Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1909)
- Date
- 1909-07-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 29. Seite 335. JUEPISCIig RUNDSCHAU 1c 11 hervor, dass er die Mission Israels mit der Sa in mm lang der Zerstreuten inj Lande der Väter , nicht aber mit ihrer Zerstreuung verbunden denkt. Als Be- 'leg führe ich nur die Stelle an, die Puchs gegen mich snruft: ich bringe sic nur etwas ausführlicher und bcmerke, dass sic sich, wenigstens nach dem uns vor- , liegenden Text, zunächst nur auf die Mission des Propheten bezieht, mit der aber dann die des Volkes als zus.unincnfallcnd zu denken ist. Der Prophet fühlt sielt darnach als den von Qatt Berufenen, Israel durch seine Heilsbotschaft wieder im heiligen Lande 2U sammeln und gleichzeitig der Hcidcnwelt das Licht der wahren Religion zu entzünden. ״Nun aber, sprich׳, der Herr, der mich von Mutterleib an zu seinem Knechte bildete, auf dass ich Jakob zu ihm xuriickhringc und Israel für ihn gesammelt Werdet... dafür, dass du mein Knecht bist, würo cs zu gering, d * mir die Slilimno Jakobs mifrlelilcii und diu ans Isral llewnhrtci» ziirüekbrlngeu solltest: vielmehr mache; :11 dich auch zum Lichte der Völker, auf dass mein IL-il bis an das Ende der Erde reiche." (Jesaja, 49.5־ d ־״ ׳ Ihr, ist nun alles, was aus den liberal-religiösen Kreise!׳, an die ich mich vor allem gewendet hatte, gegen >'.'e Aufstellungen meines Buches geltend gemacht ־» erden ist. Ich muss meinen beiden liberalen Kritikern die Anerkennung zollen, dass sie für eine kurze!״״.preehung recht viel gegen mich vorgebracht haben Sie werden mir dafür hoffentlich die Ancr« kcimiim: nicht versagen, dass ich auf all ihre Einwände ,.iiiiidlicli eingcg,tilgen bin, Aber so muss Ult tm.i wird auch wohl der Leser jetzt fragen: Ist das .־dies, was sich gegen meine Begründung des Zionisii Vorbringen lüsst? Vornehmheit und das stöbe 1111»':•! ׳ der Ucbcrlcgcnhclt kann cs nach den Urteilen 1. :r mein Buch doch wohl nicht recht sein, was s׳s Manchen beredten Wortführer des liberalen Juden־,», s imd so manchen wackeren Kümpen gegen den Zionismus hier hat schweigen lassen. Man wird sielt il.iin•!׳ von der inneren Kruft des landlilufigeit Itilcr.iM! .ifdciitmus keine allzitliolie Vorstellung bllden dm :ca. Deut gegenüber muss ich rühmend licrvorhcben, dass du! «tvihodoxo Theologen sich zum Wort gemeldet Imi'cu, obwohl ich mich doch kaum mehr a!s vorübergehend mit der Orthodoxie beschäftigt hatte, mir vtanbcrgelicud, weil icii mich wegen meines alnvi'i,•lies.den religiösen Standpunkts nicht für den geeigneten Mann hielt, sic von der Wahrheit des 210• nisitms /׳! überzeugen. Dieser Aufgabe haben sich ja auch andere, ehrenwerte Männer und verdiente Gelehrte .ms den Reihen der Orthodoxie gewidmet,!nimcriiiii darf ich mich einer Auseinandersetzung mit meinen mthodoxen Kritikern nicht entziehen. (Fortsetzung folgt.) * AUS ÄLL6R W€LT « Deutschland Das jüngste K o r ז c s p 0 n d c n z b 1 a 11 des ״Y erb ,indes der deutschen Jude n" leistet sielt »ber die Ursachen des Antisemitismus In Deutschkuul f-״l ׳ende tiefsinnige Betrachtungen: ״Wenn die offizielle Haltung der Behörden in» grossen ,and ganzen eine wenigstens objektive zu ׳ nennen war, so gewinnt man doch leider aus unsern Berichten den Eindruck, dass die Beamtenschaft, spezicll die prctissisclic, in ihrer privaten Lebensführung als die llauiHstiltzc, die unversicgliehe Quelle anti* semüi'dier Gesinnungen gelten muss. Dies machen «■ n. di״ Berichte aus wcstrheinischcn Gegenden bcsonders deutlich: Hier wird in vielen Bezirken, deren eingeborene Bevölkerung Antisemitismus kaum kennt, das Fetter der Jiidcnieindschaft lediglich durch den Zuzug ulipreussisclicr Beamten entzündet und erhalte!!. Dass tatsächlich kleine Qesellschaftsgruppcn, ia viclWcht sogar einzelne irgendwie prominente Persünlic’ib.ciicn cs in der Hand haben, das Verhältnis der christlichen und jüdischen Bevölkerung an einem Orte gm oder schlimm zu gestalten, — das macht uns noch ein anderer Zug in unserer Korrespondenz wahrschcinlicli. Während sich nämlich Im grossen Ganzen us Bild von der gesellschaftlichen Lage der Juden nicht wesentlich gegen die vorjährigen Berichte verändert hat, tritt jetzt, wo die Arbeit der Vertrauensniänncr einen schärferen Einblick in die Details ermotclicut, ein Umstand merkwürdig krass hervor: im Punkte;,gesellschaftliches Verhältnis der jüdischen ud christlichen Bevölkerung" weichen dio BerJehto tanz eng benachbarter Gemeinden oft in erstaun- ״eher Weise von einander ab. Nicht nur innerhalb «iner Provinz oder eines Regierungsbezirkes, nein innerhalb ein und desselben Kreises kommt cs vor, Vertrauensmänner die Lage als recht vortrefflich bezeichnen — und der sechste dio Zustflndo ן׳.s<־*ncr Gemeinde kaum erträglich nennt Und umtekehrt findet sich ipIÜen zwischen einem Dutzend als stark antisemitisch beklagter Orte ein Bezirk, dessen Vertrauensmann nur das Beste vom Verkehr der Juden und Christen zu melden weiss. Diese aunaücndcn Unterschiede können doch nicht ganz mit der verschiedenen Sensibilität den abweichenden An- Sprüchen der betreifenden Berichterstatter erklärt werden; in manchen Fällen werden doch posltivo Tatsachen (aus Vereinen, Schulen usw.) angeführt, die dio objektive Existenz dieser Situationsunterschiede verbürgen. Nun aber ist klar, dass ein so abweichendes Verhalten der Bevölkerung In eng bcnachbarten Gemeinden seinen Qrund nicht in Unterschieden der wirtschaftlichen und politischen Lage oder gar in abweichender ״Rassedisposition" der bctreffenden christlichen Einwohnerschaften haben kann. Keiner der grossen Faktoren des Milieus oder des Blutes, die man so gern als alleinige und unausweichliehe Ursache des, Antisemitismus hinstcllt, kann bei Bezirken, die unter so gleichen Bedingungen stehen, variieren; wenn sich doch so andere Resultate im Verhalten der Christen zu ihren jüdischen Mitbürgern finden, so beweist dies, «lass keine unentrinnbaren nllKuinoliicn (lenetzu die» VcrJülltnlü regeln, vielmehr snielt sicherlich diu Erziehung, Bildung und Gesinnung einzelner, in kleineren Gemeinden oft Ausschlag gebender Persönlichkeiten eine* grosse Rolle, Ein einzelner Mann von unduldsamer Gemütsart und Vorurteilsvollem Oei'st kann unter Umständen Inmitten eines sonst friedlichen Distrikts just seine Gemeinde mit antisemitischer Gesinnung erfüllen; und der klare und menschenfreundliche Sinn eines einzigen Angesehenen genügt oft eben so gut, um selbst inmitten eines antisemitischen Gebiets zwischen dein christlichen und jüdischen Bürger einer Stadt freundlichen Verkehr zu schaffen. — In gleichem Masse wird cs natürlich darauf ankommen, ob die Juden der betreffenden Gemcindc ein taktvolles und würdiges Benehmen zeigen oder nicht." Abessinien Der mutige Forscher und Missionär Herr Dr. J. Faitlowitsch ist vor einigen Tagen von seiner zweiton Mlssionsrclsc nach Abessinien, die zirka fünfzehn Monate gedauert hat, zurtickgckchrt, nachdem er den grössten Teil Abessiniens durchwandert und die meisten Niederlassungen der Falaschas besucht hat. Er bringt ein reiches Material von überaus wichtigen Nachrichten mul Dokumenten mit, die (Iber das Leben, die sozialen Verhältnisse und die religiösen Ansehau• uugen und Gebräuche der abcsslnlsehcn Juden neues Licht verbreiten, dio er in nächster /Zeit ln einem ausfiihrlichcn Berichte der Ocffcntlichkcit vorlcgen wird. Er hat die angesehensten l-clirer und Priester der Falaschas persönlich kennen gelernt «nd mit ihnen längere und eingehende Unterredungen gepflogen. Sein in nmharischer Sprache abgefasstesSendsehrciben nn die Falaschas, welches auch eine Übersetzung des von Oberrabbincr Dr. Margttllcs, den: Vorsitzenden des Pro-Fnlasclia-Coiultdcs verfassten und von zahlreichen Rabbinern der ganzen Welt nnterschriebenen Briefes an dieselben enthielt, wurde in mehr als tausend Exemplaren im Lande verbreitet und überall mit Jubel bcgriisst. Als Antwort darauf bringt Herr Dr. Faitlowitsch einen ihm gelegentlich seiner Zusammenkunft mit Ihnen in den Snkkoth-Feiertagen von den Häuptern der Falaschas übergebenen neuen Brief an die Judenheit aller zivilisierten Länder mit, der die Unterschriften der Vertreter der meisten Falascha-Gcnicindcn trägt. Hierin wird in ergreifenden Worten der Freude jenes versprengten Stammes Ausdruck gegeben, mit den Juden Europas Fühlung gewonnen zu haben. Trotz ihrer Abgeschlossenheit und trotz der häufig erfolgreichen Bemühungen der christlichen Missionare habe das Gros der abcssinischen Juden an der Lehre Moses’ festgchaltcn. Ihre heiligen Schriften seien zerstört und cs seien vor allem jüdische Bücher, Lehrer und Schulen notwendig, um den Stamm dem Judentimte zu erhalten. Besonders wird des huldvollen Verhaltens des Königs Menelik gedacht, der der Prosclvtenmachcrci abhold sei. Dieser Hilferuf wird hoh'cntllch auch in der dcutsehen Judenheit nicht nngchört verklingen. Wie wir hören, ist der ״Hilfsvcrcin der Deutschen Juden" entschlossen, diese Angelegenheit energisch zu betreiben. Amerika Die Zahl der Jüdischen Einwanderer In Amerika betrug: im Jahre 1899 4> י 4 » . . . 37415 fl 91 1900 . 44* . . . s 60 764 fl 11 1901 . 14 4« . . .. 58 098 f« 11 1902 . «444 . . . =5 57 688 1 M 1903 . « 4 203 76 . ״ . «1 H 1904 . » 106236 =־ . . , f» »» 1905 , 4 4 .4 . . . 129910 11 ft 1905 . ,1 . . . 153478 ft H 1907 . f « . . . 149182 •1 •n 1908 . 444 . . . 103387 1• M 1909 (Juli 08 bis Mal 09 862 43 =־ Das amerikanische Fiskaljahr läuft von» 1. bis zum 30. Juni, dio grössten Zahten entfallen also auf dfo Jahre 1005—1907 — d. ii. die Zeit der ,russisehen Wirren .,und >dor Pogrome, ln den letzten Monaten sind dio Auswandonungszlfforn, die -ofne Zelllang ■sehr ,niedrig waren, ihckanntlleh iharehs wieder Im Steigen begriffen, so dass für 1909 der Status von 1902 erreicht sein dürfte. Türkei In der vorletzten Woche hat ein Alhilstcrwccliscl stattgefunden, dessen Bedeutung über die ähnlicher Verschiebungen weit hinausgeht. Es ist ein ganz Junger au die Reihe gekommen, zugleich einer der hervorragendsten Mitglieder des Komitees ״Union et Progrös". An Stelle von Rifaat Bey ist Dschawid Bey aus Salonik Finanzminister geworden. Dschawid Bey ist erst 34 Jahre alt und, was ihn für uns Juden besonders interessant macht, Dönmö, d. h. von Abstammung Jude aus der Pamiiic Sabbatai Zewis, der Religion nach Mohammedaner. Dschawid Bey hat sich wiederholt als Freund der Juden bekannt. Bereits in dieser Woche hat er den» Chachambaschl seinen Besuch abgestattet. Weitere Änderungen Jm Kabinett stehen bevor. Talaat Hey, Vizepräsident der Kummer, wird mit Bestlniintliclt als zukünftiger Minister des Innern genannt; Hussein Dschawid Bey wird vermutlich Kultus* minister werden; ein Gerücht will auch wissen, dass der Jude Sasson Effendi Anwartschaft auf das Porte- Icttillc der Öffentlichen Arbeiten habe. Jedenfalls (st cs ausgemacht, dass das Kabinett von Grund auf im fortschrittlichen Sinne umgcstaltct werden wird. Die Jungtürken werden ausreichend Gelegenheit bekommen, zu zeigen, was sic können, Für die Juden ist, wenn nicht alles trügt, nur Gutes von diesen Änderungen zu erwarten. Anlässlich der persischen Unruhen haben sich zahlreiche verfolgte Juden in das Amtsliaus des türkiselten Konsulats geflüchtet, woselbst sic Schutz fanden. Diese Schützlinge der türkischen Regierung wendeten sich nun an den Chachum Baschi nach Konstantinopci mit dem Ersuchen, er möge ihre möglichst schleunige Ucbcriiahniü in den türkisehen Stuatsverhuud durchsetzen. Die meisten von ihnen, die auch einiges Kapital gerettet haben, haben sich bereit erklärt, Im Falle ihnen die ottomunische Staatsbürgerschaft zugesichert würde, sich in der Türkei nicdcrzulasscn. — Das traditionelle jüdische Asyllntid wird auch in der Neuzeit immer mehr der Sammelpunkt der Verfolgten Israels aus Orient und Occldcnt. 4* Die türkische Kammer genehmigte einem Drahtberichte aus Konstantinopci zufolge in ihrer gestrigen Sitzung im Prinzip fas! einstimmig die sofortige Ein- Stellung der Nlchtmoliammedancr und der bisher vom Militärdienst befreiten Mohammedaner in die Armee und beschloss, falls das nette Wehrgesetz nicht angenommen werden .sollte, das alte Wehrgesetz mit einer fiir den Dienst der Niclitmohummcdancr eingefügten Aenderung anzuwenden. PALA65TINA-RUMDSCHAU Das hebrüische Gymnasium In Jaffa Aus Jaffa wird uns geschrieben: In Anwesenheit von Vertretern des Odessacr Palästina-Komitees und des Palästina-Amtes, des Lchrerpcrsouals und mehrerer Mitglieder fand hier vor kurzem die Jährliche Generalversammlung der Gesellschaft ״Hebräisches Gymnasium in Jaffa" statt, welcher Dr. Josef Luric präsidierte. Der Obmann des Auisichtsrats, Herr S c h e i n k i n, referierte über ״die materielle Lage des Gymnasiums.“ Zu Beginn des Berichtsjahres waren die finanziellen Mittel des Instituts nicht hinreichend gesichert. Der Aufsichtsrat entsandte daher die Herren S c h c i n k i n und Dr. Mossinsohn zur Agitation nach Russland. Diese Propaganda reisen waren auch von Erfolg beglcftct. Das Odessacr Palästina-Komitee erhöhte seine jährliche Subvention von 3000 Fr. auf 5000 Fr. und Übernahm die Garantie Lir den gesamten Etat des Gymnasiums. Die beiden Herren besuchten in Russland vierzig Städte und gewannen. dreihundert neue Mitglieder, von denen 130 den vollen Betrag der von ihnen gezeichneten Anteilscheine (ä 100 Rubel) gleich entrichtet haben. Im ganzen wurden dabei für 80000 fr. Anteilscheine gezeichnet. Herr Schcinki!» und Dr. Mossinsohn konnten auf ihrer Reise konstatieren, dass Hunderte jüdischer Jünglinge in Russland nach dem Programm des Jaffacr Hebräischen Gymnasiums lernen und sich vorbcrcitcn, um späterhin in eine höhere Klasse dieses Instituts cintrctcn zu können. Der Fonds des Gymnasiums beträgt jetzt etwa 100000 Fr, Dieser müsste aber eine halbe Million Fr. erreichen, um die Existenz des Instituts vollkommen zu sichern und von Subventionen unabhängig zu machen. Der Referent hegt in dieser Be- Ziehung die besten Hoffnungen für die Zukunft. Der Voranschlag für das kommende Jahr beläuft sich auf 30000 Fr. An Einnahmen sind dabei gesichert: von Schulgeldern. 15000 Fr. Subvention des Odessaer Komitees 5 000 ״ Subvention des Zionistischen A.-K. 6000 ״ Zinsen vom eisernen Fonds . . 5000 ״ ,