Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1909)
- Date
- 1909-06-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 286. JUKDISCHE RUNDSCHAU No. 2ל. Juden ln der russischen Armee Ein Beispiel russischer Verwaltungspraxis: Der Minister Oes Innern hatte sicli In Uebersehreitiing seiner Amtsbcfugnissc das Recht ar.geinasst, Oie Listen der Reservisten, die für den Militärdienst bestimmt waren, zum Teil zu revidieren. Ls erübrigt sich zu tauen, dass der Prozentsatz der Juden, die in den Krieg Beschickt wurden, dadurch ungeheuer war. (Kl mal zu viel.) Weiterhin waren von ISO Xr/.tc«, die zwischen dem I. und K). Mürz l';04 zur Front abmurschicrten. 110 Juden. Die Auslattcn. die man den Ärzten liir die Reise nach dem lernen Osten erstattete. hctie(cn sich aul 1225 Rubel, während die jüdischen Arzte, nur 000 Rubel erhielten. Seltsamerweise hatten nach der Liste des Ministers alle Ärzte die Bleiche Summe erhalten. Die rittcr-!!ehe Vergütung, welche die jüdischen Reservisten und Ärzte vom Gouvernement für ihre Verdienste erhielten, war die Ausweisung ihrer Familien aus den grossen Städten in die Ghettos. IM Der Minislcrrat hat dieser Tage ein neues (lcsetzesprojekt für die Scmsiwownhlcn beraten und angenommen, das u. u. folgende Bestimmung enthält: Juden dürfen sich weder aktiv noch passiv an den Scms t w0w׳a hIen beteiligen, und zwar sowohl bei de 11 K r c i s - w i c a n c 11 b c i d c n Ü 0 u v c r n e in e n t s- Körperschaften. Die russische Logik ist eine eigenartige: für die höchste gesetzgeberische Körperschaft, die Reichsduma, besitzen die Juden das Wahlrecht: für die minder bedeutenden Institutionen dagegen wird ihnen die ״Qualifikation“ abgesprochenl Die Konferenz der Rabbiner in Wilna hat den Petersburger Rabbiner ersucht, der Regierung den Vorschlag >.n untcibreilen, dem Dumakomitee ein Memorandum cinziircichcn, in dem die Notwendigkeit betont wird, den Juden jede Gelegenheit zu geben, den Sahbath zu leiern und alle Besch riinkungsbestiimonngen für den Sonntag a u i z u - heben. Unter den bemerkenswerten Beschlüssen welche c!c Beratung zeitigte, war u. a. eine energische Resolution der Rabhiner gegen die anti-jüdischen Beschränkungsmassnnnmen, ganz besonders gegen das Verbot der Shcchita in Finnland. Sie beschlossen ausserdem, den Minister von allen ihren Projekten zu benachrichtigen. England Siebzigster Geburtstag des englischen Chlet-Rabbi Am 30. Mai U. J. feierte Dr. Hermann Adler, der Oberrabbiner von England, seinen?0. Geburtstag. Er wurde im Jaluc R01 zum Oberrabbiner als Nachfolgcr seines Vaters , wählt. Sein Ehrentag ist von einer Bedeutung, die . eit übet die Grenzen Englands hinausgclit. denn er ist eine der sympatisehsten Persöiilichkcitcn des heutigen Judentums. Weit entferm, sich nur mit seinen engeren Amtsgcschüftcn zu befassen, hat er Stellung zu den verschiedensten sozial-jüdischen Fragen des In* nn׳l Auslandes genommen und vielen Wohllahnsbcstrebungei! seine eifrigste Hilfe angcdciiien lassen. So w׳ar er Vor- Standsmitglied des Komitees zur Unterstützung der russischen luden in den Versammlungen in Berlin im Jahre |s.v> mul in Paris im Jahre lk'kl, und seine hesondere Fürsorge w.mdte er der Gesellschaft für Kinder schütz zu, sowie der ״Mansion Housc Association", die eine Verbesserung der Wohnstätten der Armen anstrebt und deren Vize-Priisidcnt er wurde. — Noch jetzt steht Dr, Adler in seiner vollc.i Kraft und mitten in seiner segenbringenden Tätigkeit. Finnland lm Aufträge der Rabbinerkonferenz, in Wilna hatte der Petersburger Rabbiner, Katze!teilen- Logen eine längere Unterredung mit dem Generalgoiiverncur von Finnland. Beckmann, wegen Au(- hebung des SehUclUverbuts in diesem Land. Der Gcncralgouvcmeur bekundete seine Sympathie gegentiber den Wünschen des Rabbiners und erklärte ilmt, das Schächtvcrhct werde im finnländiscltcn Landtag beraten werden, dann w׳crdc er sich beim Zaren in dieser Angelegenheit zu Gunsten der Juden verwenden. Bosnien Der Banlicr J. Salem hm von autorltav« Stelle der Lande• sregietung die offizielle MiUeilm erhalten, dass die Juden von Bosnien und der Herz׳ gowina zwei Mandate für den Landtag erhalte und zwar eine Virihitimme, die dem Obeirabbi׳״ von Sarajewo zugedacht ist. und ein Mandat, d; die indische Kurie durch Wahl zu vergeben hab! wird. Dieser Erfolg Ist dem Umstand zu verdanke dass die seit Jahrhunderten angessrebte Einigung ü sephardischen und ״xchkcnasischcu Juden Bosniei und der Herzegowina Infolge der Bemühungen d jüdischen Oemcindelnuulcs in Wien endlich crrcie Türkei / Jüdische Turnfahrt In die Türkei Der ״Statnbul" meldet unterm 31. Mai aus A^r*״DR * kalte. Monotonie des Adriatmpclcr Edums wurde migc.iclim uittciürocItcti cUireh dic Ankunft des jüdischen Turnvereins ״Gibbor aus I nflippopc . Verein unternahm seine Fahrt zu dem d() clt־־ Zwecke. einmal, um den I nrngedanken unter der jüdischen Jugend Adriaimpcls zu verbreiten, mul zweitens, um eine Vorstellung zugunsten der Opkr der türkischen Freiheit und der ״Jüdischen Gesellschalt zur Verbreitung der türkischen Sprache zu organisieren. Der Erfolg war glänzend. Am Turnen nahmen 72 Jünglinge und Mädchen teil. wurdtn Tanze und Märsche, schwedische Gymnastik, reell* tcn. Ringen und Boxen, und um Schlüsse Pyramiden und Kriegssniclc v.orgeführt, die ausserordentlichen Beifall fanden. Der Gcneralgouverneiir, der Kornmandant des zweiten Armeekorps mit dem Chef des Octieralstabtts, der bulgarische Konsul, der Grossrabbiner der Stadt, der Bürgermeister und andere hervorragende Gäste' wohnten dem Schauspiele bei. Nach der Vorstellung veranstaltete das Komitee ״Union et ProgrcV von Adrianopel einen Empfang in den Räumen der Munizipalität zu Ehren der Turner. Die Vertreter sämtlicher jüdischer Vereine der Stadt mit ihren Damen waren cingcludcit. Herr Mordcchai, der Ehrenvorsitzende des Verein« ״Gibbor", hielt eine mit Beifall aufguiominenc Ansprache. Robert Effcndi, Direktor der politischen Abteilung, erwiderte im Namen des Gencraigouverncurs, des Komitees und der gesamten Bevölkerung. Hierauf führten die uitcrniiidliehen Enaks vor! neuem ihre prächtigen Turn- Übungen vor." ״Der edle Gedanke, der diese kräftige turnende Jungmannschaf! geleitet," so schlicsst der ״Stainbul“ seinen Bericht, ,.wird seine glücklichen Konsequenzen halten. Die jüdischen jungen Leute Adrianopcls, ganz unter dem mächtigen Eindruck der Kraft und Beweg- Iichkeit ihrer bulgarischen Kameraden, haben sich sofort ans Werk begeben, um auch ln ihrer Mitte einen }ndiseneii Turnverein ins Leben zu rufen." Die Veranstalter des Aiisüuges können mit den Ergebnissen zufrieden sein. Die bulgarischen Turnvereine sind sämtlich zionistisch. Sic planen für den Hochsommer eine neue grossangelegtc Turnfahrt in alle grossen Städte der Türkei, die starke jüdische Bevölkerung haben. Ob sich dieser Plan realisieren wird, das hängt von der weiteren Gestaltung der politischen Verhältnisse m der Türkei, von der Fortdauer oder der Aufhebung des Belagerungszustandes und ähnlichen Faktoren ab. Iloifentlicli wird er sich früher oder später realisieren lassen. Der Oberstkommandiercnde der Armee, General Mahmud Schm'kot Pascha, hat den Oberhäuptern der Nicliiiiioh.inimmlancr einen T.ikrir über den Beginn des Militärdienstes zukommen lassen. Es sollen bis /.um Inkrafttreten des Gesetzes, das jetzt der Kammer vorliegt, Freiwillige in der Gendarmerie und der Arnicc aufgenommen werden. Für diese kommt das Alter von 19• 23 Jahren in Betracht. Sic müssen ebenso laut e dienen, wie die ausgeliobencn Rekruten dieses Jahres. Diejenigen, die das zwanzigste Lebensjahr noch nicht vollendet haben, bedürfen der Zu- Stimmung ihrer Ellern. Die Einstellung in die verschicdcncn Waffengattungen erfolgt je nach der Eignung. * Bei einer erneuten Visite, die der Grossrabbiner dem Kaimncrpräsidcnicn abstaltete, üusserte sich dieser 11, a. wie folgt: ״Die Juden des Auslandes, die herkommen wollen in der freimütigen und aulrichtigen Absicht, ihren Lebensunterhalt im Lande zu gewinnen und zur Grösse und zum Gedeihen des gemeinsamen Vater- Lindes mitztuirbciten, werden stets eine gtüu Aut* nähme linden und alle Erleichterungen von seiten des Ministeriums erfahren Dieser Tage wurden aus Beirut Anfragen von ausländischen Juden an das Informationsbureau des Odcssacr Komitees gerichtet, ob der Eintritt als Volontäro ln die türkische Armee auch ihnen gestattet werden würde. Aul diese Anfrage vermochte das Armcekoimi'nndo noch keine bestimmte Antwort zu erteilen, da sieh weder das Knegsministerium noch die Kammer mit dieser speziellen Frage bisher bc* fasst haben. Galizien 1111 i.itivernaiumis mit dem ״Jüdischen Klub" I das Zentralkomitee der gahzischcn Zionisten l schlossen, in dem Wahlbezirk No. 34, wo am 30. J1 eine Keichsratscrsatzwahl statüinüen soll, eineIiiUlsc mitioiiale Kandidatur anfzustcllcn, welche der hiesi Advokat |)r. Gerson Zipper auf Wunsch des Zc ״ ',*! ״ “״ w nfrn?1L״','cn י“‘'1־ Diü Zionisten hab i**lttt'SCI״ ''ci!:^ bereits eine rege Agitation ci Rumänien { Der frühere Führet der rumänischen Soziale״! Dr. Christian Racovski. der trotz seiner Ausweise״ noch lebhaften Anteil an den Dingen und *n. gclcgcnticiten in Rumänien nimmt. vcr.Tficutltcht jn> ״Courricr Euoropeen" über die JuJenfragc in uiänien einen langen Artikel, in dem er unter andere״• folgendes sagt: ״Den Anhängern der En1;l11/,!K1|l')t‘1 der Juden in Rumänien bleibt nichts anderes zu sehen — und im Ausmassc ihrer Kräfte auen yU ntnsr". stutzen — als der Triumph eines wahrhaft demokV. tischen Regimes. Wenn die sechs Millionen \u. mäiieti, Arbeiter und Bauern, die heute des \v״!,|. rechts beraubt sind, endlich ein ircies und 1u*»üernes Volk werden, so werden sic als ihre erste |»i1K;,t betrachten, jede Spur der mittelalterlichen zu untcrdriicltcn, indem sic den Juden die filcklihell der Rechte gewähren. Diu Anstrengungen dtf rumänischen Juden selbst müssen nach dieser Seite hin gerichtet sein. Es ist in ihrem Interesse.;,uS der Trägheit hercuszugehen, die sie charakterisiert, und die rumänische Demokratie in ihrem gegen die Oligarchie zu unterstützen, indem s!g gici.[!. zeitig das rumänisene Volk ft'r ihre Sache /,! Winnen suchen. Drei grosse Probleme stellea s!,.t dem Rumänien von morgen und ihre Lösung v,1tj von der gleichen volkstümlichen Stosskraft aln,..v;er. die Vernichtung Ger Grundbesitz-Aristokratie, die Eroberung des allgemeinen Wahlrechts util di־ Emanzipation der Juden." So sympathisch und aufrichtig die Ausfuhr!1ngt:n dieses Ideologen klingen mögen, so werden sie 4• ״!! hei uns Juden, die wir aas der Zcitgcsclnehu herbe Lehren zu ziehen wussten, nur recht skc1*!.v.l1« Aufnahme finden können. Für diese Anugm.g spracht• lediglich der Umstand, dass unsere riiir,.,!». sehen Binder in ihrer trostlosen 1 ngc wirklich 1.1c>1:s mehr zu verlieren haben. ' Amerika Im Monat Mai sind in New York 225'» jiidisdn! Lliiwandere,■ gelamlet. Von ihnen stammten . ::s Russland 173א, Österreich 305. Ungarn 90. Rimsoii.e;! 50. England 20, Deutschland ö. der Türkei 23. lööl verblieben in New York selbst, wahrend ots sieh nach anderen Orten der Vereinigten Staaten begaben. PALßeSTINA-RUMOSCHAU Die jüdischen Kuhmisten von R e c 11 ״ l> o 11! s;J durch eine grössere langfristige Anleihe, die ilme.i ein liier weilender vermögender Jude aus Amerika gewährt hat. 11׳ die Lage versetzt worden, ihren a;.a Wunsch nach einer Wasscrkanalisation zu verwirkliehen. Die Rohrleitungen sind bereits angelegt, und im Laute dieses Jahres werden die gesamten Arbeiten beendet sein. Reehobnth wird bereits die t'iiniu i ii d 1 s e 11 e Kolonie mit Wasscrkanalisatimi 1:1 Palästina sein; bisher befindet sieh solche in RnsJ:• Pirioli. Siehroit-Jacoh. Petaeh-Tikwah und Risei ־׳!• le'Kiou. v Die guten Erfolge der Iiä11sc1baugescHsj. m ״Aeliiisath Baitli" habe'11 zur üriimlung einer / w e! t e 11 derartigen Gesellschaft ״Nachlath Bcniaiiihi" Veranlassung gegeben, die eine neue Vorstadt bei Jaffa in modernem Stil errichten will. Die Existenz der acht jüdischen Niederlassungen in Nieder-Galiläa hat einen günstigen Einiiiiss am ' ■e Gestaltung des Distrikts gehabt, der vordem v-■n Räiiliern und Banditen licimgesncht wurde. Der ganze Charakter des Landes hat sich verändert. 1<י!.ו grosse Flächen, die früher um'rucUUiar waren, s ׳,ü nun mit Getreide bebaut. Die ersten Bebauer ha tun aufäugliclt nicht geringe Schwierigkeiten damit, sich seihst vor den Scharen von Wegelagerern zu sehiit/eit. aber sie organisierten arabische na 1 jüdische Mannschaiten. um dem Lande Schutz zu vesehafien. Dessenungeachtet lebt cs sich 1 < ׳־ 11.dit mit völ'ige.• Sicherheit i1׳ diesen Provinze*. Unlängst erst schoss ein Araber einen Judo׳• nieder mul zwei andere Juden wurden kürzlich;•*>: dem Wege nach Nazareth von zwei räuberischeיי׳ Arabern angegriffen. Einer der Juden wurde ver• wmulet und musste von seinem Bruder nach Scdcia ׳/urüekgebraeht werden, nachdem dieser einen der Angreifer getötet und den andern zur Fluelit c»• zwangen hatte. VOM ZIONISMUS•!: ZumTlX. Kongress Dem zionistischen Komralnrgau, ״Die Welt", ent• nehmen wir die folgende Kundmachung: Der Beschluss, den diesjährigen Kongress S'A zum nächsten Dezember hinaaszuschiebe». war c!n Ergebnis gewisser Emwickluugen. die niemand von (Fortsetzung auf Seite 2s>.)