Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1909)
- Date
- 1909-06-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2י• JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 287. I i I f t | I t■ i I (• ־, ׳י""׳,/ / u Ketten Drama in vier Akten von Her in :1 n n Rciclienbac h. p;1s Rcsidcnztlicatcr zu Frankfurt a. M. liattc juiicst ‘׳•neu seltenen (last. Rudolf Schildkraut Kraut '׳hui Deutschen Tlieatcr zu Berlin gastierte jn'rt ab י11״ו»י■ l.elimaiin in Hermann Reieheubaehs nr.111'11 .Kelten־־, das, soviel ich weis», ln Frankfurt a (M. seine Uraufführung erlebte. ״Kelten״ ist, wie man hdrt. das Erstlingswerk ci״c> ,\nu11gcrs. aber gleich, wie «kielt bemerkt sei, t.j״cs talentierten Anfängers. Wohl hnt der Aufbau jcr ilaii.limn: und die Charakteristik der Personen Manuel, aber diese verschwinden gegenüber jcm (K-.111׳teiudruck, den das Stück auf die Zuhörer maciiK' und der ein gewaltiger und erschütternder war, ."ieciiuind l.eliinanu. der Sohn sehr frommer Htern in einem kleinen Stfidtehcn im Osten Deutschlanjs, musste Soldat in Berlin werden. Aber dort ^lit eine Umwälzung mit ihm vor. Kr. der so ungern .Ntkl.11 geworden ist. der zuhause so glaubeiistreu war. fi lernt in Berlin den Soldatenhernf lieben und .H'in i’i.eimim vergessen. Sein Judentum ist Bim lästig. ״׳׳ ״׳r Kutte geworden. Kr kennt Jetzt mir ״״eit den einen Fhrgeiz, Offizier zu werden. Und jls ihm ׳. nes Taues sein Offizier sagt: ״Sehnde, Leit- 11:,uni. dass Sie Jude sind, schade, ein tüchtiger Oifi/ier kt an Ihnen verloren gegangen." da versteht c den Mink und vergisst das Herzeleid, das er schien alle״ fr *!!!men F.ltern niitiin wird, wenn sie es er* fahren, mul!;isst sich taufen. Au einem Freitag abend kommt er nach Hause, 1t:!t sivi! '״יי seinen Fitem, die noch glauben, dass er der \!te sei, die Frlaubnis 7.u erbitten, Offizier werden ״׳׳ dürfen. Und welche Qualen muss er da dureluiuu-Iieii, jedes Wort seiner Klterit, jede F.cke des/.huhu 1s scheinen ihn au seine l.ligc zu erinnern, t'iid in ouer schwachen Stunde beichtet er seiner lielkMui. der armen Kusine, die er deshalb nicht heiraten durfte, seinen Abfall, Hisst sie aber schwören, nichts zu verraten. Fr bekommt auch endlich von seinem Liter die Frlaubnis. Offizier zu werden, muss aW׳r schworen, stets dem Judentum treu zu bleiben. U11J er schwört den Schwur, den er Joch schon gleich ׳;ehrlichen hat. F.r wird auch Offizier und man ver* set/t dm ' 11״ Berlin in eine kleine Oarnison, wo seine ... nicht bekannt ist. In seine Heimatsstadt i'1 allmählich das Oerlicht gedrungen. dass sieh Siccninud l.ehmaun habe taufen lassen, und bat immer kstcre Oestalt angenommen. Schweren fier/eiis hcgelven sieh der alte Lehmann und der Kate nach der Oarnisoitstadt. um von dem Sohne die lauahrheit des Gerüchts zu erfahren. Sein Pate "׳ml v׳*n ihm, der sieh gerade mit seinen Kameraden 1111J einigen von ״Judemremidsehaft" freien Zivilisten bei der Sedanfeier beiand, verleugnet. Bei seinem Vater kann er es aber nicht iibers Herz bringen, er eilt am ihn zu, der ilm jetzt vor allen Offizieren fragt, 0״ cs w ahr ist. dass er sieb hat tauten lassen. Nach langem Kampfe muss er Farbe bekennen. Stolz "wist ihn jet/t der alte Lehmamt von sieh. Der glaubensstarke Sender Lehmann hat keinen Sohn mehr, der zmn Verräter an seinem Volke geworden i't. Auf einen beleidigenden Ruf eines Offiziers k1(11״!t es zwischen Siegiinmd und diesem zu einem erbitjes teil Wortwechsel, und ein Duell ist die Folge. M׳t einer tiefen Wunde im Herzen, die kein Ar/t au! der Welt mehr heilen kann, um Jahrzehnte uwaikrt. nicht glaubend, dass Hott diesen Verrat hat zugeben können, um sein Heiligstes, die Treue 'eines Sohnes, beirogcu und seinen einzigen Stolz ved'Mei», ist der alte Lehmann nach Hatiscsecllt, tun ־!ir senteti Solm, der für ihn gestorben ist, die achtkgvcw Trauer zu halten, Sicgmiind ist ihm nach* '*will!, um seine Verzeihung zu erlangen. Wohl verzwibt die Mutter mul auch der Pate, der doch so '111"<:r von ihm Ockräukte, aber Sender Lehmann i't unerbittlich. ״Lieber!Bitte ich dielt tot vor mir hwgc'i sciien wie als Abtrünniger," sagt er zu dem 'kh \ or Schmerz und Verzweiflung vor ihm auf den ׳'lüwii Windenden. Höher als alles, als die Liebe zu •'wiiiun Sohne ist ihm die Treue zu seinem Volke und ,'״tiw. Und wie gross, wie ein Rfielicr der beleidig* kn indischen Volksehre stellt der alte Lehmann da. Mau wr auch zu Onnule gehen an seinem Herzeleid«, li׳'1‘ ״r Wunde, die ihm sein Sohn geschlagen bat - u kennt nur eins, das über allen Gefühlen steht: H'in Volk, Ohne die Verzeihung seines Vaters erlangt zu *1■1,׳en. ist Sicgmiind zum Duell gefahren, wo er die odeswunde empfängt, Sein Vater, seine Braut und ׳'ein Pate treffen ihn nicht mehr bei Bewusstsein au. Frsehlitteritd ist die Bitte des alten Lehmann an r"׳tt und die Aerzte, Ihm doch' seinen einzigen Sohn, die Stütze seines Alters, zu retten. Kr hofft, dass sein Sohn dann wieder .reumütig zu seinem Volke zuriiekkehren würde, aber Vergehens, er stirbt. Worte können den Schmerz des Alten gar nicht 1 schildern, aber •er rafft sielt auf. ״Der Herr hat es! gegeben, der Herr hat es genommen, der Name des j Herrn sei gelobt,״ sind seine Worte. 1 Das ist der Inhalt des Stückes, Zwei Milngcl an dem Stücke sind mir besonders nufgcfnllen. Den Verzweiflungskumpf, der sich doch sicher In der! Brust das jungen Lehmann abgespielt hat zwischen der Treue zu .seinem Volke und der Liehe zu seinen Eltern einerseits und der Liebe zu dem Offizierstande! anderseits liüttc unbedingt auf die Bühne gebracht! werden müssen. Aber der Dichter kam direkt mit einem fall accompli, schon in der ersten Szene ist Sicgmiind getauft. Fineii einzigen jungen Juden hat der Dichter uns gezeigt, und der lässt sich taufen, und noch von einem anderen wird erzählt, dass er sich auch, um I eine Professur zu erlangen, )1,'ittc taufen lassen. Und | da muss jedermann, der die Verhältnisse nicht keimt, 1 sieh unwillkürlich fragen, sind alle jungen Juden so? Wollen sie wirklich alle abfullcn? Und da hätte uns der Dichter unbedingt, tun die Frage zu ver* neincn, auch einen Juden von anderem Schlage vor* führen müssen, der treu zu seinem Volke hält, der die Treue des alten Lehmann hat, Die Darstellung des alten Sender Lehmann durch Schildkraut war trefflich. Das war wirklich der glaubensstarke Jude, der mit dem tiefsten Weh Im Herzen stets seinen Schöpfer preist, das war der Jude, der nichts Schlimmeres kennt als den Verrat an seinem Stamme. Fin guter Freund, einer der bekanntesten Frankfurter riesiiimiiigsgeiiossen, mit dem Ich dus Stück sah, sagte mir heim Weggehen: ״Ich glaube, das Stück wird doch bei manchem der Zuhörer, die fast ausschliesslich Juden waren, wirken." Hoffen wir, dass es den Frankfurter Juden die Augen öffnen wird darüber, dass nicht bei den anderen, sondern nur beim eigenen Volke das Glück und der Platz jedes Juden ist. Wiesbaden. Bertram Stern. Bücher-Besprechungen 1'aKlsllna im Lichte der gegenwärtigen Orientkrise Diese Zeilen sollen ohne Anspruch auf den Charakter einer Kritik auf eine Broschüre aufmerksam machen, die kürzlich unter obigem Titel in Stuttgart bei Goliner & Pfeiffer erschienen ist. ־ Der Autor ist Dr. Julius Boeh 111 gr. Ibis Wcrkchcn ist das dritte Heft in einem Zyklus ,.Gegenwartsfragen" und will also eines von den ״modernsten und aktuellsten" Problemen behandeln. Schon aus dieser Ankündigung ergibt sich für uns der Standpunkt des Verfassers: Der deutsche WcltmachtpolUikcr soll seine besondere Aufmerksamkeit in diesen Tagen auf Palästina rieh* tun. Das ist das Postulat, mit dem die Ausführungen schliesscn, die Mahnung, welche Bochtncr immer wieder und wieder ausspricht.' Und die Begründung? Der Jubel und die freudige Stimmung, welche die Ankündigung und Einleitung einer neuen konstitutioncllen Ara hervorgerufen haben, dürfen den ruhigen Betrachter nicht darüber hinwcgtäuschen, dass die Zukunft der Türkei noch sehr ungewiss ist. Der Zwiespalt der Nationalitäten, insbesondere der Hass der Araber gegen die herrschende Minorität der Türken, und der Almigel geistiger Reife, den ein Teil der Bevölkerung für die Verfassung an den Tag legt, sind schlimme Zeichen. Die ״Aufteilung der Türkei" muss iibci’ kurz oder laug kommen, meint Uoclimer. Gross ist die Zahl derer, die an dem < Schmause tcihiehmcn wollen, die schon jetzt fricdllcli auf׳ das Ziel ihrer Wünsche liinarbcltcn. Der Brenn- Punkt deutscher Interessen in der Türkei liegt in Palästina. Boelmier begründet das, indem er eine Reihe von Möglichkeiten deutscher Kapitalanlagen in Palästina nachweist. Dus ist mit kurzen Worten der Grundgedanke der Schrift. Fs sind nebenbei noch einige von Kenntnis Palästinas zeugende, interessante Mitteilungen über das wirtschaftliche, politische und religiöse Leben im heiligen Lunde zu finden. Für uns Zionisten ist die Broschüre von grosser Bedeutung. Sio wiederholt uns -• was wir unseren Zweiflern immer wieder sagen müssen: File tut not, damit wir nicht zu spät kommen. Sie gibt uns aber auch in freund* lieberer Weise einen Antrieb: Die Leistungen der zionistischen Organisation sind voll und ganz ancr* kannt. ,.Ausdrücklich sind die Juden zu nennen, die seit Jahrzehnten Palästina überschwemmen und zahlreiche Kolonien in Stadt und Land, vor allem in und um Jerusalem geschaffen haben: die vor allem aber seit dem Auftreten der zionistischen Bewegung sich um die wirtschaftliche Hebung des Landes be> mülicn." Mag die Schrift Beachtung und von geeigneterer Seite eingehende Kritik finden. Manfred Zadik. 0m Cn(Stellung, Entwickelung und Prinzipien des Chassidismus, Von CI1. Bogratsclioff. Berlin: Louis Lamm 1908. 62 S. Ku. 2 Mark. Wenn der Inhalt dieses Büchleins auch nicht ganz so umfassend ist, wie der T itel sich unlüsst, und dieser vielleicht besser und bescheidener nur ״die Ursprünge des Chassidismus" genannt worden wäre, so wird doch viel des Wissenswerten darin geboten. Die Darstellung des Lebens und der Lehre des Schöpfers des Chassidismus und seiner beiden bcdeutenden Nachfolger, des beseht, des Uacr von Mcscritz und des Jakob Josef Cohen wird in einer alles Unnötige Vermeidenden Kürze, nach Art eines Leitfadens recht brauchbar geboten. Besonders nütz* lieh und dankenswert ist die Litcraturiibcrsiclit über die gesamte chassidische Literatur, die mit viel Flciss zusammcngcstcll! ist. Nur sollten die Angaben bibliographisch etwas genauer und die Titel immer im Original angegeben sein. Das würde demjenigen, der die Werke selbst zur Hand nehmen will, — und für den ist das Schriftchen doch in erster Linie geschrieben — weitere unnötige Nachforschungen ersparen. Auffällig ist in den Particcn, die eine ullgcmeine Darstellung bieten, der seltsam aphoristisch gc* haltcne Stil, der da, wo man in normaler Prosa mehrere gedanklich zusammengehörige Sätze ancinanderreihen würde, stets abbricht und den Leser ־ durch die fortwährenden Absätze irrcfiihrt. Diese kleinen Mängel und der Im Verhältnis zu seinem gc* ringen Umfang hohe Preis werden dem Buch — fürchte ich — nicht die Verbreitung bringen, die cs verdient. Gotthold Weil. Unser literarisches Preisausschreiben Auf mehrfaches Ersuchen haben wir den Termin für die Kinscndimg der Ucbcrtragungcn bis zum 2. Juli verlängert. Die Herren Dr. Martin Bubcr, Steglitz, und Bcrthold F c i w c I, Charlottenburg-Westend haben sich zu der Uebernahmc des Prcisricliteramtcs frcundlichst bereit erklärt und werden in Gemeinschuft mit unserem Redakteur, Dr. Julius Becker ihre Entscheidung treffen. Eingegangene Bücher Sendungen sind nur an die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau•, Charlotu-nburg, Olrlbtreustr. 4V, zu richten. Rücksendung kann nicht stattlinden. Dia mit * bezeichnten Werke sind bereit• zur Besprechung vergeben, * Zionistisch Studenten Jaarbockjc van de N e d c rlandsolie Zionistische Studenten- Org a n i s a t i c. Uitgegevcn door den Bockcn liroclmrehandcl van den Ncdcrlandschcn Zionistenbond tc- ’s öravcnliage. 1909. * Bericht der Alliance Israällte Universelle (All* gemeine Israelitische Allianz) für das Jahr 1909. Sitz der Gesellschaft: Paris, Rue la Bruyiie, 15׳. Deutsches Bureau: Berlin N. 21, Oranicnburgerstr. 42/•!.). Kurzgeiassic Geschichte der Bildung und Eut* Wicklung der Ligen wider den Zweikampf und zum Schutze der Ehre in den verschiedenen Ländern Europas von Ende November 1900 bis 7. Februar 1908 von S. K. H. Don Alfonso von Bourbon und Österreich-Este. Infamen von Spanien. — Autorisierte Übersetzung aus dem Französischen durch A\arie Prciln von Vogelsang. Wien 1909. Druck und Verlag von Joseph Roller & Co. * Aus Israels Lclirliallcn, von August Wünsche. 3. Band, 2. Hälfte. Leipzig. Verlag von Eduard Pfeiffer. 19(19. Preis 3,60 Mark. ffaiidhucii der Jüdische״ Gemeindeverwaltung und Wolilfalirlspllego (Statistisches Jahrbuch, 19. Jaiirg.) 1909. 11 c r a u s g e g b e 11 vom Bureau des Deutsch- Israelitischen Qcmcindcbundes, Berlin W. 35, Stci'litzerstr. 85. Preis 2 Mark. Sleb0111mdz.wan/Igs)cr Bericht der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin (N. 2•1, Artilictiestr. 14). Berlin 1909. * Jüdische Gcmeindepolltlk. Von Dr. Max Köllen sc 11 er. Rechtsanwalt in Posen. Verla« Zionistisches Zcntralburcau. Bcrlln-Charlottenburg. 1909, (0.20 Mk.)