Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1909)
- Date
- 1909-07-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seile 312. JÜEPISCHE RUNPSCHAU einen ausführlichen und interessanten Vortrag Ober die Fnllaschas, die Verfolgungen, denen sie ausgesetzt sind, ihre Religionsansehautingen und ilire Vorwaudtscliaft mit den» jüdischen Stamme. Herr Dr. Feitlowitz leistete sich nur hierbei die für einen Oe• lehrten doch zu naive Bemerkung, dass die Fallasclms, ursprünglich von gleicher Hautfarbe wie wir, unter dem Einfluss der afrikanischen Sonne die schwarze Farbe angenommen haben. Behaupte doch schon die Oetiebte des ״Hohenlieds": ״Ich bin schwarz, weil mich die Sonne gebräunt hat.” Es gelang ihm jedenfalls, seine beiden Zöglinge von der Wahrheit dieser Behauptung zu überzeugen, und der altere weiss jedem Fragenden sofort eine Erklärung fiir iJtre schwarze Hautfarbe zu geben, indem er den. autoritativen Satz ans dem Hohenlied als unerschütterlichen Beweis zitiert, ln Wirklichkeit repräsentieren die beiden mit ihrer schwarzen Augen• und Hautfarbe und wolligem Haar echte Negertypen. ¥ Das niiehste Jahr, nach jüdischer Zeitrechnung 5670, ist ein Scliciultali-Jalir. Bekanntlich muss jedes 7. Jahr nach den Vorschriften unserer Bibel der Boden vollständig misrnltcn, und es darf •uif iln» im laltre gar keine Arbeit vorgenommen werden. Die Vorschrift kann natl'irJich »»möglich wortgetreu durch• geführt werden. Unsere Pllanzungcn würden ver* lallen und eine drohende Hungersnot in unser« Kolonien entstellen, Kolonisten und Arbeiter im Müssiggang zugrunde gehen. Mau kamt sich überhaupt einen solchen Zustand, in dem das ganze Jahr hindurch alle Arbeit ruht, gar nicht ctusdettken. Waltrend dies vom Jattaer Rabbiner Kult und von einigen anderen pnliistinisciten Rabbinern eingcsclicn wird, und dieselben dalter geneigt sind, von einem in der talmudisclten Gesetzgebung aufzufindenden Answeg Gebrauch zu machen, um die Arbeit /» erlauben, wollen andere Rabbiner starr bei der Rcligionsvorschrift beharren. Sie schlagen vor, eine Deputation nach Paris zum Baron Rothschild und nach andern europäischen Städten zu entsenden, um Sammlungen cinzulciton, damit die nicht arbeitenden Kolonisten ein Jahr lang von Almosen leben können. Hoffentlich wird dieser!lern Leben so sehr entgegentretende Standpunkt dem milden' und vernünftigeren den Platz räumen. * Die Schule Klrlath-Seler in Beth-Arii bei Lydda musste aus Mangel an Mitteln geschlossen werden. Herr Bclkiiul befindet sich seit einigen Monaten in Europa; cs ist ihm aber bis jetzt nicht gelungen, solche Fonds aufzubringen, die den dauernden Be• stand der Schule sichern konnten. 9 Kinder, die in den letzten Wochen noch in der Schule wohnten, sind zu ihren Verwandten zurückgokchrt• * Seit einigen Jahren werden in Palästina und Syrien Versuche mit der Anlage von Baumwollkulturell, wie sie im benachbarten Ägypten eine grosse wirtschaftliche Bedeutung erlangt Italien, ge• macht. Wie der jungst erschienene Bericht des britischen Vizekonsuls Fakmga versichert, wurden die Experimente auch im verflossenen Jahre von den überaus rührigen Kolonisten der Kolonie Pctliach Tikwa facht englische Meilen nördlich von Jutta) mit ermutigendem Erfolg fortgesetzt. Man hatte 20 acres Land mit ägyptischem Samen besät und konnte Ende November, trotz der noch recht primitiven Methoden H tons Baumwolle auf den Markt von Liverpool zum Verkauf senden. 111 diesem Jahre beabsichtigt man 100 acres der Uaumwollkultur zuzufiihrc». Ein weiterer Erfolg, der diese Kulturen aus dem Stadium der Versuche in das regelrechter gewinnbringender Plantagenwirtsehaft führen dürfte, wäre ohne Zweifel für die gesamte wirtschaftliche Zukunft Palästinas von weittragender Bedeutung. auf, dass auch diejenigen uen!11 iv«»״.״ iwn,״.׳״ unterricht dieser Gesellschaft besuchenden Kinder, die der Landcssyiiagogc angeboren, von dem üifentichcn Religionsunterricht befreit werden sollten. Infolge eines Missverständnisses glaubte der Oberselmtrat die Zustimmung des Ohcrrutes voraussetzgn zu ilürfen mul crliess eine entsprechende Verfügung an das Volksschulrektorat, nahm diese jedoch zurück, nachdem er sich überzeugt halte, dass das Ejnvcr* stümluis des Oijcrratos nicht vorliege. Für diesen handelte es sieh um die Aufrechterhaltmig eines ge• ordneten oiieiiilichen Religionsunterrichts überhaupt, der bei den au sich kleinen Klassen gefährdet war, wenn den Kindern tes haiulelte sieh damals allein an der Volksschule um etwa 30, die aut einmal wegblieben) nach dem i)etlichen der Eltern das Verlassen des öffentliche» Religionsunterrichts freisland, Ob sie ciucu entsprechenden PrivatmUerrkdtt erhielten, stand für den Oberrat'erst in zweiter Linie. In dieser Hinsicht kam allerdings in Betracht, dass er, der nach dem Gesetze für den israelitischen Religionsunter• licht verantwortlich ist, einen von Lehrern der separierten Religionsgemeinschaft erteilten Unterricht nicht kontfolhcicn mul vertreten kann. Nachdem der Standpunkt des Obetrates. dessen Festhalten auch der Synagogetirat in Karlsruhe und ebenso der in Mannheim, wo ein ähnlicher Fall vorlag, einstimmig und n.iehdrncklieli gefordert )tauen, von dein über• scimlrat als gerechtfertigt anerkannt war, hat ein Eingreifen kirchlicher Organe überhaupt nicht mehr stategeftmde». Die fraglichen Kinder besuchten bis .1111' zwei wieder den Religionsunterricht der Volks• schule und bezüglich dieser letzteren wurde, da der Gberrat für sie keine Ausnahme machen konnte, auf Antrag des Rektorats von der Polizeibehörde eingeschritten. Die von den Vätern beantragte gerichtliche Entscheidung fiel zu deren Ungunsten aus. Durchaus anderer Art waren vereinzelte frühere Fülle, in denen der Oberrat ausnahmsweise der Befreiung vom ofientliehen Religionsunterricht /!!gestimmt hatte. Es liattdelte sich dort um schwächliche Kinder, die den ausserhalb der sonstigen sclmlpluumässigcn Zeit angesetzten Rellgiommtterriclu aus gesundheitlichen Gründen nicht besuchen sollten und um Ersaiziinter* rieht durch der Landessvnagoge ungehörige Lehr- Die Leitung und Beaufsichtigung des ubligatorisehen Religionsunterrichts (so heisst cs zum Schluss dieser Darlegung) dessen Unentbehrlichkeit in jung* ster Zeit sowohl von dem nationalliberalen Abgcord• neten Professor Bieber wie von dem linksstehenden Sciuilm.mn Tews betont worden sei, könne mir Sache der staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften sein. Der Staat lubo darauf zu sehen, dass diese gehörig. voi'gelnUlele und sittlich unbeanstandete Lehrkräfte zur Erteilung ,des Religionsunterrichts ver• wenden, sowie dass durch die Art dieses Unterrichts das Staatswohl nicht gefährdet werde. Im iibrigen habe die staatliche Schulbehörde darum, ob der In* halt des Rehginns1miel1־'ichts die Angehörigen des fraglichen Bekenmnisses mehr oder weniger bcfriedigt, sich nicht zu kümmern, da jede Einmischung in imicrkirchlichc Verhältnisse ausgeschlossen bleiben müsse. Haben Eltern wegen des einen oder anderen Lehrers religiöse Bedenken, so werde es Sache der Kirche oder Religionsgemeinschaft sein und in ihrem eigensten Interesse liegen, begründeten Beschwerden abzulieifen. Können oder wollen sie dies nicht, so!missen sie darauf geiasst sein, d;tss ,die Eltern den Austritt ihrer Kinder aus dem betreffenden Bekennt- :tis erklären. Damit Könne jede Ucwissensbcsehwerdc mit sonstiger Wirkung beseitigt werden." Wenn uns auch der Standpunkt der staatlichen Behörde einwandfrei erscheint, sq glauben wir doch, dass der israelitische Oberrat entweder im Unterlichte seihst den Standpunkt der Minorität in weilerem Masse, denn bisher berücksichtigen sollte, oder auf Grund seiner geringeren Distanz vom Gegenstände seine Machtbefugnisse in liberalen Weise auszuübe» in der Lage sein atirftc. Auf jeden Fall ist cs imitier misslich in jüdischen Dingen ״nach dem Schutzmann zu rufen." Landwirtschaftliche Lehrstellen RUNDSCHAU DCR-PReSSi: j ״Karlsruher ZeitungKarlsruhe 1111 Hinblick auf die kürzlich erfolgten gerlebtj liehen Bestrafungen! Israelitischer! Vütcr wegen Fcrnhnltung Ihrer Kinder ' vom allgemeinen Israelitischen ReU- ' glonsunterricht der Volksschule verbffentlicht die ״Karlsruher Zeitung" an halbamtlicher Stelle folgende Zuschrift; ״In Karlsruhe bestanden bis zum vorigen Jahre hinsichtlich des Besuches des Israelitischen ReUftlousimterrlchts an den öffentlichen Schulen, der gleich dem der christlichen Bekenntnisse obligatorisch ist, durchaus friedliche Verhältnisse, da nur die der Landessynagogc angehörigen Kinder zur Teilnahme am Unterricht angchalton, die Kinder der aus der Landcssynagcgc ausgetretenen Personen dagegen im Einverständnis mit dem Oberrat der Israeliten durch die Obcrschulbchörde befreit wurden. Im Mai vorigen Jahres trat erstmals der Vorstand der ausserhalb der Die landwirtschaftliche Ausbildungs-Anstalt auf dem Lchrgut Steinhorst hei Cetlc wird gegen Ende des Sommers eröifnct werden. Es können noch einige jüdische junge Leute vom 15. Lebensjahre ab Aufnähme finden. Die Ausbildung ruht ln bewährten Händen und bis zur Eröffnung der Anstalt werden auch die nötigen rituellen Einrichtungen fcrtiggcstcllt sein. Die Einstellung einer Anzahl junger, bereits ansgcbildcter jüdischer Landwirte, insbesondere zur Bedienung der Gespanne, hat sich durchaus bewährt. Es sind dies meist frühere Zöglinge der I.C.A. Jüdische Eltern, die ihre Sühne gern der Landwirtschaft zuführen wollen oder junge I-cutc, die sielt ihr aus freien Stücken gern widmen wollen, werden ersucht, sich an die Alexander und Fanny Simonsehe Stiftung, Hannover, Hansahaus, zu wenden. Aufgenommen werden aber nur körperlich, geistig und. moralisch durchaus Taugliche. Das Entgelt fiir Verköstigung und Ausbildung wird nach näherer Vereinbarung bemessen. No. 27. # י •«• VOM ZIONISMUS* Der Hcrztwald tw Jüdischen Zeitung , dem Organ der ,v.c cchischen Zionisten, entnehmen w.r den ״ach. i.stcrruuus Jc;1, wjr Kcr1w Raum geben, um iiilgeudui " ״ücl| ״j״״ua aufs dringlichste an ihre IS j; Retnuhnen. Bas Gedächtnis unseres Fuhr«* V i/tiecr Welse zu ehren. Die Ausweise in Vereins' ״GeUmumspcndc" werden in diesen Mo״■״, einen Massstab der Üpferfrcudigkcii du un/.c ,1! 1 .a1u!cr.organis:ui<mcn geben. Iran zu;n 21 licri! Zum fünften Male jiihrt sich der Tag. d.! wir m Döblinger Friedhof hirmuszogen, Theodor Her zu bestatten. Ernster als sonst regt sich an solch! Tage in uns die Mahnung, den letzten Wunsch des Meisters zu erfüllen, der es seinen Getreuen .uii d!c Seele band,!lass sie dereinst seine Oebemc tiacu Altnculand mit sich nehmen, wenn erst dies Land da Väter den Enkeln, den jungen Juden, wic1K*1gc\v<,m־.«u sein wird. Noch liegt das Ziel fern, wir aber suchen;>••, mit unentwegter Tatkraft zu und aus de, 1 (p|״. frohen Beispiel des todesmutigen Meisters 'ehici!« wir stets neue Kraft.^ Sie ist der Arbeit inr das La-j seiner und unserer Sehnsucht geweiht. Niem hmgsr darf Palästina, das dureit jahrlninderielati1\\,;׳;.־»v Wirtschaft verkarstete, in seiner Entstdöi!;; Va• bleiben, dem Lande ocr jüdischen Zukunft ziemt ׳;$, •dass es sich mit frischem Grün der llotiinng bc! Kleide. Die blühenden Oasen, die unter den liebevollen Händen unserer wackeren Kolonisten .׳;׳»aandc;1, sollen sich nach allen Seilen breiten, bis m: als an einziger grosser Garten unser Land bedecke״. So allem wird es würdig sein, die Gebeine unseres Fahrers zur ewigen Ruhe zu empfangen. Der Grundstein zu diesem nationalen WvB.e, die Pflanzung des ersten Olivenwuldes ist den! An* denken H c r 1.1 s gewidmet, der W .11 d s 011 stolz seinen Namen t r a g c n. Die Bedeutung des Horzlwaldes ersch’i-t; sich nicht in der Ehrung des toten Führers, in ׳.kr Au• trischuttg palästinischen Bodens und in der Arbeit»• golegenheil, welche Pilanzung und Pflege des tt.ndes tausenden ileissiger Brüder bietet, nein, wie jedes Stück zionistischer Arbeit, trägt der Uerzlv.ald ■k% Keim zu noch Grösserem in sich, denn sein Ertrag ist auf ewige Zeiten für die Erhaltung ja dt• sch e r Schulen in Palästina bestimmt. Wahrlieh, dieser Plan entspricht dem Genius unseres Volkes vortrefflich; denn stets war es das Imclistc Ideal jüdischer Eltern, ihren Kindern eine besse.v Bildung zu verschilfte», als sie selbst genossen halten. Und gerade dem tlcrzlwr.ld steht cs \\״ln an. ein Förderer der jüdischen Jugend zu sein, die dai Meister so innig wieder lieht, wie er sie geli.i'1 bat. Jungjuda iur Zion. Zu n fiir JumtinJa! Wir österreichischer. Juden sind erst karbidt dem Anschlag unserer Hasser begegnet, welche die geistige llüherbildiiiig unserer Kinder nntciimiJia und uns so im tiefsten Herren treffen wollten, lücsc Gefahr ist nicht endgültig gebannt, im Uohis schwel)•, sie stündlich über uns. Die Arbeit mr den Her/lvaiJ aber, das ist die rechte Antwort unseren Hasscr.1. Und wir üMcrrcichisclivn luden, in deren Mitte Theodor llerzl fiir das grosse Werk der Regeiiieiur.g unseres Volkes lebte und starb, haben dämm ־.׳,״ Pflicht, mit verdoppeltem Eifer an der Hrrichiuug des schönsten Denkmals zu arbeiten, das je ein V>4 seinem Führer schuf. Mit all' ihren Kräften sollen wir d.irnn! in diesen Tagen der ״Jahrzcit" beitragen zur Schaffung des ״II e r z 1 w a I d c s". ZIONISTISCH ßeWCGUNG Jüdischer VolKstafl in Bielilz Die Fahrt der obcjsclilcsiseheit Zionisten r.acii Bielitz iand am Sonntag vor l-l ragen vom herrlichsten Wetter begünstigt, unter ausserordentlich stärket Beteiligung aus fast allen Orten Obersclilesiens statt• Ein Teil der Ausflügler, verstärkt durch Gcsimmngs* genossen ans Russisch-Polen, begab sich bereits mit dem Morgenzuge nach Uiclit;׳, wo sic atu Ibiudvet vou •dem Fes\-Au$sr.huss empfangen und in!,ereil• gestellten Tramway-Wagen nach dem nahe gelegeiic.1 Zigemtcrwald gebracht wurden. Von dort g!:!g es nach Anlegung der blau-weissctt Kokarde m 5N* sclilossenem Zuge nach dem itcrrlich in den Berget! gelegenen Emmenhof, wo sielt bei den lustigen Weisen der Militärmusik ein lebhaftes zwangloses Treiben entwickelte, das nur durch einen offiziellen Begrüssungsakt unterbrochen wurde. Professor Dr• Werner entbot den Willkomtncnsgruss des zioiiisti• sehen Vereins ״Hasc 11 acha r", den namens der übcrschlcsischen Gäste Rechtsanwalt Dr. Bohr• czinsky mit schwungvollen Worten erwiderte. Im Aufträge des Mädchenvereins ״Esther“ begrüßte Fd• R o s n e r die erschienenen Mädchen und Frauen und sprach in schönen Sätzen von der Mitarbeit der 1'r.m an der jüdischen Volkssache. Für das mährisch• schlesische Distriktskomitce erwiderte Br. Fm* Eckstein aus Troppatt den Gästen ^°rtc der Bcgrüssung. Während einige kleine ’Bwr* zu Ausflügen irt das Gebirge auilirachen, bheb das Gros der Erschienenen noch einige Zeit beisammen und begab sich alsdann üt?׳c Stadt zum Mittagsmahl. Das Konzert, das, •uj den Nachmittag angesetzt war, vereinigte dann sämtliche Teilnehmer mit zahlreichen Oästc« aus Ocstcrreich-Schlcslcn, * Galizien, Mähren. Russi«־״ Polen und aus der Stadt Bielitz im Schicsshausgartcn.