Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1909)
- Date
- 1909-07-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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und Antisemit mit allem Nachdrucke vertritt, und dass er seinen Ansichten durch die Vcröffciitlicliuim in einem Blatte von der Wichtigkeit des ״Courricr Europöcu" die denkbar grösste Publizität zu geben bemüht ist. Was wir aber weder begreifen und noch viel weniger billigen können, ist, dass er, der Qe• lehrte und Historiker, der die Wahrheit über alles stellen müsste, sielt nicht scheut, offen* bare U11 w <111 r 11 c i t c n vorzubringen. Hs gibt keine 500 000 Juden In Rumänien, sondern höchstens die HUlfte dieser Zahl. Hs ist nicht wahr, dass ,das Recht zu wühlen und gewühlt zu werden, das einzige Recht ist, das ihnen, als Fremden, vorcnthnltcn wird"; die Juden stehen unter einer ganzen Serie von g e s c t z * liehen Ausnahmsbestimmungen, durch die sie nicht bloss in ihrem Erwerb, in ihrer Frei* ziigigkeit und in der Sicherheit der Existenz, sondern auch in ihrer inlcltcktucllen Entwicklung gehemmt werden. — Hs ist nicht wahr, dass die Juden ״in die Dörfer cingcdrungcn sind, wo sic den zu ihrem Sklaven gewordenen Bauer allmählich ver* nichten“; den Juden ist der Aufenthalt auf den Dörfern überhaupt nur In Ausnahmefallcn gestattet, und ihre Zahl in den Dorfgemeinden ist eine so geringe, dass sic dort keinen irgendwie nennens* werten Faktor darstcllcn. — Wenig ernst ist auch die mehr als simpüstischc Erklärung, die Herr Jorga fiir die Entstellung der Agrarempürutig des Jahres J907 gegeben hat. Die ״Pächtertruste" der Fischer, Juster usw. sind vom Standpunkte des allgemeinen wirtschaftlichen Interesses aus gewiss zu bc• kämpfen, und es wurde durch ein eigenes Gesetz die Massenpachtung der CJiltcr verhindert. Diese Iitdtsc 11 e 11 Pächtcr waren nicht um ein Haar schlechter, vielleicht sogar etwas besser, als die z a 11110 s e n Gutsp ä c 111 e r anderer Nationalität, denen die vornehmen rumänischen Gutsherren ihre Güter übergeben, um ungestört ein Leben des Luxus und der Trägheit f.ihren zu können. Es ist absurd, das grosse Problem der Agrarfrage, die fiir Rumänien den ganzen Komplex der sozialen Frage in sich schliesst, damit nbzufcriigcu, dass man ein paar jüdische Pächter, die von den rumänischen Gutsherren einige Tausend Hektar Grund und Boden gepachtet haben, als den Grund aller Ucbcl darstclit. Das Elend und die Ausbeutung des rmnäniseheu Bauern ist eine traurige und unleugbare Tatsache, diese Zustände sind aber in der gesamten Geschichte und Entwichlung. in der ganzen politischen, wirtschaftlichen und administrativen Organisation unseres Lundes begründet, und werden durch die Juden als solche weder zum Guten noch zum Schlechten bccinilusst. Geradezu komisch wirkt die Beschuldigung, dass die Juden ihre Naturalisierung in Masse verlangen, um die politische Uebermaeht zu erlangen und das Land nach ihrem Gutdünken zu beherrschen. Pur die Juden in Rumänien handelt es sich in erster Reihe um die Schaffung klarer g c s e t z I i e 11 e r und administrativer Zustände, durch die ihre Lage in sicherer We ise geregelt und ihnen die Existenz nach jenen Grund- Sätzen ermöglicht wird, die i n allen gesitteten Ländern vorherrschend sind. Statt sich darüber zu entsetzen, dass die Juden als eingeborene Bewoiiner dieses Landes, in welchem sie alle Pflichten der rumänischen Vollbürgcr zu erfüllen haben, ihre politische Emanzipation anstreben, sollte Herr Jorga lieber sein Talent und seine agitatorische Kraft dazu verwenden, um einen Vorstoss gegen unser abschculiclies Walilklassensystcm zu führen, das nicht bloss die politische Korruption mul die Unterdrückung der Massen, sondern auch die gehässigste Oligarchie darstclit, durch die jemals ein Land geschändet wor• den ist. Einzig und allein die Gesundung und die Er• Weiterung unseres öffentlichen Lebens auf ehrlicher demokratischer Grundlage wird auch der Juden• frage in Rumänien jenen Stachel bc• nehmen, den sic heute besitzt." Gehelmrat Goldberger und der Zionismus Im Juli-Heft von ״Ost und West" veröffentlicht Herr Geheimer Kommerzienrat L. M. Ooldberger, Vorsitzender der Deutschen Konfcrenz-Ocmcinschaft der Alliance Israölitc Universelle, folgende Erklärung Der Bericht, den. ich am 23. Mai in der General- Versammlung des LoKal-Komitecs Berlin der Alliance IsraOitc Universelle erstattet habe, ist in allen jüdi• sclien Blättern, wie auch in hervorragenden politisclicn Zeitungen, teils ganz, teils auszugsweise zum Abdruck gelangt. Zionistische Zeitungen haben diesen Anlass be• nutzt, um mich persönlich mit den gröbsten Anwürfen aller Art zu bedenken. Diese Anwürfe — man lese * den mit N, S. gezeichneten Artikel in No. 24 der ..Welt“'und den Artikel eines Herrn Julius Simon in No. 25 der ״Jüdischen Rundschau" — sind dem Inhalt mich so reich ausschliesslich au Phrasen, in der Form so bar jeder ״Kinderstube״, dass ich cs ablehnen muss, mich mit ihnen zu befassen; um so mehr, als ich an dem, was ich m Uebereiastimmung mit der Geschäftsführung des Zciitral-Komitecs Über den Zionismus in der Türkei gesagt habe, nicht ein Wort zu ändern oder zu mindern in der Lage bin. Den Zionismus selbst und seine Wertung trenne ich von jenen Wortführern innerhalb des Zionismus die mir van Unterstclhyigen und von Skandal leben, und die man schon als Propagandisten des Antisemi* tisiims totselnvcigen sollte, da man ihnen andernfalls zu viel!ihre erweist. Auch die Besonnenen im Zionismus, den ich iibrij gens lediglich als eine Art j (i d i s c h -!101 i t i s c h c r l,artcibildnng ansprcclie, die als solche nur hie und da die tatsächliche und ernste Kulturarbeit unserer grossen humanitären jüdischen Organisationen berührt, sollten sich von den Skandalmachcrn, lossagen. Denn vornehmlich diese sogenannten ״Bannerträger" gefährden die heilige Sache des Judentums und schaden namentlich 1ms deutschen Juden in aussergewöhnlich betrüblichem Masse. An den nicht mindex persönlichen und gehässigen Angriffen in No. 23 der ausserhalb des Zionismus stellenden ״Jüdischen Presse, Organs für die Gesamtintcrcssci» des Judentums" und ihren Herausgebers Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer, will ich zunächst in ״schweigender Nichtbeachtung" vorübergelteii. Die Abrechnung mit diesem Organ und mit diesem Herrn behalte icli mir für einen späteren Zeitpunkt vor. Seit der Veröffentlichung des Berichts sind der A. 1. U. und mir v״n den Besten unserer Glaubensgenossen freudige Zustimmungen zugegangen. Da es nicht möglich ist, jedem Einzelnen zu antworten, will ich namens der Alliance und für mich an dieser Stelle öffentlich und herzlich danken. Berlin, den 22. Juni 1009. Ludwig Max Goldberger. Wir haben natürlich keine Veranlassung, Gesinnungsgenossen, Herrn Nahmn Sokolow 0dcr Herrn Julius Simon, gegen die Kinderstuben-Vorteil des Gclicimrut Goldberger za verteidig«״. j׳bc ' verspüren wir nicht die geringste Lust, uns sC|u, etwa Herrn Goldberger gegenüber zu rechtierti»״״ oder ihm auch nur zu antworten. Wir müssten >n einen seiner Erklärung iihniiehen Ton verfallen Un4 jn die Niederungen hitiabslcigcit, in denen das Bureau des Herrn Geheimnis zu arbeiten liebt. Aber J0 tief hinabzusteigen, dazu hat die anständige *üdischc Publizistik weder Grund noch Neigung. Begnügen wir uns damit, die Ehrenrettung des Zionismus die Herr Goldberger zu besseren Vernichtung der Zionisten für nötig hielt, mit einem LUehcL. zurück, zuweisen. Solch naiver Machiavellismus :.<u<,cht so leicht niemanden, der das Uuteau des Herrn <jcl1ej״). rats kennt. Resunte: Herr Ooldberger versucht einen;׳cdcck. teil Riick/ug. Das wird jedem ohne weiteres Har, der sielt daran erinnert, dass seine Camiw.M wem! nicht ausschliesslich, so doch in erster ki.be 0cm HiHsvercin der Deutschen Juden g; *It, je; ,!! «ine schiefe Lage gebracht und diskreditiert werucn «,ollt«, und gegen den Herr Goldberger mm plüv.׳.'׳ :U kein einziges Wort mehr findet, nachdem ihm!!*.•*.* James Simon reine Antwort gegeben hat. Der gi v... i.arm seiner ״sittlichen Empörung“, mit dem er ge ״ca <ii5 Zionisten iosfährt, soll dieses beklemmende Sci.-.veigcn verdecken. Wir lächeln, denn wir kennen *be ״ur,. begrenzten Möglichkeiten" dieser Bureau• ״.״! Qe• hcimraistaktik. Damit aber die Maskiere!nndi besser gelinge, bringt cs Herr Gclicimrut 0׳...׳׳ .•rger fertig, einen im Dienste des Judentums v.;,muten Mann in der sonst bei Gewcrbsleutcn ganz ..mkren Schlages Üblichen Art mit einer ״Abrechnung" zu he. drohen, weil er cs wagt, anderer Meinung .*!s Herr Ludwig Max Goldberger zu sein. Kinderstube mag solches Vorgehen trotz allein vielleicht haben aber ein Gentleman bestellt nicht nur aus Kinderstube. <י יי¬ Zu dem gleichen Thema erhalten wir noch iuU gcitdc Zuschrift: Zwei Bemerkungen zu der Erklärung des Vor. sitzenden der Deutschen Konferen/gcnteinseliait der Alliance Israelin:, eine vom Standpunkte des Alliance• mitglicdcs, die andere vom Standpunkte des /.!׳,. nisten: Herr Goldberger leistet siel! eine eigene Klassi• fizierimg der Judcnlicit. Diejenigen, die gegen seinen Bericht polemisierten, werden an den Pranger g«• stellt als Skaitdalmachcr, die die heilige Sache des Judentums gefährden tisv., diejenige.1 aber, die Herrn Goldberger zugestimmt haben, weiden als die ״Bester, unserer Glaubensgenossen" bezeichnet, (iluekiicli ist der Mann zu pteist n, der einen so sicheren Massstib zur Bewertung seiner Umweit gefunden I1.1t! l'uJ doch lässt die Erklärung eine Frage offen: in welche Rubrik reiht Herr Goldberger die Leiter des iidis• Vereins der Deutschen Juden ein? Hut doch nicht nur ״ein Herr“ Julius Simon, sondern auch ein Herr J a m c s Simon einen Protest gegen die üoldbcrgcrsclic Rede veröffentlicht. Warum geschieht uieser Publikation, die selbst Herr Ludwig Max Goldberger, der hinter allen Entgegnungen ad ■■■ I. ■1■ I. . ■— ' 11!■!■»—I II I■■■■; JI...-IJII J I ■!■11 ״ -י..י.' ״""*B Theodor Herzl Eine Vision. Ich sitze am Fenster-und träume. — — — Weit hinten im Westen steht der Sonnenball, von kleinen goldenen׳ Wölkchen umrahmt. Von Osten, von Norden und Süden schleicht die Finsternis heran und kämpft erfolgreich gegen die schon untergehendc Sonne. — Blutrot scheint sic jetzt. — — Ein schmaler Wolkenstreifen ist nur noch von ihrem Lichte durchtränkt; — dann ist sie besiegt und muss dem Dunkel weichen. — Nacht ist es um mich 11er. — Ein fahler Silberschimmer erscheint jetzt am Firmament.-Weit, weit in der Ferne durch einen kleinen Spalt in der schier undurchdring* lieh scheinenden Wolkcnmassc fällt das Lieht des Mondes.-Fröstelnd schaue ich empor. — Ein Schauer durchrieselt meinen Körper. — — Meine Augen schlossen sich und —;- -Fcrn am Horizont steigt ein Land empor mit herrlichen Wäldern und Hainen. -Schneebedeckte Berge schliessen es gc-n Norden ab; die Wüste umlagert cs im Osten und Süden-und im Westen breitet das Meer seine Arme aus und lockt michmit unwiderstehlicher Gewalt. — Ein silbernes Band zieht sich durch das Land, rauschend in gewaltigen Katarakten. Grüne Hügel wachsen empor, hinter hohen Cederu lugen Tcmpclsäulen —-Ein Stimmen und ein Surren durchtönt jetzt den weiten Raum. — Aus allen Himmelsrichtungen, von allen Gegenden des Erdballs, zu zweien, zu hunderten, in Massen steigen Menschen empor-sie wanden! und streben hinauf in das Land, das ich in der Ferne gesehen. — Juden sind es, die zurück wollen in ihre Heimat. — -־־ Teils sind sic gebückt tmd gedrückt von der Furcht vor grausamen Metzeleien, teils seelisch geknechtet durch die modernen Folterungswcrkzcugc ihrer Wirtsvölkcr. ־— Alte und junge, Männer und Frauen, die in ihren Augen noch die Spuren ihres letzten Leides mit sich tragen. — In die Gebete der Frommen mischt sich der Gesang jugendlicher Schwärmer;-- Begeisterung treibt sie jedoch alle-und sic wandern durch nächtiges Dunkel — empor zum Lieht ־־־ zum Ziel.- —• Jetzt stockt die Menge; die Massen ordnen sich; — Führer werden gewählt. Dieser will von rechts in das!..and einziehen, jener von links; dieser will erst das Land vorbereiten und dann das Volk hineinführen; jener glaubt erst das Volk erziehen zu müssen, um es reif zu machen und für das zu erstrebende heilige Land. -Nur eine kleine Schar geht unbeirrt vor* wärts-gerade* auf das Ziel zu. —- Einer von ihnen erhebt jetzt seine Stimme. ־־ Eine imposante Gestalt. — Schwatzes lia:tr umrahmt seine herrlichen Züge. — Vor seiner Stimme verstummt jedes Gezänk, — — und die ihn sehen, erschauern vor seiner Schönheit. — Er spricht Worte des Trostes — — Worte der Verheissung.--— Als er ge• endet, steht die Menge stumm vor ihm; dooJi dann klingt es durch die Reihen: ״Führe du uns! --Führ’ du uns zurück in die Heimat'. — — השיבנו “-Der Ruf wird stärker und stärker und schwillt an zum dontterticion Getöse. — Das Wort bricht sich an (len Felsen und klingt zurück in millionenfachem Echo: ' השיבנו —״-״־־־ ״־ השיגנו Sei du unser Führer!-Und er sieht da, von Licht übergossen, umstrahlt vom Lichte der Ewigkeit; —zu seinen Füssen die Tausende seines Volkes.-Da zerteilt er die Meng('« und mit gewaltigen Schritten geht er an die Spitze des Zuges und schreitet dem Volke voran -־־ — empor-zum Ziel.-־־־ ־־ Mit seiner Hand zebt er der Menge das vor ihr liegende Land; ״Das ist euer Land! - Und wenn ihr wollt, dann ist es kein Märchen.“ ־־־־ ־ד־-Und wo er hinzcigt, da ist Licht,- glänzendes, weisses,-strahlendes Lieht. — ־־־* — Und immer heller wird es, — heller —