Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1909)
- Date
- 1909-07-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2651273-2651605-2651635--06517-2663613- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 30. Seite 343. JUIiD p /*״»י* יי O w k J RUNDSCHAU doch nicht zu suchen. Unter den heutigen Vor’!Itjiisscii verzichte der Jude lieber auf eile CI.. :Lr;'•. ctan'c. und den Soldatcnbcruf und störe den Prlvilegierten nicht ihre Kreise. Es kann den Juden *־׳•יי• nügen. dass ihnen verfassungsmässig das Igelit zusteht. Offizier zu werden. Gäbe cs eine Basiiimmm ׳, die das verbietet, dann wäre ihr Unwille absolut r׳erech 1 und vielmehr zu begreifen. .So lange Im Meerwesen neben allerhand Voreingenommenheiten und Exklusivitäten überhaupt ein persönliches Regiment herrscht, kaun man füglich diesem Willen die ihm verfassungsmässig oder durch überlieferten Brauch *uMchenden Entscheidungen ruhig überlassen." Mas lässt sich hören. Wir haben an der Cam• paguc auch niemals dcschmack gefunden, zumal man sich tlircr, speziell in parlamentarischen Kreisen nur allzu gerne bediente, um andere, weit dringlichere Forderungen vergessen zu machen. — Symptomatisch ist cs immerhin, dass diese Ausführungen auch int ״Hamburger Familicnblatt" eine Stelle gefunden habe.;. Ein Mikrobiologisches Institut in Palästina Wir werden um Aufnahme folgenden Aufiufes gebeten: Aus Anlass des 60. Geburtstages unseres hochverehrten Altmeisters Max Nordau und um ein dauerndes Andenken an diesen für den Zionismus so denkwürdigen Tag festzuhalten, hat das Engere Aktionskomitee beschlossen, in paliisiina ein Mikro-Biologisches Institut zu schaffen, das einem der dringendsten Bedürfnissc der schon bestehenden, der zu bildenden Kolonien, wie auch der Landesbevölkerung im allgemeinen entspricht. Das Arbeitsgebiet des Instituts ist die Er• forsciiung der ansteckenden Krankheiten so• wohl 41er Menschen als auch der Haus• und Nuixiiere und der Kulturpflanzen. Tierseuchen und l’ilanzenkrankhettcn haben der Kolonisa• tion bereits schweren Schaden zugefügt. Einer wirksamen Bekämpfung stand als erstes Hin• demis in den meisten Fällen die Unkennt• nis 41 er Krankheitserreger und ihrer Verbreitungsbedingungen entgegen. Aufgabe des Mikro-Biologischen Instituts soll es sein, über diese Punkte Licht zu verbreiten und!Mittel zu finden, einer Erneuerung ähnlicher HeiniMtchungen vorzubeugen. Welche Bedeutung dies für das Gedeihen der bestehenden und der künftigen Kolonien und für das Land im allgemeinen gewinnen kann, bedarf keiner Ausführung. Durch dieses Institut, in dem der Zionismus wieder eines jener Werke geschaffen haben wird, die Erez Israel erneuern und verjüngen, werden die Kui• tur und die Wohlfahrt des Landes kräftig ge• fördert werden. Das Institut soll den Ein• wohnen! Palästinas und der Welt zeigen, wie ernst es mit ttnserm Bestreben ist, in Erez Israd als Kulturbringer und Pioniere der wissen* scltaftlichen und ökonomischen Fortschritte aufzutreten und zu wirken. Wir richten di: - r.n die Herz und Sinn .•4' 4j.w* ,\C.OIilJ!״״Inas habe; diezos ncue.1 Werk; Hon ir.d d.a /.deehwung Pa* n, dw',1 Aüu uf, sich an der Schärfung Weihes des Fcricchritts und der modernen Entwicklung tat!:1ü״־Igst zu beleih* gen, und hegen die zuversichtliche Hoffnung, dass unser Werk in den breitesten Kreisen einen grossen Anklang finden wird. Das Aktionskomitee David Wolffsohn, J. H.Kann, Prof. Dr. Warburg. * # Für das J*ilkr0-E:c!02!:cl;0 Institut sind bereits fol gende Botriigo gozclcbnoti David Wolffsohn-Köln .... 1000,— Mk. J. H. Kann-Haag. 1 1000,— •1 Prof. Dr.'Warburg-Bcrlin . . . 500,— H Dr. Charles Drcyfuss-Manchcstcr —,100׳ » Vorläufige Sammlungen ln Österreich: Johann Krcmcnezky. 3000,— Kr. Kaiserlicher Rat Alois Schwelger 500,— 1• Dr. Stand, Reichsratsabgeordneter « 100.— II Dr. Mahler, Rcichsratsabgeordnter f 100,— 1» Prof. Dr. Kellner. 1 100,— 1• Dr. Silbcrbcrg. « ♦ 300,— 1» Ing. Josef Seidener. 100,— w Dr. Schnircr. 100,— t» Heinrich Lederer. 200,— »» Kaiserlicher Rat C. Hirsch . . . » 300,— I» Ing. Gcbian M. 100,— I» Max Frank. 100,— »> Leo Weiss, Klosterneuburg . . 1 100,— M I. Wiener, Jüdischer Turnverein * 100,— 1» Zionistischer Prauenvercin . , . « 100,— II Direktor Schwarzkopf .... 100,— »1 Dr. Gabriel Lcwy. 200,— II M. Bentheim ....... t » 100,— Mk. Frau Käthe Ricss. 100,— Kr. Dr. Suchcstow. 100,— H Direktor Pinter.. 100,— W Direktor Aschncr . * 100,— II Bankier Ad. Brecher. 100,— II Anton Glaser . « 100,— n Prof. Wclcminsky. 100,— 1• Ingen. K. 100,— 1• Kom.-Rnt Anhauch. 300,— «1 Verein Makkubüa. 0 100,— 1• Lippmann Bloch. 100,— II Frau Elisabeth Pcrutz, Tcplitz-Schünau . 150,— I» d Vorstandmitgllcdcr, Tcplltz-Schönau . 100,— II Kalscrl. Rat Landau. . , 150,— II Isidor Löwit . 200,— «1 Geometer L. Roscnblatt . . . 100,— II von Inwald. 0 150,— 11 S, Altmann. # 300,— II Dr. Oswald Weiss . 200,— II Julius Egger .. « 300,— II M. Workmann. Jüdischer Volksvcrcln ״Zion“, Tcplltz• 500,— H Schönau . < 100,— II Dr. Bergmann. Pardubitz . . . 0 100,— »I Jos. J. Leinkauf. 100,— •1 J, Götz ... ״ 0 0 200,— II Rab. Dr. S. Friedmann, Troppau , 0 100,— II Kommerzienrat M. Doctor . . . 200,— II Wcltcro Spenden nehmen entgegen: The Jcwislt Colonial Trust (Jüdische Kolonlalbank), Ltd. Brook Ifousc, WalbrooU, London E. C״ sowie sduo »timt- Helion Zatitatellcn, sämtücho Sammctstctlcn des Jüdischen Natlonalfonds sowto die Redaktion der »Welt“, Köln, Karolingerring 6. Vom JMenstaat Unter den Einwändcn, die von gegnerischer Seite gegeniedeMöglichkeit eines füdischenQcmcinwesens erhoben zu werden pflegen, figuriert meist an erster Stelle der, dass den Juden die gouvernementale Eignung abgchc. Die letzten Ereignisse legen eine kleine Zusammen- Stellung so nahe, dass sic fast unausweichlich scheint; — wir führen nur Namen und Acmtcr auf und halten weitschweifige Kommentare dazu für übcrilUssig. Bcthmann-Hollweg, neuer deutscher Reichskanzlcr. Dcrnt/urg, deutscher Kolonial-Minister. Baron Aehrenthal, Österreichischer Premierminister. Qcncral Ottolcnghi, italienischer Kriegsminister. Herbert SamueJ, englischer Minister. Dschavid Bey, türkischer Finanzministcr. Oscar Straus, amerikanischer Handelsminister. Luigi Luzzetti, italienischer Finanzministcr. und — last not least — Benjamin Disraeü, englischer Premierminister und ״Promoter" des Kaiserreiches Indien. Freilich ist bei Manchen in dieser Liste nicht zu verhehlen, dass sie seit mehreren Generationen der christlichen Kirche angchörcn. — Die ..Anderen" werden sagen: ״Daher." — Wir sagen: ״Trotzdeml״ Probleme der jüdischen Emigration und Kolonisation Von DavisTrietsch (Berlin). (Fortsetzung.) Wir halten also zunächst dabei, in der Türkei und deren Tributären und Vasallenstaaten den Länderkomplex zu sehen, nach dem die neue Richtung der jüdischen Auswanderung gehen soll. Die Nähe des ganzen Komplexes ist ge* geben. Das nächste Einzclgcbiet, das für die Auswanderung aus Siid-Ost-Europa in Betracht kommt, wäre die europäische Türkei. 'In der *׳ europäischen Türkei sind die Zustände aber bisher nicht solche gewesen, dass 'man sich ernsthaft mit der Frage einer Ucbersiedelung grosser Judenmassen nach diesem Länderkreise bereits hatte befassen können. In der europäischen Türkei waren einige Provinzen derart der Zankapfel der Mächte, und strittiges Gebiet für so viele eingesessene Nationalitäten, dass wir nicht wohl daran denken konnten, die Juden aus den unglücklichen Verhältnissen יו מ3 m Zwar tragen die Löwen ׳ans Punlcrland I Die glänzenden Fesseln, und nehmen so zahm Aus ,!er Hand die Speisen, und fürchten so feig ן Die strafende Rute des WiirtcrsI Doch kosten sic wieder das dampfendo Blut, Da bricht die verhaltene wilde Natur Von neuem hervor mit grausam Gebrüll! i Da bcirci’n sic den Nacken vom fesselnden Zwang, | Da oriahrt als erster die rasende Wut, Zerilcischt von den Zähnen, der Wärter! ln den Käfig hat man den Vogel gebannt, Der noch sang auf ragendem Zweig. Da bereitet das Mahl ihm, so reich wie noch nie, Da >1111 ihm den Napf mit Honig so süss Die liebende Sorge der Menschen. Doch wenn er dann, hüpfend Im engen Qomach, Den schnttomlon Wald, den gollobton, •rbllcktt Dann stöist er das Futter hinweg mit dein Fusst Die Wälder allein ersehnt sein Sinn Dnd cs ruft die Wälder sein klagender Sang! Ich fand das Gedicht ja soweit ganz nett, doch konnte Ich immerhin ein verständnisloses Gähnen nicht unterdrücken. Schliesslich — mir Gedichte vorlesen zu lassen — dazu war ich doch niefjt hergekommen; das hätte ich dort oben viel bequemer haben können!,Ich begann mich gerade darüber zu ärgern, dass man nicht einmal hier davor geschützt wäre — da kam Plötzlich eine Strophe, die mich ganz anders darüber denken liess: Das Bäumchen, von kräftigem Arme gebeugt, Erde senkt es den Wipfel hinab Doch sobald cs befreit von der zwingenden Hand, Da• schnell cs von neuem zum Himmel empor! ״Bravo, alter Herr!“ rief ich aus und fand nunmehr auch die ersten Strophen weit bedeu• tender, als vorher, ״bravo! Ich sehe, Sie haben mich verstanden.“ -- Er jedoch warf mir über den Brillenrand einen verweisenden Blick zu: ״Hören Sie zu, junger Mann! Und achten Sie auf jedes Wort, das ich lese!“ Wenn Phöbus versank ln hospecljsche Flut, Dann führt er den Wagen auf heimlichem Pfad Zu dos Aufgangs heimlschor Stätte zurück. So kehrt nun oin lodos zum Ausgang zurück Und frovit sich der Quelle, der olnat es entspross, Und die oinzlgo Ordnung von festem Bestaad Ist die, dio den Anfang dem Endo vereint Und stets ohne Wundel don Kreislauf vollbrlngtl . ״Alle Achtung, Verehrtester,“ entgegnet« ich hocherfreut, als er geendigt hatte. ״Das letzte kommt mir Übrigens bekannt vor. Hat das nicht mal ein gewisser Herr Nietzsche gesagt?“ ״Nein, junger Mann,“ entgegnete der Alte mit durchbohrendem Blick, reichte mir das Buch hinüber und erhob sich: ״Ein anständiger Mensch hat überhaupt nur seine eigenen Bücher. Besonders heutzutage, wo so viel geschrieben wird. Merken Sie sich das, junger Mannl“ Damit entfernte er sich steif und würdevoll. Ich sah rasch nach dem Titelblatt: ״Boetius, Tröstungen der Philosophie.“‘) Ich sprang auf und machte vor Ehrfurcht tiefe Bücklinge: ״Habe die Ehre, Herr Boetius, hab' die Ehr-“ Von hinten klang ein leises Echo. Knarrend drehte sich die Tür in den Angeln. Nachdem ich mich von meiner Verblüffung einigermassen erholt hatte, wandte ich mich einen Augenblick prüfend um und schritt dann kurz entschlossen zu einem behäbigen, jovialen Herrn hinüber, der beide Hände vergnügt über der Weste gefaltet hntte. ״Was denken Sie begann Ich wie vorhin und liess mich gleichfalls an dem Tisch nieder. ״Ich weiss schon,“ winkte jener gemütlich ab. ״Sie wollen mich interviewen, nicht wahr? Ich habe nämlich zugehört, wie Sie sich mit meinem Freunde da drüben unterhalten haben, verstehen Sie. Nichts für ungut, verstehen Sie. Also Sie wollen wissen, was ich von der Assimilation der Juden, was ich von ihrer Wiederge* burt denke? Ich will Ihnen ein Wort zitieren, dass ich selbst einmal vor vielen Jahren in einem meiner Werke — einer Jugendschrift, verstehen Sie — niedergeschrieben habe.“ ') Drittes Buch.