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Jüdische Rundschau · 1909-07-23 · Heft 30 (23.7.1909) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 30 (23.7.1909)
Date
1909-07-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 30. J U E פ I '3. C11M RUNDSCHAU Seite 347. רמ n \ : M!■ <3 7 V: ־ ׳ ׳ / ( 1־'־■ ־u׳־׳ סי n Der neunte PSü Hin schauriges aemäldcl — Unter furchtbarem Krachen stürzt die Stadtmauer Jerusalems ein. — Unter betäubendem Jubclgcschrc! der Krieger drin״en int Sturmschritt die römischen Kohorten in die dem Untergang geweihte Stadt. Die Luft durchzlttem gellende Jubel töne und dumpf schmettern die Sieges• faiilurcn. - Feuer überall —, die Hälfte aller Hüuscr steht in Flammen; vom Rauch bis zur Unkenntlichkeit gesell würzt sind die Qesichter der Verteidiger der heiligen Stadt, die, Inmitten von Lclchenlmufcn ihrer Volksgenosse» stellend, mit unmenschlicher Krnlt und wilder, todesmutiger Verzweiflung den letzkii heissen Kampf gegen die erdrückende Uebcrmacht der snhlgepanzcrten Römer kümpfen. Die Streitenden waten im Blute, das sich in dampfenden ׳ roten Büchet, durch die Strassen ergiesst. Niemanden verschont der Feind-die Hüuscr werden, nachdem die v eiligen männlichen Verteidiger im löwcnmutigcn, aussichtslosen Ringen erlegen sind, einzeln gestürmt, die Ftaucn und Kinder, die sich nicht mehr selbst zu tüten vermochten, auf die Dächer geschleppt und von dort in die Knäuel der unten kämpfenden Juden gestosseu. wo sie mit zerschmetterten Qliedcrn liegen bleiben. Seht, jetzt stürmen sie auch jenes grosse, palastähnliche Gebäude, dessen Besitzer, ein junger Hauptmann ans edelstem jüdischen Qebliite mit mächtigen Schwei ihiebeti bis jetzt noch die Schwelle hat freihalten körnten. Oben vom Dache herab verfolgt angstvi.ll seine junge Gattin, an die sich zitternd zwei schöne Kinder drängen, seinen Kampf. Jetzt hat ihn die römische Rotte erreichtim Augenblick ist er eingekeilt — von allen Selten sticht, schlügt man auf Ilm ein -. für einen Augenblick vermag er sielt noch Luft zu schaffen, — einen kurzen, heissen Abschieds* blick \w1ft er nach dem Dach hinauf, dann tuo.syt er dem vmtlciMcn der Ilm bedrängenden Leglnuilru da» Schwert in Ule Uurgel und stürzt, aus vielen Wunden blutend, nieder. — Die Kutte stürmt ins Haus. Die junge Jüdin auf dem Dache hat mit einem Blick . die Lage überschaut. Blitzschnell rcisst sie aus dem üppigen schwarzen Haar die güldene Nadel, die es zusannncngclialtcn hat, und stüsst sie den beiden Kindern in die Brust. Blutüberströmt stürzen die Kinder nieder. — Die Nadel ist abgebrochen: in der Brust des ältesten Kindes steckt ihr Stumpf, — da reisst die junge Frau ihre kostbare Perlenkette vom Halse — ein kurzer Ruck — nur wenige Sekunden — und erdrosselt sinkt sic zu den Fussen der eben auf die Plattform dringenden Römer nieder. — Unterdessen tobt draussen der Kampf mit ver* depnetter Heftigkeit; allmählich sind die Römer bis zum Tempel vorgedrungen, .doch hier stockt ihr Siegesmarsch; eine dichte Mauer hat sich gebildet, Mann neben Mann steht hier, die Blüte des jüdischen Volkes, die Jünglinge aus den edelsten und ältesten Familien des Landes, der Stolz und die Hoffnung der Nation. l!s beginnt hier ein Kampf, der Jeder Bcschrclbtmg spottet, jeder Fingerbreit Erde muss von den ansiurincndon Römern mit Strömen Blutes erkauft verden, die Leichen stauen sich zu turmhohen Haufen, eine fusche Kohorte nach der andern rückt heran, die vankenden Kameraden abzulösen. Da ertönt plötzlich von der anderen Seite des Mächtigen Gebäudes gellendes, verzweiilungsvollcs ■Schreien: ״Der Tempel brcnntl“ Es Ist den Römern?tintigen, von ihren hohen Bciagcrungstürmcn aus <Üe Br.mdlackcln ln das Heiligtum Israels zu werfen. - Ein entsetzcnsvollcr Schrei geht durch die Reihen <lcr Kämpfenden: ״Der Tempel brcnntl Unmöglich!“ — Aber da dringen schon dichte Rauchwolken aus den Folien Säulenhallen hervor und das Prasseln der Flammen wird vernehmbar. Gebrochen, in tiefster Entmutigung lassen die letzten Streiter die Waffen sinken, widerstandslos lassen sic sich nunmehr hinschlachten, denn was nutzt noch der Kampf, wenn <ks heiligste Gemeingut Israels dem Untergang ge- Veiht istl — Mit wildem Slegesschrcl stürmen die Römer durch die Vorhallen des Tempels, um nach 4em Allcrhciligsten zu gelangen. Doch hier angc- Hngt stutzen sie, die Mutigsten welchen zurück vor <lcm Schauspiel, das sich hier vor Ihren Augen abspielt. Die Priesterschar, In wallenden, weissen Gewiln- <icrn, der Hohepriester, den diademgeschmückten floldstreifen mit den heiligsten Buchstaben um die Stirn, sind hier versammelt. Der Hohepriester hält «Ine brennende Fackel in der Rechten, die er jetzt tflit gewaltigem Schwünge In den Vorhang schleudert. *־ Der kostbare Stoff , geht sofort ln Feuer auf. — Mit rasender Schnelligkeit frisst es um sich — der Sanze Raum steht In Flamme». — Die Priester stürcii cA'tJJü', Ec: Von Kurt Abraham. Ich bleib’ nicht lüngor, auf mein Wort! Eo Ist ja unerträglich! Ich laufe aua dem Hause fort, •Weit fort, eo weit ule möglich! Well Ich die Puppe von der Fee Ein ganz Wein wenig zauote, Da ward Ich gleich, 0 Jcminch! Geschlagen, dass mir grauste. Wer hat den Menschen denn das Recht 8 1 Zu solchem Tun gegeben? Wie hat’s doch unsereiner schlecht 1 Es ist ein Hundeleben! Was macht’s der Fee, wenn Ich Ihr ein Ganz kleines POppchen stehle? Ich bin ja Immer 80 allein, Ich arme Hundeseelel Oa, wenn es Ihre elnz’ge ׳wär’, Dann wollt’ ich noch nichts sagen} Fünf and’re lagen ausser der Noch in den Puppenwagen! Was red’ Ich lang’71 Ich will Ja fort Und fliehen vor neuem Schimpfe, Geschwind, die Tür oteht offen dortl Ich mach’ mich auf die Strümpfe! Doch ־־ Haiti — Was spür’ Ich?! ־ Bratenduft Steigt mir In meine Nasel Wer felg davonlüuft lat ein Schuft! Ich bleib’! Ich bin kein Hase! zen sich, die Hunde mit den heiligen Büchern hoch erhoben, in das Feuer, das sofort über ihnen zusammenschlägt. — Unterdessen haben die Römer das ihrige getan; der ganze Tempel steht In voller Glut; ln der Stadt Ist der Lärm verhallt — der Kampf ruht — Juden und Römer schauen in atemloser Spannung dem grausig-schönen Schauspiel des brennenden Helligtuins zu. — F.ln Gedanke durchzuckt alle Juden — Jetzt — letzt muss ein Blitzstrahl vom Himmel hernicdcrzuckcn und sie vernichten die Frcvlert Er muss kommen — Jetzt kommen-Da, ein ohrenbetäubendes Prasseln und Donnern — und — während der ganze Himmel In glutrotem Glanze, erstrahlt, stürzt die gewaltige, brennende Masse ‘des Tempels in sich zusammen-mit Ihm Israel — seine Selbständigkeit und sein Glück.- -Zerschmettert am Boden lag Israel. Seine letzten lebenden Söhne und Töchter ergriffen den Wanderstab, der nunmehr für Jahrhunderte das Symbol Ihres unglücklichen Volkes werden sollte und zogen hinaus in die kalte, unwirtliche Premde. — Doch ln ihrem Herzen brannte der heilige Schwur: ״Dusollstundmusstwlcderaufcrstehcn, Zlonl" Von Kindern zu Kindeskindern hat sich der SchwuT vererbt*, noch keine Generation hat Ihn 2u erfüllen vermocht. — An euch.lhrJungenund Lebensstarken, die Ihr heranwachst in der Zelt unseres neuen VolksfrUhllngs ist cs, Ihn dereinst wuhr zu mache ul Hans Goslar. VJ12 de? Tau erstand Der heilige Sabbat mit seinen friedvollen Klängen hielt seinen Einzug in der jugendlichen Welt. Der erste Freitag Abend — als Herold ernster Sabbat- Verkündigung wich dem stillen Wächter Im Tale des Paradieses — tiefe, ruhig atmende Nacht breitete in stiller Hoheit fhro dunkel gc'Itrbten Schleier über dlo L'itnza Natur. Dia Toro Gan• Edens schlossen sich sachte wlo von unsichtbaren Kunden leise bewegt. Stark und ehern ragten sic, als wollten sie ln keuscher Reinheit erhalten, den für Ewigkeiten bestimmten Hauch des Sabbatfrlcdons. Zwei Menschen, die sich am sonncndurchtrUnkten Tage lustwandelnd Im Garten Eden ergingen und sich dlo Pracht und dlo Wunder besahen, legten sich unter den schattigen Zweigen goldlcuchtcudcr Orangcabiiuma nieder und schlossen die Augen, auf den Lippen ein inbrünstiges Dankgebet für den allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde. ^Bald gaukelten ihnen lichte Träume die ganze Schönheit noch ein Mal Im Schlafe vor, und sie lächelten im Schlummer wie zwei zufrlcdcne, glückliche Menschen. Die Vögel flatterten müde und von der Tagesarbeit befriedigt in ihre grünen Häuschen, in die dichten Laubgewinde der Bäume, steckten Ihre Köpfchen unter die Schwingen und nickten langsam ein, noch einen letzten, strahlenden Bllck׳nuf all'׳ das. Schöne.richtend, das sic nun eine Nacht ehtbciiVch 'nlusstotf. ' Die hohen, stolzen Bäumo bewegten Ihre schweren Aeste, um sich selbst In den Schlaf zu wiegen; die buschigen Sträuchcr lehnten sich etwas zur Seite, die kleinen Blumen und Gräser beschützend. Zarte Blütcnköpfchcn hatten die jungen Acuglcln schon lange geschlossen, Stunde schlang um Stunde den Arm und weihevoll schritten sie der einsamen Mitternacht zu.- Da ging plötzlich ein verhaltenes, trauriges Schnen durch die Natur, dann ein Schluchzen, erst leise, dann lauter vernehmbar. Es kam von den zarten Lippen einer weissen Lilie, von Jener Blume, die das Sinnbild der Wahrheit und Reinheit. Ihre bleichen Blütcnblättcr wogten hin und her, von Schmerz erschlittert, der schlanke Stengel bebte vor stillem Well, ein Staubfaden lehnte am andern aus Furcht, der schwache Körper möchte geknickt werden. Was hatte man diesem armen, stolzen Blumenkinde getan? ־־ Ein buntschillernder Schmetterling hatte ihr versprochen, als er sic heute im hellen Sonnenscheine besuchte, ln der Nacht um die zwölfte Stunde wiederzukehren, wenn alles schlafe. Dann wolle er ihr unbelauscht ,1sagen, wie lieb er sic habe, und dass sie seines heissen Schmcttcriingshcrzcns Königin sei. Und wenn die Nacht dem Tage welchen würde, dann ־wolle er sein Olllck jubelnd In die Weit rufen, am heiligen Snhhat. ־Umi alle müssten cs hören und alle müssten sich beugen In stiller Verehrung vor der vtblntllichen Braut. Nun war Mitternacht schon längst vorüber und der Helsscrschntc war noch nicht da? Hatte er sielt ln den grossen Gängen des Paradieses verirrt and konnte den Weg nicht mehr zu ihr finden, hatte eine neidische Blumenschwester Um tückisch umgarnt oder hatte gar ein hungriges Vögelein fhn in seinem Fluge erhascht, gerade in dem Momente, wo er sehnenden Herzens den Weg zu seinem Lieb antrat? Dies alles überdachte die schmerzgebeugte Lilie und heisse Tränen der Wehmut rannen aus ihren scclcnvollcn Blumenaugen. Und von Minute zu Minute wuchs Ihr Schmerz, reicher und reicher rann die perlende Träncnflut und ihr sehnsüchtiger Körper bebte und schluchzte. Ihr Weinen konnte aber nur von Ihren Mitschwestern gehört werden, denn wer sollte sonst der Blumen Sprache verstehen? Erschreckt erhoben alle Blümchen und Blumen ihr Köplchen und schauten halb verwundert, halb mitleidsvoll zu der tränenüberströmten Lilie hin. Als sic sahen, wie dieselbe zitterte and schwankte vor Weh, da wussten sic, dass ein grosses Luid über Ihre Schwester gekommen sei, und ohne nach der Ursache Ihrer Tränen zu fragen, weinten sic mit. Blumen haben ja alle eine zarte Seele. Und alle Gräser und Blüten am Boden, an Sträuchcrn wurden benetzt. So wurde der Schmerz der Lilie hingebend geteilt von ntien Knospen, Blättern und Blüten Im ganzen Bereiche holdseligen Paradieses, das bald dem dämmernden Sabbatmorgen erst verschlafen, dann offen ins rosige Antlitz sah. Als dann die Sonne hinter den östlichen Bergen sieghaft aufleuchtete, verklärte sich auch das Auge der Blumen und Sprossen wieder. Aber die Trauer der Nacht Hess glitzernde Pcrltropfen zurück zwischen den grünen und bunten Blättern, die allenthalben der Sonne cntgcgcnstrebtcn. Und die Sonne stieg höher am leuchtenden Himmel und küsste die Tränen liebend hinweg, denn heute war Sabbat und trauernde Blumenaugen können dem Sabbatsonnenstrahl nicht wldcrstchcn. Aber der Tau war entstanden ln der stillen Vorsabbatnacht, der Tau der Sehnsucht nach Liebe «nd Glück. s. W. Zahtenrütset 123 45678910 Trauertag 2 4 5 3 4 5 10 9 4 5 4 5 3 8 11 5 9 3 8 6 4 5 3 7 9 U U 8 2 3 9 10 10 9 2 J S Uw Fürwort kraftlos Stadt ln Oberscblcslen Wild Vieh ,Spielzeug •gefrorenes Wasser Monat elternlos HL Sch, T.

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