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Jüdische Rundschau · 1909-06-25 · Heft 26 (25.6.1909) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 26 (25.6.1909)
Date
1909-06-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 300. PAUJeSTINA-'RUNDSCHAU Misswirtschaft der Alliance ln Jerusalem ln Jerusalem hat ein heftiger Kampf gegen den allgewaltigen Vertreter der Alliance, Herrn An* tdbi, begonnen. Oie Kundigen wussten langst, dass die Misswirtschaft dieses Üoaimen, der die ganze Arbeit der Alliance in Palästina leitete, nach* gerade unerträglich wurde. Kr benutzte seine Macht* Stellung und das Ansehen der Alliance dazu, um ein despotisches Regiment zu führen und jeden, der sich ihm nicht fügte, unerbittlich zu verfolgen. Die Besch werden gegen ihn machen sich jetzt Luft. Führer in dem Kamille ist die Tageszeitung ״Hitze wi" (Ben Jeliiulu), die auch ausführlich das Material zu* sammemriigt. Kürzlich fand in Jerusalem eine stark ן besuchte Pro tc s t v c r sa m 111 lu n g gegen Ante-bi; statt, die einstimmig seine Entfernung forderte. Oie Angelegenheit ist geeignet, die ״uitvcr- ( an t w0rt 1 jthe»1 Leiter“ der Alliance schwer , blossznstellai . Wir werden bei Gelegenheit mit dem 1 erdrückenden Material, das sich aefgehliuft hat, auf die Sache zuriiekkommc». Oer Bericht des britischen Konsuls in Jerusalem, Mr. K. C. Blech, fiir dn$ Jahr 19öS äussert sieh über 1 den Handel Pnliirilnai im Bericlujahre wie folgt: I Zu beginn des Jahres schienen die Haudclsaus- ] sichten sehr günstig. Oer Regcnfall war zufrieden*! stellend timl der Stand der Ernte hoffnungsvoll. Aber 1 die politische Unsicherheit infolge der Ereignisse in Konstantinnpel Ende Juli und der Boykott osterrcichisch-ungarischer Waren übten einen schädlichen / Einfluss aut die Entwicklung in Handel utjd Verkehr j aus und veranlasst«« viele Konsumenten, mit ihren Aufträgen zmückznhalten. Daher zeigt die Einfuhr für ivtxs gegen das Vorjahr eine Verminderung um £5(100, d. i. nicht ganz 1 '׳<. Die Ausfuhr dagegen stieg trotz der ungünstigen politischen Verhältnisse um nicht weniger als £ 72 000 oder 15% gegen das Vorjahr und war fast zweimal so gross wie im Jahre 191)4, KUNDSCHAU DER PR6556 ״Die Welt". Köln Von seinem Berichterstatter in Konstantinopc! wird dem blatte geschrieben: Pas nationale ikspmst geh: um in der Tutkei und will t1i׳;lo zur Ruhe kommen. Kaum, .1 sss das krcäselic Problem seine vorläufige Lösung fand durch den Beschluss der Machte, ihre Truppen auf der Insel noch zu belassen, da spitzt sich die griechisch*türkisebe Diiferenz wieder an zwei andern Punkten zu: durch die Militärdienstfragc und eile Erörterung der Kultus- und Umcriichtsfrciheit. Oie Heeresleitung und die Regierung haben imerschütternd! auf dem Prinzip der Hinheitsnrmce bestanden und ein entsprechend abgefasstes Gesetz, der Kammer zukommen lassen. Das ökumenische Patriarchat und seine Synode ihrerseits sind in ihren Forderungen auf gesonderte Kasernierung und eigene Kommandusprachc ilircr uatbnalen Rekruten dienfalls intransigent geblieben und haben gegen den Gesetzentwurf einhellig protestiert. Eine friedliche Lösung dieses Konfliktes ist kaum noch möglich: die Kammer wird über die Proteste hinweggehen, und es wird wieder einen Besiegten geben. Vielleicht, dass der eine Punkt, in dom die Nationalen zweifellos im Recht sind, noch durch Nachgeben der Regierung geregelt wivd, das ist die Rekrutenziffer. Bisher geht der Rcgicrungsvorschlag etwas willkürlich dahin, Nichtmohaiumcdancr bis zu einem Viertel der bishörigen Heercsstärke attfztinchmcn. Oie Nationalituten, die sich für zahlreicher als fünfundzwanzig Prozent der Rcichseinwuimcr halten, und das beredttigte Streben haben, die Aushebung zur Grundlage aller Gleichheit der Elemente des Landes zu machen, verlangen Aufnahme von Rekruten aller Rassen und Bekenntnisse unter völlig gleichen Rckruticrungs• bedingungen, ganz abgesehen von der Zrfer, Dieser Reklamation hat die Staatsräson nichts Ernstes entgegenzusetzen, und so muss ihr wohl früher oder später stattgegeben werden. Welche Wichtigkeit diese Fragen!mol! iitr uns Juden hüben, ist unnötig, auseinander zus«t־/.cn, Oer zehnte Juni in der türkischen Kammer war ein Kulturksmipftag. Die Paragraphen der ln zweiter Lesung zur Verhandlung stehenden revidierten Kon• stituüon über die Kulte und die Schulen gab die Veranlassung. Vorerst wiederholten die Qrlcchcn Ihren Protest aus der ersten Lesung gegen den Passus, der die freie Ausübung der Religionen, so weit sie nicht gegen die öffentliche Ordnung oder die guten Sitten JUEPISCHE RUNDSCHAU ver.stos.se״. verbürgt. Aber er wurde gleichwohl beibehalten. Sodann traten der □rieche Cosmkli und der Armenier Soluab *für die nationale Schule auf den Plan. Es handelt sich im wesentlichen um folgendes: Bisher war der gesamte Unterricht ziemlich völlig frei. Jede Nation und Klrcltc»tfentcinschnft hielt ihre eigene Schule, die sich auf der nationalen Sprache anfbauto mul die Erziehungsanstalt für die künftigen nationalen Kämpfer wurde. Ebenso konnte jeder Fremde ein privates Sehulinstitut eröffnen, die Spruche wählen, die ihm genehm war, und unter dem Schutze seiner Heimatsregiorung den Geist in ihm pflegen, der den Interessen seines Staates am meisten ent* sprach. Eine türkische Regierungskontrollc existierte Riclit. Die heutige iuugtürkisehe Regierung will dein* gegenüber die Einheitsschule. Sie macht geltend, dass der osmnnischc Staat lange und schwer genug an den alten Zuständen gelitten habe. Es seien ihm bisher keine guten Bürger, sondern mit Abtrünnigkcitsaspiraiitmen criiillte innere Feinde und Diener des Auslandes in seinem eigenen Herzen hcraner* zogen worden. Darum stellt die Regierung folgende Forderungen auf: 1. Staatliche Oberaufsicht über sämtliche in ihrem Gebiete befindlichen Sclmlanstaltcn, aus* genommen den ReliglotiMtiuerrieht. 2. Einführung des Türkischen als Uuterrichtsgcgenstand in die Primürschuien des Reiches unter Bclnssmig der Muttersprache als Unterriclitskliom. 3. Einführung der türkischen Unterrichtssprache in sämtlichen!!oberen Lehranstalten, Man begreift, dass diese rigorose Uniformierung«,* Politik auf heftigsten Widerstand stossen muss. Oie Griechen insbesondere fühlen ilir« nationale Kultur bedroht: sie wehren sielt am heftigsten gegen die staatliche Aufsicht. * Sie berufen stell dabei auf ihre Privilegien, die ihnen, wie sie sagen, seit undenkliehen Zeiten die vollkommene Freiheit nicht nur des religiösen, sondern auch des nationalen Unterrichts gewährleisten. Gerade das aber erweckt das Miss* trauen der Türken, die alle Privilegien ausser den durch d.c Konstitution gegebenen verschwinden sehen möchten und denen, die sie erhalten wissen wollen, zum Vorwort machen, sie trügen den Ücdait* keu der 0M11auisclM.il Einheit mir int Munde und nicht im Heizen. Einstweilen hat auch hier die türkische Majoritiit einen üborwiiiligenJc» Sieg davongetragen. Es muss aber abgewartet werden, wie die Durchführung dieser Gcsctzesabsieiitcn sich in der Wirklichkeit ge* stalten wird. Man wird nicht gut Millionen auf eine modrige Kulturstufe — und die ist einstweilen im Türkischen noch zu selten — zurückdriickcn wollen. Für einen völlig oiganisierten höheren Unterricht in türkischer Sprache fehlt vorläufig noch alles: die Lehrer, die Lehrbiieher, die Wissenschaften und am Ende auch die - Sprache. Und nui dem Wege der Staatskomroile über die Aiislandsanstaltcn liegen bis auf weiteres noch hemmend die Kapitulationen. Unter scichem Licht betrachtet, ist das ungeheuer verwickelte Problem, das auch für unsere Bestrebungen in Palästina und die Schaffung eines hebräischen Schulsystems im türkischen Reiche überhaupt von ausscrordentlicncr Bedeutung ist, noch s«ihr weit von der Lösung. _ No. 26. »0 11 •iri^es Material. — Ueber die Steilung . cutscUlagig Schuldienst und im höheren *־■“ ״״״״•־■ JÄ« Ä ZIOMISTISCHC BEWEGUNG Zur Herzl-Jahrzeit Der schwungvolle Aufruf, den der VCfcm ölbaumspende aus Anlass der bevorstehenden \v׳jc. derkehr des Todestages unseres grossen Führers cr. lässt, dürfte an allen Orten, wo nur ein Her/, n0c}] für Judas Zukunft schlägt, einen gewahu׳,.•!, Wij״. hall finden. Aber der Widerhall setzt sieli nicht hm,:er m jlC Tut um, die notwendig ist. Wie dies lierbegdlihrt werden kann, dazu seien hier einige kk.m: Anregungen gegeben. Es empfiehlt sielt, an allen Orten einige T, vor dem 9. Juli Abzüge des Aufrufes an alle '/:««!•. 1s!cn | und Zionsfreunde zu versenden. P׳!st;m\vuMmgv \ fornuilarc oder besser noch Zählkarten be/v . 1:f|,n׳. j scheine sind bcizulegcn. Die Couverts, 1* .dickst weiss, sollen den Vermerk ״Privat" tragen n.ä gc. 1 schlossen sein. Die daraus erwachsenden Mc!.!;,׳.stu, sind nicht so gross und können von den (nt*. .׳: uppen getragen werden. Am 9. Juli lasse man durch einen vcrl.>v««.chea * Boten zumindest noch alle die aufsuchen. %•<<;<!!ater, man eine Spende erwarten darf, die aber v׳,.! selbst nichts sandten. Dem Boten bezahle man;;1. v, Prc. Besuch, sondern mit einem Prozentsatz (׳7 ■־;; seiner Einnahmen, was ihn zu besserer '1 .mdai! anspornt. Auch an den Orten, wo eine Gedetikica! \c/..!j. stallet wird, versende man den Aufruf und las*, einen Boten herumgehen, da viele grade im bommer Ver- Sammlungen und auch derartige Feiern mw;,1־! .־- suchen. Bei der Gedenkfeier vergesse inan r..*ht m würdiger Form auf die Pflicht dieser Jahr/ei'Ncikle hinzu weisen. An die Ausgangstüren der Säle steile man via; Vertrauensperson zur Empfangnahme von Geld und eine zweite zur Entgegennahme von Zeiclmm'.wn in ausliegcudc Listen zu späterer Abholung der ge• zeichneten Beträge. Man achte auf genaue •Viiosnt• angabu der Zeichner. Nach der Anregung der österreichischen stelle ist allen l.aiides-SamincIslcllcn zu empfehle;«., die Ausweise dieser Jahrzeit-Spende gesondert v״a den übrigen Ausweisen in einer oder zwei Num.ucra ilircr Organe zu bringen, und zwar nach Orten kv!|, auch Bezirken) geordnet. Die Orte, von denen täciits einging, obwohl dort Zionisten sind, sind mit einer Null zu verzeichnen. In den Ortsgruppen weise man auf diese F!»nn des Ausweises hin und sporne die Mitglieder .m, diese Spende als eine Kraftprobe der Ortsgruppen zu betrachten und bei diesem edlen Wettstreit die Ehre ihrer Gruppen zu verteidigen. Die Parteiblütter werden tun Abdruck dieser Anregungen in den nächsten zwei Nummern gebeten, Verband der Deutschen Juden Der Verband der Deutschen Juden hat neuerdings eine Reihe wichtiger Arbeiten teilweise schon aus• geführt und teilweise ist er noch in der Ausführung derselben hegrifien. Wir heben aus denselben folgettde hervor: Weitere Erhellungen über die Pass- Verhältnisse im Verkehr mit Russland werden angestellt. Das Material ist einem Abgeordneten des Reichstages unterbreitet. Ueber die Zurücksetzung der Juden bei Berufung zu Schöffen und Geschworenen werden fortgesetzt Berichte erfordert und ln gecig• nctett Fallen Beschwerde erhoben. Ueber die Lage der Juden in den Ostmarken finden fortgesetzt Ermittclungen statt, weiche demnächst ihren Abschluss finden werden. Die Ergebnisse der Militärumfrage werden den Parteien des Reichstages mitgetcilt werden. Ihre Besprechung am 19. März cr. werden weiterc Ermittelungen folgen. Der Verband überreichte eine Denkschrift, durch welche der Kultusminister In Preussun angeregt wird, StaatszuschUssc an leiatungs.sehw1.che Synagogcngcmclndon zur Ver* bcsscrung der Gehälter der Rabbiner und Kultus* beamten und der Versorgung der Hinterbliebenen derselben in den Etat cinzustcllen. Beim Zusammen* tritt des Landtages erneuerte der Verband diese An* regung durch eine Eingabe an das prcusslschc Ab• gcordneicnhnus, Für dio Besprechung im Abgeord* notenhause, welche am 12. Februar 1909 stattfand, unterbreitete der Verband den verschiedenen Parteien Voranzeige Anlässlich des fünften Todestages unseres ui י ver• gcsslichcn Theodor Herzl veranstalten wir m Sonntag, dem 11. Juli, abends 8'-■ Uhr in Beuthea (0. Schl) eine gemeinsame Gedenkfeier aller «*l׳cr* schlesischen Ortsgruppen. Wir bringen dies ucn vcrchrliehe» Ortsgruppen*!eitern mit der Bitte um rechtzeitige Be* kann tgäbe in ihren Gemeinden zur Kenntnis. Gruppen verband Obcrsclilesicn. I, A.: Arnold Wiener. Zionistische Ortsgruppe Beuthen O.-Schl. I. A«: Dr. Dobrezynski. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinig, für Deutschland Der Todestag Dr, Theodor Mcrzl’s fällt diesmal auf Freitag, den 9, Juli. Wir bitten alle Ortsgruppen, diesen Gedenktag würdig zu begehen und nach Möglichkeit, Trauerfeiern zu veranstalten« Kleineren Qruppen, die keinen geeigneten Redner besitzen, stellen wir auf Wunsch eine Gedenk• rede zur Verfügung.

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