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Jüdische Rundschau · 1909-07-23 · Heft 30 (23.7.1909) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 30 (23.7.1909)
Date
1909-07-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 346. No. 30. JU2DISCHE RUNDSCHAU gestehen ,da ssichnichtctn sehe, warum überhaupt'die Alliance eine besondere dcutscheAbteiiunghabonsoil. Deutsche Mitglieder sehr wohl, aber die luteressen der deutschen Juden und die allgemein - jüdischen Interessen der Juden in Deutschland werden zur Oenüge vom Jillfsvcreln wahrgenommen. Die Alliance machte denselben Fehler vor Jahren, da sie versuchte, in Amerika eine eigene Abteilung zu begründen, wo sic verdlcntcrmasscn viele Mitglieder besitzt. Indessen mussto sie einschcn, dass die Errichtung׳ einer besondere Abteilung nicht zulässig sei. Russland Der Pogrom in Permanenz In der Nähe von Radomysl (Gouv. Kiew) hat sich wiederum ein schrecklicher Raubmord ereignet. Fünf Juden und ein «jähriges Kind fuhren nach Brusilow zu einer Hochzeit. Im Walde, 6 Werst von Radomysl, wurden sie plötzlich überfallen, erschossen und beraubt. Nur das Kind, welches in Stroh lag und schlief, blieb am Leben. Die armen Opfer besassen insgesamt mir 17 Kübel und haben Ihre Familien im grössten Elend zurückgclasscn. Von den Mördern ist «och keine Spur entdeckt worden, da die Polizei in dieser Hinsicht nur geringe Anstrengungen macht. Die Kadomyslcr Einwohnerschaft ist in grösster Aufregung. Man fürchtet, die Stadt zu verlassen, denn in kurzer Zeit sind 17 Juden in der dortigen Umgegend ermordet worden. Nislinl-Orlansk. Der hiesige jüdische Einwohner Notlrin, der ausgewiesen werden sollte, iicss sich taufen. Die Polizei erklärte Ihm aber, auch seine Frau müsse zum christlichen Olauben übertreten. Auch das geschah. Darauf erklärte die Polizei wieder, Notkin müsse nun erst drei Jahre im jüdischen Anstcdlungsrnyon zubringen: sodann erst würde ihm hlor der Aufenthalt gestattet werden. Türkei Türkische Propaganda für den Zionismus Noch immer ist nichts zu verzeichnen, das irgendwie die alarmierenden Nachrichten des ״Jewish Chronicie" und der ״Politischen Korrespondenz“, die der ״Chroniclc“ jetzt noch trotz der kategorischen Dementis bringen zu müssen glaubt, rechtfertigen könnte. Im Gegenteil ist nach wie vor in der türkischen Presse grösstes Wohlwollen gegenüber unseren Be- Strebungen zu konstatieren. Vor kurzem hat auch, bei Gelegenheit der An- Wesenheit der türkischen Parlamcntsdcputation in Smyrna, unser Gesinnungsfreund Dr. Rlsa Tewf ik Bey, von neuem eine grosse Redo für den Zionismus gehalten. Der Inhalt der Rede und eine aufklärende Auseinandersetzung Über unsere Bewegung Ist Gegenstand eines sehr wohlwollenden Leitartikels der türkischen Zeitung ״Messerret" in Smyrna geworden. Die hebräische Sprache in der Türkei Verschiedene Veröffentlichungen, Uber angcblicho Acti&scrungcn des liirkisciteti Grossrabblnors Uber die Zukunft dor liobrlilsclien Spracho bei den türkischen Juden, Insbcsomloro als Unterrichts* Idiom, schienen auf eine allzu entschiedene Bevorzugung des Türkischen schlicsscn zu lassen und das Hebräische, das schon jetzt einem grossen Teile der türkisch-jüdischen Intelligenz als Umgangssprache dient, in die Gebete und Cercmonialicn zu verweisen. Ja, cs wurde sogar von einer Übersetzung dieser Gebete in das. den meisten unverständliche, Türkisch gesprochen. Diese Ausstreuungen veranlasstcn einen Mitarbeiter der ״Aurorc" den Grossrabbincr Nahum selbst in der Angelegenheit zu interviewen. Das Ergebnis war ein energisches Dementi dieser Gerüchte, die nur auf ein gröbliches Missverständnis zurilckzuführen seien. Der Grossrabbincr vetsicherte den Ausfrager seiner lebhaftesten Sympathien für die Bestrebungen zur Ausbreitung des Hebräischen. Er wies dajauf hin, dass ihm für seine amtliche Korrespondenz ein hebräischer Sekretär zur Verfügung stehe und dass er in das neue Budget einen grösseren Posten zur Besoldung hebräischer Lehrkräfte eingestellt habe. Er habe lediglich bemerkt, dass eine intensivere Beschältigung mit der türkischen Sprache im Interesse einer regen politischen Betätigung der dortigen Juden wünschenswert sei. Diese Ausführungen decken sich mit früheren Acusscrungcn des Chacham Baschl und scheinen den Forderungen des Tages durchaus gerecht zu werden, da das Hebräische im Orient gerade in unserer Zelt mehr und mehr in Aufnahme gelangt und dazu bcstimmt scheint, neben dem Türkischen, als Kulturspräche ein Bindeglied der vielsprachigen orientalisehen Judenhelt zu werden, » Anlässlich der Grundsteinlegung für. das Denkmal zu Ehren der gefallenen FrolboUibcldoa planen die Juden I<onstantinopc!5 eine grosse Feier, an der alle jüdischen Vereine, — u. a. der Turnverein Maklcabl in seiner kleidsamen Uniform — tcilnchmcn werden. Der Grossrabbincr der türkischen Juden, N a 11 u m, wird eine Ansprache in türkischer Sprache halten. Alsdann wird eine Standarte entfaltet! werden, die in hebräischer, türkischer und französischer Sprache die Aufschrift trägt: ״Den für die Freiheit gefallcnen Kriegern, die dankbaren Juden." Bekanntlich haben besonders die Juden SaloniQucs sich viclfacit beim Zuge gegen Kohstantlnopcl ausgezeichnet und durch opferwillige Spenden zum Gelingen des Werkes nach besten Kräften beigetragen. :n! Wasserleitung und elektrische Anlage in Jerusalem Auch Jerusalem soll nun eine Wasserleitung und eine elektrische Zcntralanlagc bekommen. Wenigstens besteht, wie der ״Deutschen Orient-Korrespondenz" berichtet wird, der Plan, das Wasser der Quellen bei Alu Arrnb nach Jerusalem.zu leiten. Die Stadtverwaltung hat ein Gesuch um Koiizessionlcrung der Wasserleitung schon vor mehreren Monaten eingcreicht; auch von privater Seite liegt ein Konzessionsgcsuch vor. Die Qesucho sind zur Entscheidung nach Konstantiuopcl weiter gegeben, wo sich jetzt das Ministerium der öffentlichen Arbeiten mit der AngclegcnUcit beschäftigt. — Weitere beim Ministerium cingcrelchte Konzessionsgesuche beziehen sich auf die Schaffung von elektrischen Strassenbahnen und elektrischen Beleuchtungsanlagen in Jerusalem und Jaffa. Moderne technische Anlagen sollen also in Jerusalem ihren Einzug halten: sie werden das Strassenbiid Jerusalems vollkommen verändern und viel von dem eigenartigen Zauber beseitigen, der den so ganz ״orientalisch" gestalteten Strassen der Stadt eigentümlich ist. Viele werden cs bedauern, dass das alte Jerusalem nun einen modernen Anstrich erhalten soll; aber zunächst ist zu bedenken, dass das orlcntalische Leben zu konservativ angelegt ist, als dass cs durch elektrische Bahnen und Beleuchtungsanlagen wesentlich beeinflusst werden könnte, Dann aber wird jeder, der ,orientalische Städte selbst gesehen Hat, zugcstclicn, dass der ״Zauber" orientalischer Städte vielfach mit einer Beigabe von Schmutz und Gestank verbunden ist, deren Beseitigung aus hygienischen Gründen überall nur mit Freuden bcgrüsst werden kann. Aucit Jerusalem wird nur gewinnen, wenn die Reinlichkeit in der Stadt mit Hilfe der Wasserleitung gehoben wird: in wirtschaftlicher Hinsicht wird die Stadt aus der den Verkehr erleichternden elektrischen Strassenbahn und der Bc* louchtungsanlagc nur Nutzen ziehen, * Seitdem dor Deutsche Kaiser jeno denkwürdige Reise nach Palästina unternommen, ist das Heilige Land mehr und mehr als Tourbtenland in Aufnahme gekommen, ln Jerusalem vor allem kann man das Anwachsen des Touristenverkehrs beobachten. Eine dor Deutschen Orient-Korrespondenz von dort ein gesandto Zusammenstellung über den Reiseverkehr der letzten drei Jahre beweist, dass Amerikaner und Engländer das grösste Kontingent von Besuchern Stollen: über die Beteiligung der anderen Länder gibt folgende Aufstellung Aufschluss, Es besuchten Pa iästina als Reisende während der Monate Juni—Mal: ü)06A)7 1907/08 1908/09 1477 1943 1536 Amerikaner 1002 10U 1248 Engländer 660 748 893 Deutsche 537 1356 757 Österreicher u. Ungarn 503 511 799 Franzosen 53 239 20 Spanier 46 217 30 Italiener 184 351 248 Angehörige anderer nosseit im Orient und für die Entwicklung der Kultur im Orient von höchster Bedeutung sein würde. Eine höhere moderne Bildung im türkischen Orient wird bisher nur durch drei Institute der Bevölkerung Nationalitäten zus. 4462 6376 5531 Der Rückgang des Fremdenverkehrs im Jahre 1908 ist auf die politisch unsicheren Verhältnisse zurückzuführen, die damals auch in Palästina herrschtcn. Seit der Besserung der politischen Zustände hat auch der Frcmdcnbcsuch wieder zugenommen. 1 vom s־!m*sverjc1N 1 Jüdisches Institut für technische Erziehung in Haifa*) ״ יWiederholte Reisen In den Orient, deren längste 4 Monate gedauert hat und die sich bis tief in das Innere von Klcinasien, Syrien und Palästina erstreckt haben, brachten mich zu der Überzeugung, dass die Errichtung eines Technikums für unsere Qlaubcnsgc- *> Aus einem Briefe des Herrn Dr. Paul Nathan an Herrn Jacob Schiff, Now-York, durch wclcheu er diesen zur Unterstützung des Planes bewog. MI1V* uuivt» V‘V <\uuivh*vmv W*. «\sov}fll» Vllivgr• sität gleichfalls in Beirut Allo drei Institute werden in streng konfessionellem Geiste geleitet, so dass unsere Glaubensgenossen ihre Kinder diesen Anstalten nur dann an vertrauen, wenn sic religiös indiiierent sind. Auf diesen höheren Schulen wird medizinischer, historischer, linguistischer, juristischer Unterricht er« teilt, auch Handclswissenschaftcn werden gelehrt; ein Unterricht in der modernen Technik ist da. selbst aber nicht zu erlangen. Nun zeigt sich auch bei einer flüchtigen Durchquerung türkischen Gebietes, welch ausserordentliche Bedeutung die moderne Technik für die Entwicklung des Landes hat. Das Land ist in starkem Aufschwung begriffen, dort wo cs moderne Strassenaniagcu und wo es Eisenbahnen gibt. Der Seeverkehr hebt st.h, wo Kaianlagen vorhanden sind, während jene C!cbiete, die dieser Segnung noch entbehren, in tiefstem Verfall liegen und zwar selbst solche Gegenden, die nachweislich im Altertum zu hoher Kultur gelangt waren. Die Entwickelung in der Türkei wird also wescutlieh davon abhüngen, dass die moderne Technik mehr und mehr diese Länder crschliesst. Die Möglichkeit für ein solches Aufblühen ist durch die politischen Ereignisse der neuesten Zeit in der Türkei noch näher gerückt, als das bisher der Fall gewesen. Selbst hei der Rcchtsunsichcrhcit, die bisher bestanden hat. jm es möglich gewesen, zu Fortschritten zu gelangen. Die Änderung der politischen Lage in der Türkei lässt hoffen, dass die Entwicklung sich jetzt um so schneller und ungehinderter vollziehen wird. Es muss daher von höchster Bedeutung erscheinen, dass unsere Glaubensgenossen in der Türkei in erheblichem Umfang an dem allgemeinen Aufschwung Anteil zu nehmen in der Lage sind. Die Aussichten für unsere Glaubensgenossen in dieser Beziehung können als schlechte nicht bezeichnet werden. Bisher war die türkische Regierung ausschliesslich auf fremde Ingenieure und Techniker für die Entwicklung des Landes amtewiesen. Diese Elemente wurden von seiten der t״rkisclicn Behörden stets mit einem gewissen Misstrauen betrachtet. Und diese Elemente waren für ihre Aufgabe auch nicht besonders geeignet, da sie zum ganz überwiegenden Teile der Landessprache, des Türkischen und Arabischen, unkundig sind. Unsere in der Türkei lebenden Glaubensgenossen werden hingegen als türkische Untertanen, und wenn sic über die nötigen Kenntnisse verfügen, von seiten der Regierung nicht mit dem gleichen Misstrauen wie Ausländer betrachtet werden, und unsere Glaubensgenossen werden ferner über den ausserordentlichen Vorteil verfügen, dass sic, der Landessprache mächtig, mit der einheimischen Bevölkerung, die bei den Arbeiten beteiligt ist, unmittelbar verkehren können, von hohen türkischen Beamten ist mir denn auch wicderhoientlich erklärt worden, dass jüdische Tech- »liker, die ottomanische Untertanen sind, auf weitgehende Forderung zu rechnen haben werden. Gelingt cs aber, jüdische Techniker in leitende Siellungen hineinzubringen, so wird es alsdann auch tnöglieh sein, eine grosse Anzahl jüdischer Arbeiter, die den iechnikern unterstellt sind, zu beschäftigen. Die Heranbildung jüdischer Techniker brächte demnach nicht nur einer kleineren Anzahl Glaubensgenossen, die in der Lage waren, sich eine höhere Bildung anzucigncn, Vorteil, sondern gleichzeitig den jüdischen Massen, die heute noch In Armut verstinken sind. Das Gebiet, das für die moderne Technik aber noch zu erobern ist, erscheint iin Orient zurzeit als ein fast unbegrenztes. Orientalische Juden, die als Techniker nusgebildet sind und der Landessprachen mächtig sich erweisen, die überdies durch ihre Gebvrt weit widerstandsfähiger gegenüber dem Klima sind, werden mit der fortschreitenden Erschliessung der asiatischen Länder schliesslich bis an die indische uad chinesische Grenze und hinwiederum auch in Ägypten, das durch englischen Ulnüuis der Kultur «.־* schlossen wird, als \Vcgc- und Eisenbahnbauer, für liussregultcrungen, für Brückenbauten, für Kaianlagen, für die langsam sich entwickelnde Fabrikindnstric etc. etc. Verwendung finden können. Diese allgemeinen Ideen waren cs, die mich veranlassten, die Errichtung eines jüdischen Technikums im Orient in Angriff zu nehmen. ml1'® Wissotzky erschienen meine Anfnh״m״CCm zulrc(!®nd und sic spendete für die Aus- V* MilUon^Prcs Zunächst ci״c Sun1mc von ^®aüsicrun2 des Planes war die zu nSÜ7״Sr FraP,׳,u'° im Orient das Technikum nebst Zubehör errichtet werden sollte. 11£־Äc,f"ÄcÄs is‘lür Ha״a “'a"‘״aus Jcn *י« mit Sicherheit anzunchmcn, dass der PWn,ni״iV״n? i״ kürzerer Zeit nach modernen TweiWhTff ״USKPbzu.t uc^c״ w‘rd• und ebenso unhm״״״ La c,sc*lc1״t es, dass die türkische Regierung nlom ÄÄdur־h cla° Els־nbahn mit J״udiß Pn»ä?-Ärklschc ^®gicrung nicht ohne Misstrauen 1V02 Pcirut betrachtet, so wird ♦ £araussichtlich Haifa zum *röss* schfl« aJ״a. der syrisöh-palfistlncnsl* nm Jltis,te *««wachsen. R1״r״/Cmib.ncl,2lin2, £cr türkischen Regierung gegen Boirut leitet sich daher, dass dieser Hafen das Eia* (Fortsetzung auf Seite 348.)

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