Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1909)
- Date
- 1909-06-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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alle wurden den sehliinm.sle» Motiven zugänglich sein. Dies ist da hei, was mir der Gr Ihn• düng einer ״Alliance I s r a צו I i t c Universeile" aufs Bedenklichste entgegn n*?!ist c 11 e 11 s c h e 1!11. Schon der N a 111 e macht Tausenden von Christen Grauen,־ lasst dies Wort in die Massen geraum und die ärgsten Phantome sind wachsenden.“ Ger so .sprach, war gewisscrniasscn der Wächter des indischen l.ihoralisnnis in Deutschland. Seine Bedenken, die gewiss Tausende mit ihm teiften, nicht achtend, bcschriil die Alliance dennoch den Weg der Selbsthilfe. Sie appellierte an die Regierungen, kliirte die Presse auf. gründete Schulen und Erziehungsan* stalten. Hs scliien iür genügender Ersatz — lind diese Genügsamkeit halte ihre historische Beredt• tignng — inr den Mangel einer Regierung, die sich der jüdischen Interessen amieliiiien könnte. Es wird aiier jeden historisch geschulten Denken ohne weiteres klar sein, dass der ein Mcnschvnaltcr später auftretende Zionismus nichts anderes ist, als die konsciiueiite, den verandeiten Wirtseliaftsverlniltnisse» der Juden angepasste Portführung des Alliancegedankens von der Selbsthilfe, von der Schaffung einer jüdischen Zentralstelle. öffentliche Angriffe, mögen sie in i,1rcr״J!,nrS5 auch noch so bedeutungslos sein, in der ö״1111״־«״• keit zuröokzuwobcn. Dieser Pall war liier gege Am 18. d. Mts. hatten sich hunderte unserer Ge• si11nung.sfre1.nde zu der ״»gekündigten N ersainmlung eingefimden. Dr. K. Auerbach referierte in seiner bekannten ruhigen und sachlichen, dabei doch prägmimen Art über die Angriffe gegen den Zionismus 1m Jahresbericht der Alliance. Es sei nicht »» Geiste der Alliance, des Grundsatzes, dass ein Jude für den anderen bürgen solle, wenn dein Zionismus der Vorwurf gemacht werde, er gefährde die Stellung der türkischen Juden. Bisher habe cs immer geheissen, der Zionismus sei ein Hindernis int Kampfe um diu Gleichberechtigung und mm in dem Augenblicke, wo durch die neu gegebene Verfassung den Juden in der Türkei eine glänzende Zukunft winke, verdächtige man die jüdische Arbeit in Palästina, was, wenn auch 11.,111•.1»ו1וי״ lilft ein ,(mi'Ii in der WlrkllMVT cillCr DcllUll• ziatiou gleichkomme. Die Angriffe, die ausserdem gegen den Hilfsvcrein vorgebracht wären, zu widerlegen, sei nicht Sache des Referenten, zumal der Hilfsvcrcin bereits in sachlicher und durchaus vornehmer Weise geantwortet habe. Der Referent weist im folgenden Die öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte ist das ureigenste Produkt der Allianceidcc, nur dass sic gerade;licht in den Köpfen der Leiter der Alliance entstanden ist,, nicht entstehen konnte, da diese im Laufe der Jahrzehnte nur ihrem Name 11 die Treue gehalten hat. Oder glaubt heute jemand im Ernste, dass die Alliance die Vertretung der J 11 d e n h c i t sei. Dass sic etwas anderes sei als eine gewiss segensreich wirkende Organisation, aber doch nur eine unter mehreren jüdischen Organisa• tionen, die eine Reihe i.uiuanitUrcr Aufgaben auf sich genommen haben? — Vor fast 50 Jahren griff Ludwig Philippson die Allianceidcc als gemeingefährlich an, ein in jüdischen Dingen wohl erfahrener »Mann, ein anerkannter Piihrer der deutschen Juden, in imsern Tagen sind diesem Vorbild indischer Überüugstliehkeit zahlreiche Schiller erstanden. Es sind die gleichen Argumente, mit denen man jahrelang gegen den Zionismus operiert hat und die jetzt zum hundertsten Male Herr Gold• berger ausgerechnet, der Leiter der Alliance Isradlite Universelle in Deutschland, vorzuhringen sich ge• müssigt fühlt. Herr Philmpson war ein bedeutender jüdischer Wissenschaftler mul Politiker, und konnte doch so glänzend Irren, Herr Goldberger, sein Nach* beter, ist zweifellos cm bedeutender Geschäftsmann, als jüdische Autorität r.ngcsprochcu zu werden, aber ist gewiss nicht sein Ehrgeiz. So können wir denn mit heiterer Seelenruhe seine Angriffe hinnuhmett. Philippson zerbrach sich unnötig mul unaufgefordert den Kopf Europas, Goldbergers Sorge tim das durch den Zionismus angeblich gefährdete türkische Staats• wohl wird von den dazu Berufenen ebensowenig gc• teilt werden. Wir hätten die seelischen Beklemmungen Gold• hergers mit Stillschweigen übergehen können, wenn es sieh liier •licht um den bekannten ihcrlngschen Satze handelte: ״Man soll sich sein' gutes Recht nicht beugen lassen, selbst weint cs sich tun einen!Mennig handelt.“ Es ist iür uns als politische Partei eine zwar nicht angenehme, aber notwendige Pflicht, nach, dass de 1־ Zionismus sich nicht nur der Unter• Stützung der türkischen Juden erfreue -- sei dodi der Abgeordnete Masliach eifriger Anhänger des Zionis- 11111s — auch die offiziellen türkischen Kreise hätten wiederholt ilne Sympathien für die zionistische Arbeit bekundet. Es wird uns, meint der Referent, mit diesem neuesten Angriff so ergehen, wie mit allen früheren. Unbczwinglich mit immer sich verjüngender Kraft schreitet der Zionismus seinem Ziel entgegen. (Leb• hafter Beifall.) In der Diskussion vertrat zunächst der unver* antxvortliclie Leiter der deutscher. Koiiferonzgcmeinschaft, Herr Klausner, den Standpunkt der Alli• ance. Seine Rede war mit jenen Wit/.ehc» und Goisireiehigkciten gespickt, mit denen man niemals in die Tiefe gehend, immer au der Oberfläche haftend, niemals gründlich aber spitzfindig über jede Sache in amüsanter Weise reden kann. Bei dem kritiklosen Häuflein der anwesenden Alliunccanhüngcr fand der ״kaustische Witz" in der Tat grossen Bei• fall. Sehr erfreulich war die Disziplin unserer Prcmtdv, die, trotz ־zahlreicher Provokationen, den Redner ruhig anssprechcn Hessen. Mit erfrischender Deutlichkeit und schärfster Prägnanz im Ausdruck hielt dann Dr. Heinrich Locwc der Alliance ihr Sündenregister vor. Er sprach das endlich aus, was wir alle wissen und was bisher unter dem Zwang parlamentarischer Konvcnicnz noch nicht zum Ausdruck gekommen war, dass hinter den offiziellen Angriifcn eine imverantwortliche Leitung stehe, deren Motive alles andere als sachliche seien, der aber nur schwer bcizukomnicn ■sei- Das eben mache den Mrcit so nnormiicklich, weil cs sich nicht um einen Kami'{ gegen Prinzipien, sondern gegen den persönlichsten Motiven entspringenden Vexationcn handle. Die Rede wirkte wie ein reinigendes Ge- Witter und so gab der Redner dem angeliänfteii Groll der Versammlung — trotz angeblich stimmlicher Indisposition — einen zwar dröhnenden, aber nach soviel Lcisetreterei geradezu erfrischenden Ausdruck. Charakteristisch ist, dass keines der anwesenden »Mitglieder des Berliner Lokalkomitecs der A.I.U. d,c wie wir genau wisse», das Vorgehen gegen andere jüdische Organisationen nicht billigen, zur VcrtciUi. giing der Alliance das Wort nahm, sondern nur der Geschäftsführer einer Goldberger nahestehenden £r. wcrbsgeseliscimft, der seinem Chef seine Tüchtigkeit wohl auch im öffentlichen Leben beweisen zu müssen glaubte. Von unserer Seite wurde ihm gelml1fcmj liciiiigeleuclitct u.nd insbesondere klargestellt, dass die Angriffe der Alliance als letzten Zweck hatten, den Hilfsvcrcin bei seinen Mitglicderii'uls zionistisch zu denitnzietcn und zu' versuchen. Misstrauen zwischen dem Hilfsvcrcin und der zionistischen Or. ganisation zu säen. So versuche die Alliance gleichzeitig beide von ihr gehassten Organisationen z״ schädigen, um ihre alte, aber langst unlialtlmr gCwordene Suprematie im Judentum wieder /,״ Kc. wimicu. Daun beleuchtete Dr. Auerbach in seinem Schlusswort die besonders von Herrn Klausm! vor. gebrachten Argumente und wusste sie in »!heraus feiner Weise zu widerlegen. Die Versammlung .hakte dem Referenten mit stürmischem, anhaltendem Bei• fall. Die Veranstaltung war eine imposante, einmütige Kundgebung der Berliner Zionisten gegenübe! den unmotivierten Angriffen einer Uber ihre fiktive Uber• logenheit eifersüchtig wachenden Organisation und ihrer Leiter, gegenüber Angriffen, die den Sieg».*.lauf unserer Bewegung nicht um eine• Stunde authaiten werden, ׳ Die jüdische Jugend und ihre Organisation Seit kurzem haben wir eine jüdische Jugcndhc• weguug. Ueber ihre Notwendigkeit ist kein Wor! zu verlieren. Es mussten ja endlich einmal Schritt«, ge• tan werden, um den Teil der jüdischen Jugend Deutschlands, der sich noch Interesse und Araeilimlunc für Juden und Judentum bewahrt hat, der dem V,<lko und dem Glauben, denen er durch Gehurt angelt, ft. nicht mit dem skeptischen Cynisiuus des jüJ‘smie.1 Antisemiten gegenubersteht, unter einem Banner /u .sammeln und ihm sc durch das Gefühl der Zusammen• gehörigkeit und der gemeinsamen Interesse!! de 1 Rücken zu stärken. Es musste ferner irgend »•m Faktor geschaffen weiden, der imstande sein '«׳׳!....e. wenigstens einen Teil dessen wieder gut zu maei.en. was Schule mul Haus!11 schöner Eintracht gesiuidig: hatten. Denn, nass die äbore Generation bei wwcim ן nicht das jüdische Wissen und oft ‘erst recht m-nt! einmal den guten Willen besitzt, ihre Kinder zu uKr• ] zcugimgstreucn und bewussten jungen Juden hcrauoi• 1 ziehen, dass ferner der überaus kümmerliche sc<״:L und schablonenrnässig betriebene Rcligionsunteroeht uicht nur nicht fähig ist, dem durch die unjitdische Et• Ziehung in den jungen Seelen entstandenen Manko a i jüdischem Wissen ein erhebliches Plus cntgcgeii/u• setzen, sondern oft sogar noch das Seim; redlich d>1!׳ beitragt, durch lieblose, iiiivvrMändige 11110 allzu um• tcriellc Bell imllung des Stof,'er vielen feiner diiiere.;• zierten Naturen die letze Lust am Judentum zu wr• ekeln. •־• das alles sind j.» traurige, unendlich ••11 d!>• kutierte Tatsachen an denen nichts zu drehen m,,I i zu deuteln ist. die sie dem Kutscher atigab; aber er glaubte, sieb bestimmt verhört zu haben. Es war eine lauge Fahrt, die fast schweigend zurückgelcgt wurde, und Juda vertrieb sich die Zeit damit, dass er das Gesicht seines Gegenübers verstohlen, aber aufmerksam studierte. Das Studium gefiel ihm sehr gut; dann aber fing er von neuem an, sich zu wundern, als der Wagen endlich vor einem palastartigen Gebäude in der Vorstadt Praga still hielt. Er wusste, wem das Palais gehörte, und folglich hatte er vorhin doch richtig gehört. Es war also die einzige Tochter des reichen Bankier Heinrich Kronenmann, des angenehmsten Juden Warschaus, die er vor einem entsetzlichen Schicksal bewahrt hatte. •— (l־’orlsetzm1g folgt.) Kleines Feuilleton Die Sterblichkeit der Juden im Ghetto Während heute in Westeuropa die Sterblichkeit der Juden überall geringer ist als die der christlichen Bevölkerung, ist in früheren Jahrhunderten das Um• gekehrte der Fall gewesen. Dies wird u. a. von Dr. \V. Hanauer (Frankfurt a. M.) in seiner Arbeit über die ״Qcschichte der Sterblichkeit und der öffentliehen Qcsundhcilspflegc in Frankfurt a. M." (Deutsche Viertctiahrcsschrift für öffentliche Gesundheitspflege, 1908) für Frankfurt a. M. zahlcnmässig nachgewiesen. Während aber Im 17 und 18, Jahrhundert die Stcrb* liclikcit der jüdischen Bevölkerung im allgemeinen grösser war , als die der christlichen, war die Kindersterblichkeit bei den Juden gcringor als bei den Christen. Das konnte daher rühren, dass die Kiudcr/.ahl bei den Juden eine kleinere war denn bei den Christen und daher der Nahrungsspielraum, der auf das einzelne Kind entfiel, ein grösserer. Dies wäre kein Wunder gewesen, da ja die Juden infolge der Beschränkung ihres Wolmraumes, der nicht erweiterungsfähig war, sich auch in der Pro• diiktiou der Kinder eine Beschränkung auferlegen mussten, oder der Grund der geringeren Kinder- Sterblichkeit konnte in der besseren und sorgfältigen Pflege der Kinder gelegen sein. Die Ergebnisse der Berechnungen Dr. Hanauers stimmen mit den von Prof. Kraeauer »»gegebenen Zahlen ־ziemlich überein, was um so bemerkenswerter ist, als üictz, in seinem ״Stammbuch der Frankfurter Juden" die Beliauptung aufstcllte, dass die Oesundhcitsvcrhältnisse und dementsprechend die Sterblichkeitsziffer der Juden in der JiiJcngassc keine ungünstigere, ja sogar bessere gewesen seien, als bei der übrigen Christ• liehen Bevölkerung. Interessant ist auch der von Rabbiner Dr. Horowltz geführte Nachweis, dass bereits in den Jahren 177G bis 1820 eine bedeutende Abnahme der Sterblichkeit der Frankfurter Juden zu verzeichnen war. Um diese Zeit fingen nämlich die Verhältnisse an günstiger zu werden, denn jetzt wurde cs einzelnen Juden gestattet, ausserhalb der Juden• gasse, zu wohnen. Bereits 1818 war daher die Sterbeziffer der Juden unter die der Christen heruntergegangen. Wohltätigkeit in Südafrika Eine recht interessante Illustration zu dem Satz-•: ״Getrennt marschieren und vereint schlagen"!'•׳'< jüngst ein Wohltätigkeits-Bazar, der in .lohannesbuig im Hause der Frau George Albu sf.iutaiiU, und za Gunsten der South African Jcwislt Orplutuugc '׳1׳i des Nazareth Home veranstaltet war. Eine derartige brüderliche Zusammenarbeit, ausgesprochen jüdischer und katholischer Institutionen, dürfte wohl vorhin!■•: mir in diesem entlegenen Weltwinkel denkbar sein. Der Erfolg war auch ein ausserordentlich erfreulicher und der Ri inertrag von 1270 ־ wurde von den bistitutionen briiderlich geteilt. Ein Oberlculnant billig zu verkaufen 1 Das ״Berliner Tageblatt" enthielt vor kurzer.; folgendes Inserat: .langer Oberleutnant, evangelisch, hübsche Erscheinung, sucht atii diesem Wege die Bekanntschaft einer Israelitischen Dame, 18 -23 Jahre, tuit einem Vermögen von ISO bis 25•• Tausend Mark, möglichst disponibel, zwecks Heirat zu machen. Diskretion sichere auf Ehrenwort zu. Attojiviu zwecklos: ernstgemeinte Nachrichten, möglichst mit Bild, erbitte.