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Jüdische Rundschau · 1909-06-25 · Heft 26 (25.6.1909) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 26 (25.6.1909)
Date
1909-06-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 294. JUED'ISCHE RUNDSCHAU wusste!־, systematischer Kampagne gegen den ״Hilfs verein“ gerichtet werden*), gegen die ״Konkurrenz“, die hier mit einer Kon scquenz und in Formen attakiert wird, als wäre es ein Kampf von Trust gegen Trust. Wir sagten: von Herrn Goldberger und Klausner und, betonen das. Manche unserer Freunde glauben Herrn Goldberger als Neuling i«1 jüdischen Dingen von aller Verantwortung freisprechen zu sollen. Es kann nicht wahrscheinlich sein, angesichts einer Individua• litiit, wie sie Herr Goldberger darstcllt, und ist auch nicht richtig. Herr Goldberger zeichnet seine Anti־Hilisverein*Deklarationen mit der* selben Bewusstheit, wie er als Kaufmann Auf; sichtsrat-Protokolle zeichnen würde. Noch mehr: mau muss cs ihm, gerade weil er ein homo novus im Jüdischen ist, mit historischer Gercchtigkeit zuschreibcu, dass er Kampfmethoden in das jüdische öffentliche Leben eingeführt hat, die früher verpönt waren und trotz dem eifrigen Bemühen seines gewandten Bureaus kaum Aus* sicht haben, sich durchzusetzen. Herr Goldberger also, von Herrn Klausner assistiert, führt, wie wir wissen, den unerbitt* liehen Kampf gegen den ״Hilfsverein“. Einmal heisst das Thema: Pogromberichterstattung, ein andermal Fnlnschcs, ein drittesmal Emigrations* ctat, ein viertcsmnl Intervention wegen marok* kanischcr oder rumänischer Juden. Jetzt heisst es: Tätigkeit im Orient. Der Kenner merkt sofort, wenn er die Pfeile schwirren hört, woher sie kommen und weiss, dass sie nicht giftlos sind. Falnschas oder Juden im Orient — es ist immer dasselbe. Die Ob* jekte der Philanthropie — es ist tragikomisch — sind die Statistiken bei diesen Schiessübungen aus der Oranienburger* nach der Steglitzer* Strasse. Und der Angriff gegen den ״Hilfsver* ein“ wegen seiner Orienttätigkeit unterscheidet sich seinen inneren Entstehungsgründen nach in nichts von dem famosen wegen der Pogrom* berichterstattung aus Odessa, die Herrn Klaus* ner von mehreren Rednern der Protestversamm* lung ganz gehörig vorgehalten wurde. Nicht seiner Entstehung und wohl auch nicht seiner Fortsetzung nach. Damals, im Falle Odessa, in einem der schwersten Stadien der russischen Leidensgeschichte, hat die ״Konferenzgemein* schaft“ den Odessa’er Juden und dem jüdischen Ansehen nicht besser zu dienen gewusst, als *) Dass der Zionismus nur ein bisschen gc* ärgert oder verspottet, sonst aber auch in diesem Fall der Hilfsverein getroffen werden sollte, bc* weist, wenn cs überhaupt zu bezweifeln wäre, schon die Haltung der ״Koufcrcnzßomelnschah" nach un* scrcr Protcswcrsmnmtung, die sic in bekannter Stilistik in einem ihrer Organe als ״i n A u $ f ü h r u n g eines Auftrages" (!) (lies: des ״Hilfsvereins") arrangiert erklärt■ , ״Kadimah“ Erzählung von Sam. Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. (Fortsetzung) Etwa sechs Monate später ging Juda zu Bcllinsky, um einige Vereinsangelegenheitcn mit ihm zu besprechen und zu ordnen. Sein Freund war nicht anwesend; da er bald zurück sein wollte, entschloss sich Juda, auf ihn zu warten, um die Sachen noch heute zu erledigen. Bellinskys Wohnung, durch deren Fenster man den ganzen viereckigen Hofraum, der durch hohe Seiten* und Hintergebäude ganz abge* schlossen war, gut übersehen konnte, befand sich im zweiten Stock. Dieser lag jetzt völlig still und menschenleer da und kein Laut regte sich; die Männer — meistens Arbeiter und Handwerker — waren bei der Arbeit, die Frauen in der Küche beschäftigt und die Kinder noch nicht aus der Schule. Nachdem Juda eine ganze Weile gedanken* voll aus dem Fenster gesehen, hörte er jetzt die vordere Gittertür geräuschvoll aufschlicssen und gleich nachher wieder krachend zuschmettern, und aufblickend sah er den rothaarigen Ivan, den Hausknecht, dessen pockennarbiges Gesich! dass sie eine vom ״Hilfsverein“ in die Blätter gebrachte Notiz über Pogromexzessc als «Jeher* treibungen desavouierte und meldete: Alles sei ruhig. (Er war dieselbe Ruhe, wie auf dem Schipkapass!) Statt, wenn sie beruhigende Nachrichten erhalten hatte, sic direkt oder mul* rekt der Organisation zuzustellen, die zuerst bc* richtet hatte) diskreditierte sie lieber auf Grund ihrer falschen, ungeprüften Nachrichten das Ver* trauen der Presse zu den Mitteilungen des ״Hilfsvereins“ und der englischen Orgamsa* tioncu, die sie in die englische Presse gebracht hatten. Und die Fortsetzung: Nachdem sie so* wohl von England als vom Pariser Bureau der ״Alliance“ wegen des schweren Schadens, den sie stiftete, scharfe Vorhaltungen empfangen, nachdem sie selbst in ihrem Organ die ״ganz ruhige“ Lage von Odessa als eine furcht* bare Panik dargestellt hatte, wo ״kein Tag ohne Angriffe auf Juden“ vergeht, hatte die ,»Kon 10• renzgemeinschaft“ den traurigen Mut, mit Hute der oft erwähnten Stilkunst, den Satz niederzu* schreiben: ״Wir haben für richtig gehalten und halten für richtig, solcher Uebertreibung (dass ״man von Pogrom sprach, wo nur eine ge* wohnliche Ausschreitung vorlag“) entgegenzu* treten.*) ״Uebertreibungen entgegentreten,“ hiess es damals. ״Die Verantwortung . . . für ein g c f ä h r l i c 11 e s Spiel... andern überlassen“, so heisst es diesmal. Wir verstehen bereits zu lesen. Das heisst: Hütet Euch vor dein ״Hilfs* verein“! Für uns ist die Angelegenheit also klar. Die Konferenzgemeinschaft kämpft mit allen Mit* telu gegen den ״Hilfsverein“ — er wird sich ihrer, wie bisher, erwehren müssen und wird cs wohl imstande sein. Auch wenn man seine Zusammenarbeit mit Zionisten oder seine pa* lästinensische Tätigkeit den deutschen Juden als schwarze Untat hinstcllt. Das Vertrauen, das der ״Hilfsverein“ nach anfänglichen Bedenken auch in unserem Lager sich gesichert hat, hat er sich durch seine moderne, der Leisetreterei abholde und opfervolle Vertretung der Interessen der russischen Juden, durch seine Bereitwilligkeit, bei allen gemeinsamen jüdischen Aktionen mitzuwirken, erworben. Seine palästinensische Tätigkeit kam erst später, um es zu fördern. *) Nebenbei bemerkt: Unsere Organisation,deren Angrliic so ״gelüissig" sein sollen, begnügte sieh du* mals, obwohl eines unserer A.-K. Mitglieder in unver* atuworUiehor Weise als ״Verfertiger" unbegründeter Alarnumchriclitcn denunziert worden war, mit einer sehr reservierten ״Mahnung an die Organisationen", ln Nummer <19 und 50 (1907) der ״Jüdischen Rundschau" mag man übrigens nachlcscn, wieviel Tote und Verwundete es in Odessa gab, als die ״Kon* ferenzgcmeinscliaft die ״Ruhe" meldete. unheimlich glühte, schwankend, mit unsicherem Schritt, den Hofraum betreten. Juda bemerkte sofort, dass der Mensch schwer, sinnlos betrun* ken war, aber er konnte sich nicht erklären, was der schlaue, heimtückische, blutgierige Blick in seinen Augen zu bedeuten habe, oder was er so beharrlich und geheimnisvoll unter seiner ge* flickten, unsaubern Jacke zu verbergen suche. Juda sah gespannt dem Gebahren dieses unheimlichen Gesellen zu. Er wusste nicht, dass heute lvan’s Namenstag war, den er alljälydich dadurch zu feiern pflegte, indem er über den gewöhnlichen, alltäglichen Rausch noch hinausging, bis er dem Stadium des Dcli* rium Tremens sehr nahe gekommen war. In den wenigen nüchternen Stunden seines Lebens war Ivan ein grosser Philosoph und Denker, und er zermarterte sein Gehirn mit dem schweren Rätsel seines Daseins, warum denn seine Frau vor dreissig Jahren, gerade seine und nicht lieber die Frau eines andern gewor*! den war. Er hasste sie darum glühend, unversöhnlich, und da er nicht die Vorsehung zur Verantwortung ziehen konnte, so hielt er siefi schadlos an sein Weib, das er tagtäglich ver* prügelte. Das geschalt schon in den wenigen Stunden seiner Zurechnungsfähigkeit; und nun gar in solchen Stimmungen, wie die heutige, da Die Gründung der ״Konferenz״(, m c i n sc h a f t“ haben wir Zionisten ohne i Feindseligkeit aufgenommen — sie hat bis kvA ׳ alles getan, um das Trennende in ״unparlamen tarischen“ Formen mit Eklat und Bissigkeit auf : zubauschen.; Wir schätzen das Kulturwerk der ,,Alliance! Israelite Universelle“ ungemein hoch, sonst 1 wünschten'wir nicht so sehnlich seine Reform«• i *־ rung. Wir wissen, dass uns in den Anschau• ־ i ungen eine grosse Kluft von ihren Leitern trennt I ■ und wir wissen auch, dass bis jetzt nur schwache i Aussichten sind, dass wir mit diesen Herren —! denn nur von Personen, die eine grosse Tradi• ä tion und eine grosse materielle Macht repräsci».! 1 ticren, kann man sprechen — dass wir als natio- «; nal-jüdische, demokratische Organisation mit ■ 1 diesen Herren zu einer Verständigung uml Ar• f i beitsgemeinschaft kommen. Wir werden ns an• \ l streben, ohne es als Unentbehrlichkeit zu be* j trachten, wir werden sie weiterhin unbeirrt als l Gegnerin behandeln, wo sie uns zu irren scheint, i und sie schätzen und fördern, wo sie es ver• dient — alles in den Formen, die sich, Gott sei Dank! als Anstandsregeln in der jüdischen ()Öffentlichkeit ausgcbildct haben. Aber die ״Konferenzgemeinschaft“, der wir nochmals und wieder sagen, dass wir ihren Kampf gegen uns auf seine wirklichen Motive; zurückzuführen imstande sind, ist, wenn sie j bei ihrem System verharrt, kein jüdischer Fak• I tor, mit dem man paktieren, auch nicht ein solcher, mit dem man in regelrechter form I kämpfen kann. Ist Herrn Goldbergersein altes 1 System lieb ־— habent sibi! Vielleicht aber lernt I er um und zu? Wir werden es bald nhen j können und können es absvarten. j Der Zionismus ist zu gross und zu ernst, j als dass er sich über Gebühr mit ״Individuali• i tät$“*Exzessen aufhalten könnte. I Zur Frage der Gesamtorganisation i Was nun? j Wenn man nach dem jüngsten ״Deutsch• ] israelitischen Gemeindetage“ die Frage: Was | nun? aufwirft, so sollte man meinen, darauf gäbe , cs eine klare, eindeutige Antwort, die unschwer;• I aus den Beschlüssen des Gemeindetages selbst 1 I horvorgehc. Der einzige prinzipielle Beschluss, I f der nach langer Beratung gefasst wurde, war j die Annahme des Antrages Fricdmaim: j ״Bei der Organisation der jüdischen Oe• j meinden Preusscns ist über die Lokalgemeinde und über die Bezirksgemeinde eine weitere Or• 1 ganisation nur insoweit zu schaffen, als es zur י i Bildung und zur Unterhaltung von Bezirksge• kam ihm der Missgriff des Schicksals mit voller Wucht zutn Bewusstsein, und er war bemüht, ihn wieder dadurch gut zu machen, indem er sich recht schnell in den Stand trauernder Wit• wer zu versetzen bestrebte . J Seit einer ganzen Stunde war der Trunken• f bold schon auf der Suche nach seiner Ehehälfte; er wusste ganz genau, dass sie sich in einer der benachbarten Wohnungen verborgen hielt; da es ihm aber in seiner jetzigen Verfassung zu be* schwerlich war treppauf treppab nach ihr zu suchen, stellte er sich hier auf, lauernd und ab• wartend, bis sic irgendwo zum Vorschein kom• men wird. Die übrigen Einwohner, wenn sie » cs auch merkten, kümmerten sich sehr wenig um den ganzen Vorgang; es war ihnen durchaus | nichts neues; sie wussten auch, das das geplagte ו Weib bereits fort war, um die Polizei zu holen, » und sie wussten auch, dass Ivan nach fünf 1 Minuten m irgend einer Zelle seinen Rausch 1 ausschlafen, und somit jede Gefahr vorüber sein . j wird. | Juda hingegen betrachtete den Mann mit j oesonderer Aufmerksamkeit. Der widerwärtige; 1 Anblick veranlasste ihn zum Nachdenken, welcher Art die Verdächtigungen auch sein s mögen, die die Feinde gegen unser Volk, gegen j Israel schleudern mögen, so kann ihre Bosheit j

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