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Jüdische Rundschau · 1909-07-09 · Heft 28 (9.7.1909) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 28. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 319. seine oratorisclte Leistung persönliche Gehässigkeit wittert, als sachliche Replik anerkennen muss, gar keine Erwähnung in der offiziellen Veröffentlichung des Vorsitzenden der Deutschen Alliancegcmcinschaft? Man wirft dem Leserkreise von ״Ost und West" die bösen Zionisten als Opferspcisc hin, zum Dessert auch noch ״diesen Herrn" Hirsch Hildesheimer, aber fiber den Kernpunkt der ganzen Prcsspolemik geht mau kühn hinweg. Ich halte es für ein Gebot der Selbstachtung, die wir uns als Allianccmitglicdern schulden, dass wir Verwahrung dagegen cinlegcn, dass man eine so eminent wichtige Tatsache, wie die Entgegnung des Herrn James Simon, den Mit* gliedern verschweigt. Ich glaube nicht, dass sich die Mitglieder einer anderen grossen Organisation von ihrer Leitung eine derartige Behandlung gefallen liosscn: aber die Alllancemitgiicdcr sind darin gut erzogen. Immerhin muss man sich wundern, dass an dev;eilenden Stelle der Deutschen Konlcrenzgcmcin- <k;‘ווי י jegliches Verständnis dafür zu fehlen scheint, d.i .s eine Missachtung der Mitglieder darin liegt, dass m.«n timen in einer von dem Vorsitzenden selbst dir. 11 die Art und den Ort seiner Erklärung als wichtig;:«kcnnzeiclinctcn Angelegenheit nur das vor־ sc5.׳:. was von» Standpunkte der persönlichen Empfi'idmig und Empfindlichkeit des Vorsitzenden uns als ood.'iitsam erscheint. \is Zionisten protestieren wir gegen die Trennung jener ״Wortführer", deren Gefährlichkeit dem Leser- K1v.sc von ״Ost und West" in grauen* und furchtcrregender Weise vorgefiihrt wird, von uns. Wir wollen von ihuc'i nicht getrennt sein, sondern erklären uns $, 'inl.irisch mit ihnen in. dem Gefühle der Entrüstung een ס die Cioldbcrgcrschc Rede. Herr Goldberger heu: ingelt die Horm der Angriifc. Es ist Sache des Temperaments, ob bei dem einen sich die ganze Em- Püning in seinen Worten zum Durchbruch ringt oder ob der andere in gcdämnftcrcin Tone mit verhaltener Wut aiier die Kundgebung Goldbergers auf der Bcr- Imcr Generalversammlung spricht. Wir alle sind der Ansicht, dass ein Schlag mit Gegenseitig pariert werden muss. Dazu taugen Glacehandschuhe nicht. Am!inen groben Klotz passt alleweil am besten ein srulwr Keil. Die Waffen, welch? Herr Goldberger in seinem Referat gebrauchte, gehören aber zum gröbst!*ו s Geschütze, das man ׳je innerhalb der jüdischen Ocmeinseliaft auf die eigenen ülaubcnsgcnosscn losfeuerte. Wer sich dieser Kampfesweisc bedient, lmt das Recht verwirkt, anderen vorzuwerfen, dass sic 4״ie heilige Sache des Judentums gefährden." Das nage ich zu behaupten, selbst auf die Gefahr hin, das Schicksal meines Mitbürgers Julius Simon teilen zu müssen and den Lesern von ״Ost und West" als ״ein Herr" Dr. Moses ״bar jeder Kinderstube“ vorgefuhrt zu werden. M .1 n n h e i in. Dr. M 0 s e s. Terra incognlta Von Davis T r i c t s c h, Qrossllchterfelde-West. Im neuesten Prospekt von Cooks Aegypten- und Nilreisen ist auch etwas über Palästina- Ton ren erwähnt. Es heisst dort: ״Es dürfte vielleicht nicht allgemein bekannt sein, dass Palästina nur etwa dreissig Stunden von Cairw entfernt liegt, und dass eine Interessante Tour nach Jaffa, Jerusalem, Bethlehem, dem Toten Meere, den» Jordan und Bethanien in acht Tagen unternonimon werden kann." Wie merkwürdig unbekannt Palästina und alles, was damit zusammcnhi'mgt, selbst denen Ist, von denen bessere Kenntnis zu erwarten wäre! Hier schreibt selbst Cook, der AllcrwcUs-Rcisc-Managcr, von einer Entfernung• von 30 Stunden, während man’s, wenn es cinigcrmnsscn ״klappt", schon in etwa iö Stunden machen kann. Von Cairo nach Port* Said dauert die Bahnfahrt etwa vier Stunden und von Port-Sald nach Jaffa braucht ein Dampfer ca. 12 Stunden. Reisende, die auf ihrer ägyptischen Tour den Hafen von Port-Said berühren, brauchen also mir mit «111er Entfernung von ca. 12 Stunden fiir einen Abstecher nach Palästina zu rechnen. Hier versagt also die sonst so rühmliche Zuverlässigkeit Cüokschcr Angabe und noch dazu: der Irrtum verschlechten die Chancen der Wirksamkeit von Cooks Propaganda für seine Palästina-Reisen, j An und für sieh ist die Sache ja nicht belangreich. Aber wenn mau sieht, wie seihst die Standard-Wcrkc in ihren Angaben über Palästina und seinen nächsten Lüiulcrkrcis irregehen und irreführen, so lohnt es wohl ein wenig, diese Dinge zu j beleuchte». Schon die neueste Landkarte zu Cooks 1 Orientreisen bietet weiteres Material zu derlei Be- | trachttmgen. Die Karte ist so neu, dass die erst 1906! crötmctc Bahnverbindung Aleppos (von Süden her) schon nufgenommen ist. Aber die neue Qrcnzc des; aiiglo-ügyptischclt Sinaigcbictcs ist nicht angegeben j und auch nicht die alte, sondern eine falsche, die I das ganze im Tabah-Kmiflikt strittige (lebict den 1 Türken überlässt, obwohl cs doch gerade an England- | Aegypten gefallen ist! Die Bahnverbindung von j Cairo mit dem Suez-Kanal fehlt auch, so dass die Verbindung nur* dieser Karte nicht gerade ermutigend wirkt, während doch die bequeme Verbindung Palüstinas mit Aegypten einer der wichtigsten Faktoren in der Entwickelung des Landes ist. und während die Scliicnenvcrhindung von Kapstadt etc. mit Aegypten (und also auch mit Palästina) von Jahr zu Jahr In greiibarste Nähe rückt. Aber auch die ebenfalls immer aktueller werdende Eisenbahnverbindung Palästinas mit Europa (reiner Landweg, abgesehen von dem Trajekt über den Bosporus, über den aber gleichfalls eine Hiscnbalmbrilckc geplant wird) ist in völlig falscher Form auf dieser neuesten Kartenskizze angegeben. Ein wesentliches Stück der anatolischcn Balm ist vergessen (!) worden nnztizeiclmcn, so dass die deutsche Konia-Balmstrecko nicht als solche, sondern als ein Fortsatz der englischen Smyrna- Bahn erscheint. K 0 n i a selber Ist nicht erwähnt. Mc r sina ist fälschlich als Tarsus angegeben ctc. ctc. Aber schlimmer als dies sind die falschen Augaben In den Standard -Werken, die fast dazu zwingen, jede Ziffer und jede Notiz, die man findet, nochmals nachzuprllfcn, bevor man sic weiter gibt. .So werden schon die Grüsscnvcrhültnisse des Landes fast überall falsch angegeben. Man findet für den Vcrwaitungsdistrikt Jerusalem mehr als 20000 qkm angegeben, während cs nur 9100 sind. Achnlieh falsch sind die Angaben über die Provinz Beirut, wo statt 17000 qkm meist 30000 ange* geben werden; die durch ihre Autonomie und durch anderes interessante Libanon-Provinz hat 3100 qkm, während viele Standardwerke noch uneinig sind, ob 5700 oder 6500 dafür zu setzen sei! Achnlieh־ verhält cs sich mit den Bcvölkcrungs- Ziffern, und ganz und gar falsch müssen natürlich die Scclcnziffcrn per Quadratkilometer sein, wenn sic sich auf solche Unterlagen stützen. Es war eine der Hauptschwierigkeiten, auf die ich bei der Arbeit an meinem Handbuch*) stiess, dass jede Ziffer und jede 'Angabe über Palästina nochmals auf ihre Zuvcr- Rissigkeit oder selbst auf Ihre W a 11 r s c )1 c I n - lichkclt geprüft werden musste, während derlei Material bei den meisten Ländern der Welt aus Jedem anerkannten Werke unbedenklich übernommen werden kann. Es wird mit eine unserer Aufgaben sein müssen, nicht nur in unseren, sondern auch in den allgemeinen Publikationen diese Fehler baldigst auszumerzen. Direkt komische Sachen kommen manchmal in dieser Beziehung vor. Das komischste war aber wohl, was ich vor Jahren über Hl-Ariseh in der besten englischen Quelle — in Statcsmans Ycar- Book — fand. Dort war filr die fast tnibevölkerto Sinai-Halbinsel eine Scclcnzahl pro engl. Quadratmcile von etwa 85 000 hcrausgcrecimet! Und das kam so: Der ägyptische Zensus rechnet meist nicht das gesamte ägyptische Gebiet, sondern nur das b c v ä s s e ז b a r c, resp. regelmässig angebaute Ackerland. Ein Verjähren, das natürlich ־־- da selten bei den betreffenden Angaben hierauf hingewiesen wird — auch sonst zu den sonderbarsten Schlüssen führen kann. Nun wurde im ganzen Gebiet von EI-AriscI1 nur eine fünftel englische Quadratmeile als hewässerbar und regelmässig angebaut gerechnet, und da die ganze Provinz auf ca. 16 000 Einwohner taxiert wurde, so kam auf diese Weise eine Bevölkerungsziffer von 85 000 per Quradatmeilc heraus. — Jn Wirklichkeit hat die Provinz El-Arisc!1 59 000 qkm und ca, 30 000 Ein* wohner, also 0,5 per Quadratkilometer! In dem eingangs dieser Bemerkungen erwähnten Prospekt behauptet die Firma Cook & Sons — wahrscheinlich mit Recht — dass kein anderes privates Unternehme» so viel zur Hebung Aegyptens beigetragen habe, als sic, indem sie den weitesten Kreisen ermöglicht hätte, Aegypten kennen zu lernen. Das hätte wesentlich zur Entwickelung der Hilfsquellen Aegyptens beigetragen. Auch wir versuchen jetzt, Kenntnisse Uber Palästina zu verbreiten, damit dieser Kenntnis ebenfalls eine wirtschaftliche Erschliessung folge, Aber vorläufig ist die Unkenntnis ausserordentlich gross und unser Vorgehen ist schrecklich langsam. — Hoffen wir, dass in allernächster Zeit energischer gearbeitet werde. Es tut dringend not! *) Palästina-Handbuch. Neue Auflage (in ungefähr doppeltem Umfang der ersten) in Vorbereitung. — Eine ganze Anzahl weiterer Beispiele (für andere Länder des nahen Orients) finden sich übrigens in dem gleichfalls ״Terra incognita" übersehriebcncii Kapitel meines soeben erschienenen ״Levante- Handbuches". — Eine Ucbersicht über die wirtschaftlichcn Verhältnisse der europäischen und asiatisehen Türkei, der christlichen Balkanstaaten, Aegyptens und Tripolitaniens. — (Gea Verlag, G. m. b. H. Berlin W. ,15. — Preis: Kartoniert 4,— Mk., in Leinenband 5,— Mark.) -und heller.- Geblendet von der Fülle des Lichtes schliesse ich meine Augen. — Als ich sie wieder erhebe, sitze ich am Fenster. ־— Ueber mir steht die gleissende Morgensonne.-Aber ich habe die Verheissung gehört und das Land ge* selten♦-und in meinen Augen ist ein Glanz geblieben, der nie verlöschen kann, ־־־ 7־ der brennen wird bis an das Ende meiner Hermann Finn. ״Kadimalt“ Erzählung von Sam. Gordon. Frei übersetzt von M. Pulver mann. (Fortsetzung,) Dann aber kam die Furcht, die von der jungen Liebe unzertrennlich ist, die verzweifelte Angst, die ihn schwindlig machte. Ist Bertha von den gleichen Empfindungen beseelt? Wird die Dankbarkeit ein gleich starkes Gefühl auch in ihr auslösen? Vielleicht, dass er eines Tages des Rechtes verlustig in ihrer Nähe zu weilen und dadurch auch neue Begeisterung aus ihr zu schöpfen;-dann aber musste sein Mut, seine Arbeitsfreudigkeit vollständig erlahmen;-dann aber war sein Leben ohne Ziel, ohne Inhalt, und es blieb nur sein namenloses Weh, ein nagender Wurm zurück, der ver* giftet, der langsam tötet. Es war an einem Abend, als sie wieder beisainmen sassen-sie hatte ihm etwas vorge* sungen-als sie seine Unruhe wahrnahm und ihr nach der Ursache derselben fragte. ״Sie sollten es doch bereits wissen,“ sprach er mit einem Anflug von Zorn in seiner Stimme. ״Sie selbst haben ja Angst, Unruhe und Ver* zweiflung in mein Herz hineirigetragen, und nur Eines ist vorhanden, das mich wieder von alle* dem befreien könnte.“ ״Und was wäre dieses?“ Als Antwort warf er ihr nur einen einzigen Blick zu-doch nein; es war kein Blick: cs war seine ganze Seele, die zu ihr hinüber glühte. ״Ich?“ rief sie über und über errötend, mil niedergeschlagenen Blicken. ״Ja, Bertha, Sie selbst. Nur Sie, Sie allein können die bösen Geister aus mir verbannen!“ ״Vielleicht haben Sic aus meinen Augen, aus meiner Seele das Recht erlangt, so zu mir zu sprechen,“ erwiderte sie nach einer längeren Pause mit mädchenhafter Befangenheit. ״Ich besitze nicht die Kunst, mich, zu verstellen oder meine Gefühle zu verbergen. Doch,“ eine flammende Röte übergoss ihr holdes Gesicht, ״was auch meine Empfindung sein möge, die Entscheidung liegt bei meinem Vater.“ ״Bertha!“ jubelte er und ergriff leidenschaftlieh ihre beiden Hände. ״Morgen?“ war das einzige Wort, das er noch hervorbringen konnte. Sie sprang verwirrt auf und lief zur Türe, um erst von dort aus ihm schüchtern und ver* schämt zuzunicken. Eine Minute später befand er sich auf der Strasse, und die letzten Worte klangen ihm noch wie Musik in den Ohren. Für ihn war überhaupt jetzt alles Musik, Licht und Freude. Mog* lieh, dass es nur bis morgen dauern wird, bis er mit ihrem Vater gesprochen; allein, so lange es dauerte, wollte er sich dem ganzen süssen Zauber hingeben, wollte er es bis zur Neige aus* kosten. Ihm fiel jetzt erst ein, dass auch für morgen Abend eine öffentliche Versammlung anberaumf war, bei welcher die Kadimah zum ersten Male ihr Programm dem grossen jüdischen Publikum bekannt geben wollte. Er als Haupt und Führer war über den Erfolg und Ausgang doch ein wenig zaghaft geworden. Wird die Menge das erhabene Ziel auch erfassen und begreifen? Wird sie die Kraft besitzen, dem zermalmenden Fusstntt auszuweichen, oder wird sie, dumpf und stumpf, es vorziehen, auch ferner wurmartig

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