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Jüdische Rundschau · 1909-07-16 · Heft 29 (16.7.1909) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 29 (16.7.1909)
Date
1909-07-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Stile 330. JUKDISCHE RUNDSCHAU No. 20. sondern ein modernes Dalum tragen soll! Der Geist, den es atmet, ist nucli nach dem neuen Entwurf der Geist schlimmer Reaktion. Auch die Frage, ob cs politisch klug ist, in einem Entwurf, der den Wunsch nach einem Gesetz — und nicht mehr enthält, dem Staat von vornherein so sehr viel Rechte einzuräumen, scheint nicht erwogen zu sein. Wenn bei einer Zollgesetzgebung ein Maximal- und ein Minimal-Tarif gemacht wird, kann dagegen mit Recht eingewandt werden, dass das Ausland einen Handelsvertrag zu ungünstigeren Bedingungen als zu denen des Minimaltarifcs niemals abschliessen wird, weil es weiss, dass so weit nachgelassen werden muss. Der Entwurf, den die preussischc Judcnheit der Regierung als Wunsch darbietet, ist besten Falles nur der Minimaltarif. Die Rechte, die der Regierung angeboten werden, wird säe mindestens nehmen. Ob sic sicli aber, wenn sic auf Seiten der Petenten so grosse Schwächen sieht, damit begnügen wird, ist überaus zweifelhaft. Der Oemcindctag des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, der sich mit diesem Entwürfe zu beschäftigen gehabt hat, ist zu seiner Annähme nicht gelangt. Die ״liberale“ Mehrheit hat zwar eine Generaldebatte über den Entwurf, in der alle prinzipiellen Gesichtspunkte hätten erörtert werden können, nbgelchnt. Aber trotzdem ist den Gesetzgebern das Fiasko nicht erspart geblieben. Bei allen Spezialiragen, in denen man doch wenigstens in beschränktem Umfange eine Diskussion hat zulassen müssen, hat sich scharfe Gegnerschaft gegen den Entwurf gezeigt. Nur zu einer einzigen Abstim* immg äst man gelangt, allerdings zu einer von prinzipiellster Bedeutung. Sie hat die Frage betroffen, ob überhaupt eine ״Landessynode“, oder wie man jetzt sagt, ״Landcsgcmcinde“ gewünscht wird. Der Antrag des Justizrats F r i e d m a n n Glogau, der zur Abstimmung gelangt ist, wünscht, dass eine Organisation von Gemeinde-Verbänden nur insoweit zu bilden ist, als durch dieselbe die Selbständigkeit der Gemeinden in keiner Weise beeinträchtigt wird. Dieser Antrag ist, wenn auch mit knapper Mehrheil, angenommen worden. Damit hat das Prinzip der religiösen Duldung, der U11* abliängigkeit von Staat, der freien Selbstbestiinmung der Gemeinden über den grossen Mischniasch gesiegt, der .sich so sehr zu Unrecht ״liberales Judentum“ nennt, der aber in Wahrheit weder in religiöser Beziehung liberal ist, denn er äst unduldsam gegen die Orthodoxie, noch in politischer, denn er steht auf dem Standpunkte weitgehendster staatlicher Bevormundüng, grösstmöglicher Beschränkung der Rechte der Einzelnen und der Einzelgemcindcn. Man versucht jetzt auf ״liberaler" Seite die unbequeme Abstimmung aus der Welt zu schaffen oder in ihrer Bedeutung abzuschwächen. Da werden schriftliche Voten von Absentieren• den beigebracht, ohne dass man daran denkt, dass auch die Gegenpartei nicht lückenlos ver* treten war. Da werden sogar Atteste von Dolegierten veröffentlicht, die ihren Irrtum bei der Abstimmung bescheinigen. Man weiss nicht, ob man mehr die Naivität dieser Delegierten anstaunen soll oder entrüstet darüber sein soll, wie die Leitung eines grossen Verbandes das Votum ihrer Generalversammlung resnektiertl Um so grösser muss dien Genugtuung sein, dass der Versuch abgeschlagen ist, diese oder eine ähnliche Leitung, mit staatlicher Autorität ausgestattet, an die Spitze des Juden Wesens in Preussen mit entscheidender Macht zu setzen. Mit dem Anträge Friedmann ist von der offiziellen Vertretung des Deutsch-Israelitischen Gemeiudebundes der Wunsch ausgesprochen, dass die Selbständigkeit der Gemeinden in keiner Weise beeinträchtigt wird, und dass Geincinclevcrbände nur zum Zwecke der Bildung von Ruhegehaltskassen für die Kultusbeamten geschaffen werden sollen. Darüber kann keine Interprctationskunst und auch kein Beschluss einer Rcpräsentanten-Versnmmlung mehr hinweghelfen. Die Volksstimmung hat den Sieg davongctragen. Wenn die Leitung der freien Gemeinde• Organisation noch an die dritte Lesung des Entwurfes herantreten will, so wird sic die ihr durch den Antrag Friedmann gewiesene Richtung cinzuschlagen haben. In finanzieller Hinsicht allein braucht die preussischc Judenschuft leistungsfähige Verbände, die den Ausgleich zwischen den kleinen Zwanggemeinden und den grossen Gemeinden lierzustcllen geeignet sind. Wird die Arbeit auf die Erreichung dieses Zieles konzentriert, so vermeidet man auf der einen Seite die inneren Kämpfe im Judentum, die durch die bisher vorgelcgten Entwürfe entfesselt worden sind. Auf der anderen Seite aber dürfte auch vom Staate weit eher die blosse Bildung von Gemeinde-Verbänden von rein wirtschaftlicher Bedeutung anzuerkennen sein als ein kirchenpolitisches Judengesetz. Darum erscheint die Forderung am zweckmassigsten: Diejuden in Preussen erstreb e n eine s e 1 b s t ä n d i g e V c r w a 1 - tung der Kultus• und Gemeinde- Angelegenheiten ohne EinmischungdesStnatos. Von der staatlichen Gesetzgebungwird lediglich die Schaffung der Organisationsformen der einzelnen Gemeinden und G e m e i n d e v e r b ä n d a s o w i e d i e G e- Währung des Rechtes derdirek* ten Steuereinziehung verlangt. Gedenkrede auf Theodor Herz! ln der Berliner Zoinistischcn Vereinigung gehalten bei der fünften Wiederkehr seines ,Todestages, am 8. Juli 1909, von Dr. Hans Qldeon Hey man״. Als in den ersten Tugen des Juni 1904 die in Hamburg zum Dclegicrtcntng versammelten Zionisten Deutschlands zuerst von der schweren Erkrankung ihres Führers hörten, als sich die Kunde verbreitete, dass kaum auf seine völlige Wiederherstellung ge. hofft werden könnte, da erfüllte tiefer Schmerz unser aller Herzen und die bange Frage schwebte auf aller Lippen: Was soll werden? Was wird aus uns? Was wird aus der Bewegung? Und wenn wir auch ahnten, dass das schlimmste zu befürchten stand, so traf uns doch die Nachricht, dass das Auge, das irr die Zukunft des Volkes gewacht hatte, sicli;.׳!( immer geschlossen hatte, wie eine furchtbare, ph,:,:. lieh hereinbrechende Katastrophe. Aber s<» t •( unsere Bestürzung war. so wenig wir die Tragweite und die Folgen des Unglücks absclicn konmer.,!0 herrschte doch nicht einen Augenblick der Geist d.r Entmutigung. Die Zähne zusammen und vorwat!■,, das war unser aller Wille: die schönste F.hrung, d ג aufrichtigste Trauerfeier fiir den toten Führer w.!r die Fortführung seines Werkes, der Nachweis, dass es nicht auf seiner Tatkraft all;..ז aufgebaut war, sondern dass er erstanden war. ־U Künder des Zeitgeistes, als Löser der im V<>!'.: schlummernden Kräfte. Viele Tausende haben :11 seinem Orabc Ihm, der Bewegung, dem Volke Schwur der Treue geleistet: sic haben den Scliv. gehalten. Wenn auch ohne den Toten, der ailes;!;־ regle, alles leitete und durchführtc, die Arbeit zch:־• fach erschwert war, wenn auch eine tiefgehende innere Krise die Bewegung bis in ihre Grundfesten erschütterte, wenn auch furchtbare Verfolgung(.:1 den Kern unseres Volkes mit Vernichtung bedrohtet־., die Bewegung hat alle Gefahren siegreich überstanden, das was Herzl geschaffen hat, der Geis;, den er geweckt hat, sic sind gerettet. Fünf Jahre sind eine kurze Spanne Zeit im Lehen eines Menschen, sic sind ein Augenblick in der Leidensgeschichte unseres vieltausendjahrigen Volkes: unter dem Gesichtswinkel unserer jungen Bewegung zählen sic voll, sie bedeuten eine Epoche in den sich drängenden Versuchen, der Not der Juden zu steuern. Wir sind heute schon weit genug cmie.v.t von jenen Jahren des Werdens, des Erwachens, der Begeisterung, um eine historische Würdigung der Persönlichkeit Herzls versuchen zu können, um eine Antwort auf die Frage zu finden: Was bedeutete sein Auftreten für den Zionismus? Was lehrt uns sein Gedächtnis fiir Gegenwart und Zukunft? Der Zionismus, die Liebe zu Zion, das Strcku nach Zion, sic sind so alt wie das Elend und die Zerstreuung des jüdischen Volkes. Diese Tatsache ist unser Stolz, unsere historische Rechtfertigung, unsere sicherste Hoffnung für die Zukunft. Aber viele Jahrhunderte lang war der Zionismus nur latent, er fand seinen Ausdruck in Gebeten, im mcssianischeii Glauben. Das heilige Land der Väter mit eigenen Augen zu sehen, ward nur wenigen zu teil, eine Be• siedeluug Palästinas durch Juden schien ein tmerfällbarer Traum. ״Kadimah“ Erzählung von Sam. Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann, (Fortsetzung.) Krrmcmvmvm *ah Um lächelnd an, ״Bitte, noch einen Augenblick; ich bin doch noch nicht ganz fertige* Ich habe nämlich auch erfahren, dass Sie einer der hervorragendsten Kämpfer für die sogenannte nationale Bewegung sind, und da ich.“ Juda sprang hastig auf; doch der Bankier winkte ihm, sitzen zu bleiben, dann fuhr er fort: ״Darum wünsche ich' für das, was ich Ihnen anbicte, auch eine gewisse Sicherheit-und lhr Ehrenwort wird mir dabei vollkommen geni'tgcn-eine Garantie, dass meine Wünsche und Absichten sich auch verwirklichen werden. Ich stelle die Bedingung, dass Sie ein für allemal jede Verbindung mit diesen hirnverbrannten Steckenpferd-Reitern abbrcchen. Die Aufgaben, die ich für Sic habe, sind viel zu ernst, um eine Zersplitterung der Energie v:u gestatten; es ist eine zu vollwichtige Arbeit, die einen ganzen Mann beansprucht, und darum mit Seifenblasen, mit schwärmerischen Träumereien durchaus nicht Hand in Hand gehen darf. Mil einem Worte, ich will mein Geschäft vor einem Nebenbuhler in Ihrer Manneskraft gesichert sehen. Das ist die einzige Gegenleistung.“ schloss der Bankier seine Rede, wobei er Juda fest und scharf ansah, ״die ich von Ihnen beanspruche. Und wie ich glaube, dürfte deren Erfüllung Urnen nicht allzuschwcr fallen.“ ״Schwerer, viel schwerer als Sic denken, Herr Kronenmann,“ brach Juda verzweifelt aus. ״Sie sind sehr grausam zu mir“ fuhr er dann ein wenig ruhiger fort, ״Sie lassen mich einen Blick ins Paradies werfen, um mir gleichzeitig zu sagen, dass Sie mir nur dann Einlass gewähren wollen, wenn ich vorher alles von mir werfe, was mir bisher lieh und wert gewesen. Oder, Herr Kronenmann, wollten Sie nur sehen, wie ein Tantalus aussitiit?“ ״Wenn Sie die Sache so auffassen, dann ist es allerdings schwer, sie fallen zu lassen,“ überlegte Kronenmann; ״nur ist es dn verkehrler, ein ganz falscher Standpunkt, den Sie mit Ihrem Streben cinnclimen. Ich kann wohl Ihre Begeisterung verstehen; es ist sogar ganz guf, dass die Ideale so schwer sterben-sie sind es ja, die unserem Leben erst den süssen Zauber verleihen. Aber-aber-! Es kommen auch Zeiten, wo wir durchaus nur praktisch sein müssen.“ ״Dann in Oottes Namen lassen Sic uns die Sache von der praktischen Seite erörtern,“ stimmte Juda ihm bei, von einer neuen Hoffnung beseelt. ״Bitte, Herr Kronenmann, sagen Sic mir aufrichtig, haben Sie der Frage unserer 11a* tionalen Wiederherstellung jemals ihre’ Aufmcrksnmkeit zugewendet?“ ״Ich gestehe, nivht viel; ich habe mich zufrieden gegeben, den Zuhörer zu spielen, während diese Frage besprochen wurde. Was ich aber da gehört, konnte mich nicht besonders begei* stem. Kein fester Boden, keine gesicherte Grund• läge. Aufschneidereien und Sehwulstigkeiicn, die auf Stelzen hcrumvvandeln; hohle Phrasen ohne Inhalt. Und weil sic auf Stelzen wandeln, durch che sie gross erscheinen, darum entgehen innen die Hindernisse, die auf ihrem Wege liegen und die ähren Zusammenbruch um so schneller herbeifuhren werden.“ r ^.’’YaSwic’ ^crr Krcmcnmann, gehört,“ nahm iUdaÄ */?*!׳ r״1״K ^lrc Ansicht bestätigen. Ls gibt Flacnköpfc genug, die,׳ ohne in die Sache tiefer cinzudrmgen, durch halbvcrstnndene Argtimente zu Schwärmereien sich haben hinreissen lassen und in ihrer Phantasie Luftschlösser gc• baut haben, die in die wirkliche, reale Welt nicht einpasscn. Und solche übereifrige Mithelfer Können der Sache mehr schaden als nützen, uoen wir wollen die Frage von der praktischen beite besprechen. Ich will Ihnen Tatsachen erzahlen, die ich im wirklichen Leben wahrge*

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