Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1909)
- Date
- 1909-07-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 358. J U E DIS C HE RUNDSCHAU No. 31. Die Haodwerkerschule in Jaffa Zu den hoffnungsvollsten Bestrebungen in | Palästina gehören diejenigen, die auf eine Besserung der Lage der schon ansässigen Judenschaft hinziclcn. — Es ist bekannt, dass weitaus der grösste Teil der palästinischen Juden nicht erwerbstätig ist, sondern sich auf die Unterstützungen verlässt, die unter dem Namen Chalukah aus der ganzen Welt cinlaufcn, um den im heiligen Laude lebenden Juden ein arbeitsloses, dem Gebet und dem Studium der Lehre geweihtes Leben zu ermöglichen. Die ln ihren Anfänden sicherlich sehr sympathische Einrichtung hat sich aber längst zu einem Ucbelstand entwickelt, | keit den sonstigen Erfordernissen der Existenz nicht hinderlich im Wege stünde. Aber solche Be- Strebungen mussten naturgemäss auf den heftigen Widerstand derer stossen, die dadurch in der gewohnten Lebensführung sich gestört sahen, und erst kürzlich haben die guten Absichten der deutschholländischen Chalukahverwaltung einen Sturm der Entrüstung bei denen hervorgerufen, auf die das beabsichtigtc Reformwerk zugeschnitten war. Aber die Entwicklung zum Besseren lässt sich auch hier nicht aufhaltcn, und schon letzt fehlt cs nicht an einsichtsvollen Vertretern der Orthodoxie, ständige Schicht der Bevölkerung. In der Schul« wird neben einem angemessenen religiösen und allgemeinen Unterricht besonders Zeichnen und Rechnen gelehrt, während der eigentliche Handwerks-Unterrieht zunächst kleine Eisenarbeiten und Tischlerei umfasst. — Schon von Anfang an lieferte die Schule auch für den Bedarf der Stadt Schlösser, Riegel, Hämmer, kleine Eiscnrnöbcl, Türgittcr und ucrgleichen, und bald wagte man sich auch an grössere Aufgaben heran. Ich habe noch im vorigen Jahre eine recht kunstvolle Plombcnzangc und sogar feuer* feste Ücldschränke gesehen, die samt ihrer koiiipli. Gruppe von Zöglingen der Jattacr Handwtrkerschule ״Bet Melachati" mit Ihrem Ltlter — dem Hausvater. (Momcmaulnahmi.i < י . \' ן --׳י La— ..! Der JOngste Nachwuchs. — Der Junge Mann In der Mine ist ein guter Typus eines aschkcnaslschcn (längst ansässigen) Juden. insofern als die von der Chalukah existierenden Juden der ganzen jüdischen Bewohnerschaft des Landes ihren Stempel aufdrückten, der ja nicht nur ein Stempel der Frömmigkeit und Gelehrsamkeit, sondern vielfach auch ein Stempel der Faulheit, der Heuchelei, der Verwahrlosung und der wirtschaftlichen Rückständigkeit war. Es hat nun an Bestrebungen nicht gefehlt, den guten und frommen Zweck der Chalukah auf diejenigen zu beschränken, die gelehrt genug waren, um ihr Studium als etwas wertvolles erscheinen zu lassen, auf diejenigen, die -—alt und schwach — zum Erwerbsleben nicht taugten, so dass ihre Frömmigdie die Wirksamkeit der Chalukah Im obenerwähnten Sinne cinschränken möchten und die dadurch allmühlieh frei werdenden Gelder lieber zum Ausbau der so wichtigen allgemeinen Institutionen verwenden möchten. Diesen aus der Mitte der Orthodoxie hervorgehenden Bestrebungen verdankt auch die jüdische Handwcrkcrschulc in Jaffa ihre Ent- Stellung. Von einem jüdischen Ingenieur, Herrn Oisermann, gegründet und dem Jaffacr Rabbiner Kuk wirksam gefördert, bildet diese Schule einen neuen Ausgangspunkt für die allmähliche Verwandlung des betenden Proletariats in eine erwerbende und selbzierten Mechanik in der Schulwcrkstatt verfertigt worden waren. Der gute Erfolg dieser ״Beth Mclachah" (Arbeitshaus) genannten Jaffacr Werkstatt hat dazu gciulirt. dass jetzt auch die Mittel aufgebracht wurden, um ein ähnliches Institut auch in Jerusalem zu begrimden, und cs wäre dringend zu wünschen, dass tiic Mittel reichlich genug eingehen, um den Ausbau der bestehenden Anstalten und die Errichtung weiterer in den vielen Orten, wo es nottut, zu ermöglichen. Unsere Bilder zeigen eine Anzahl Zöglinge der Werkstatt, Momcntbildcr, die auch als jüdische Typen von Interesse sein werden. als irgend ein anderer Konsul. Die Art, wie er das sagte, war den türkischen Behörden und Beamten wie eine Drohung erschienen, und es lag tatsächlich eine Art Drohung darin. Es war ein unnatürlicher Zustand, dass Juden, die vor den russischen Verfolgungen und Massneres geflüchtet waren, in Palästina die russische Untcrtancnschaft beibehielten; — cs war aber ein weiterer unnatürlicher Zustand, dass dasselbe Russland, das zuhause nicht genug Verfolgungen gegen die Juden ausdenken konnte, in Palästina und der ganzen Türkei als tatsächlicher Beschützer der jüdischen Einwanderer auftrat. Wenn einem russischen Juden in Palästina oder sonstwo in der Türkei irgend etwas passierte, wogegen er sich nicht schützen konnte, so brauchte er nur zum russischen Konsul zu gehen, um dort einen tat sä ehlieh wirksamen Schutz zu finden. Diese Merkwürdigkeit erklärt sich daraus, dass in der bisherigen Türkei die Konsulate vieler Mächte mehr oder weniger dazu da waren, der Türkei Schwierigkeiten zu machen. Die Türkei, die bisher sozusagen unter der Vormundschaft der Grossmächtc gestanden hatte, war ein ״schwacher Staat“ und jeder Konflikt einer der Mächte mit diesem schwachen Staate musste zum Nutzen dieser Mächte und zum Schaden der Türkei ausfallcn. Jeder russische Jude war der russischen Behördc eine, willkommene Möglichkeit, der Türkei etwas am Zeuge zu flicken, und für die Türkei war ebenso in jedem russischen Juden, der dorthin kam und die russische Untertanenschaft beibehielt, die Gefahr gegeben, dass er aus irgend einem Grunde der russischen Regierung den Anlass zur Intervention geben könnte, die dann natürlich nicht zum Vorteil der Türkei ausfiel, Wegen dieser Gefahr hatte die türkische Regierung ein Einwanderungsverbot erlassen. Es war das aber kein Einwanderungsverbot in dem Sinne, in dem es in Westeuropa meist aufgefasst wurde, es war auch kein direktes Gesetz und kein absolutes Verbot, — es war vielmehr eine administrative M a s s regcl, die cs den Provinzialverwaltungen ermöglichtc, gegebenenfalls die Einwanderung zu beschränken oder zu erschweren. Ganz hat die Einwanderung nie aufgehört, und sie ganz zu unterbinden, war auch nie die Absicht der türkischen Regierung. (Fortsetzung folgt.) Zur Beachtung! Den Abonnenten ist zu empfehlen, sich immer beim Ausbleiben seiner Zeitung zunächst an die Postanstalt zu wenden, welche die Zu- Stellung des Exemplars auszufi'tiiren hat, weil auf diesem Wege Unregelmässigkeiten am schnellsten festgcstcllt und beseitigt werden können. ״AUS ALLCR W6LT :: Türkei Nach einem dem Verein für das Deutschtum im Auslande zugegangenen Bericht der deutschen Schule In Konstantinopel über das Schuljahr 1903/09 weist diese eine Scliiilurzahl von insgesamt 587 Schülern und Schülerinnen in der Obcrrcalschulc und höheren Mädchenschule auf. Dem Religionsbekenntnis nach waren 135 evangelisch, 109 römisch-katholisch• 51 griechisch-katholisch, 22 armenisch-gregorianisch, 238 mosaisch, 23 Mohammedaner. Berücksichtigt man noch die grosse Anzahl jüdischer Kinder in den christlichen Missionsschulen, so zeigt sich, wieviel in der türkischen Hauptstadt noch zu leisten ist, um durch ein gleichwertiges oder überlegenes Schulwerk diesen entjudenden Einflüssen entgegenzuwirketj. RUNDSCHAU DCR-PResse ♦♦Haolam**, Wilna Die in Wilna erscheinende hebräische Wochenschriit ״Haolam“ veröffentlicht in ihrer neuesten Nummer folgende Ausführungen ihres als zuverlässig und gut informiert bekannten Konstantinopcler Korrespondenten, welche auf die neuerdings belichte Taktik unserer Gegner ein bezeichnendes Schlaglicht werfen: ״ln letzter Zeit ist verschiedentlich behauptet worden, dass im Verhältnis der türkischen Regierung zur jüdischen Kolonisation in Palästina ein ungünstiger Umschwung cingctrctcn sei. Die erste Aiammachrieht stammte vom Konstantinopcler Korrespondenten des ״JC'Wish Chronicle“. Darauf verbreiteten auch Wiener Blätter falsche Mitteilungen über diese Angelegenheit. Zur Steuer der Wahrheit sei hier nun folgende Aufklärung gegeben: All jene Lügenmären rührten vom ״Jev.ish Chroniclc"-Korrcspondentcn her. Er. verlohnt sich daher ~ so unwichtig und uninteressant auch dies an und für sielt ist —, die Persönlichkeit dieses ״Korrespondenten“ zunächst etwas näher zu beleuchten. Der Konstantinopcler Korrespondent des ״Jewish Chronicle“ ist der Sohn des Herausgebers eines kleinen Blättchens, welches den Assimilantcnkrciscu und der Alliance IsraMitc Universelle sehr nahe stein. Jener ״Korrespondent" ist von Beruf Komtnission ü r; jedenfalls hat er keinerlei Beziehungen in den Rcgicruugsspliären, und er schöpft seine Informa- *Ionen aus zweiter und dritter Quelle — meist in ״AlUaucc"-Krciscn. — Dieser Herr, ein Zögling und Schrittmacher der ״Alliance", hasst den Zionismus und den jüdischen (Fortsetzung auf Seite 360).