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Jüdische Rundschau · 1909-06-18 · Heft 25 (18.6.1909) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 25 (18.6.1909)
Date
1909-06-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 282. Herz! in der Eröffnungsrede zum V. Kon• .gress 1001: ״. . Ich gewann aus den Worten und dem Verhalten Sr. Majestät die Ueberzeuzum׳. dass das jüdische Volk an dem regierenden Kiuüifen einen Freund und Gönner hat. Der Sultan hat mich crmüchtigt, dies öffentlich zu erklären. Mögen denn die Juden der ganzen Welt .... endlich bereit sein zur Aktion, durch die sie sich selbst helfen und zu neuem Aufblühen des türkischen Reiches beitragen können." Herz! in der Eröffnungsrede zum VI. Kon* gress 1003: ״.. . Aus allen beschwerlichen Verhandlungen ging mir hervor, dass Sc. Majestät der Sultan dem jüdischen Volk andauernd eine freundliche Gesinnung bewahrt. ... Da mm die gütigen Gesinnungen des Souveräns gegeben sind, sowie die zweifellosen Vorteile, die das türkische Reich davon hätte . . ." Nordau in der Eröffnungsrede zum VII. Kon• gress 1005: . Bei dieser Sachlage könnte es dann der türkischen Regierung cinlcuchtcn, dass cs für sie von ausserordentlichem •Werte wäre, in Palästina und Syrien ein zahlreiches, kräftiges und wohlorganisicrtcs Bevölkcrungsclcment zu besitzen, Jas . . . keine Angriffe auf die Autori• tät des Sultans dulden, sic vielmehr mit dein Aufgebot aller Kräfte verteidigen würde. . . .״ Wolffsohn in der Eröffnungsrede zum VIII. Kongress 1907: . Die Loyalität unserer Bestrebungen . . . haben wir fortgesetzt der türkischen Regierung nahe gelegt .... Bedeuten doch unsere Absichten ihr die Türkei selbst einen wirtschaftlichen Fortschritt und einen kulturellen Aufschwung...״ Aus dem Bericht des E. A.-K. zur Jahres• Konferenz 1908: .Die neuen Ereignisse und die Neuge•• staltung der Türkei schwächen unsere Hoffnung nicht, sic bestärken sic vielmehr , . . Die Er• inncrung;m die Zeiten, die ־wir mit der ottomani• sehen Volkcrfamilic in traulichem Bund unter dem Schutz seiner ruhmreichen Tugenden uns von ringsumher wütenden Verfolgungen geborgen fühlten, webt neue Fäden, <119 uns mit dem ottoinunischcn Rechtsstaat verbinden, in dem sich die Volker nebeneinander .... in Friede und Eintracht ihren höchsten historischen Kulturaufgaben widmen können.״ Jahr für Jahr, von Kongress zu Kongress wurde unsere Stellung zur Türkei von den be* rufenen Wortführern der Bewegung in immer neuen Variationen wiederholt. Immer wurde der Charakter der Bewegung unzweideutig klar um• schrieben. Muss nicht jedem Unbefangenen un• verständlich sein, wie angenommen werden kann, der Umschwung in der Tüikei müsse eine ״gewaltige Gegnerschaft“ gegen unsere Bestrebungen auslösen. Nur Böswilligen und Urteilslosen konnte der wahre Charakter des Zionismus verborgen bleiben. Was steht im Widerspruch mit dem ״plötz• lieh erwachten und gesteigerten Nationalgefühl" .IUEDISCH £ RUNDSCHAU_ der Türken? Wo lag der Widerspruch, dr-s Nissim Eiietidi Marzliaii — um nur ein Beispiel aus jüngster Zeit zu nehmen — Zionist una Jungtürke, Deputierter des türkischen Pariaments, in den Apriltngcn der Gegenrevolution den gesunkenen Mut der Kammer wieder weckte, ihr Pflichtgefühl wieder cntfhunmtc, so dass man seine Tat als moralische Befreiung in allen Teilen des Reiches bejubelte? Darf man nach allem noch an die bona fides des Herrn Goldberger glauben, anucluuen, er sei so achtlos an der Bewegung vorübergegan• gen, die er verdächtigt, dass er jeder böswilligen Einflüsterung ohne Prüfung glaubte? Hat Herr Goldberger, von Konkurrenzneid getrieben, einfach ins Blaue hinein solch schwere Beschuldigungen erhoben? Aber ob wider bessc• res Wissen oder nicht: beides ist gleicherweise unerträglich frivol. Unvereinbar solcher Mangel an Verantwortungsgefühl mit der Stcllung, die dieser Mann innerhalb einer jüdischen Weltorganisation einnimmt, mit dem Einfluss, über den er dort verfügt. — Eine historische Fälschung aber ist es, wenn behauptet wird, die Zurückhaltung der leitenden Persönlichkeiten der Alliance gegen• über dem Zionismus — um nicht zu sagen ihre Gegnerschaft — sei aus Besorgnis für die türkisehen Juden erfolgt. Hofft man wirklich für solche Taschcnspiclcrkunsstücke ein Publikum zu finden? Wer weiss nicht, dass diese Gegner* schaft hcrausgeboren wurde aus dem westcuro• päisch-assiniilatorischen Charakter, der der Alliance von heute das Gepräge gibt. Muss ge• sagt werden, wie die Führer der Alliance den Zionismus bekämpft, weil sie die Zugehörigkeit zum jüdischen Volk für ihre Person leugnen, darum die jüdischen Regenerationsbestrebungen perhorreszieren und die Phlanthropic als einzig berechtigte Aeusserung des Zusammengehörig• keitsgcfiihls der Juden der Welt gelten lassen wollen. Muss daran erinnert werden, wie aus jenen Kreisen ein Jahrzehnt lang die Zionisten Westeuropas verdächtigt wurden ihre vaterlän• dische Pflichten zu verletzen, wenn sie eine Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina unter türkischer Flagge erstrebten? Sie lächel• teil, die neunmal weisen Herren, wenn wir be• teuerten, dass wir an eine Zukunft des türkischen Reiches glaubten. Und nun — da unsere Voraussage sich erfüllt — wagen sie die Sache so darzustellen, als ob sic den Umscliwung vorausgeahnt und darum den Zionismus von vomherein bekämpft hätten. Der türkischen Juden wegen! Genug: wir wollen nicht angreifen heute, wo wir der Abwehr wegen das Wort ergriffen. Noch identifizieren wir die A11 iancc nicht mit ihrem deutschen __ No, 25, Repräsentanten. Wir wollen selbst be greifen, dass es ihr schwcrfallen muss ihn icbi öffentlich zu desavouieren. So• aber die Alliancenicht den letzten Rest alter stolzer Truditionen — und damit sich selbst — aufgeben wUi, t״uss endlich begriffen werden, dass es so niclifc weitergellen kann mit Verdächtigungen, mit uuwürdi* gen Konkurrenzinanövcni, mit heimlichen uui offenen Angriffen gegen andere jüdische Orga• nisationen, die nach ihrer Art urrd nach, ihrem besten Wissen dem jüdischen Volke dienen wollen. So es aber mehr ist als eine Phrase, dass die Alliance entschlossen sei jüdischen, und otto• manischen Geist gleicherweise in ihren Schulen im Orient zu pflegen: dann wird auch sie nicht umhin können, sich der ״moralischen Kräfte des Zionismus“ fürderhin zu bedienen; Denn dort findet sie in harmonischer Weise Liebe 7.um Laude und Liebe zum Judentum vereinigt. £ionisten, die im Orient wirken, müssen in die Herzen der ihr anvertrauten Jugend: die I k׳imat• liebe pflanzen. Eine so erzogene Jugend wird in Wahrheit bodenständig sein. Die Jugend, die heute die Alliance-Schulen verlässt, ist es zum grossen Teile nicht. Dasbissige Bonmot, das an die-Allianceiütig* keit anknüpft, dass das Ideal der Jugend im Orient sei ״boulevardicr de Paris:‘־ zu■ werden, wird jede Spur von Berechtigung verlieren. Unsere Jugend, die in Palästina heranwächst, hat keine Sehnsucht mehr, ihr Vaterrand zu ver• lassen. Aber die Leiter der Alliance sind noch verblendet. Die Ereignisse müssen: erst mit Keulenschlagen kommen, ehe sie ihre Methode einer wirklichen Revision unterzieht. Eines Tages wird sic müssen.- J uTius Simon. Hilfsverein und Alliance Vom Hilfsverein der Deutschen Juden geht ׳m$ die folgende Erklärung mit der Bitte um Veröffent• Uchung zu: In der Sitzung des Lokal-Komitees der Alliance IsraClite Universelle am 23. Mai 1909 zu Berlin wur• den vom Vorsitzenden folgende Worte gesprochen: ״Sie wissen aus den Berichten des llilis• Vereins, dass diese Organisation, da sie im Orient kaum die Möglichkeit fand, eine Schule :ui gründen, sich gleichsam eine Spezialität aus den Kindergärten gemacht hat. In diesen Kindergärten unterrichtet man nur hebräisch, singt man nur zionistische Lieder, sind die Lehrer alle oder fast alle Zionisten, die keinen Werl darauf legen, die Kinder zu religiösem Sinn zu erziehen, sondern sielt bemühen, aus der ihnen anvertrauten Jugend Zionisten zu machen. Das Hebräische ist für sie nur das Mittel zur Verbreitung national-zionistischer ״Kadimah“ Erzählung von Sam. Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. Nachdem Juda Engelsohn seine Eltern unter dem grünen Rasen des Friedhofes bcstattet und seine einzige Schwester durch die Hei* rat mit einem wohlhabenden Manne versorgt hatte, hatte er auch mit seiner Jugend abgeschlossen; er stand jetzt frei und allein da, mit der ganzen weiten Welt vor sich, und mit dem brennenden Verlangen, als Mitarbeiter in ihr einzutreten; nur war er sich noch nicht klar, welches Feld er wählen, wo er seine Arbeits- Stätte aufschlagen und welcher Arbeit er seine Aufmerksamkeit zuwenden sollte. Durch den Verkauf der ländlichen M01kerei*Wirtschaft, die sein verstorbener Vater — vor Jahren schon — von dem gräflichen Gutsbesitzer erworben hatte, besass er genügende Mittel, ein auskömmliches, » wenn auch nicht allzu reiches Leben führen zu können. Und so verliess er denn eines schönen Tages seine vierfüssigen Wiederkäuer, die bisher seine Hauptgescllscliaft gewesen und die, im Vereine mit ihren Vorgängern, gleichsam die ersten dreiundzwanzig Jahre seines Lebens ver* . schlungen hatten, und kam glücklich und wohl• behalten in Warschau an. Juda Engclsolm hatte jetzt einen bestimmten Grund, die polnische Hauptstadt zu seinem Aufenthalt zu wählen. In seiner früheren Einsamkeit und Weliabgcschiedenheit war hin und wieder durch unterziehende Reisende ein undeutlicher Ton, ein schwacher Nachhall von der grossen Bewegung gedrungen, die unlängst sein Volk ergriffen und aus der tausendjährigen Erstarrung aufgcriittelt hatte. Nach und nach verdichteten sich die verschwommenen Klänge zu bestimmten Gerüchten, die auch bald greifbare Form und Gestalt annahmen. Ein unbezähmbarer Tatendrang hatte sich seiner bemachtigt, seine Seele hatte Feuer gefangen. Er wollte bei dem Erwachen zugegen sein, um auch seine Stimme mit dem Weckruf derer zu vereinen, die wie mit Posaunenschall dem Träumer zuriefen: Auf! Erwache und erstrahle wieder in deinem alten Zaubcrglanzc, dessen man dich so viele Jahrtausende hindurch beraubt hat! Juda fühlte, dass es eine Sünde, dass es ein Verbrechen sei, noch länger untätig zu verharren, wo er bisher war; abgeschnitten von jeder Berührung, von jeder Verbindung mit seinen Stammesgenossen; noch länger zu verbleiben in der Einsamkeit, wo man nur durch ein Wunder oder durch die ' Habgier eines schnapsliebendcn Dorftyrannen daran erinnert wurde, dass man einer grossen Gemeinschaft, einer herrlichen, gottgeweihten Bestimmung an• gehörte. In Warschau hatte er keinerlei Bekannte; aber er brachte einen Empfehlungsbrief an Uriah Bcllinsky, den Vorsitzenden der jüdischen Studentenverbindung, mit sich. Am zweiten Tage nach seiner Ankunft suchte er diesen in seiner Wohnung auf. ״Sie wollen also der zionistischen Sache helfen?“ fragte Bellinsky, nach der ersten Be• grüssung, seinen Gast neugierig und forschend anblickend. ״Was können Sic denn leisten?“ ״Das weiss ich eigentlich selbst noch nicht,“ anwortete dieser freimütig. ״Wie kann ich übrigens sagen, was ich tun will oder kann, wenn ich noch nicht einmal weiss, was noch zu tun ist?“ ״Alles“, sagte Bellinsky gedankenvoll; «wf sind nachgerade bei dem Anfang angelangt, und war brauchen deshalb Männer, die uns auch noch weiter helfen; möglich, dass auch Sie einer von ihnen sein werden. Haben Sie denn etwas gelernt? Das Russische sprechen Sic ja vorzüglich.“ ״Der Hauslehrer beim Grafen in meinem Heimatsdorfe gab auch mir fünf Stunden wöchentlich Unterricht,“ erwiderte Juda l : k % 1. , I ,1 J 1 ן t i I I i \ I? “f 1 i 1 i 1 4 i % I f I ן J j

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