Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1909)
- Date
- 1909-07-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 27. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 311. 1 Ö) //\ *N. יו•* O) 1 v / ( n n —s r'^T'x י _׳! MSZ i ׳ )) 1 j\1 u .: /,-־..־ 1 <=־v J Ü Ü Knabenalter Per Wo« der Jugend. (Band 2: Knabenalter) von tiermann BiuincntHa 1. Berlin. Marquardt & Co. Seit einigen Jahren wird der Büchermarkt mit soiteiiannicn Entwicklungs-Romanen Überschwemmt. Neben vielen minderwertigen, unwahren und unnatürliehen limleii sich nnclt Bücher, wie Üötz Krafft und Minns^empers Jugeitdlunü, von denen man sagen ״!,iss. d.iss darin die Seele des Knaben und Jünglings wahr gezeichnet ist. Dieselben Gedanken, die man selbst nt der Jugend hatte, alle Gefühle, die Träume, HoHium-tcn, Freuden, Leiden und Schmerzen finden vir in diesen Büchern wieder. Zu diesen Schriften, die innerlich wahr sind, gelieft .ntcli das vorliegende Buch. Das Wort ״Roman" ist eigentlich nicht zutreffend, denn es ist eine ganz alltägliche Geschichte, ohne aufwühlende Leiden* schäften, ohne grosse Handlungen, ohne alle philosoi'hisciu’u Eiörtonmgcn, ohne philosophische EntwicKch״ucn. Trotzdem kann man das Erscheinen des Huches mit Freude begrüssen. Denn die Schön-• heit uui die Kraft des Buches liegt in der wahren Scliildei.tiig des Seelenlebens der Knaben und der j-.ir.ccn Entwickelung eines Knaben zum Jünglinge. Einfach und schlicht werden uns die weiteren Erlebnisse v.n David Segensreich geschildert, wir bcgleiten ihn nach Lemberg in das polnische Gymnasim.1, wo er die Aufnahme-Prüfung besteht, um dann in eine l/iirgerschulc zu kommen. Da die Armut seiner Eltern immer grösser wird, sind sie gezwungen auch muh dieser Stadt zu ziehen, um eine Anstellung zu iiiuici). Nach vieler Mühe und nach imutchtn vergcblielun und fchlgcschlagcncn Versuchen kommt David endlich nach Wien als Lehrling in ein grösseres Warengeschäft. Das ist der Inhalt des Buches, wie gesagt, etwas ganz Alltägliches, etwas, worüber man eigentlich gar Keinen Umuan, ja sogar überhaupt nichts schreiben darf. Aber mit welcher Feinheit, mit welcher Liebe wirJ die Seele des Jungen gezeichnet! Der Dichter lebt selbst in der Seele, in den Gedanken des Knaben wieder aut• Wir finden die Träume, die jeder einmal hatte, die Träume, von einer besseren Zukunft, die Träume von Menschcnbcglückung in der Erzählung wieder. Sie sind allein imstande ihn über das Elend des Alltags zu trösten und ihn cs vergessen zu machen. Wahr und echt wild auch in dem Jungen das Erwachen der Liebe, der Schrei nach dem Weibe geschildert. Wie er anfangs schüchtern und furchtsam durch die verrufenen Strassen von Lemberg streift, tun nur einen Blick von der gemeinten Herriichkcit dort zu erblicken, wie er sich sogar an Orgien beteiligt in überschau.nendem Jugenddrang, wie endlieh in ihm die reine Liebe seiner Knabcnseelc zu einem Kaum 15jährigen Mädchen erwacht. Da Milicu-Schildcruug Ist auch diesmal dem Dichter gut gelungen. Das Lemberger Ghetto mit all seinem Eiend steigt zum Greifen deutlich vor uns auf. Neben der Person des Helden sind auch manche Gcsfiltcn des Wiener und Lemberger Ghettos gut gezeichnet und entbehren so gar nicht manche Züge von Hu1n׳>r, andere dagegen sind vollständig farblos und verschwommen. Nicht gefallen haben mir die oft zu kurzen Sätze, die manchmal beim Lesen direkt störend wirken. Bertram Stern. Bücher-Besprechungen Diu Werke Pltllos von Alexandria in deutscher tbersetzung herausgegeben von Leopold Cohn. Teil l. Breslau: Marcus 1909. 6 Mark. Dieser stattliche Band, der als erster Teil einer grossen Sammlung von Übersetzungen der gesamten jiKüsch-licllcnistisclicn Literatur unlängst erschienen ist. ist eine erhebliche Bereicherung des jüdischen Büchermarktes. Der Name von Leopold Cohn, der der Herausgeber der Sammlung und Verfasser der Einleitung ist, bürgt für die Oiltc der Übersetzung. Der von ihm in Gemeinschaft mit Wendland hergestellte Text in der neuen Philoausgabe bietet die Grundlage, davon abgewichen wird nur in der Anordnung der einzelnen Schriften, die hier in der Reihenfolge gegeben werden, in der sie inhaltlich zusanimcngchörcn. Das geschah sicherlich nicht zum mindesten aus Rücksicht auf das nicht philologisch gebildete Publikum, auf das als Leser gerechnet wird. Und mit Recht. Denn wenn es schon zu bedauern ist, dass die zusammenfassenden Darstcllungen der jüdischen Geschickte sich keines allzu grossen Zuspruches zu erfreuen haben, so ist es 1! incr Ansicht nach noch weit beklagenswerter, dass die wenigen Qucllcnwcrke zur jüdischen Oe- [ schichte, die wir In brauchbaren Übersetzungen haben, 1 überhaupt nicht gekannt und gelesen werden. Nach- | dem vor einiger Zeit Clcmentz eine Übersetzung des gesamten Josephus im Hcndclschen Verlage geliefert bat, können wir jetzt dem jüdischen Publikum mit einer Vnrllcrung des Wortes aus den Räubern auch Zurufen: ״Den Philo musst du lesen!" Denn cs Ist eine recht interessante Lektüre, speziell für die gebildeten jüdischen Kreise, denn auch Philo war ״modern" Im besten Sinne des Wortes und assimiliert bis auf die Knochen und liebte doch das Judentum und seine Lehre, ln einer Zeit des grossen Werdens, ungefähr 20 Jahre vor Christi Geburt, geboren, aus einer der vornehmsten Familien Alexandriens staminend, war er durch Erziehung und Schule vollkommen im griechischen Wesen aufgegangen, hatte an griechischer Philosophie und Rhetorik seinen Verstand, an griechischer Sprache und Poesie seinen Geschmack gebildet. Diesem Entwicklungsgang entsprechend hatte er auch in seinem reiferen Jünglingsalter einige allgemeine Schritten über Philosophie und Ethik vcröifentlicht, sein Lebenswerk galt aber der Synthese* griechisch*plholosopiüschen Denkens und jüdisch-ethischer Weltanschauung. Diese aber war ihm, da ihm die damals erst im Werden begriffene palästinensische Hainchn wegen seiner Unkenntnis des Hebräischen so gut wie unbekannt war, völlig identisch mit den Lehren des Pentateuch, der ihm in der griechischen Übersetzung der Septuaginta zu- Bänglich war. Mit Hilfe der allegorischen Auslcgungsinctliodc, die er von den Stoikern adoptiert, versteht er cs, die griechische Philosophie in den Text der .fünf Bücher Moses ninciuzulcgcn, beziehungsweise herauszulesen und auf diese Weise die Wahrheit und Grösse der biblischen Lehren und Vorschriften darzutun. So unsympathisch und falsch eine solche Art der Exegese uns erscheint, so wahr und ungekünstelt ist sic von ihm gemeint. Dadurch erklärt cs sich auch, dass die überwiegende Mehrzahl seiner Schriften aus Erklärungen zum Texte der fünf Bücher Moses besteht. Die Im vorliegenden ersten Band vereinigten fünf Schriften über die Wcltschüpfung, das Leben Abrahams, Josephs und den Dekalog gehören der am besten erhaltenen Reihe von Kommenturen an. nur die Darstellung des Lebens Mosis, die in der Übersetzung mit Recht vor die zehn Gebote cingcschobcn ist, bildete ursprünglich ein upologctischcs Werk für sich. Mögen die folgenden Bände der Übersetzung recht bald dem ersten folgen. Gott hold Weil. Körperliche Renaissance der Juden. Fests c h r i f t a n I ä s s 1 i c!1 des IV. Turntages der Jüdischen T u r nc r s c ha f t n n d der Feier des 10jUhr. Bestehens des Jüdischen Turnvereins Bar Kochba - Berlin. Herausgegeben vom Ausschuss der Jüdischen Turnerschaft. Verlag Jüdische Turnzcitung Berlin C. Die vorliegende Festschrift, die den Teilnehmern des Berliner Turnfestes in die Hand gegeben wurde, gibt zum ersten Mal einen Uebcrblick über all die ernsten Fragen, die sich mit der physisehen Beschaffenheit unseres Volkes beschäftigen, zeigt den Weg der Abhilfe und berichtet, was bisher In der Richtung unternommen und geleistet wurde. Trotz des Charakters einer Sammelschrift bildet sie ein einheitliches, geschlossenes Ganzes, wenn auch die Anordnung der einzelnen Aufsätze nicht nach diesein Gesichtspunkt vcrgenominen ist. Der Sammlung ist ein Lcitwort des Verbandsvorsitzenden, Dr. Georg Arndt vorangcschickt, das in überaus markanten Sätzen die Entstehung der Tum* Bewegung, ihre Aufgaben und Ihr nationales Streben dartut. Drei Arbeiten befassen sich theoretisch mit dem Problem der physischen Entartung unseres Stammes.! Dr. Max Resser-Hamburg führt es auf seine ökonomische Ursachen zurück, die er in der abnormen Berufsgliederung, Insbesondere bei den deutschen Juden, zurückführt. Dr. Julius Moses-Mannheim behandelt hauptsächlich die sozialpädagogische Seite der Frage, während Sanitiltsrat Dr. M. Jastrowitz-Berlin in seinem Artikel ״Muskcljuden und Nervenjuden" physiologische Momente in den Vordergrund rückt. Dr. Arthur Kalm-Charlottcnburg tritt In seinem Beitrag ״Ein jüdischer Bauernstand" mit Wärme für eine agrikulturcllc Betätigung ein, während Prof. Dr. Albu die aktuelle Streitfrage '״Turnen oder Sport?“ in versöhnlichem •Sinne, nber, wlo wir glauben, wenig glücklich behandelt. Je mehr dio elomcntare Wesens- Verschiedenheit zwischen Turnen und Sport betont wird, um so eher dürfte es möglich sein, zu einer Verständigung za gelangen. Dann enthält das Heft eine Uebersicht über alle jene Organisationen, die sich heute in den vcrschicdenen Ländern um die Verbreitung der Leibesübungen unter den Jaden verdient machen. Die umfassende jüdische Tarnbewegung, die zehnjährige Geschichte des Berliner Bar Kochba und das Bundesurgan, eile Jüdische Turnzcitung, sind in je einem Artikel behandelt; ferner die sportlichen Bestrebungen der amerikanischen und englischen Juden und die jüdische Turnvereine auf der Balkunhalbinscl und in Galizien. Ein Bericht v,qp. D/. Elias Auerbach und Ernst Herrntann plaudert über sportliche Erlebnisse in Palästina und die schönen Erfolge der dortigen Turner. Die geschickte Zusammenstellung, die uns ein Bild des grossen Komplexes der Fragen gibt, welche heute noch mangels anderer, gesonderter fnstitutionen in das Wirkcnsgcbict der Turncrschaft fallen, scheint uns dennoch eines Nachtrages zu bedürfen: Die Beteiligung der Juden an den allgemeinen und frcmdnationalen turnerischen und sportlichen Vereinen verdiente Erwähnung. Obwohl im nationalen Sinne wertlos, bisweilen gar verächtlich, ist sic für eine sozialltygicnischc Betrachtung von Bedeutung. Es wäre da mit dem überkommenen Urteil auizuräumen, dass der Anteil der Juden z. B. in Deutschland, wo die wirtschaftliche Stärke die gleiche ist, hinter den! der Nichtjtidcn zurückstche. Hierin hat sich in den zehn Wirkensjahren der Turnerschaft vieles geändert. Wer sich z. B. im Sportbetrieb Berlins und in den Turnvereinen umsieht, der kann sich leicht hiervon überzeugen. Wir haben hier ein eklatantes Beispiel instinktiver Selbsthilfe, die im rein physischen Sinne iür das Individuum den gleichen Erfolg haben mag, wie die bewusste nationale Arbeit der Turnerschuft. Nur das die Halbheit dieses Schrittes niemals zu einer Harmonie innerer und äusserer Selbständigkeit gelungen lässt. Dem Hefte ist eine Lithographie unseres Freundes Hermann Struck betgegeben, die den idealtyp eines Mnskcljudcn daistellt, dessen ausgestreckte Rechte den Siegeskranz, hält. Die vornehme Ausstattung des reich illustrierten Heftes lässt den Preis von 1 Mark als billig, erscheinen. Es stellt ein wertvolles Dokument der jungen, zukunftsreichen Bewegung dar und sollte in der Bibliothek keines unserer Freunde fehlen: schon nicht, um ihn bisweilen, zu'gcmahncn an seinem Teile an diesem schönen Werke der Volks- und auch — der Selbstcrziolmng mitzuarbeiten. Outsider. # Uausbiichcrci der Deutschen Dlclucr-Gedäctitiils- Stiftung. Helnelmcli. Eine Auswahl aus Heinrieh Heines Dichtungen. Herausgegoben und eingeleitet von Otto Ernst. 203 Seiten. Hamburg- Grossborstei. Verlag der Deutschen Dichtcr-Gcdächtnis-Stiftung. Preis eines jeden Bandes 1 Mark. Unter den mancherlei billigen Sammlungen, die in den letzten Jahren zur Verbreitung guter Literatur geschaffen wurden, zeichnen sich die Bücher der ״Deutschen Dichter-Ocdächtnisstiitung" durch sorgfähige literarische Auswahl und vorzügliche Ausstattung aus. Dem vorliegenden Bande ist ein wenig bekanntes, recht interessantes Hcinebildnis Peter Krämers beigegeben. Eingegangene Bücher nicht itatthndcn. Dio mit bezclchnotcn Werke sind h zur Desprechung vergeben, D Die Aufgaben der Sozialpolitik Im österr. C Insbesondere In der Bukowina. Mit besondere! (cuclitung der Juden, und Bauernfrago. Von Pro Eugen Ehrlich. Vortrag, gehalten im S wissenschaftlichen Akadem. Vereine an der! nowhzcr Universität im Wintersemester 19( 31 Seiten Or. 8״. Preis 40 Heller. C z c r n 0 י itn Selbstverläge des Vereines 1909 n .L^Vltur* u.n.d ßljdungsfortscl1rlttc unter den . Palästinas. Von Josef Qerstmattit, Lern 56 Seiten. Kl. 8״. München 1909. Max Stc bach, Buch- und Kunstverlag. Israeliten und andere Antisemiten. Umsclilagz.cichnung von Carl Josef. Huber & Lahme Nachflg. * Goldono Klassiker-Bibliothek. Klassik er- Ausgaben in neuer ucu t u n g. Bcrl n-Leituig-Wien-Stttttgart. Hebbels L” 2®”״. Tc1U'n/ ״crausgcgcben und mit eine bensbild versehen von Theodor Poppe. Von B Wien Hem Bear