Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1909)
- Date
- 1909-06-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2SS. ז n F. DI SC HK RUNDSCHAU uns weder vorauszusehen, noch zu andern imstande wUrc. Bekanntlich setzt ein derartiger Beschluss verschiedcnartige Erwägungen voraus: man muss die technischen Bedingungen der Parteiarbeit, die Aussichten der Propaganda» die Wünsche der Ortsgruppen, womöglich auch die Behaglichkeit und Tunlichkcit der Reisezeit in Betracht ziehen; aber höher als all diese zweifelsohne auch beachtenswerten und wichtigen Erwägungen stellt die Rücksichtnahme auf die politische Lage. Es ist klar, dass bei der Behandlang dieser Frage nicht Phrasen, nicht agitatorische Gesichtspunkte» nicht leere Schlagwortc, sondern riclitigcrwcisc die ernste Berücksichtigung der politischen Situation ins Gewicht fallen musste. Das sind Dinge, die im wohlverstandenen Interesse unserer Partei nicht breitgetreten werden können; aber schon der Hinweis aut diese höhere Spliürc entscheidender Momente, der im Beschluss gemacht worden ist, sollte genügen, um allen Einsichtigen die Bedeutung dieses ״kategorischen Imperativs" zum Bewusstsein zu bringen. Dass man jetzt seitens mancher Verbünde oder Versammlungen mit Resolutionen hcransrückt, die auf Erwägungen zweiten Ranges aufgebaut sind, muss als vollständig verfehlt bezeichnet werden. Man wird ja auch dem Leichtgliiubigcn nicht glaubhaft machen können, dass diese allgemein bekannten und landlüufigen Motive, die für einen Sommerkongress sprechen, der Leitung nicht zugänglich waren, und dass es erst der Resolutionen bedurfte, um ib.r diese SelbstvcrstUndiiehkeiten zu offenbaren. Noch merkwürdiger sind manche Kommentare, die sich einige Blatter mit Bezug auf diesen Beschluss leistem Ein amerikanisches Blatt meint, der Besclduss sei gefasst worden, um die ״Russen" vom Kongress fcrnzuhaltcn. Gross ist die Hiiuibiigphantasic amerikanischer Blüctcr, aber ein solches Absurdum müsste sogar!ms dem Kreise der sensationellen Hypothesen verbannt werden. Ein anderes Mal wird die possierliche Behauptung aufgestellt, die zionistische Leitung sei ״fal'.rlüssig", denn ״bis zum Dezember wiirdc schon eine andere Oiganisation mit einem grossen Lande in der Westentasche hcrausrfickcn." Wir dachten, Kongressfragen müssten mit mehr Ernst behandelt werden. Was soll das Abfeuern der Kruppschen Geschütze der Resolutionen? Was sollen die Mitraillcuscn der Witze oder die Aufrollung einer ״Russenirage"? Jedermann weiss, dass es üblich wäre, einen Smnmvrkongrcss clnzuberufem aber der Uicsiühiigc Kongress seizte gewisse politische Arbeiten voraus, die infolge unvorhergesehener iiusscrcr Ereignisse bis zum August nicht gemacht werden konnten. Man fasse also Resolutionen gegen diese Ereignisse! Und sobald der Kongress im August nicht stattfinden kann, dann rücken die hohen Feiertage heran, dann kommt der Frühherbst und dann ist schon Dezember die günstigste Zeit. Nicht günstig für Kur- Küste, für Flaneurs, vielleicht auch etwas beschwerlieh für weite Reisen, — aber wir hatten ja schon einen Dezemberkongtess mid das war ein Kongress, auf dem das meiste, beispielsweise die Organisierung des Nationaifc.nds und noch vieles andere geschaffen worden ist. Der Besuch war etwas sclnvUclicr, aber die Arbeit intensiver. Die im Winter zum Kongress kommen, kommen eben zum Kongress. Die Mutmnssnng, dass die ״Russen" nicht kommen werden, zeugt von einer vollständigen Unkenntnis der zionistischen Gcsinmmgstüchtigkelt unserer ״russiseiten" Freunde. Es ist nicht zu leugnen, mul cs war von vorn• herein Klar, dass bei der Schekclsammhmgsarbeit und in dem bereits eingclcitctcu Stadium der andern vorbereitenden Arbeiten für den Kongress durch die Aufschiebung des Termins ein gewisser Missmut licrvnigeruien werden musste. Aber da die Auf- Schiebung infolge der Verhältnisse, die geradezu eine ״force majeure" dntstdkn, notwendig war, so bcstellt die Pflicht der zionistischen Landsmannschaften, Föderationen, Ortsgruppen und Prcssorganc nicht darin, dieser Stimmung schwächlich nachzugcbctt und durch Resolutionen den Eindruck zu erwecken, als ob die Leitung willkürlich den Kongress aufgcsclioben Bütte, sondern in einem energischen Entgegenwirken gegen jede Art von Missstimmung und in einer ein* hcitlichcn tüchtigen Vorarbeit für den neunten Kongross. Wir müssen die Dinge nehmen, wie sie sind, und ihnen ihre gute Seite abzugewinnen suchen. Wir haben jetzt mehr Zeit für die Schckelarbcit, für die Agitation, fiir die Vorbereitung, und der IX. Kongross wird nur ein Produkt dieser Arbeiten sein. Je tüchtiger wir arbeiten werden, desto besser wird der IX, Kongress sein. für 1״ der Sitzung wurden u. a. Russland, Qal i zicu, Rum a men. »« י ״arlcit. die europäische und asiatische Türkei vorgenommen. Besonders iimfangrciü י■־*,־־'* י..״י I u* Hl waren die Bewilligungen für - - ----- . Gesamtbudget auf der lagesoru I VOM HILFSVCReiN Am 2. Juni fand unter Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusscs des ״Hilfsvcrcins der Deutschen Juden" statt. __ das Schulwerk lüstina, dessen *Die Subventionen für sämtliche palästinischen Institute, die der Hilfsvcrcin bisher imtcrsuit/.tc oder unterhielt, wurden erneuert und weitere Mittel für die Ausgestaltung und Ausdehnung des Schul* «nü Erziehmigsworks zur Verfügung gestellt. Die Uesaintsunuuc der Bewilligungen betrug über tOOöOüM. Es wurJe bei dieser Gelegenheit die lebhafte Genugtuung seitens des geschäftsführcndcn Aus* schusscs zum Ausdruck gebracht, dass die Grumt- Sätze, nach denen der Hilisvereiu der Deutschen Juden sein Schulwcrk von Anfang an organisiert hat, sidi nach jeder Richtung hin bestens bewährt haben und gerade unter den neuen Verhältnissen in der Türkei besonders fruchtbringend zur Geltung k o 111111 c n. Das Sc hui werk des llilfsvcrcins im Orient hat sic!) in der kurzen Zeit seines Bestehens aufs erfreulichste entwickelt. Von den Sympathien wcltester Kreise getragen, ist cs überraschend schnell im Orient populär geworden, und es wird allgemein tief beklagt, dass der ililfsverein seine Tätigkeit nicht bereits früher aufgenommeii habe. Das Schulwcrk des Hilfsvereins ist in den ver* scliicdcncn Ländern nach den Anschauungen und Bedlirfnissen der Bevölkerung organisiert, der es dienen soll. Der Hilfsverein vermittelt überall, ohne in die Freiheit der Ueberzeugung und das Recht der Selbstbestimmung cinzugrcifcn, die religiösen und kulturellen Werte, die in Einklang stehen mit den lebendigen starken Kräften lind Bedürfnissen Im dortigeu Judentum. An allen Anstalten des Hilfsvereins der Deutsehen Juden im Orient von den Kindergärten bis zu dem Lehrerseminar in Jerusalem ist im Gegensatz zu anderen Erzichungstcndcnzcn das leitende Prinzip des Unterrichts, die Erziehung zur Liebe zur Heimat und zum Judentum. Deshalb ist ausser den Realien — dem Studium der Landessprachen ein llanptpiatz eingeriiumt, ohne dass darüber die Vermittelung von Kulturspruehcn, die erforderlich sind, vernachlässigt wird. Das Ilebräisehc, das im Orient in Schule und Haus immer mehr das einheitliche Vcrstundigungsmlttcl zwischen de» vielsprachigen jüdischen Elementen bildet, •ist im Scliulprogramm des llilfsvcrcins nach dem Masse seiner Bedeutung fiir das praktische Leben wie für pädagogische Zwecke gleichfalls von vorn herein entsprechend berücksichtigt worden D.is Ziel des llilfsvcrcins, den Juden die Bildung in Realien und Sprachen zu geben, die sic zur vollen Teilnahme am wirtschaftlichen und öffentlichen Leben in der Türkei befähigt, gewinnt eine erhöhte ßcrcch• tigung und Bedeutung in der gegenwärtigen Zeit, wo eine Regeneration des Landes von ungeahnter Trag weite in die Nähe gerückt ist. Der beste Beweis, dass die Grundlagen des Sclmhverks der. Bedürfnissen und Wünschen der ein heimischen Bevölkerung entsrpcchen, sind die zahl reichen dringenden Anträge, die zur Reorganisation und Begründung von Schul* und Erziehungsanstalten mich dem Muster der bestehenden, an ihn gelangen und denen er mich Massgabe der ilnn zuflicsscndcn Mittel Folge geben wird. Um die Möglichkeiten und Chancen der Beteili gung der Juden an der Erschliessung des Orients in neuer Richtung zu vermehren, hat der Hilfsvcrcin der Deutschen Juden auch die Initiative zu der ßc griimlung des Jüdischen Instituts für t c c h »Ische Erziehung in Haifa ergeUfcn, des ersten seiner Art, das jetzt bereits seiner baldigen Realisierung entgegengeilt. Es wurden ferner Institutc'in Deutschland, deren Wirksamkeit sieh auf das Gebiet des Auswanderungs* wesens erstreckt, subventioniert. An der Gründung der Simon-Stiftung in Hannover, der Land- und Lehr• gut-Gcseilschaft in Hannover, die voraussichtlich wertvolle Dienste auch in dieser Hinsicht leisten wird, beteiligte sich der Hilfsvcrcin mit einer Summe von 5000 Mark. Es wurde ferner in der Sitzung mit Befriedigung begriisst, dass die Konferenz, die der Hilfsvcrcin der Deutschen Juden in Königsberg cinbcrufcn hatte und in der ausser Vertretern der Berliner Zcntralburcaus für Jüdische Auswandcrungsnngclcgcnhciten des llilfsvcrcins der Deutschen Juden Delegierte seiner Grenzkumitccs und Vertreter der Informationsbüros« der Jewish Colonisation Association in Russland tcilgcnommen haben, einen weiteren Schritt vorwärts in der Richtung der planvollen und zweckmässigen Regulierung der Auswanderung insbesondere schon durch organisatorische Massnahmen ln Russland, ge- ZIOHISTISCHe Bev/CGUMG Fahrt der obcrscht. Zionisten nach Klcli*,z Die Vorbereitungen für den am Sonntag, a. 20. Juni stattfimlenUen Ausflug nach ־ tn fiel"1 werden von einem aus Mitgliedern der ilmiigcn nationalen Vereine (Bürgerverein Jla*:hac|,<.,•• Müdclicnvcrcin ״Either", Jiid. Turnverein) besieh«־!! den Komitee aufs emsigste betrieben. ILs inan•״,, faltige und reizvolle Piogruumi, dessen r.111/.d1K.y*.' bereits verölientliclit worden sind, bietet 1laf״r 1jc'. währ, dass jeder Fcstteilnclimcr auf seine Kost«! kommen wird. Die Beteiligung verspricht gcratk/! imposant zu werden; m Bielitz herrsclu Ik! der ״. disclicn Bürgerschaft das regste Interesse,;,uc nistischcn Vereine Mähren-Schlesiens haben dir fr. scheinen zugesagt, ans West-Galizien und IhissisJh* Polen liegen zahlreiche Anmeldungen vor. ^orgcn wir, dafür, dass auch Obe r s •1!1 ג c s i c n n würdiger Anzahl vertreten ist, au! dass sich die Veranstaltung zu einer! eindrucksvollen jüdischen Kussdge-; bung ausgestul tc! Die gemeinsame Abfahrt erfolgt ab K.iuoufr 7,3b; für Nachzügler werden die Züge I?!s 2,17 ab Kattowitz empfohlen, die 2.11 resp, .},!׳, |n Bielitz, also am Maupttcil der Veraiistalttm. .ו!«0ח!■׳ rechtzeitig cintreifen. Audi üei diesen Zuge׳! findet offizieller Empfang am Balmhol statt. Somit, können (in Richtigsteilung früherer Miueilm;,^;;) nur bis Dziedzitz gelöst werden; der Gesamtpu-is Ger Fahrt Kuttowitz-Bielitz retour beträgt Mk .;.05, Es wird ferner besonders darauf hin■״A׳v. lesen, dass der Ausflug bei jeder Witterung s; uiindet, bei ungünstiger das Programm mir insofuu eine Aenderung erfährt, als die Veranstaltungen in den gedeckten Veranden und ausgedehnten Lokaliuten ü:% Schicsshauses vor sich gehen. Mitteilungen des Zentratbureaus der Zionistischen Vereinig, für Deutschland Der Todestag Dr. Theodor Hcrzl’s fiiit diesmal auf Freitag, den 9. Juli. Wir bitten alle Or.sgruppen, diesen Gedenktag würdig zu begehen!:nJ nach Möglichkeit Trauerfeiern zu ver.msuti'.en. Kleineren Gruppen, die keinen geeigneten Redner l;c• sitzen, stellen wir aut Wunsch eine Ge denk rede zur Verfügung. _ *aus Den G£M€1MDer1 Die Mitarbeit unserer Leser an dieser — erwünscht.— Rubrik Ist besomStri führt habe. Berlin. 111 längerer Debatte beschäftigte sieb d..s Plenum der hiesigen Rcprüsciituiiteiivcrs.immlimu m ihrer (Sitzung vom (1. Jmu mit einem Anträge j'.ui.s• ßlaschkc, wonach der Ocmcindcvorstand uuigeinräea wird, an die bestellende gemischte Kommissum letreffend die Beratung des Gesetzentwurfs über die Verfassung der jüdischen Gemeinden in Picusm.11 das Ersuchen *zu richten, die weiteren iierat ungen nur auf Grund der Bestnnm u n g c n (Punkt llt und IV betreffe n d die Provinz- und L a n d e s g c nt e 111 d e 11 $$! 'י bis 107) des am Gemeinde tage vurge* legten Entwurfs fort z u; u 11 r e ״. N.tea längeren Debatten und nachdem auf Antrag des tw* heimrats Blnmciuhal uas Wörtchen ,.11111•" aus Jeu: Anträge gestrichen worden ist, wurde der Antrag einstimmig angenommen. — Herr Prfrsss'f Kalischer begründete alsdann seine Interpellatu 11 bctreffend die Herausgabe e i 11 c s G e m c 1 u d e blattcs. Ans seinen Angaben erfährt mau. dass der Gemeindevorstand seit Jahren die Absicht trage, ein Gcmeiiulcblatt herauszugeben. Das (kmciudcM.tü musste ganz kurze, ober zuverlässige Berichte ׳.her die Repräsentanten- Versammlungen bringest, da es fiir die üeniciiulevortreter eine offizielle Steile gebe, auf die sie sich berufen können. Her Netter gab namens des Vorstandes die Erklärung ab. das; eine entsprechende Vorlage nicht mehr lange am m-m warten lassen werde. —• Die Vorlage bctre!i> l'.ui* riclilung von Sc m i na r k u r sc n für Hörer der Lehranstalt fiir die Wissenschaft des Judentum* : wurde nach kurzer Debatte auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung mit Rücksicht auf die Abwesenheit des Herrn Justizrats Dr. Veit Simon gesetzt, welcher einen geharnischten Protest gegen die Vorlage ein* gereicht hat. — In dringlicher Vorlage wurden alsdann noch 6000 Mark bewilligt Iiir die Vorarbeiten des Baues der Synagoge Fasanenstrasse. Herr Benas Levy fragte bei diesem Anlasse nach den) Stande der Arbeiten und forderte mit grossem Nachdruck, mit Rücksicht auf die grosso Erregung der Charlottenburger Qemeindcmitglicdcr, eine möglichst energische Beschleunigung des Baues. Zerkow (Posen). Auf Anordnung des Kultusmimsterfums ist die hiesige jüdische Schulgemeinde, die keine jüdischen schulpflichtigen Kinder hat, auf* gelöst und in den evangelischen Schulvcrbanu autgenommen worden. Der hier amtierende Lehrer ist an die jüdische Schule nach Kurnik berufen worden.