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Jüdische Rundschau · 1909-07-02 · Heft 27 (2.7.1909) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 27 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 27. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 309. darf. 1**ייי dann doch von der Geringwertigkeit des Rationalen zu sprechenI Pass in der jüdischen Religion eine univer- Sidistischc Tendenz liegt, ist richtig. Aber cs gibt doch in ihr, selbst in ihrer abstraktesten und liberalsich Auffassung, sehr wesentliche Bestandteile, die, vu'11 Kultus ganz abgesehen, durchaus nationalen Charakters sind. Pie mit so viel jüdischem Enthusiasmus vorhnii.Icte Anschauung des Deutcrojesaja, nach weicher;!Iler Welt das Heil kommen soll von den Juden, also der Glaube Israels au seine religiöse Mission, ist ׳,.יוHass diesem üUutbcn ein national gehobe* ncs i:;1u1fimlon kotrospüinllcre und dass er ein solches jm,1n׳r wieder wecken müsse, louchtct Fuchs nicht cm. i.eider kann ich dies ״beim besten Willen" nicht Klaicr machen, als es S. 3—5 meines Huches ge• sein «er! iM. und muss ich die Entscheidung darüber, ou!rii recht habe, dem Psychologen überlassen, Wer auch der national-messianisclie Qlaube Ist cm *nmdwcscntlichcr und das ganze religiöse Leben des .'׳!!dentums tragender Bestandteil der Jüdischen RcI.k'.oh, wie ich in meinem Buche ausführlich darget.m ■mbe. und dieser Glaube bildet den stärksten 11.ui-■■״•len Einschlag In der jüdischen Religion. Fuchs 11,um. "eint cs im Ideengehalt des Judentums etwas gdik. "äs national sei, so wären wir ״um der Ehra des .mdeiuunis willen" verpflichtet, es zu streichen. War•1 .׳ denn? Ich denke, dass die Propheten, die um gesamten religiös-universalistischen Judenam .•!!eh den Missionsglaubcn und den nationalnies'״•.lisclicn Glauben geschaffen haben, dieselben IWumen. die Fuchs docli sonst so hoch stellt uiul mit einer nie wieder z.u erreichenden religiösvUnv.-ticu Genialität ausgerüstet denkt — ich denke, .las> die Propheten sich dach auch cinigcrnmsscn ■auf uie Emc des Jiidentums verstanden haben werden. i :uhs sagt: ״Selbst die Hoffnung auf ein nation.il.ju.i'clies Reich in der Messiaszeit ist für den, der mc betont, doch nur die Folge der allgemein .uciiscidiciicn Idee der nnsgleichendpn Gerechtigkeit." Wir fragen: Stimmt das mit der Geschichte und Psych-iogie der jüdischen Volksseele wirklich übercm? Nimmt das überhaupt mit irgend einer wirk- Üciicu Psychologie des einzelnen Menschen oder einer!!:cii'-Jilicläcn Gemeinschaft überein? Also blos um der ..iisgldelicndcn Gerechtigkeit willen erhofft Israel neues (Jiiick tmd neue Grösse Im heiligen!•••'-י•־'׳ *eh muss gestehen, dass ich mich zu solchem .!ee. IIMHIIS״ nicht aufsciiwingcn kann, licanspruciien >!e. Ilerr Doktor, das Recht, zu leben und maischen- "״ra:k׳ z.u leben, nur um der allgemein menschlichen Ree der ausreichenden Gerechtigkeit willen? Ich <.enkc. das ist ein natürliches, angeborenes, elementares Recht! Auch ein Volk, das sich aus M«1.:״clt und Erniedrigung, aus Elend und Verfolgung zu e! lieben hofft, ein Volk, das leben, ehrenvoll leben "111. ein solches Volk tut dies nur auf Ofund seines •uigeborcncn Rechts, das in seinem natürlichen l.el'ciiswillcn wurzelt. Die Moral ist nur dazu da, d.is schon gegebene Leben zu regeln: das Recht zu hv1.1׳i selbst aber braucht man sich, wenigstens im Jidciiiiiin, das die Berechtigung des natürlichen UKn.striebcs als selbstverständlich vornussetzt, nicht erst von der Moral andemonstrieren und bescheinigen zu lassen. ich suche in meinem Buche zu zeigen, dass die religiös-ethische Genialität Israels nur in seinem b-1-.u nationalen Leben hervorgetreten sei. Fuchs £<:!! das, nicht ohne Einschränkung, zu und meint d nn etwas naiv: ״Wenn das Judentum noch einmal f:.r Welt eine neue religiöse Wahrheit soll verkünden darieii, was kann die Politik dazu helfen?" Nun allerdings, die Politik kann dazu nichts helfen, aber '",ul das freie nationale Leben, das die Möglichkeit zur Bildung eines wirklich jüdischen Milieus bietet. Per Nationalgcist eines Volkes kann sich unverfälscht i.ur bilden, wenn das Volk frei ist, wenn cs nicht als tausendfach eingeengte und atomislcrte Masse in das Schlepptau hier dieses, dort jenes Ircnidcn National- Wistes genommen wird. Dio religiös-ethische Ge* ״ialität Alt-Israeis, die Fuchs nicht leugnet und nicht leugnen kann, ist nur die höchste Blüte des von Natur religiös-ethisch gerichteten jüdischen Volksgcistcs. Warum denn nun sollte diese Gcnlaltät in einem neuen nationalen Leben Israels nicht wieder hervortreten? Und wenn wir cs schon so herrlich weit gebracht haben, warum sollten .wir cs nicht noch weiter brlngen? Und wenn auch nur 410 Möglichkeit dazu bcsteht, wie zugegeben werden muss, warum sollten die religiösen Juden nicht die Hand dazu bieten, dass die notwendigen Bedingungen dafür geschaffen werden? Wenn. Fuchs In׳ ähnlichen Gedankengängen, wie ich sic in meinem Buche S. 93 fl. ausiührc und die den Einfluss eines freien Jüdischen Volkslebens auf die Entfaltung jüdischer Kultur darlegcn sollen, nur Phrasen •sehen kann, so muss ich das um seinetwillen aufrichtig bedauern. Fuchs würde nicht nach der Bedeittung der ״Politik" für die Züchtung religiöser Genies fragen, wenn er nicht Immer vom Jüdischen j Staat, statt von einem freien jüdischen nationalen Leben spräche. Damit entfällt auch alles, was er von ) dem Gegensatz der Propheten zur herrschenden Politik Ihres Volkes In Ihrer Zelt sagt, Gewiss verwarfen sie die blos praktische, nicht religiös-ethisch basierte Politik, gewiss lag ihnen vor ullcnt an der Erhaltung des Volkes und seiner Etablierung auf religiös-ethischer Basisl Aber, nicht wahr? Im eigenen Lande wollten sic ihr Volk haben, und als es sein Land verloren hatte, wollten sie cs wieder dahin zurückgtbracht wissen! Oder lehren Jeremia Ezechiel, Deutcrojesaja anders? Nun, etwas underes wollen wir Zionisten auch nicht. Was wir iilr das jüdische Volk erstreben, ist nicht der Staat, sondern die Freiheit, eine sichere Hcimsüittc, die ihm die Möglichkeit ־zur Entfaltung eines menschenwürdigen Daseins bietet, eines Daseins, wie cs unseren moralischen Ansprüchen genügt, die von den Anti- Zionisten leider noch Immer nicht begriffen werden. Das Innerste Interesse der Propheten, das sic auf den Plan rief, bestand Ja gerade darin, dass sic ihr Volk gross und frei und im eignen Lande erhalten wissen wollten, und weil sie aus ihren religiös-ethischen Grundtrieben heraus überzeugt waren, dass dazu die Erfüllung der moralischen Forderungen Gottes notwendig sei, suchten sie diese Forderungen Ihrem von ihnen heissgeliebten Volke immer von neuem cinzuschürfen. Wer die Dinge anders auffasst, stellt die Psychologie wieder einmal auf den Kopf und wird die Worte der Propheten Immer wieder aus ihrem natürlichen Sinn herausrenken müssen. Fuchs schreibt: ״Ausserdem aber muss es doch geradezu unfreiwillig komisch wirken, wenn Verfasser erst erzählt, aus den nationalen Krisen sei der Prophetismus erwachsen, und im nächsten Augenblick den Staut fordert als Ausgangspunkt eines neuen Prnphetismus. Soli denn der Staat gegründet werden, damit bei seinem Untergang die Religion sich fort* entwickle? Dies Resultat lässt sich doch leichter erzielen, wenn wir gleich im ״Golus" bleiben I" Die unfreiwillige Komik des Verfassers ist hier nur durch die schiefe Auffassung des Kritikers entstanden. Denn erstens ist in meinen: Huche nicht zu lesen, dass der Prophetismus aus den nationalen Krisen, sondern dass er aus Uent ״Auf und Nieder im nationale» Leben des jüdischen Volkes" erwuchsen sei. Das ist aber wohl nicht ganz dasselbe. Der Auszug aus Aegypten, der den starken Ausgangspunkt der religiösen Entwicklung Israels bildet, die Zeit Davids, die eine bedeutende Machtcrwciterung Israels und eine Erhöhung des Jahve-Bewusstseins mit sich bringt, die Pliilisicrkümpfc und die Aramöcrkriegc, die in keiner Weise den politischen Untergang Israels vorbereiten und doch eine förderliche Erregung des religiösen Bewusstseins Israels bewirken, vor allem aber die Rückkehr aus dem babylonischen Exil und das Auftreten eines Deutcrojcsafa, der den Missionsglauben und den universalistischen Glauben Israels eigentlich erst zur wirklichen Ausprägung bringt: das alles sind wohl nationale Schicksale, aber doch keine Krisen, die zum politischen Untergang führenI Mose, Samuel, Elias und Dcutcroicsaja sind Beweise dafür, dass zur Anregung der religiös-ethischen Genialität Israels nur ein starkes, bewegtes nationales Leben überhaupt, nicht aber der Untergang desselben nötig sei. Um so berechtigter muss die Hoffnung erscheinen, dass schon die nationale Wiedergeburt Isracts in unseren Tagen, ähnlich wie in den Tagen des Deutcrojesnja, den religiösen Genius Israels wieder erwecken werde. (Fortsetzung folgt,) * AUS ALLSR war ü Deutschland Nach einer Verordnung vom 4. März!896 über den Betrieb von Bäckereien und Konditoreien, darf die Arbeitsschicht jedes Gehilfen die Dauer von 12 Stunden (bei Errechnung einer Pause von I Stunde 13 Stunden) nicht überschreiten. Die .Zahl der wöchentlichen Arbcitsschichtcn darf nicht mehr als sieben betragen. Gegen diese Bestimmung hatte eine Anzahl jüdischer Bäckermeister verstossen. Sie hatten ihre Gesellen an jedem Freitag und an den Tagen vor den jüdischen Feiertage» bis zu 15 Stunden beschäftigt. Die Beklagten machten durch ihre Verteidiger darauf aufmerksam, dass die Gehilfen zwar an den fraglichen Tagen zwei bis drei Stunden länger beschäftigt worden seien, dass sie aber dafür am Samstag und an den jüdischen Feiertagen, sowie an den Sonntagen und allgemeinen Feiertagen, von jeder Arbeit befreit seien und an diesen Tagen vollen Lohn empfingen. Sic arbeiteten also wöchentlich noch lange nicht 84 Stunden: eine Zuwiderhandlung gegen das Gesetz hege nicht vor. Aus religiösen Gründen müsse an den erwähnten Tugen einige Sinnden länger gearbeitet werden, damit man die Arbeit noch rechtzeitig vor Beginn des Festtages erledigen könne, Ein Zwang hiergegen bedeute einen Eingriff In die religiöse Gewissensfreiheit, die doch durch die prcussischc Verfassung gewährleistet sei. Das Schöffcngericht schloss sich der Ansicht an, sprach die Angeklagten •frei und übernahm auch die Kosten der Verteidigung auf die Staatskasse. * Die staatsrechtliche Kommission der Zwei* ten Kammer über wies eine Eingabe der israelitischen Lehrer und Vorsänger Württembergs um Besserstellung ihrer Lage und Aufhcbmig einer Bestimmung des Gescizes vom Jahre »828 der Regierung zur Erwägung. Die Mehrheit der Kommission war der Meinung, dass die Betreffenden die Stellung von Kirchendienern haben. Der Kul* tusministcr stellte die baldige Einbringung eines Gesetzes betreffend die’ Abänderung der kirchcnrcchtliehen Vcifassung der israelitischen Landeskirche in Aussicht. Russland Zum Tode Kruschcwans Eine der finstersten und selireekeiierrcgendstcii Gestalten aus der längsten blutdurclitränkten üeschichte der russischen Judenheit hat das Zeitliche gesegnet. 1* a w u I a k i Kruse 11 e w a n , der Haupt Veranstalter des grauenhaften Kischinewer Pogroms, ist von einem plötzlichen Tod hingcraift worden. Krusehewan hatte sieli den skrupellosesten Kampf gegen die Juden zur Lebensaufgabe gemacht. Seine Tätigkeit auf dem Gebiete der antisemitischen Publizistik begann er im ״Wilenski Wjestuik." Voij Wilna iibcrsiedclte er hierher und trat in die Redaktion des ״ltessorob.sk i Wjestnik" ein. Sämtliche Mitarbeiter dieses Blattes protestierten aber dagegen und wollten auf keinen Fall mit ihm zusammen arbeiten. Da bcgründete Krusch״■ w,in ein eigenes Organ, das er ausschliesslich der Hetze gegen die Juden widmete. Nach dem hiesigen Pogrom wurde er vom Minister PI eh wc nach Petersburg berufen und begann dort die Herausgabe des von der Regierung subventiuliierten schwarzen Blattes ״Sn am ja", dessen einziges Streben ebenfalls die Aufhetzung der cluistliehen Bevölkerung gegen ihre judisenen Mitbürger bildete. In der zweiten Duma, wohin er als Vertreter von Kischincw cingezogcn, fand Krusehewan noch ein neues Feld für sein ״patriotisches" Wirken. Nach deren Auflösung kehrte Krusehewan hierher zurück, um ein neues antisemitisches Organ ־״Drug" zu begründen, ln niederträchtigster Weise beschimpfte dieses Blättchen die Juden fortwährend, und nach vor dem letzten Osterfeste trat es mit einer Dlutbeschiildigung gegen die Juden auf. Nun ist dieser Bluthund in ziemlich jungen Jahren gestorben. Sein Name wird aber mit dem grauenvoiisten Abschnitt der ncuzeitheilen Geschichte der Juden vcrkniipit bleiben. * Aui Winawers Vorschlag hat das Zentral- Komitee der Kadettenpartei beschlossen, fiir die durch Pergaments Jod in Odessa notwendig gewordene Rcichs-Dnma-Ersatzwahi einen jüdischen Kami!- daten aufzustcllcn. Die Stimmen der Kadetten und Juden in der ersten Odessaer Wahlkuric betragen SüO (von insgesamt 1700 Wählern). Bei (1er letzten Waid haben im ganzen 1200 Wähler von ilircm Stimmrecht Gebrauch gemacht: davon entfielen 800 Stimmen auf Pergament, und •100 - auf den Kandidaten der Verbändlcr. Die Aussichten für einen von den Kadetten aufgestellten jüdischen Kandidaten in Odessa waren somit günstig — wenn dip dortigen von der Lokaladmimstration unterstützten Verbündler nicht ihren würdenbCWÄh״Cn Tw0r aul diü Wähler ausüben Rumänien Vor einigen Jahren wurde in Rumänien eine Federation der rumänischen Turner gegründet, an die sich auch der jüdische Turnverein ״Aurora" auschloss. Die Auroristen sind zum grössten Teil assimilatorisch gesinnt und selbst der Präsident schrieb vor einigen Tagen in einem hiesigen Blatte einen Artikel, worin er den rumänischen Nationalismus der rumänlsehen Federation der Turner lobpreist. Nun haben diese ״Mauschcls" eine Lektion orhalten, die ihnen wohl zu denken geben wird, wo sie ihren Nationalismus anzuwenden haben.

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