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Jüdische Rundschau · 1909-07-09 · Heft 28 (9.7.1909) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 28. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 323. J \SJ Merkspruch lilcber unter fiöwen (letzter Rts der?üchse Vorgesetzter. (T»lmudspruch.) Herzl's Jahrzeit! In dieser Woclic werdet ihr alle mehr denn sonst von Tlteodor Hcrzl hören. Ucberall, wo gute Juden I «oIiih’ii. wird man seiner in Liehe und Anhänglich* Kcit gedenken; uiui auch euch werden eure Litern . ן v0״ iimi erzählen, was er lür unser armes Volk getan j Und wie er ihm neue Hoffnung und ein neues, schönes : j Ziel geitchen hat. . 211 llcrzl's Jahrzeit, am 20. Thammus, solltet ihr 1 I ganz 1 esonders stolz darauf sein, dem alten Volk j ^■r lVphctcn anzugehören, dem noch immer in den Zeiten der Not ein Retter und Mahner erstand, der jlnti i:: meiner traurigen Holimingsloslgkclt zurief: jlili dir seihst: besinne die!» deiner hohen Ahnen, deiner nilimvollcn Geschiehte und deines schönen Lande•. 1'?01:11 ein Mahner war uns Theodor Hcrzl. Se!;1 Beispiel feuerte auch viele von denen an, di: se!:״n längst nichts mehr von ihrem Volke wissen voll ton Um ihn, der uns mit sicherer Hand den Weg P ins alte Heimatland wies, scharten wir uns und dachten, dass er uns bis an das Ziel seiner Sehn* sacht tV.liren würde. n..1״ starb er viel zu früh, weil er sich in rast* losem heiss und steter Sorge fiir uns und die Zukunft unseres Volkes überanstrengt hatte. Ihr aber solltet gerade am Jnhrzcittagc dieses grossen imlen, ein jeder an seinem Teile euch fest! vornehmen, gute titclüigc Juden zu werden, damit i ihr spater, als Männer umso besser an der Erfüllung seines letzten Wunsches, unserem Volke eine öifentlicli-rcclitiieh gesicherte Heimstätte zu schaffen, in der auch seine Gebeine eine letzte und liebste Ruhe- Stätte finden werden, mitzuarbeiten. Und •limg-lsrael hat alle Ursache, sich mit Ernst und Liier auf diese grosse Aufgabe vorzubereiten. >, Dt,in er selbst, der in der Jugend die Zukunft und * M:\1mg unseres Volkes sah, hat euch dazu auf* | gcrmeii. I Als u enige Wochen vor seinem Tode in Wien I die Zeitschrift ״Unsere Hoffnung" gegründet wurde, f die unsere Jugend zu den schönen Idealen, die wir ן alb verieciitcn, führen sollte, da drängte es ihn, un- | scror Jungmannschaft recht eindringlich die Aufgaben, | die ihr dabei zufallen, vor Augen zu führen. Diesen Brief, ein letztes und heiliges Vermächtr.is des toten Führers, solltet ihr alle recht aufmerk* נ sarn wieder und wieder lesen und euch vornehmen, stets in seinem Sinne zu leben und zu handeln: Unsere Hoffnung Die Herausgeber dieser Zeitung haben sich eine ' schöne und grosse, freudige und schwere Aufgabe ׳ gesetzt, sic wollen unsere Jugend, unsere Hoffnung | in den Mittelschulen mit dein zionistischen Ideal er* «reifen.! Es gibt kein herrlicheres Werk zu tun in der! Vorbereitung des jüdischen Volkes für seine kommen* den Geschicke. Die Schüler von heute sollen Qc*; se>lc« und Meister werden, und uns, die wir heute * schaffen, ablöscn in der Arbeit für den Zionismus.; Diesen habe ich einmal ein endloses Ideal 1 scnaimt. Und, ich glaube wirklich, dass der Zlonls* 1 raus auch nach ’ der Erlangung unseres Landes ( Palästina nicht aufhören wird, ein Ideal zu sein. Denn im Zionismus, wie ich Ihn verstehe, ist nicht , nur das Streben nach einer rcchtiich gesicherten Scholle für unser armes Volk enthalten, sondern auch; öas Streben nach sittlicher und geistiger Vollendung. ■ Wer also die jungen Seelen auf diesen Weg *eist, verrichtet, wie ich meine, etwas Gutes. I Mir liegen diese Bestrebungen auch darum am; י Herzen, weil ich selbst einen Sohn habender ein j Tertiuicr ist. Euer Kamerad Ist er, liebe Leser dieses i j Dlaitcf! Und wie ich ihn gern zu einem braven i 1 Mann und guten Juden erwachsen sehen möchte, so i! wünsche ich Euren Vätern, dass sie cs an Euch er- |! lc^cn mögen. Nehmet Euch zusammen, Jungen; wir 1 brauchen Euch, wir warten auf Euch. Uebet nicht nur den Qelst, sondern auch die Muskeln. Stark und aufrecht sollt Ihr sein! Und lernen sollt Ihr mit 1 » cr׳ n,H Begeisterung. Wir werden Eure Kraft wlo : Kenntnisse brauchen. ״Judenjungen!״ das 1 ן■lang bisher verächtlich. Stellt es um, und cs wird » *in stolzes Wort: ״Jungo Juden!" Tertianer seid Ihr heute. Ihr wisst schon, was im römischen Heere die Trlarier waren. Venit res ad trlariosi Unsere Trlarier sollt Ihr werden. Darum seid ihr unsere Hoffnung! Mürz 1904. Theodor Herz 1. Der Fuchs als Fürsprecher Der Löwe zürnte eins! den Tiaren Und hteso Ihm alle vorzuführen, Da fuhr ein Schrecken durch Ihre Relh'n Und niemand wollte der Führer sein. Da sprach der Fuchs! Stellt mich an die Spitze! Ich welss dreihundert Schwänke und Witze, Wenn Ich die erzähle, ihr werdet sehn, So wird Ihm bald sein Zorn vergehn. Die Tiere vertrauten dem Luggesellen, Und hlessen ihn sich an die Spitze stellen! Und pilgerlen traurig hinterher, Als ob er der König selber wär\ Kaum sind sie aber zehn Schritt gegangen! Da lässt der Prahlhans den Kopf schon hangen, Und spricht! Mir wird so Angst und heiss, Dass Ich nur zweihundert Witze noch weise, Doch werden die wohl auch genügen Des Königs Unmut zu besiegen, Drum unverzagt und guten MuH Sollt sehn, es wird noch alles gut. Und wie nun einmal lagen die Sachen Sie mussten schon gute Miene machen, Und willigten darum weiter ein, Dass er noch solle. Ihr Führer sein. Doch Hess er bald wieder die Fahne sinken, Tät wieder die Tiere zu sich winken Und sprach! Meine Brüder, 60 leid mir״a tut, Ich weiss jetzt nur noch hundert gut. Des taten die Tiere zwar verwundert, Doch dachten sie vielleicht tun’s hundert, Und blieben darum auch jetzt dabei, Dass er ihr Führer und Sprecher sei. Doch als sie vor der^Hofburg standen, Stöhnt er! Die letzten hundert schwanden, Bin jetzt nicht besser als Ihr daran, Drum helfe sich jeder selbst wie er kann. Das zeigt nun jedem zur Genüge, Dass andrer Schutz oft Trug und Lüge, Und das es In Nöten stets das best׳, Wenn~man sich auf sich selbst verlässt. '““'(Aus''*Ewige Weisheit״, Spruchpoesie""des Talmud übersetzt von Max. Weinberg. Verlag von Otto Hendel, Halle a. S. Preis Mk. 1,—, I gebunden Mk. 1,35), Theodor Herzl‘3 Jugend Aus seiner Sclbstbfogr&phie. Ich bin 1860 in Budapest geboren, nahe der Synagoge, in der mich der Rabbi jüngst mit den strengsten Worten anklagtc, weil ich eigentümlicher* weise für die Juden mehr Ehre und Freiheit, als sie gegenwärtig gcnicsscn, zu erlangen versuche. Aber an der Vordcrtür des Hauses in der Tabakgassc, wo ich das Licht der Welt erblickte, wird nach 20 Jahren ein Zettel mit der Anzeige ״Zu vermieten" zu lesen sein. Ich kann nicht leugnen, dass ich In die Schulo ging. Erst wurde Ich in eine Jüdische Vorschule ge* schickt, wo ich ein gewisses Ansehen genoss, well mein Vater ein wohlhabender Kaufmann war. Meine früheste Erinnerung an diese Schule besteht in Prügeln, weiche ich erhielt, well Ich die Einzelheiten des Auszuges der Juden aus Acgypton nicht wusste, Gegenwärtig möchten mich viele Schulmeister prügeln, weil ich mich zuviel an jenen Auszug aus Aegypten erinnere, ln» Alter v,on zehn Jahren kam ich auf die Realschule, wo man im Gegensatz zu dem Gymnasium, welches das Schwergewicht auf die alten klassischen Sprachen legt, mehr das moderne Wissen betont. Lcsseps war damals der Held des Tages und ich fasste den Plan, den anderen Isthmus, den von Panama, zu durchstechen. Bald aber verlor feit meine bisherige Vorliebe für Logarithmen und Trigonometrie, weil damals eine ausgesprochene autl* semitische Richtung auf der Realschule herrschte. Einer unserer Lehrer erklärte die Bedeutung des Wortes ״Heiden", indem er sagte: ״zu diesen gehören die Götzendiener, Muhammedaner und Juden." Nach dieser merkwürdigen Erklärung hatte ich von der Realschule genug und wollte eine klassische An* stalt besuchen. Mein guter Vater zwängte mich für meine Studien nie in eine enge Balm hinein, und so wurde ich Schüler eines Gymnasiums. Trotzdem war der Panamaplan fiir mich noch nicht ganz bc* scitigt. Im ״Evangelischen Gymnasium" bildeten die Juden die Mehrzahl, und deshalb hatten wir uns nicht Uber irgend welche Judenhetze zu beklagen. In der Klasse VII a schrieb ich meine ersten Zeitungsartikel, natürlich ohne Namen, sonst würde ich vom Lehrer cingcspcm worden sein. Während meines Aufcnthalts in der obersten Klasse des Gymnasiums starb meine einzige Schwester, ein Mädchen von 18 Jahren; meine gute Mutter wurde vor Kummer so schwermütig, dass wir 1878 nach Wien verzogen. Während der Trauerwoche besuchte uns Rabbi Kohn und fragte mich, was meine Pläne für die Zu* kunft wären. Ich sagte ihm, dass ich ein Schrift* steiler werden wollte, worauf der Rabbi seinen Kopf ebenso unzufrieden schüttelte, wie er später den Zionismus missbilligte. Eine Scbriitstellerlaufbahn ist kein eigentlicher Beruf, schloss der unzufriedene Rabbi. In Wien studierte ich die Rechte, nahm an allen Studcntcntorhcitcn teil und trug die bunte Mütze einer Verbindung, bis diese eines Tages den Be* Schluss fasste, dass fortan keine Juden mehr als Mitglieder aufgenommen werden sollten. Die cs schon waren, erhielten die freundliche Erlaubnis, in der Verbindung zu bleiben. Ich sagte den edlen fungen Leuten Lebewohl und fing nun an, mich ernst* iich an die Arbeit zu setzen. Homogramm In die 22 Feder nachstehender Figur sollen verteilt werden: 3 a, 2 d, 2 e, 1 i, 2 J, 4 n, 2 0, 4 r, 1 t, und 1 u. Die Worte haben, ln horizontaler wie vertikaler Richtung gleich lautend, nebenstehende Bedeutung. Die Lösung ergibt den Namen eines be* kannten greisen Dichter. j Dichter Schiffsgerät Gottheit Konsonant Rätsellösungen Anagramm Tafel — Falle. Tomaten, Ottomane, Monat, Anton, Tante, Ente, Not v Richtige Lösungen sandten ein: Charlotte Schirokaucr, Chropaczow; Ru Ephraim, Posen; B. S., Posen. David G״ Mlsdroy. Nur zui Schreib uns 1 einen hübschen Pcricnbricf aus deiner schö Sommerfrische. Wenn er dir gut gelingt, wollen ihn gerne ln ״Jung-isracl" abdruckcn. Walter N, Hans Hcrzl ist, wie du wohl dem schönen Brief an ״Unsere Hoffnung" crsic jetzt schon weit über eure Jahre hinaus. Ellas S. Wer wird denn Jetzt schon da denken, dass dio Schule bald wieder nnfängt, doch eben erst die Ferien begonnen haben 1

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