im Namen der jüdischen Organisation", worin cs hiess, dass die Juden keinerlei separate Ziele in der Türkei verfolgen, dass die dorthin cinwandcrndcn Juden tilrkischu Staatsbürger werden sollen, und dass ״die Organisationen keinem Lande den Vorzug geben." Der Korrespondent ver■ iiffcntliclitc sofort dieses Telegramm in den hiesigen Zeitungen. Merkwürdigerweise ist aber der letzte Passus, wegen der ״Nichtbovorzugnng irgend eines Landes", in den» von seinem Vater herausgegebenen Blatte nicht wiedcrgcgcbcnt Und wie ich zuverlässigst erfahre, hat der Korrespondent selbst, nicht der Herausgeber des ״J. Chr", den betreffenden Passus verfasstI״) Und das alles, um den bösen Zionisten ein Bein zu stellen. . . . So sieht die geistige Physiognomie des ״Jewish CI1ronicle"־Korrcspo1!dcntcn aus, und so sind seine ״Informationen aus erster Quelle“! — Des weiteren sagt der Korrespondent des ״Haolain": ״Tatsüchlieh ist in den Ansichten der Regierung über die jüdische Ansiedelung in PaUistim» keineswegs ein im• ,günstiger Umschwung cingctrctcu. Int Gegenteil, zahlreiche hohe Beamte heben offen den grossen Nutzen hervor, den die Juden dem heiligen Lunde und der Türkei bringen würden." PALACSTINA-RUNDSCHAU In Bälde wird mit dem Bau des eigenen Hehns für das Hebräische Gymnasium begonnen werden. Die dazu notigen Mittel hat ein englischer Palästina• freund, Herr Jacob Moser gestiftet. Von den ver* sckicdcncn Bauprojekten ist das des Architekten Da r s k y - Jerusalem akzeptiert worden, und die Ausführung des Baues wurde dem Bauunternehmer Sc 11 eiuehe übertragen. Die ״JCA" (Jewish Colonial Association) hat iliien Landbesitz in der Kolonie Gliedern!» unter die Kolonisten unter der Bedingung einer Abzahlung '11 .ני Jahresraten verteilt. Die Ersparnis der recht hohen Pachisuamicu wird den Kolonisten nunmehr die Erzielung eines weit grösseren Reingewinns er• möglichen. * Dci eben erschienene Bericht des britischen Konsuls in Jerusalem I'.C. Bloch gibt eine reiche An• zahl interessanter Daten, die den unvergleichlich schnellen Aufschwung Palästinas in wirtschaftlicher lifiisiciit während der leizten fünf Jahre illustrierten »'״ hat sieh in der Zeit von l'.HM bis 19118 die Einfuhr über die Rlsecde von Jaffa beinahe verdoppelt (190*1: £473 33(1 gegen 1908: £803 300). Das Bleiche gilt von der Ausfuhr <190*1: £295000 gegen 1908: £550 370). Hierbei ist zu bemerken, dass im verflossenen Jahre der Handel Jaifas natiirgcmäss unter den politischen Verhältnissen und insbesondere unter der Boykott• Bewegung gegen österreichische Waren zu leiden hatte. 4* Nachdem jetzt alle rechtlichen Hurmalitäte» beziiglieh des von der Gesellschaft Ae 11 u s a 111 ־ B a i 111 gekauften Terrains beendigt sind, kann mit den Arbeiten iiir den Bau des geplanten Stadtviertels begonnen werden. Die Gesellschaft hat bereits einen D c b a 1111 n g־s 1 ח a 11 nufstcHen lassen, und cs wird jetzt mit der Absteckung der Strassen und dem Bau eines Brunnens begonnen. Die Gesellschaft will alles daran wenden, um den Bau der Häuser für ihre 00 Mitglieder so zu beschleunigen, dass die Häuser bereits zum nächsten Miieharem (Umzugstermin) im Januar 1910 bezogen werden können. Auch der Neiihaii der hcbrlilschen Gymnasiums svird h» de»»» neuen Stadtviertel steilen mul dessen Mittelpunkt bilden. Hiir Steinmetzen, Maurer, Bauiiseliier und sonstige Bauhandwerker wird der Ban des .neuen Stadtviertels wahrscheinlich vermehrte Arbeitsgclegenlieit bringen, mul es könnte eine grössere Anzahl neu eiiiwanderiider jüdischer Uauhandwerker auf Arbeit rechnen. Die Ernte ln Rechoboth im Jahre 5668 Die bereits fruchttragenden Mandclpilanzung’cn!»rächten »Iber 00 Kantnr Mandeln, die einen Wert von 151100 Eres, repräsentieren. Die Weinernte ergab <•800 Kantar, von denen eine Einnahme von 110*100 Eres, erzielt wurde. Hiervon entfallen 1200 Kantar auf Mitglieder der bereits aufgelösten Agudath-Hakormim in Rcchoboth, die 13 Eres, per Kantar erzielte, 4800 Kantar auf Mitglieder des Risclioncr Sya« diknts, die wm» mit 10 Eres, pro Kantar .״«׳setzen kam» (eine genaue Abrechmmg des Syndikats erfolgt *) Der Korrespondent wurde inzwischen auch seitens der Redaktion des ״Jewish Clironiclc" desavouiert. (Red. d. ״J.R.") eist am Ende des Geschäftsjahres) und ca. 1500 Kantar auf nicht organisierte Weinbesitzer, die 10 Eres, pro Kantar in Rcchoboth erzielt haben. Sehr viel hat Rcchoboth unter der schlechten Ucbcrwaclning der Pflanzungen zu leiden. Man nimmt an, dass ca. 10 Prozent der Mandeln gestohlen werden. Die Oschcrnbgabc wurde in diesem Jahre dank den durch die Konstitution cingcfilltrtcn besseren Verliäitiiisson befriedigender als im Vorfahre geregelt. Nur die Abschätzung der Ernte in der Scheuer war eine unerhört hohe, so dass der Oschcr an SO Proz. des Wertes betrug. VOM ZIONISMUS-'*:* Der Zionismus und die mikro-biologische Versuchsstation Von Prof. Dr. 0. Wa r b u rg-Berlin. Man hat den Zionisten oft den Vorwurf gemacht, dass sic wohl Palästina stets im Munde führen, dass man aber daselbst bisher mir wenig von ihrer Tätigkeil merkt. Selbst ernste Beurteiler sind sich darin einig, dass, abgesehen von der A n g 10 P a I c s t i n c C 0.. deren Tätigkeit sic durchaus ־.»«erkennen, »»ichls Greif• und Sichtbares von den Zionisten in Palästina geschallen worden sei. Es lässt sich nicht leugnen, dass dieses Urteil hereclitigf ist. Wir Zionisten verweisen zwar auf den Bczalcl, und es ist auch richtig, dass ohne die tatkräftige Unterstützung der Zionisten die Kunstgewcrbcschulc in Jerusalem wohl kaum zustande gekommen wäre, sicherlich sich aber nicht hätte halten können, wtihveml sie jetzt ־— dank der vielfachen Hilfe der Zionisten durch Spenden und Kauf der Waren •* einer durchaus sicheren Zukunft entgegensieht und einen immer grösseren Wirkungskreis er* langt. Aber eine zionistische Institution ist der Bczalcl doch nicht: sowohl unter den Kontribuenten;;i.s auch unter den Vorstandsmitgliedern bilden die Zionisten die Minorität, mul es wird wohl auch nur noch eine kurze Zeit währen, bis auch die in der Ktmstgewcrbesclmle hergestelltei» Waren erst über den doch relativ engen Rahmen der Zionisten hinaus gewürdigt und gekauft werden. Auch keine der anderen Institutionen Palästinas kann als eine zionistische Gründung angesehen werden. Das Hebräische G y in n a si u 1,1, '$0 sehr cs auch den zionistischen Intentionen entspricht, ist aus bekannten Gründen ein Noli nie tangere fiir die zionistische Organisation: es hat eine ganz selbständige Verwaltung, auf die das Aktionskomitee nur einen minimalen Einfluss hat. Bei dem Gymnasium sowohl wie bei anderen Lehranstalten.'wie z. B. beim Technikum, den» zukünftigen l.amierzieliungslieim (K i r ia t h Sef e r), dem Waisenhaus in Jerusalem usw., wird sich die Tätigkeit der zionistischen Organisation auf Vermietung von Land mul Gebäuden durch den Nationalfand sowie auf mehr oder minder grosse Beihilfen zu beschränken haben. Wem» auch infolge dieser Beihilten die zionistische Organisation in manchen Eälleii Anspruch auf einen Sitz im Vcrwsiltuugsrat haben wird, so kam» doch der Einiluss der Partei auf die einzelnen Institutionen ein nur relativ geringer sein. Und das ist gut so. Wir sehen beim Gymnasium, dass ein Teil unserer Parteigenossen schon Einspruch gegen eine einfache Subvention desselben erhebt, weil ihnen die Tätigkeit eines Lehrers nicht gefällt; welch ein Kampf unter den Zionisten wurde erst entstellen, wenn die zionistische Leitung die Verant- Wörtlichkeit fiir die Schule auf sich nehmen würde. Vorläufig sind freilich die Unterstützungen, welche die Zionisten zu gewähren vermögen, keine bedeutenden. Wenn auch die Kongresse ehemals sehr freigebig In bezug auf Bewilligungen waren, in Wirklichkeit hum*.tc nicht mehr ubgcflUut werden, als vorhanden war, und wenn man zusaimncnrcchnet, was im Laufe der Jahre die subventionierten Institntioneu, wie die Nationalbibliothek, die Mädchenschule in Jalia, das Gymnasium, der Bczalcl in bar von der Partei als solcher an Subventionen erhalten haben, so dürfte eine Summe resultieren, die 20000 Mark noch nicht übersteigt. Die Terrain- und Hauskäufc durch den Nationalfonds stellen zwar sehr wertvolle Unterstützungen dar, sind aber natürlich dem Prinzip naclt ebensowenig als eigentliche Subvciitionen anzusehen wie die indirekten Darlehen des Nationulioitds an die Kredit- und Baugenossen» schäften. Wie man also sicht, haben diejenigen recht, welche behaupten, dass die bisherige aktive zionlsti• sehe Tätigkeit in Palästina wenig merkbar ist. Erst in den letzten Jahren ist ein weites Arbeitsfeld betreten worden, das sich vermutlich bald recht ausdehnen wird, das Ist die direkte Inangriffnahme oder!»!direkte Unterstützung lundwirtschaftlieber U1»tcn»chn»u»»gen, Erstcre bezieht sich auf die zunehmende Entwicklung der Oelbaun»- spende, letztere auf die Beteiligung an der Palestlnc Land Development Co. sowie die Unterstützung dCs Odessaer Komitees bei der Gründung neuer Kolonie״ Hier ist ein weites Held für den Natiomilfonds geben, sowie besonders für die in Gründung be". 1 griffene Agrarinstitution. * : Aber auch die Ku11 u rau f gabe n diirfe״ seitens der Zionisten nicht auf die Dauer ausschlie״. lieh durch Subventionen bestehender Institute ihre Erledigung finden. Die Zionisten müssen den ,\1״ן haben, selbst an grosse Aufgaben heranzutreten, nicht nur untcistützend und die Verantwortung Jfc״CUC),’; sondern offen die Verantwortlichkeit ganz auf י,;«;! ) nehmend.! Mit den bisherigen Eonds, die der zionistische״ Organisation zur Verfügung stehen, ist das fr«1|lw|, nicht möglich. Die Schekelgclder werden durch die > laufenden Ausgaben der Organisation mehr als auf'.! gezehrt, so dass schon zur Unterstützung der Presse i ein besonderer Pressfonds geschaffen werden mihste. j Der in» Vorjahr begründete Kulturfonds ist vorläufig j so klein geblieben, dass kaum die halb zuges. gte״ : Subventionen der bestehenden Kultut Institute d.von i gedeckt werden können: der Nationaliunds. der! Parteifonds sowie der Pogromfonds kommen h:c1i״t ' nicht in Betracht. Es bleibt also nichts libiig.;,!« I eine besondere Sammlung für derartige neue Zweck« \ zu veranstalten. ( Eine glückliche Kombination ist nun dadurch! entstanden, dass allseitig der Wunsch vorhanden var. den 60. Geburtstag unseres politischen Führers Max Nordau durch eine Spende zu ehren, die m .,.*re s Bestrebungen im Sinne unseres Vorkämpfers imdern und gleichzeitig als Nor da ustif tung «,״«;!, speziellen Zw׳cckc dienen sollte. Man dachte .־..erst an eine Nordaukolonie. aber eine solche wäre :nein im Sinne eines so scharfen Gegners der Kleinkni-inj. sation gewesen. Man dachte auch an eine Stiitnug im Anschluss an den Natiomilfonds, aber eine v.!«״«; könnte natürlich nur für Landkauf in Betracht )׳•;!;. i men, und cs liegen augenblicklich keine dring«!j.־u Ziele mul markanten Zwecke f 11 r solche Kam« r. abgesehen davon, dass deren Efiektuienn.g sicii :! bekanntlich jahrelang hinzieht und nach den bis״»״׳, gen Erfahrungen die Nutzbarmachung solcher K״ufe vorläufig nocli überaus schwierig und unsicher t•׳. So verfiel man dem» auf einen kulturellen Zu«״•., der einerseits mit dem medizinischen Beim des Jubilars in enger Verbindung stellt tmJ anJerseus in weitestem Masse berufen ist, das Land Palästina für die E i 1» w a n d e r u n g v 0 r /, u b e r c 1; c;1. Dachte man /.«erst an ein hygienisches lnstitm. v> einigte man sielt bald, indem man den Rat Dr. Nor. da 11s einliolte, darauf noch mehr zu spczuiliM«!«,» mul ein M i k r o i> i o I o g i s e h e s Institut m Palästina zu schaffen. Hierzu bedarf es Kernes grossen Apparates, die Ansprüche eines solchen 1(1• stituts an Raum sind bescheiden, die Einrichtung ist bis auf die Mikroskope, die Thermostaten und Kuh!, räume wenig kostspielig, und die Zahl der .mgestelhcn Gelehrten lässt sich je nach den zur Verfügung stehenden Mitteln erweitern oder beschränken. Natürlich erfordert ein solches Institut ziemlicii beträchtliche Mitte!, wenn man cs sogleich für die Ewigkeit sichern will, d. 11. wenn man einen v> ׳ grossen Eonds schaffen will, dass die Zinsen das In• Mitut zu erhalten vermögen. Aber das ist ja mellt nötig: hat man das Terrain, den 1i.1a und die Ein• richtung sowie den Betriebsfonds fiir vier Jahre, so wird man bezüglich der späteren Erhaltung des I!:• stituts unbesorgt in die Zukunft schauen dürfen. Wird das Institut in den vier ersten Jahren nichts Er• spricsslichcs geleistet haben, so verdient cs nicht länger erhalten zu werden: hat cs sieh dann aber als nützlich und für die Entwicklung Palästinas weit* ' voll erwiesen, so wird cs so populär geworden sein, i dass eine erneute Sammlung das Institut auch tür J die Zukunft sicher stellt; ja vermutlich werde» dann ן sogar die Stadtverwaltungen sowie die Regiecutvec«, \ welche das Institut gewiss häufig benutzen werden, J cs durch moralische oder faktische Unterstützung >:u i halten suchen. j Da wir nun in» Nationalionds ein Mittel haben, j um dem Institut in ähnlicher Weise wie dem Be,׳..’I? ein Haus zur Verfügung zu stellen, bedarf cs mir n־׳ch des Geldes für die liinrichümg und den Betneb. ’ Nehmen wir die Koste!» der Einrichtung nebst App.••; raten zu 50 000 Eres, und ebensoviel für die Bibliothek, ferner ein Jahresbudget von 25 000 Eres., so werden 200000 Eres, genügen, um das Institut für etwa vier Jahre zu sichern! und eine solche Summe sollte nid!t schwer sein, von den vielen Tausenden Zionisten ׳.u erlangen, sei es, dass sie aus Interesse fiir die Sacht oder aus Verehrung für die Person ihre Spende bei• steuern. Wenn selbst fiir einen so wenig sympatlii• sehen Eonds, wie es der Parteifonds ist. zu dem kein Zionist mit dem Herzen, sondern ausschliesslich aus Vcrstandcsgriindcu beisteuert, recht erhebliche Summen zusammen gekommen sind, wie viel mehr lässt sich von einer Sammlung erwarten, dir jeden, der siel» für Palästina interessiert, in hohem Masse sympathisch sein muss. Gilt cs doch vor allem, das Land durch die Bekämpfung def M*