Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1909-07-09 · Heft 28 (9.7.1909) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2651605-2651633--06489-2663583
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

IfW■ » Abonnomonto 1 ■ tal ält wöchentlich •m Frei• 8 | ne ^*Khclncnda ,.JQdlicho * i kundichatt“ koMcti bet der * Expedition und bet alten Pott- J Imtem vierictiahrlicii 1.2S M. « StuMerhalb Deuuchlandt und י Oealetrclch-Unsarn» 2.— Ms י 3 1er Mitglieder lüdiichcr Vcr• I tino Im Sammelbctut: durch I 0 den Verein I,— M. I j Verlas JOdlscho Rundtcht* * * t. Q. m. b. H. י f Oerttn SW. *9, Zlnmerstr. TT. J I ׳JeschäfiMiunden: 3 bl* 7 Uhr * I tu.icr Sonnabend u. Sonntag, f ך־, ץ״״׳ד־‘■־’'׳/ J ) ן | ״\mr~) r! r~\ 1! i ־ i e 1 I ■ « ■ a Anzolgon kosten für die tüntseipallene Petitrcilo oder deren Kaum 2S Pf*.; Stellen-Anecbotc und Ücsuche »ow.c Vcrdmtmt- ׳.cilunscn u, ..Kleine Anxcigcn‘' 1ur 15 l’lg. — — — — — — Manuskripte werden, wenn l'orto beiliegt, stets ruriick• gesandt. — Rcdaktlonijchlu»» Mittwoch mittags■ Redaktion Jüdische Rundscb*■ l!crl|n*CI<arlotlcnbufK. Olclbtrcu.tr. 49. Tel. Ch. 9R8I. Sprccltstundcn Jiicnstag und frotitg* II—I Uhr mittags.! ג \ m % 1 J ALLG6 Summer 28! ח r>.n'r׳e! '11. y \ SÜSDOSCO^ ITUfD<Q Berlin, den 9. Juli 1909 — 20. Thammus 5669 j XIV. Jahrgang Theodor Herzl Zum fünften Jahrestage seines Todes Etwas von dem Gefiiiilc der innerlichen Frei ::fit die Theodor Herzl in unser .aller Leben bnv ae, wirkt stärker in uns, an Tagen wie der itcliuge. Dieses Gefühl nannte er einmal, in liiu, nachdenklichen Betrachtung, die Mitte zu Lehen Optimismus und Pessimismus. Das W.- .'ieene und Künftige erscheint in dieser Sn1i׳;׳umg gleich weit entfernt. Die Kämpfe des 'l > sind fast entschwunden, und etwas von der 1' u s t e r b 1 i c h k e i t der Idee ergreift jede.׳, von uns. Von diesem Gefühl, das Alltags* r.u';! *1en nur sehen empfinden, war Herzl inuiK .־während beseelt, ln allem, was er schrieb und .'jh'ach, kommt es zum Ausdruck. Und des* wegen wird jeder, der seine Schriften wieder und wieder liest, eine eigenartige Entdeckung macncn: Von dem ersten kurzen Briefe an Baron ilirseh, bis zur letzten veröffentlichten Arb.;!, drei Monate vor seinem Tode, leuchtet uns immer aus allem, was wir von ihm an /ionisti'chen Beiwagen besitzen, die ganze Idee in ihrer erhabenen Grösse entgegen. Er .־:jeidic dein Künstler, der in jedem werke, das er sutat'ft. jedesmal von neuem all das vor uns •;׳ ־׳v!1e״ w.ts ch' Inhalt seines I.ebens ausnur in. .Vit unter ist es nichts weniger als die ״nn/e Welt — wie er sic sieht. — Das halbe Dezennium, das seit Herzl’s Tode verstrich, ist noch eine viel zu kurze DL1 m/. als dass wir, frei von subjektiven Ge* i'.nilNiiomentcii, uns einer Betrachtung über?־eine Persönlichkeit hingeben könnten. Die Liehe und Verehrung, die im Volke so tief für ihn wurzelt, wird immer stärker und lebendiger. Jeder äußere Anlass, der dieser Verehrung Aus* druck gibt, findet begeisterte Zustimmung in unseren Reihen. ob er etwas davon ahnte, er, der das 1111p itderabile im Leben des Einzelnen und der Ge :׳njihcit so hoch einschätzte? Die Herzl* Verehrung, so verschieden von manchem geist* low,1 ו leroenkult, gehört in der Tat zu den erhebendsten Erscheinungen in unserer Bewc* gmtg. Sie ist das stärkste einigende Band, das »יה unsichtbar Zusammenhalt. Ps isl schwer, in dieser Zeit über Herzl zu N»<viicn und nicht der Ereignisse im Orient zu gedenken, die seit nahezu einem Jahre die Cliro* nikcii der Weltgeschichte erfüllen. Welcher Zionist auf dem weiten Erdenrund dachte nicht sdi .ierzlich an ihn, wenn er sah, wie manche Hindernisse innerhalb einer kur2en Zeit sclnvan* den, zu deren Bewältigung der grösste Teil seiner Lebensarbeit nicht ausreichtc. Zu einer Z׳;t. wo nicht einmal Staatsmänner und Diplo* nm.ten die Entwicklung ahnten, hat er, fast pro* pnctiscli, vorausgesagt,' dass der Schau* Platz der europäischen Weltpoli* זik im 20. Jahrhundert der Orient sein wird. I r rief das jüdische Volk zur Bereitschaft auf, weil er sah, dass, wenn jemals ein Volk be* reit sein muss, ins Rad der Weltgeschichte ein* zugreifen, dieser Moment f ü r u n s gekommen Kiu wird, wenn über die Zukunft des Orients die politische Entscheidung fällt 1 Diese Entscheidung ist anders ausgefallen :!!.•> manche glaubten. Die Klugen von heute werden sagen, dass Herzl diese Entwicklung niemals vorausgesehen hat. Es ist nicht unwahr* scheinlich, dass auch er die Bedeutung der jung* ..Der Zionismus erstrebt lllr das llldlsclio Volk dl* Schaflunß einer OHcnUlclwcchtltch gesicherten Hclmsisito In Palllitlna.'' Oaselcr Programm. ßas Mali Tlicoilor Herzl, Zuiu fiiiiltcu Jahrcstago seines Todes. Von A. D a v i d. — Die Judctifrago ln Rumänien. — (icliclnirat Goldberger und der Zionismus. — Zuschrift. Von D r. Moses, M ג n n 11 c i in. — Terra Incognlta. Von Davis T r i c ז s e h. — Das Judentum am Scheidewege. Von Rabbiner Dr. Max Joseph, Stoip i. P. (Fortsetzung). — Aus nllcr Welt. — Vom Zionismus. — Rundschau der Presse. — Palästina-Rundschau. — 'Zionistische Bewegung. — Vereins-Rundschau. — Feuilleton: Theodor llcrzl. (Kino Vision.) Von Hermann Finn. — ״Kndliiiah״. Erzählung von Sam. Gor di n. Frei übersetzt von M. P u 1 v c r tu a n n. — Jung •Israel: ller/l’s Jahr/clt. — Unsere Holl* mtng. — Theodor Herzl's Jugend. (Aus seiner Selbstbiographie). — Der Fuchs als Fürsprecher. — lloiitograimn. — Riitscllüsuugcii. türkischen Bewegung zu seinen Lebzeiten vcr* kannte. Wer vermochte sie überhaupt richtig einzuschätzen? Seine politischen Hoffnungen beruhten durchaus auf einer friedlichen Entwick* lung im türkischen Reiche, die die erste und wich* tigste Voraussetzung für unsere Bestrebungen sein musste. Ahe» .יי• jrjng weiter. Er wies darauf Inn, wie die Juden an dieser Entwicklung auch schon früher tciluchmcn können, indem sie einer* seits durcii ihre reichen Mittel, die immer in der Welt für alles mögliche zur Verfügung standen, der Türkei helfen, sich dem militärischen Drucke der beutegierigen Orossmüclitc zu entziehen, andererseits ein grosses Gebiet des Reiches aus einer Wüste in ein ertragreiches Land umwan* dein und eine friedliche Bevölkerung in einem unruhigen Gebiete sesshaft machen. Vor einem Jahrzehnt war er ein Prediger in der Wüste, seine Vorschläge nannte man Phantasien. Und doch wollte er nichts anderes, als was heute der beste Teil des jüdischen Volkes will, der sich seiner historislhen Aufgabe bewusst wird und sein Schicksal selbst in die Hand nimmt. Wie müssen wir heute, angesichts manches kleinlichen politischen Gezänkes, seinen politischen Weitblick bewundern, der, niemals sich an vorgefasste Meinungen rechthaberisch klammernd, jede neue Situation erfasste, die seinem grossen Endziele dienen konnte! Höher schlägt unser Herz an seinem Todes* tage. Stolzer als je dürfen wir mit des Dichters Worten sagen: ״Denn er war unser!“ An weit* geschichtlichen Ereignissen, deren Zeugen wir sind, und die er vorausahnend schaute, ermessen wir heute die gigantische Grösse dieses wahr* haft souveränen Geistes. Eine neue Epoche unserer Volksgeschichtc hat Theodor Herzl cingeleitet: Glänzend ist ihre kurze Vergangenheit, verheissungsvoll liegt die Zukunft vor uns! A. David. Die Judenfrage in Rumänien Der Führer der rumänischen Sozialisten, Dr. Rakowski, hat vor einiger Zeit in der Pariser Zeitschrift ״Courricr Europöcn" über die Judcnfrnge in Rumänien einen Artikel veröffentlicht. Herr Univcrsitäts-Profcssor (!) N. Jorga antwortet nun auf diesen Artikel in folgendem Briefe, der gleichfalls im ״Courricr Europäcn" veröffentlicht worden ist: ״Rumänien — so schreibt Herr Jorga — ein Staat, der einzig und allein durch die Anstrengungen der rumänischen Rasse entstanden ist, hat einen unbestreitbaren nationalen Charakter und existiert, um dic!*c Rasse zu repräsentieren. Die unter fremder Herrschaft stehenden Rumänen in der Zahl von wenigstens 5 Millionen richten ihre Blicke voller Hoffnung auf Rumänien. Moralisch stellt Rumänien mehr dar, als es zu sein scheint. Eine Vcrletzung dieses ausschliesslich nationalen Charakters, der in vollständiger Weise nicht bloss durch die Vergangenheit und die Gegenwart, sondern auch durch die Zukunft gerechtfertigt wild, die ins Auge zu fassen und vorzubereiten wir ein Recht haben, wäre gleichbedeutend mit der Zer- Störung Rumäniens. Dieses Land, das von 5 Millionen rumänischer Bauer« und einer zahlreichen städtischen Ikvolkcrung von Rumänen bewohnt wird, beherbergt auch eine kompakte Masse von 500 00.') Juden, die ihrer Mehrzahl nach in der Moldau wolmcn. Die Städte im Norden der Moldau sind in ihrer Hand. Sic vcr* fugen über den grössten Teil der Kapitalien. Sie beherrschen den kleinen Handel und die Gewerbe. Sie entfernen durch ihre solidarischen Anstrengungen jede rumänische Konkurrenz. Seit einiger Zeit erstreckt sicli ihre zerstörende Tätigkeit auch auf die Dörfer. Die Fischcr's und Justcr’s sind die grössten Pächter in der Moldau, welche Truste bilden, die keine rumänische Regierung anzugreifen wagt, weil diese ״vornehmen Juden" ihre Stütze in allen Parteien haben. Ihr unerhörter Druck, gleich dem* jeaigen der wilden Pflanzer gegenüber icn amerikn- »tischen Negern, hat den schrecklichen Haucrnaufstand von 1907 licrvorgerufen. Diese Juden, welche die moldauischen Städte bc• herrschen, in deren Händen sich die wirtschaftliche Tätigkeit dieser Städte befindet, welche schliessiiJt in die Dörfer eingedrungen sind, wo sie allmählich den Hauern, der ihr Sklave geworden ist, vcrrächten, diese Juden sind Fremde, im absoluten Sinne des Wortes. Sic waren Fremde, sie sind es und sie werden cs immer sein. Sie sprechen einen mit Deutsch vermischten Jargon, sic halten in hartnackiger Weise an einer besonderen Tracht fest, •äe liegen einen unausstehlichen Hass gegen die ״tl״ji!1•." des Landes, die sie ausüeuten, sic haben kein Gefühl für dieses Land, fiir das sic niemals ein Opfer gebracht haben. Das sind jene f reellen F.roberer, denen cs überdies an jedem moralischen Werte f e 1111, welche die p 01 i t i s c 11 c n Rechte, das ist, das R c c 111 verlangen, zu wäh 1 en und gewählt zu werden, d i c e i 117. i g c n R c c 111 c, die i 11 n c 1t als F r c in d c, d i c sic sind, v o r e 11111 n 11 e n werden. Den Fremden kann durch ein Votum des Parlaments in individueller Weise ein ״Indigcnat־• bewilligt werden, die Juden aber verlangen in den l'resskawpagncn, deren neueste Kundgebung der Artikel des Herrn Rakowski ist. diese höheren politischen Rechte in Masse, uni in vollk 0 m mener Weise ein Land zu beherrschen, das ihnen nach keiner Riehtung hin gehört, und in das sic seit einem Jahrhunderte durch List und Ränke eingedrungen sind. Diese hohen politischen Rechte können wir ihnen nicht in Masse gewähren. Man spreche nicht von Rcligions- oder Rassenhass. Es handelt sich um etwas ganz anderes, cs handelt sich um unsere nationale Existenz, die von dem rein rt1111ü11hciu.־n Charakter Rumäniens abliängt. Jeder vernünftige Mensch wird begreifen, dass wir uns nicht selber töten können, um uns vor der Kritik der Interessenten oder der Kritik jener Aufrichtigen zu bewahren, die In diesen schwer wiegenden und grossen Dingen, die das Leben einer Nation ausmachen, bloss den Qegcnstand sentimentaler Vernünftclcien und Faseleien erblicken." Dazu bemerkt das .deutsche ״Uukarcster T a g b 1 a 11": ״Wir finden es begreiflich, dass Herr Professor Jorgn seinen Standpunkt als extremer Nationalist

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.