Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1909)
- Date
- 1909-07-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 29. R 1• eSite 336. J U CD ISCHE RUNDSCHAU Die fehlenden 5000 Ff. hofft man durch Spenden aufzubringen. Der Etat betrug: Im Jahre 5607 . . . . . . . . » . .15000 Fr. 5668 ״ ״.25000 Fr. 5669״ ״.500 32 Fr. Ein namhafter Beitrag des Zionistischen A.-K. ermügiiehte den Ankauf eines schönen Platzes von fünfzehn Dunam im neuen Jaffacr Stadtviertel ״Achusath Baitir zur Errichtung eines eigenen Heims für das Gymnasium. Fiir diesen Zweck hat Herr Moser aus England 100 000 Fr. gestiftet. Der Referent weist auf das stets wachsende Interesse für das Hcbrhisclto Gymnasium hin. Zehn Familien haben sielt lediglich deswegen in Jaffa niedergelassen, um ihren Kindern den Besuch dieser Schule zu ermöglichen. Dreissig Knaben sind von ihren Eltern aus fremden Liindern zu diesem Zwecke hcrgcschickt worden. Vom weiteren Verlauf der Versammlung Ist der inhaltsreiche Vortrag des Direktors Dr. Met mann Über ״die geistige Lage des Hebriiischcn Gymnasiums" besonders erwähnenswert, Mit der Absolvierung der bisherigen vier Klassen haben die Schüler ein ln gewissen» Sinne einheitliches Pensum abgeschlossen. Jetzt ist, wie bisher alljährlich, eine neue, fünfte Klasse eröffnet worden. Auch iin letzten Jahre wurden zwei Lehrer zur weiteren Ausbildung nach Europa entsandt, was eine vermehrte Tätigkeit der übrigen Lehrer notwendig machte. Besondere Schwierigkeiten bereitet noch immer der Alangcl an hebräischen Schulbüchern für allgemeine Gegenstände. Jeder Lehrer muss sicli selbst eine Methode für sein Fach ausaibetten. Diese Methoden sollen Jedoch nach und nach veröffentlicht werden. Druckfertig sind Setzt ein Rechenbuch von Rosenstein und ein naturwissenschaftlicher Leitfadtn von Dr. M c t in a n n. Für die Herausgabe von hebräischen Schulbüchern hat Herr Jakob Schiff einen besonderen Fonds gestiftet. Der Referent weist auf die häufig stattfindenden Scliul-Ausfitigc und Exknrsionen hin, sowie auf die von Lehrern bcaufsichtigte häusliche Lektüre der Schüler. Im Gymnasium werden auch populärwissenschaftliche Abendkurse abgchaltcn, die auch für die Schüler nutzbringend sind. Die Versammelten bekundeten Ihre volle Ancrkennung für die aufopfernde und auf dem Gebiete des hebräischen Er/.icliungswcscns. geradezu vorbildliche Tätigkeit der Gynmasinllcltung und genehmigte den Etat für das kommende Jahr. Die bisherigen Mitglicder des Aufsichtsrats wurden einstimmig wiedergewählt. I VOM HILF5VeRe1Ni Die Tätigkeit des I lilfsvcrelns In Palästina*) Die Entwickelung Palästinas ist im Fortschreiten begriffen. Von den verschiedensten Seiten konzetttriefen sich Bemühungen in verschiedener Richtung auf das Heilige Land, und die Resultate dieser Arbeit liegen bereits in erfreulicher Weise vor, und sic verspricht noch mehr fiir die Zukunft. Die Hedschasbalm, die am Rande Palästinas sich hinzicht, ist bereits bis Medina ausgebaut. Die bcstehenden Linien dienen durch Einlegung von Zügen dem Verkehr mehr als bisher. Der Bau neuer Balm- Union in Palästina steht in naher Aussicht. Die späteren Verbindungen mit dem ägyptischen und erweiterten asiatischen Bahnnctz eröffnen für Palästina neue verheissungsvollc Möglichkeiten. Unter dem neuen Regime, das auch für Palästina eine Ära der Verjüngung licrhcifiihrcn wird, werden auch gemeinniltzigc Unternehmungen zur Ausführung gelangen, die bisher nicht realisiert werden konnten, wie z. B, die Anlage einer Wasserleitung in Jerusalem. Neben dem Nutzen, den diese Anlage gerade in Jerusalem, wo man Trinkwasscr teuer bezahlen muss, gewährt, bringt sie in der Zeit der Erbauung auch Arbeit ins Land — und die Vermehrung der Arbeitsmüglichkeiten in Landwirtschaft, Industrio und in staatlichen und städtischen Betrieben bildet eine der Ilauptvoraussetzungea für die fernere Entwickelung Palästinas in aufsteigender Linie. Eine weitere Befruchtung erfährt der Handel und Wandel in Stadt und Land durch das Einströmen •von Kapital, durch Begründung von Banken in vcrscliicdenen Teilen des Landes, die dem Krcdltbcdürlnis des Landmanncs, der Händler und Kauflcutc wie der Handwerker cntgcgcnkommcn, und durch leihweise Hergäbe von Geldmitteln, die die Bildung von genossensclmftliclien KrcditlnsUtutionen ermöglichen und das Genossenschaftswesen überhaupt fördern. Es haben *) Aus dem soeben erschienenen Jahresbericht. sich bereits eine Anzahl von genossenschaftlichen iandwirtsciitfiichcn Vereinen und Konsumvereinen, ferner Baugenossenschaften etc. gebildet, und die Idee des genossenschaftlichen Prinzips erfreut sich bereits lebhafter Sympathien. Gerade bei dem Mangel au Kapital im Lande ist — ganz abgesehen von der moralischen Bedeutung — die Gcnosscnschaftsbildung ein Faktor, der von erheblicher Bedeutung für Produktion und Absatz werden kann. . Die Anlage von Musterwirtschaften und Lehrfarmen bildet eine bedeutsame Vorstufe für die Wirtsehaftlichc Entwickelung in Palästina. Bei rationeller Bodcnbelmndlung, der Einführung der günstigsten Hewirtscliaftmigsformea für diu einzelnen in Klima und Terralnverhültuissen sehr verschiedenen Landstriche und bei Verwendung moderner Betriebsmittel Ist die zum grössten Teil mit ganz primitiven — noch aus dem Altertum Überkommenen — Methoden arbeitende palästinensische Landwirtschaft. ungemein cntwickiungsfäliig. Durch den Bodenankauf für die Salvcndi- Musterfarm in Fedge. den Herr Dr. Nathan im vorigen Jahre bei seinem Aufenthalte in Palästina aus den Mitteln der Salvendl-Stiftung bewirkte, und iür die er unter Hinzuziehung berufener Fachleute einen Rewlrtschaftimgsplan aufgcstellt hat, kann ein weiterer bedeutsamer Schritt für die landwirtschaftlich zweckmässlge Erschliessung Palästinas getan werden. Leider ist freilich ein weiterer c n d g i 11 i g c r Schritt vorwärts in Erfolg versprechender Richtung bisher noch nicht geschehen. Die jüdische Landarbeiterfrage, deren Lösung insbesondere für die jüdischen Koioniccn von so erlieblicher Bedeutung ist, wird im Anschluss an die Fortschritte auf landwirtschaftlichem Gebiete Bleichfalls ein gut Stück gefördert werden müssen. Auch Industrieuniernelnmmgen beginnen in Palüstinu Boden zu fassen, und cs ist möglich, dass Land- Wirtschaft und Industrie in ihrer Entwicklung sich gegenseitig befruchten. Die Entwickelung der landwirtschhftiichcn Induslricn wäre aber für Palästina als Ackerbau und Gartenwirtschaft treibendes Land insbesondere von Bedeutung. Die Zahl und Wirkung der Bildungsanstaltcn aller Art. die in Palästina schon länger festen Boden gefasst haben, hat sich in letzter Zeit besonders durch die Arbeit des Milfsvercins, der Palästina hauptsüchlieh seine kulturelle Tätigkeit zuwendet, in bctrüchtlielicni Masse gesteigert. Einen Abschluss nach oben auf dem Gebiete des Schulwesens in Palästina, die Begründung des 11 ü 11 c r c n Schulwesens daselbst, die zugleich für den ganzen Orient von weitgehender Bedeutung werden muss, bedeutet die bevorstehende Schöpfung des ,.,Jüdischen Institutes für technische Erziehung in Palästina". Die Vorarbeiten und die Vorbedingungen zu diesem Werk hat der llilfsvcrcm der Deutschen Juden im Jahre 1908 geschaffen. Nachstehend geben wir den Brief des Herrn Dr. Nathan an Herrn Jakob H. Schiff auszugsweise wieder, auf den hin dieser seine Unterstützung des Projekts versprach. Das Schreiben bietet eine Übersieht darüber, wie der Plan entstand, und es wird dann — nachdem durch die hochherzig-humanitäre Stiftung der Wissotzkyschen Familie die pekuniären Grundlagen für das Unternehmen gegeben sind — die weitere beschleunigte Durchführung durch Jakob H. Schiff in New York ermöglicht werden. - (Fortsetzung folgt.) ZIONISTISCH BWeGUNG Finanzieller Bericht pro 190809*) erstattet von dor Leitung dor Broalaucr Ortsgruppe I. Ortsgruppe vom 1. Mai KOS bis 30. Juli 1909: A. Spenden für Nationalfonds, all• gemeine.019.80 für Nationalfonds, Sammelbiichscn.710.02 f. Nationalfonds, Selbstbesteuerunß.87.50 für Nationalfonds, Matcrialien .... . ._10.40 1707.38 für Oelbüume . für Palästina-Kulturfonds . « für ״ Schekel . . . . für Bczalcl ׳oxki. Mitgliedsbeitrüge).. für Misrachi-Schuic , . . . . für Parteifonds. fürPflnnzungsvcrein.Palästina'' für sonstige Palästina-Zwecke insgesamt . . 2250.— 293.15 100.- 82050 100.- 3210 ' 157.- 106.78 5195.86 י) Wir veröffentlichen gerne den vorstehenden Bericht unserer Breslauer Freunde, der von der überaus rührigen und . gewissenhaften Arbeit der Gruppe ein anschauliches Bild gibt. vom 1. Juli 1908 bis 30 Juni 1909. B. S c h e k e I.. 880 — Landesbeitrag. , . . . 227.50 zusammen.5^״, (Die Schekeisammlung ist noch nicht beendet.) C. U m s a t z in Nationalfonds-Telc* grammen. 72.80 Nationalfonds-Markcn, alte . . 24 80 ״ » neue . 52 05 zusammen.~ . u«),j5 Bczalel-Gegen^ändcn 225.— Büchern, Broschüren, Bildern .... 229.- II. Vereinigung vom 1. Juli 191)8 bis 30. Juni 1909. Einnahmen an Mitglicder-Bci• trägen.8G.s 50 an Zuwendungen . . . . ■ 17». 10;-,w; in Summa ....". 7 . . •11 Nach Abzug aus der Vereinskassc bezahlten Spenden, Schekel etc. mit. Insgesamt Zionistischerseils pro 19(8.09 in ~ Breslau aufgebracht. 70(1:1.11 Ausgaben der Vereinigung für Propaganda: a) Öffentliche Vcrsamml. 119.10 b) Schekelflugblatt 810(» für Nationalfonds-Propaganda . 27.85 für Oelbaumfonds - Propaganda (140 für Bank* Propaganda .... 18.70 für Spc.-cn durch den Vertrieb der Jüdischen Rundschau“ . 21.30 für Bureau-Unkosten, Inkasso und drgl.1.>.10 für Mitglieder-Versammlungen 77.57 für Zuwendungen u. einmalige unvorhergesehene Ansgaben . 109.20 für Schekel etc.311.— Defizit am 1.Juli03 . . 83 35 Bestand am 30. Juni 09 &80,׳ Zahl der Mitglieder des Vereins am 39. 4. 09: 313. Am 13. Juni 1904 begann die Sammlung für den ״Breslauer Oetbaumhain*. Bis 39. Jun; 09 waren für ihn 499 Oelbüume gestiftet Ausserdem begann die Breslauer Ortsgruppe in letzter Zeit mit der Sammlung für den ״Benno Badt-Olivcnh a i n“, für den bereits 167 Bäume ausgewiesen wurden. Von den bisher in Deutschland für den ״Hcrzlwatd“ gespendeten 6173 Bäumen sind somit von Breslau 666 gesammelt d, 11. mehr als ein Zehntel. ־. Jüdischer Nationalfonds Obgleich das Verhältnis des zweiten Quartals l19»׳ zum ersten hinsichtlich der Höhe des Spendenem* ganges in diesem Jahre nicht günstiger ist als im Vorjahre (1908 ungefähr 53:64, 1909 etwa 75:89) heträgt der absolute MeJircIiigaiiR im Z. Vierteljahr I91W gegenüber dem gleichen Zeitraum des Jahres 190$ über 22000 Mk., d. 11. nahezu 41 ׳T, Es waren ״:im* lieh im 2. Vierteljahre 1908 53788,73 Mk., im 2. Viertcljahr 1909 aber 75 820,93 Mk. für den Judiscli.M Nationalfonds ausgewiesen, Nocii augenfälliger wird das Anwachsen der Sammlungen sich aus der Semesterstatistik ergeben, die wir in nächster Num- ״!er veröffentlichen.! » 7i li'י aus Den öSMeihDeri Di* Miurbeli unserer Leser an dieser Rubrik Isl Nsonderi --r *«•Unsehl,- . Berlin, Durch einmütigen Beschluss des engeren Vorstandes ist Herr Reichstags-Abgeordneter Bergrat a, D. Dr. Georg Gothein als Nachfolger זי י• T h c 0 d 0 r B a r t )1' s zum V 0 r s i l* c n d c n des Vereins zur Abwehr des A n t i sc m i t i smus gewählt worden. Berlin. Der Verband dor Deutschen .luden halt seine satzungsgemäss alle zwei Jahre stattimdende Hauptversammlung diesmal am Sonntag, dem 17. OVtober in Breslau, und zwar im Konzerthausc ah. Welsscnsee bei Berlin. Eine zweite Ucthallc wird auf dem Friedhof der Berliner jüdischen Gemindc in Wcisscnsec errichtet, um eine Uesehlcunigung der Beerdigungen zu ermöglichen. Die Bauplane sind fertig und die Bauerlaubuis bei der Wcisscnsccr Behörde bereits nacligesucht. Posen. ״Das positive Judentum und die Repräscnlaatcnwahlen“ lautete die Tagesordnung für eine von etwa 300—400 Wählern besuchte öffentliche Versammlung, die am 28. Juni 1909 im Stcrnsclien Saale stattfand. Herr MiMilcndircktor Rosenthal eröfi'nctc als Vorsitzender die Versammlung mit einer kurzen Ansprache, in der er mitteilte, dass sich aus den positiv gerichteten Vereinen Posens ein söger.anntcr ״positiver Block" begründet habe, der namentlich die Vorbereitung und Durchführung der Rcpfäscntantcnwahlen unter Abwehr der zu erwartenden Angriffe der ״liberalen Vereinigung" auf dca positiv-jüdischen Besitzstand sich zur Autesb׳!