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Jüdische Rundschau · 1909-07-09 · Heft 28 (9.7.1909) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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R .1 , »t \\ I ץ 1 Seite 324. JUEDISCHE RUNDSCHAU Ungarn Der Kultusminister Qraf Apponyi hat unter Berufung auf einen früheren Ministerialerlass die Be- Stimmung getroffen, dass als selbständige jüdische Rcligionsgcmcindcn nur diejenigen zu betrachten sind, In denen die Rabblnerstciien besetzt sind. Diejenigen Gemeinden, bei denen dies nicht der Fall ist, hat der Minister aufgefordert, binnen 6 Monaten amtierende Rabbiner anzustcllen! sonst würden sic den Charakter als selbständige Gemeinden verlieren. Oesterreich Der Rektor der Universität Graz hat die Kassierung sämtlicher im Vestibül der Universität angcbrachten Ankilndigungstafcln der akademischen Korporationen mit Ausnahme der fachwissenschaftlichcn und humanitären Vereine verfügt. Anlass zu dieser Massrcgcl bot die von unbekannter Hand erfolgte Beschädigung der Ankündlgungstatcl der jüdischnationalen Verbindung •,Charitas“• Die Massrcgcl war den Studenten durch eine Kundmachung des Rektorates schon im Dezember vorigen Jahres angedroht worden für den Fall, dass eine der angcbrachten Tafeln beschädigt werden sollte. Türkei D20 Abordnung des türkischen Parlaments, die an) Freitag abgcrcist ist, wurde nach der ״Köln. Ztg." mit einer wichtigen politischen Aufgabe in England und Frankreich betraut. .Infolgedessen erfolgte ihre Entsendung, obgleich cs schwer ist, die Beschlussfähigkeit in der Kammer aufrechtzucrhaltcn. Zunächst soll die Kommission die englische Regierung dazu bringen, dem jung-türkischen Komitee wieder ihre Unterstützung zu gewähren, besonders in der kretisehen Frage und den Händeln mit den ottomanischen Griechen und Armeniern. Zweitens soll die hohe englischc und französische Finanzwclt dazu gebracht werden, die türkische Finanzvcrwaltung wirksam zu unterstützen. Es wird bemerkt, dass aus diesen Gründen kein griechischer und armenischer Abgeordneter die Kommission begleitet. Hingegen zählen die beiden jüdischen Abgeordneten Nissim Maslieh Effcndl und Sasson F.ffendi zu ihren Mitgliedern. * Kürzlich wählte die Dcpnticrtcnkammcr eine Parlnmcntskommission von drei Mitgliedern, die sich nach Adana begeben wird, um eine Untersuchung betreffs der letzten Massakers in dieser Stadt einzulcitcn. Einer der Deputierten, die in die Kornmission gewühlt worden sind, ist der jüdische Deputierte von Saloniqui, Carasso, dessen Geschicklich« keit sich schon einmal bei einer heiklen Mission als Sprecher der Deputation an den Exsultan, Abdul Hamid, bewährt hat. Er erhielt 150 Stimmen, wältrend die beiden anderen Mitglieder (Muhammedaner) nur je 50 Stimmen auf sich vereinigen konnten. PALfl€STINA*RUMDSCHAU Eröffnung der Tachkcmonl-Schule Aus Jaffa wird uns geschrieben: ln aller Stille wurde hier vor etwa zwei Monaten die von dem Frankfurter Schulkomitec übernommene Tnchkcmonischulc durch Herrn Direktor Schicsingcr eröffnet. Für die hiesige jüdische Bevölkerung, die dci gcsctzcstreucn Richtung angchort, ist dies ein grosses Ereignis und von nicht zu unterschützender Bedeutung. Wer die hiesigen Verhältnissc kennt, weiss wohl, welche grossen Sorgen und Schwierigkeiten die Jugenderziehung dem gesetzestreuen Juden verursacht. Bic hier zu Lande bereits bestehenden Schulen kommen für sic nicht in Betracht, weil sic von den Hiesigen Chacliamim und Rabbinern verpönt und mit dem Chercin belegt sind. Nolens volcns musste daher das Volk zu den Chedarim seine Zuflucht nehmen• die lange nicht mehr aul dem alten Niveau stehen. Das auf die Initiative des ״Misrachi" gebildete Schulkomitec hat es nun zum ersten Male versucht, eine Schule ins Leben zu rufen, die für die breite Masse bestimmt ist. Und so ist denn mich die ncugcgrünJctc hebräische Mittelschule in Jaffa die erste, die unter Zustimmung des Ortsrabbiners, des Herrn Oberrabbiner K u k, gegrünüct und unter dessen Aufsicht gestellt ist. ln dieser Schule werden die jüdischen Fächer besonders bcrttcksichtigt; für den talmudischcn Unterricht sind her* vorragende talmudische Gelehrte angcstcllt, im profanen Unterrichte dagegen, der in h c b r ä i s c h c r Sprache erteilt wird, steht sie keiner anderen Schule nach. Hat doch das Frankfurter Schulkomitec besonderes Gewicht darauf gelegt, dass die Leitung der Schule einem ln Deutschland geprüften Oberlehrer anvertraut werde. So dürfte denn die hebräische Mittelschule Ta ehk c m 0 n i für die gcsctzcstreucn Juden eine neue Acra auf dem Gebiete des F.rzlehungswcsens im heiligen Lande anbahnen, was im Interesse der in Unwissenheit schmachtenden Massen sowohl, als auch in dem der Hebung und des Gedeihens unseres heiligen Landes zu wünschen ist. Im Express von Kairo nach Jerusalem Aus Kairo wird geschrieben: Nach jahrelangen unendlich schwierigen Vorhandlungen ist nunmehr die Frage einer Bahnverbindung zwischen Ägypten und Syrien der Wahrscheinlichkeit bedeutend näher gerückt und zu einem festen Plan gediehen. Der hiesige bekannte Bauunternehmer Almagia hat den hiesigen und den türkischen Balmbcliördcn Pläne unterbreitet nach denen eine Bahn- Verbindung von hier bis nach Syrien ohne Uber- Windung beträchtlicher Schwierigkeiten sehr leicht ausführbar ist. Der Suczkanal soll überbrückt werden, und die Bahn wird dann Uber El-Arisch an der asiatischen Küste entlang laufen bis zur bereits bestehenden Bahnverbindung Jaffa-Jerusalem. Eine Erleichterung von weittragender Bedeutung würde dem Balmbau daraus entstehen, wenn man die Ge- Seilschaft des Suezkanals dafür interessieren konnte, eine Fähre über den Kanal cinzurichtcn, dadurch würden die Kosten der Bahn um beinahe die Hälfte herabgesetzt werden. Der Kanal läuft durch vollständig flaches Land, und die Brücke, unter der die grössten Ozeandampfer mit ihren Masten hindurchfahren müssen, würde kilomctcrjangc Rampen bcanspruclicn. Der Kanal würde bis Isailiah überbrückt werden, und die Fahrtdauer bis Jerusalem würde von Kairo 20 Stunden beanspruchen. Dem Fremdenverkehr nach Ägypten und Palästina werden alsdann weite Perspektiven eröffnet, wenn man bedenkt, dass, wer dann nach Ägypten reist, nicht verfehlen wird, auch Palästina zu besuchen, und ebenso umgekehrt, während man heutzutage meist entweder eine Reise nach Aegypten oder Palästina macht. Bekanntlich besitzt Jaffa, der Ausschiffungsort für Jerusalem, keinen guten Hafen, und das tut der heiligen Stadt in Anbetracht des Fremdenverkehrs gewaltigen Abbruch. Das Landen in Jaffa geht unter (Jen denkbar schwierigsten Umständen vor sich, und zudem ist das Meer vor Jaffa meist in derartiger Ver* fassung, dass ängstliche J’crsoncn cs oft vorzichcn, mit demselben Dampfer weiterzufahren, ohne das heilige Land betreten zu haben. — Hier wird die neue Bahn vcrkchrsfürdernd wirken; cs ist daher lebhaft zu wünschen, dass der Plan recht bald greif* bare Uestalt annchmcn möge. RUNDSCHAU De^PRGSSe ״Courrier d'Orlent“t Konstantinopel Unter dem Titel ״Ein Türke über den Zionismus" veröffentliche •der Konstantinopclcr ״Courrlcr d'Oiicnt" einen Artikel, dessen Verfasser, der Solin ei nesotto manischen Ministers, stell unter dem Pseudonym N c d j m y verbirgt. Nachdem der Verfasser auscinandergcsetzt, dass die Türkei ein grosses Interesse daran habe, die Immigration in das Land zu begünstigen, fährt er folgendoriiiassen fort: ״Es existiert ein in der ganzen Welt zerstreutes Volk von ungefähr 10 Millionen Seelen, welches seine Nationalität bewahrt hat und welches gewissermassen nur ein geduldeter Gast in den verschiedenen Ländern ist. Das Schicksal dieses Volkes steht beispiellos in der Geschichte da und die Legende vom ״Ewigen Juden" ist die symbolische Darstellung einer Tatsuche. Oft geschmäht, vielfach verfolgt, spielt dieses vatcrlandsiosc Volk dank seinen besonderen Eigenschäften eine bedeutende Rolle in der modernen Welt." An einen Ausspruch Nietzsches anknüpfend, kon■ statiert der Verfasser, dass die Juden den Wunsch haben, sicli festzusetzen. Wenn der Wunsch dci Juden, eine Heimat zu erlangen, sich mit dem In• tcrcssc eines Staates, seine Grenzen zu öffnen, bc• gegnet, dann sind in diesem Verhältnisse viele Eie■ mente vorhanden, die eine nutzbringende Vcrstäiuli■ gung beider Teile ermöglichen. Ein zerstreutes Volk, das seine ethnographische Homogenität hewahrt hat, hat das Bedürfnis, seine zerstreuten Mit• gliedcr zu vereinigen. Aus diesem Bedürfnis wuchs der Zionismus hervor. Er ist der Ausdruck eine; ethnologischen Gefühles, welches Victor Cousir folgcndcrmasscn definiert: ״Ein Volk, eine Rasse, das ist ein gewisser, überall, in Sprache, Religion Einrichtungen, Sitten zum Ausdruck gelangende! Geist. Wenn sich dieser Geist ändert, an sich ver• zweifelt, ein anderes Volk zum Beispiel nimmt, isl die Nation in Gefahr. Sic muss ihr Selbstbewusstsein wicdcrcrlangcn, die Kette ihrer Erinnerungen zu■ sainmenschlicsscn und sich wieder in das Geleise der Weltgeschichte cinfiigcn." So dachten die ersten Sprecher, die Apostel des Zionismus, unter welchen die erste Stelle Dr. Hcrzl. ein Mann von klarem Geist und grossem Herzen, cinnahm. Sie träumten nicht von der Herstellung eines Königreiches Israel, wie man cs allgemein glauben machen wollte. Sic machten sich auch über die Haltung Ihrer Glaubensgenossen aus der Hochfinanz keine Illusionen. Sic verfolgten in selbstloser Weise einen menschenfreundlichen Zweck. Es handelte sich bloss darum, in einem Winkel der Erde die Beni■ Israel anzusicdcln, welche in vielen Ländern von einer Antipathie verfolgt werden, welche über sie die Leiden vergangener Jahrhunderte heraufbc« schwört. No. 23. Welchen Erdcnwinkcl sollte man Wohltätige jüdische Männer boten Geld an ״״T׳ Amerika oder Afrika Kolonien zu begründen ifl manche Zionisten hätten diesen Vorschlag gern ...a« gerne an. genommen. Aber die wahren Zionisten rieht«« h,Cr" Hliekß M.r verlorenen Hel־ ־ ־" ־'־־־ " ■••־•״ ihre Blicke zur verlorenen Heimat, nach P־i1;״lcl' ... _!.!י....גחו'•“׳“ * . . --״•״״ י ■'aiustwj ־ rjVn'nVc an diesem Patriotismus etwas uussctzcnV Wer könnte m waf dcn judcn immer freundlich 0 Beweis dessen ist die indische Kolonie * sinnt. 1 s ^ייי יז. v»(V niMiovtu; ivnom ^•Vinniki**'welche” diesen Zufluchtsort zur läute bulomKi, js dcssCn sind die zahlreichen Juden wd'chc in dem türkischen Reiche wichs,״ Boten bekleiden und bekleide.,•״ Posten bekleiden und bekleideten. Kein Wunder, dass der erste ZioniMenkon״.״« in Basel den Wunsch ausgedrückt hat, in l'ala'!,! .....•>•••> III l'UIJWm eine öffentliche, rechtliche Heimstätte zu begründ« Diesbezüglich Schrille wurden unternomm« Sie blieben erfolglos, wcii unter'dem allen! f . .. ”׳•-<•״ ••■־ *'.v.-gime die verlangten ׳Garantien nur durch einen spezielles Charter zugunsten der Kolonisten erteilt werden konnten. , Abdul Hamid hätte vielleicht 1m Hinblick persönliche Vorteile dem Verlangen nacligcgcbcn wd wir wissen, dass er eine Zeit hindurch i׳.:r gcwi»{ Vorschläge ein geneigtes Ohr hatte, aber rein Arg. wohn opperierte ihm nicht um die Gründung eine! Staates im Staate. Die Zionisten haben nie einen derartigen Ehrgeiz besessen. Sic wollten bloss, dass ihre Sura• niesgenossen ohne Verneinung ilircr Nut1-׳:ulität in Palästina leben als loyale und treue Um;:er des türkischen Staates gleich den Armeniern und den Griechen. Der Artikel schiiesst: ״Die neue 'lit.kei ha: Interesse, auf dem Wege der Naturalisation die jüdisehen Kolonisten aufzunchmen, welche durch ihre Abstammung, Traditionen, Sitten und Gebrauche den Arabern in Palästina verwandter sind als irgendein anderes Volk." «• י VOM ZIONISMUS•:•: Eine Schenkung von 30 000 Mk. für den Jüdischen Nalionulfonds Auf Veranlassung des verdienstvollen Direkte» des J. N.*F. und Leiters der russischen Sammelst«!!(, Herrn Dr. E. W. Tsclilcnow in Moskau, hat sieh dieser Tage eine hochherzige Dame aus Odessa, Freu Rebekka Isaakowna K l u r, beim Vorsitzenden des Direktoriums, Herrn Dr. B o d c n 11 e i in e r in Kola, «»״gefunden und demselben eine Spende iiir den VjtlonaUonds Im Betrage von 30 000 Mark persön• lieh übergeben. Zwischen der Spenderin und Herrn Dr. Tsckl:• now als Bevollmächtigtem des Direktoriums wurden bereits seit längerer Zeit Verhandlungen wegen de Bedingungen dieser Schenkung geführt, deren Ergeh• nissc nunmehr in einer Schenkungsurkunde uiede• gelegt sinJ. Die wichtigsten Bestimmungen diese: Urkunde sind die felgenden:!. Der Jüdische Nationalfonds deponiert den von Frau Kiur gespendeten Betrag tu Pfandbriefen sicherer Hypothekenbanken oder mümlelsiclicrcii Staatspa* picrcn und verwaltet das Kapital und zwei Drittel seines Zinsertrages bis zum Ablauf von 501) Jahren als festes Depot. Ein Drittel des Zinsertrages kar.a schon jetzt für die Zwecke des Jüdischen National• fonds verwendet werden. 2. Nach Ablauf von 500 Jahren ist der Jüdische Nationalfonds berechtigt, das ganze Kapital um alk<״ ״״gewachsenen Zinsen gemäss seinen Statuten m Namen der Sclicnkgebcrin für seine Zwecke zu ver• wenden. Falls jedoch der Zweck des Jüdischen Nu• tionalfonds durch Aufwendung eines grösseren Kapstais erzielt werden kann, oder wenn aus irgendwelchen Gründen zu befürchten ist, d ass das Depot für di: Zwecke des Nationalfonds nicht verwendbar wäre, falls cs nicht sofort in die freie Verfügungsgewalt des J. N.-F. gelangt, ist die Ücnc ral vc rsamm־ lang des Jüdischen Nationalfonds bc* rcchtigt.sobaidzwei Drittel derselben cs für notwendig halten, auch v0r Ab* lauf der Frist von 500 Jahren jederzeit über die Schenkung gemäss den Su• tuten der Genossenschaft im Namen der Frau Rebekka Isaakowna Klar De׳ zu verfügen. 3. Das geschenkte Kapital 'soll zu ewigen Er• inncrung an die Spenderin und ihren verewigten 0c* mahl, Herrn Aron Grcgorcwitsch Klar, dienen. ( Die edle Spenderin hat durch diese gross7.i«:1:t Stiftung ihren Namen dauernd mit der liolicn inw• tution des Jüdischen Nationalfonds und mit der *s• kunft unseres Volkes puf dem Boden der Urhetma* verknüpft und kann der Dankbarkeit aller national gesinnten Juden und'aller Freunde Zions versiebet‘ sein. ziomsTisciie ßewe0uN6 des Grn"Crzl'Ge*c"Mcr acs uruppenverbandes Obcrschlesfcn vcranstalten°gSt'S^Cn 0rtsffr1JPPcn Obcrschlesicrts 8’4 Uhr ״ זS°nn.tas:;, dcn ». Juli a. c.. abends KC1ncinsamcLrTm,{,Z ״otc! zu Beuthen O. S.. «W Wiederkehr Herzl-Fclcr anlässlich der 5• denkrede m״C ״ *S ^odcsJa#e$. Liedervorträge, 0«• H«Ärme״ ATn0U WU"C׳>• V°'ksm 'י’ J

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