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Jüdische Rundschau · 1909-06-25 · Heft 26 (25.6.1909) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 26 (25.6.1909)
Date
1909-06-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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t 4 No. 26. JUlilllSCHE KUNDSCHAU Smt« 209. C=Z> ח ח y־v Merkspruch Hldit beim ersten mal gelangen Heisst noch nicht dem Strick entgangen. (Talmudipruch.) Der Sieg des Gedankens Von V. Hugo. Dculoch von Lina Frlcdlacndcr. C«rköndc, Hörnerklang, Saut der Gedanken Toben I — Als 30411a dereinst, das Haupt zu Gott erhoben, Von seiner Schar gefolgt, hell schallen Hess das Horn Vor Dcricho, der Stadt, In wildentbranntem Zorn, Da wolil’ beim ersten Mal der König herzlich lachen} Beim zweiten Male tat es seinen Zorn entfachen« — ״Du glaubst wohl, meine Stadt stürzt durch die Winde ein?“ — Beim drillen Mal voran glänzt hell der Bundes* schrein, Oießl<ir>cr folgen erst, dann derSoldaten Reihen— Da liefen Kinder zu, die Pilger anzuspeien Und ahmten johlend nach der hell'gen Hörner Ton. Beim vierten Mal erschien die Weiberschar voll Hohn? Die Spindeln setzten sie hin auf die alten Zinnen Und fingen lachend an, gemächlich Garn zu spinnen, Auch warfen Steine sie dem Dudenvolke vor. Beim fünften Male, sieh* * Da nahten sich dem Tor Die Krüppel aus der Stadt mit kreischenden Gesängen Und spotteten ganz dreist des Hornes Donner• klängen. Beim sechsten Mal trat auf den Turm der starken Deste, Die hochaufstrebend sonst dem Adler dient zu feste Und felsenhart noch Trotz bot .an bösen Wettern, Der König siegbewusst — sein Lachen hinzu• schmettern} Er rief im Uebermuh — ״Hört, Euer Lied Ist fein!“ — Und lachte gellend auf: es fielen kichernd ein Die Alten, die des Tags sonst an den Ecken kauern. Beim nächsten Mal jedoch zerbarsten alle Mauern. Die Register der V/ohltütigkeit Legende. Hin religiöser und wohltätiger Mann war in seinen« Geschälte unglücklich gewesen und hatte in kurzer Zeit sein ganzes Vermögen verloren, und um sicli und die Familie zu unterhalten, musste er im Tagclolmc arbeiten. Müde und triefend von Schwciss stand er im Acker und pflügte, als ein Araber zu ihm trat und zu ihm sagte: ״Freund, du bist bestimmt, *cch.s Juli re im Ucberlluss zu leben; wähle du, ln welcher Epoche deines Lebens du vorzichst, diese sechs Jahre zu geniessen, ob Jetzt, oder später?“ «Hist du ein Zauberer?" antwortete Ihm der fromme Mann. ״Qchc deines Weges; denn bei mir kannst du nichts verdienen.“ Und er setzte seine Arbeit fort. Kurz darauf kehrt der Araber zurück und macht ihm den nämlichen Vorschlag, und wird eben so wieder abgewiesen. Er kommt wieder, so dass der andere, müde, und vielleicht auch ein wenig überzeugt durch die Beharrlichkeit des Unbekannten, ant- *ortete: ״Ny״ gut! Ich gehe, mich mit meiner Frau w beraten, und Ich werde dir alsbald ihren Rat mit* teilen." Er läuft nach Hause und erzählt der Frau das Vorgcfallcnc und die unglaubliche Zudringlichkeit des Ambers und schllcsst: ״Angenommen, dass er die Wahrheit rede; für wann wollen wir die sechs Jahre Ueberlluss wühlen? Gleich, oder in unserem Alter?" ,,Gleicht Gleich!" ruft die Frau; und der Mahn eilt zum Araber und gibt Ihm diese Antwort. ״Gleich? sagt der Araber; cs sei so. Gehe nach Hause, und du wirst »nein Versprechen schon erfüllt finden," Unterdessen sehen ihre Söhne, indem sie Schutt auf wühlen, Gold glänzen: sie graben tiefer und finden anderes Gold und sammeln einen Schatz. Sic erheben ein Jubclgcschrci; die Mutter kommt hcrbcigclaufcn und ist ausser sicli vor Freude. Und alle stürzen dem Vater entgegen, der schon in der Nähe des Hauses war, und teilten Ihm die frohe Nachricht mit . Die gute Frau aber liess sich von den Reichtilmcrn nicht den Sinn verrücken, sondern dachte alsbald, guten Gebrauch davon zu machen. ״Wir haben," sagte sic, ״sechs Jahre des Genusscs; machen wir, dass auch die Armen davon ge• ntessen,“ Und cs verging kein Tag. wo sie nicht viel Al• mosen spendete und gute Werke übte, und sic befahl ihrem jüngsten Söhuchcn, über all das, was in Wohl• tätigkeit gespendet wurde, genaues Register zu führen. Nach den sechs Jahren erscheint von neuem der Araber, der kein anderer war, als der Prophet Elia, und sagt: ״Mein FreundI Die sechs Jahre sind vor• über; gib mir meine Relchtihncr zurück." ״F.s ist gerecht, antwortete der andere; aber gib acht! Ich habe auf den Rat meiner Frau angenommen und kann ohne ihren Rat nicht zurück erstatten." Beide gelten ln das Haus zur Frau, die, ohne im geringsten zu zögern, dem Araber die Register ihrer Wohltätigkeit zeigt und sagt: ״Unser Freund! Wenn du glaubst, dass dein Schatz besser andern an* vertraut werde, nimm ihn nur zurück; aber wenn dir scheint, dass wir gute Verwalter gewesen, lass ihn noch uns!“ Und der Prophet «ahm den Schatz nicht mehr zurück. Der Bär und der Bauer Ein Bauer war damit beschäftigt, sein Im tiefsten, finsteren Walde bclegcncs Feld zu bebauen, als ein grosser, mächtiger, brauner Bür des Weges kam. Ncugiciig sah der grosse Bär dem Bauern zu und fragte dann: ״Was machst du denn da?“ Der Bauer sagte: ״Korn säe ich!" Der Bär schüttelte den Kopf: ״Ei wie dumm hier mitten im Walde, da werden dir ja die wilden Tiere dein Feld verwüsten! Welsst du was, Ich will dir dein Feld treulich hüten, was gibst du mir aber daiür?" ״Die Hälfte der Ernte!" sprach der Bauer nach einiger Uebcrlcgung. ״Gut!" meinte der Bär. ״F.s bleibt daheil" Und er bewachte das Fehl sorgsam bei Tug und bei Nacht. Der schlaue Bauer aber slictc Hafer, und als derselbe reif war, schnitt er den Hafer in der Mitte ab, nahm sich die obere Hälfte und Hess dem Bären mit den Worten; ״Da hast du deine Hälitcl" die kahlen Stop• pcln übrig. Acrgerlieh und mächtig brummend trollte der überlistete Bär davon und nahm sich vor, keinem Bauern mehr zu trauen. fm nächsten Frühjahr traf der braune Bär den Bauern wieder, als dieser eben sein Feld im Walde bebaute. Wieder sprach der Bär den Bauern mit den Worten an: ״Was machst du denn da?" ״Korn säe ich!“ antwortete der Bauer. ״Die Tiere des Waldes werden dir das Feld verwüsten," versetzte der Bär. ״Was gibst du mir, wenn ich dir dein Feld hüte?“ ״Die Hälfte der Ernte!" war die Antwort. ״Gut," meinte der Bär, ״über du gibst mir die obere Hälfte." Der Bauer war einverstanden, und wieder bcwachte der Bär getreu das Feld bei Tag und Nacht. Der Bauer aber säctc Rüben. Als der Herbst kam, zog der Bauer seine Rüben aus der Erde und gab dem Bären, wie cs verabredet war, die obere Hälfto — dio welken Blätter. Wütend trollte der Bär davon und sprach mR mächtigem Brummen: ״Ich sehe schon, mit diesen schlauen Zweibeinigen Ist cs nicht möglich, ln Freund• schaft zu leben; nun will Ich cs ln Zukunft mit det Feindschaft versuchen I" Und von dieser Zeit an ist der Bär ein teissendes Raubtier geworden, einer der gewaltigsten Feinde der Menschen. •v. . Anagramm Sieht man sie vor sich reich besetzt, Wird heiter Herz und Miene. Doch wenn die Zeichen inan versetzt, ist sic in der Gardine. Zahlenrätsel 1 2 3 4 1 5 6• 21123456 3 2 6 4 1 4 6 12 6 14 6 15 5 6 15 6 2 15 schmackhafte Früchte. Möbelstück. Zeitabschnitt. männlicher Vorname. Verwandte. Schwimmvogel. Zeichen. Das WOrfelwunder (zur Zeichnung in vorletzter Nummer von Jung*lsract): Du sahst dir wohl die Würfel an? Gruppiert hat sie ein Wundermann, Und so vorzüglich aufgebaut, Dass, wie sic immer angcscliaut, Von rechts, von links, von unten, oben, Ob grad du lunsiehst, ob verschoben, Und wärest du noch so gerieben, Du einmal sechs zählst, einmal sieben. Und fragst du mich, wieso das kommt, Behalte wohl, dass cs dir frommt: ״Den Mann macht oft erst die Wattierung, Das Würfewunder die Schattierung!‘‘ Lösung der Kompositionsaufgabe Lösung des Rösselsprunges -- » t/ ־ aus voriger Nummer von ,Jung-Isracl“. Theodor Hcrzl berief einen Kongress der Zionisten nach Basel. Der Leitsatz des Baseler Programms lautet: Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Richtige Lösungen sandten ein: S. Hallcnstcin, Cöln; Manfred Tuchler, Stolp i. Pom.; Johanna Koplowitz, KönigslUitte (O.-Schl.); Marcuse, Berlin; Thea Braudlc, Königsberg; Ludolf Häusler, Lübeck; Moses Perctz, Berlin; Nathan Pcrlmann, Königsberg; Ottilie Siegelwachs, Essen (Ruhr); Hedwig Caspari, Berlin; Hans Kolm, Prpg; Walther Wolff, Wetzlar a. d. Lahn; Emma Horwitz, Königsberg i. Pr. Briefkasten Rutil S., Posen. Gewiss Ist uns Eure Mitarbeit an ״Jung-Isracl" erwünscht. Nur immer her mit den Rätseln und Aufgaben 1 Da du bisher bei den Lösungen so viel Glück gehabt hast, dürltc dir die eigene Zusammenstellung wohl auch gut gelingen! Ellas W״ Berlin. Dis. Auflösung der Kompositions* aufgabc findest du in dieser Nummer von ״Ju11g«lsracl". Das vorige Mal hatten wir so vjcle schöne Dinge mitzuteilcn, dass wir mit dem Platz sparen mussten• Ernst A. Vielen Djjpk für den freundlichen Kartengruss. von der schönen Landpartie! sifrimao1

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