Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1909)
- Date
- 1909-07-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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IS :.! iw k: I״ In• |f. |־C ä.\ in r 10 IC No. 31. Kom״c. beweist, wie sehr auch wir von dem ״״uten Kern״ in »lim Überzeugt waren. Wir hatten die E ״n" iMm, dass in seinem Herzen ein Stück EUdiuden- «״•» cinuekerkert war. das den Plug ins Freie scheute In »11 seinem Schaffen aber erkennen wir diesen jüdischen Geist. Seine grosse, oft blinde Liebe 7 ״ci״c. die er von den ersten Jünglingsjahrcn bis zu ,einem lode mit zhher Hingebung gepflegt l״*tc ,״achte aut den Kenner der Karpeles'schen Heinelitcratur den Eindruck einer rlihrenden Bruderliebe Ucr Ehrenrettung des Jüdischen Dichters T!lt sein Werk, und er hui nicht wenig dazu belgetraS Heine als Dichter und als Juden populär zu machen Neben seiner redaktionellen Tätigkeit, die ihn la Jaiierml;111 indische Interessen fesselte, und neben der Iteseluiftigung mit Einzelproblcmcn der allvc- ״,einen Literatur hat er sielt eifrig und mit besonderer Sorgmli der Erschliessung der jüdischen Literatur gewidmet. So erschien aus seiner Feder die zweibändig« ״Geschichte der jüdischen Litcntnr" ferner Jehmla llalevis Divan", ein Werk Uber die Prallen m der jüdischen Literatur״ und die Zionsharie". eine Anthologie neuhcbriiischer Dichtungen Pas grösst« Verdienst aber erwarb sich Kameles durch die Gründung der ״Vereine für jüdische desehieiiic mul Literatur". Auf diesem Felde seiner Ta'.u’et war er sowohl als Redner wie als Werber uncnu dlieli. und so hat auch er schliesslich in seiner \\ eise _ mitgearbeitet, um in den Städten Deutsch• lamls ..en Hoden für .eine Regeneration des Judentums ,״ eenen Das wollen wir heute dankbar mei. kennen, und das vor allem sichert ihm auch in zioiiistiseiien .vreisen ein treues Gedenken. Seite 357.;on eine Ausführungen vorherige Er- Also sprach Zangwill A:.!,׳muerstag und Freitag vergangener Woche {.uni •!! l.omion eine Konferenz lies Internationalratcs des >10 statt, im Zusammenhang damit wurde am יה!im:.׳ :.«l'einl eine Versammlimg im Pavillion-Tlicater .ii'cch.iiieii. bei der Herr Zangwill präsidierte, unter- >vu/t v -u den Herren Meyer Spieliunnn, Dr. Jassi• n״v.׳1י!, In. .locliclimmn. Dr. N, Slouch usw. Herr /״•»;will sprach in iioPmmgsvollen Worten über die Aussichten der Kolonisation in Mesopotamien. Kr gü'ccr Meimirg Ausdruck, dass auch die zionistische Org.ni>.*1i:»n dem Plane freundlich gcgenilhcrstchcn werde, wenn man an die materielle Unterstützung ihrer iiM.uiziellen Institutionen appellieren werde auf tirund der wachsenden Bedeutung jüdischer Koloni- Mtioisbestrcbmigcn im Orient. Mit Bezug auf die Prä« de.׳ Autonomie sagte er, dass diese Wort im JJO-IVs'iamm nicht enthalten sei. Es sei unmöglich, eiste Autonomie heim Beginn der Kolonisation zuvorlangen, sondern die Kolonie werde auf einer autononit'.i Basis aufgebattt werden, d. h., die Juden v,׳ürden. indem sie das vorherrschende Element würden,;dinudiiich ״.!{ natürlichem Wege Selbstverw׳altung erlangen. W.t«, die der Sicdclung voranztigclicndc Erforsclnin•; aitl.mge.'so denke er, es sei nicht notwendig. eine wissenschaftliche Untersuclumg vorzunchmen. Er glaube vielmehr, dass die beste Untersuchung die sei, die vun den Pionier-Ansiedlern vorgenomnten wurde, die mit den Naturkräften zu kämpfen hätten und damit die Grundlagen für ein neues jüdisches Land legten. * Zu dem in der ״Welt" veröffentlichten Bericht aber die JTO-Konferenz in London erhalten wir von Herr״ Trictsch folgende Ausführungen, auf die Herr Zangwill oder einer seiner Freunde vielleicht ant- Worten wird: Ihe Behauptung, im JTO-Programm stünde kein Wort von Autonomie, ist charakteristisch. Die ״JTO- Porim.'i׳• spricht nämlich von einem ״Territorium auf autonomer Basis für diejenigen Juden, die in den l-anüeri!, iu denen sie jetzt wohnen, nicht bleiben können oder wollen." Zangwill möchte also einen Unterschied kon- Mruk'fcn zwischen ״Autonomie" und ״autonomer Basis". — Erstercs wäre der ״Charter", der der Ansiedlung usw. vorattsgingc — die autonome Basis aber wäre nur die von vornherein gegebene Möglichkeit, dass aus der sofort beginnenden Ansiedelung mit der Zeit eine iidisclie Majorität und in deren Folge eine jüdische Autonomie sich ergeben könne. Lassen wir diese Unterscheidung einmal gelten, sr* zeigt sich weiter, das? die ״Charter-Idee (wie ja letzt schon allen Zionisten cingoschcn wird) n e und nirgends möglich ist, dagegen Zangwills;•utf.iiome Basis im Sinne von Zangwills neuer Intert»r«unüm stets und überall. Und damit füllt auch diese Zangwillsche Wortspielcrei. Denn eine solche autonome Basis hatten wir vor dem Auftuuehen der JTO und wir haben sie noch und 'Verden sie stets und überall habet), und gerade deshalb ist sic gar nichts wert.!״״ Wir brauchen c i n Und - h- - künftiger Autonomien in hundert Lindern — — Drolüs ist in Zr.ngwüh neue: auch, dass er für Mesopotamien!: forochuns usw. für nötig erachtet. ״Die Pionier- Kolonisten werden schon selber alles herausiinden." Das ist ein Standpunkt. Aber Mr. Zangwill, wozu war dann die kostspielige Expedition zur Erforschung Cyrcnalcas? Und ferner: wozu haben Sie dann iahrclang eine ״geographische Kommission" sitzen lassen, um sich schliesslich mit ein paar allgemeinen Redensurten (die für Mesopotamien nicht mehr Geltung haben als für andere Länder auch) um die ganze Untersuchungsfrago hcrumzudrücken?- Bel dieser Gelegenheit noch ein Nachtrag zu einer früheren bescheidenen Anfrage, Kürzlich bchauptetc Zangwill, eine Zeitiang habe man sich ernstlieh mit J a m a i c a als JTO-Land befasst, habe cs dann aber doch ״fallen lassen müssen." Auch das wirft ein Lieht auf Zangwills ״Methoden". — Cypern war ihm zu klein für seine grossen Pläne, obwohl die Nachbarschaft zu Palästina Zangwill zugunsten Cyrenaicas und Jetzt zugunsten Mesopotamiens becinflusst hat!-Das ferne Jamaica ist nun ein ganzes Sechstel (!) grösser, dafür aber mehr als dreimal so stark bevölkert. Dass zudem die Bevölkerung hauptsächlich aus Negern und Chinesen bestellt, lässt einige weitere, recht ungünstige Schlüsse für die Chancen der Einwanderer zu. In Dingen jüdischer Politik sind wir ja an ein derbes Quantum Dilettantismus gewöhnt, aber Zangwill schlägt den Rekord bei weitem. Zangwill, der um seine Phraseologie ״nüchterne Staatskunst" nennen zu dürfen, die Zionisten bezeichnet als ״die unreifen Politiker, die die Baself o r in c I entworfen habe n". . . . Diese Baselforme! ist übrigens das Programm, auf dem Mr. Zangwill sicli viele Jahre hindurch wohl gefühlt hat. Probleme der jüdischen Emigration und Kolonisation Von D a v i $ T1־ i e t s c h (Berlin). fPcrtset/uiig.) Din Einzelbeträge sind verhältnismässig klein; ich will Ihnen aber zeigen, wie sich da•» summier(: Die Zahl der Auswanderer hat in manchen Jahren 150 000 und mehr betragen und zwar jener Auswanderung, die in der merkbarsten Form — der über den Ozean — vor sich ging. Dabei sehen wir also ab von der gleichfalls sehr grossen Auswanderung, die innerhalb des russischen Reiches und innerhalb linronps vor sich ging. Die Auswanderung über das Weltmeer, die in manchen Jahren, wie gesagf, 150 000 umfasste, erforderte in einem Jahre 30 Millionen Mark. Die Ein- Wanderungsstatistik der Vereinigten Staaten zeigt für die letzten Jahre eine jüdische Immigration von fast einer Million Seelen, deren Uebersiedlungskostcn — in einem Jahrzehnt — zweihundert Millionen Mark betragen, — soviel wie das Vermögen der Ica. Hier sehen Sie, Welch* kolossale Reisekosten allein die Aus- Wanderung nach dem einen Hauptlande, den Vereinigten Staaten von Nordamerika, und es wird Ihnen hieraus klar werden, welch’ kolossale Teilbeträge jener Summen für die e i g e n t - liehe, die praktische Kolonisationsarbeit erübrigt werden könnten, wenn ein näher gelegenes, billiger zu erreichendes Einwanderungsgebiet es ermöglichte, drei Viertel oder vier Fünftel an den Reisekosten zu sparen! Wir haben nun, glaube ich, fürs erste den Punkt der Nähe eines Einwanderungslandes zum Auswanderungslande genügend behandelt und ich komme nun zu den beiden anderen Punkten: Regierung und Bevölkerung. Die türkische Regierung ist dem Juden so* weit günstig gesinnt, dass wir in allen Ländern der Christenheit vergebens nach solchen suchen könnten, in denen unsere Chancen halbwegs ähnlich wären. In einer Zeit, als alle Tore Europas sich der jüdischen Einwanderung verschlossen, haben sich die Tore der Türkei g c ö f f n e t, in einer Zeit, wo wir überall ver* folgt waren, hat man uns in der Türkei nicht nur ' a u f g e n o ni m e n , sondern sogar wesentlich unterstützt. Und wenn wir eine jüdische Auswanderungspolitik schon früher gehabt hätten, so hätte man aus diesen verhältnismässig kleinen Anfängen schon längst ausserordentlich grosse und viel gesün* dere Einwanderungen entwickeln können, als es bis heute der Fall ist. Der Zeitpunkt ist versäumt worden — nicht einmal, sondern oftmals, und es wird eine der Hauptaufgaben der jüdischen Welt sein, dafür zu sorgen, dass der gegenwärtige Moment und die künftigen Gelegenheiten nicht ebenso verabsäumt werden. Die türkische Regierung hat ihre Synmathien mit den Juden zu vielen Malen und in der verschiedensten Weise zu erkennen gegeben. Wir wissen aus der Geschichte, dass nicht heute und gestern, nicht nur in den letzten Jahrzehnten, sondern dass seit Jahrhundert c n, solange das türkische Reich besteht, die Juden in diesem Lande ein Asylland gesehen und auch gefunden haben. Die Juden, die heute in der Türkei leben und eine halbe Million zählen, sind zum grössten Teil auf Grund dieser Verhältnisse eingewandert. Wir können sagen, dass von dieser halbm Million Juden, die heute in der Türkei leben, etwa 200 000 den alteingesessenen Juden augehören jenen Juden, die nie auiVehört haben, das türkische Reich in grösserer oder geringerer Nahe zu Palästina bewohnen. — Eine weitere Zahl von 200 000 Juden, ganz eh gerechnet, wird jene Juden umfassen, die nach den spanischen Vertreibungen nach der Türkei gewandert sind, und der Rest von uiweführ 100 000 wird der neuen Auswanderung zuzuschrciben sein, die im letzten Jahrhundert nach Palästina und auch nach anderen Teilen der Türkei gegangen ist, — im Anfänge des Jahrhunderts vorwiegend aus religiösen, gegen Ende des vorigen Jahrhunderts und anlängs des jetzigen hauptsächlich aus Wirtschaftliehen Gründen und auf der Flucht vor Vcrfolgungen. Niemals in diesen hunderten von Jahroi haben wir Anzeichen dafür gesehen, niemals haben wir Dinge erlebt, die darauf schliessen Hessen, dass eine weitere grosse jüdische Ein- Wanderung in der Türkei jemals auf Schwierigkeilen stossen würde. Allenfalls haben sich in den letzten Jahren Ejiivvaiultrungsschwierigkehen gezeigt. Doch wir wellen diese einmal untersuchen. Als Anfangs der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die grossen Judenverfolgungen in Russland einscizten, flüchteten mehrere Tausende nach Palästina, (die grossen Auswan- (lerungen gingen nach den Vereinigten Staaten und England.) Die Tausende aber, die nach Palästina gingen, zogen dorthin mit der Idee, Palästina wieder zu einem jüdischen Laude, das jüdische Volk wieder zu einem Volke von Bauern zu machen, das es einstmals zum Teil gewesen War. Die jüdische Kolonisation ging vor sich mit nicht mehr oder weniger Störungen und Rückschlägen, aber auch nicht mit weniger Erfolgen als Kolonisationsunternehmungen ähnlieber Art bei irgend welchen anderen Völkern, in irgend welchen anderen Ländert! gefunden haben. Als der Zuzug nach Palästina stark wurde, als anfangs der neunziger Jahre bei Wiederholung der russischen Judenverfolgun• gen aufs neue viele Tausende nach Palästina gingen, da kam eines Tages das Einwandc• rungsverbot, das alle auf Palästina gerichteten Bestrebungen ausserordentlich behindert hat. Das Einsvanderungsverbot, das von den Gegnern der Kolonisationsbestrebungen so stark betont worden ist und das uns auch tatsächlich behindert hat, ist aber nicht gegen die J u d cn gerichtet gewesen, oder sagen wir, nicht gegen die Juden als Juden, es richtete sich vielmehr gegen die Juden als russische Untertanen! Denn die Juden, die sich hauptsäclich aus Russland nach der Türkei wandten, wurden dort merkwürdiger Weise nicht ottomanische Untertanen; sie behielten vielmehr ihre russische Untertanenschaft bei, und darin bestand eine Gefahr für die türkische Regierung. Man sagt, dass das Einwanderung* verbot eines Tages erlassen wurde, als der russische Konsul in Jerusalem sich gerühmt hätte, mehr Untertanen im Lande zu haben,