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Jüdische Rundschau · 1909-06-18 · Heft 25 (18.6.1909) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 25 (18.6.1909)
Date
1909-06-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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; s r * :! Abonnomonta , ul die »״flehentlich tm frei- uc crscliclncitüo .,JOdlscho * K<1n<hcl1au‘' kohlen bei der י tttpciiition und bet allen Po*t- * liMcm vierteil,Miflielt 1,25 M, «uvscihnlb Pcutaclilandt und I OcurrrelcIfUncarnt 2,— Mj I kr Mittel•eder lUdltdier Ver• I ן me Im Sammclbczu« durch I den Verein I.— M. | Verlas Jtidlicho Rumlrchau * ' 1!. Q. m. b. II. י I Merlin SW. 48, Zlmmcrtlr, H. ן je:\11Mt»stunden: 3 bla 7 Uhr * l '.r Sonnabend u, Sonnt•«.? Of\ n Of\ n; I u mmm 1 Anzutgon 1 J kosten lOr die llinlücspaltcne | Pctltzcllo Oder daren Kaum I 15 l’ls.i Stellc11*Am!1l>otc und I Ucsiiclic 10 wie Vcrclnsimt• f ן •.elluiiKcn u, .,Kleine Anzeigen" 5 g nur IS Pis. ———— — — § Manuskripte werden, wenn <1 Porto balicsl. suis zurück. | gciandi, — Kcdaktlonsscblui» ■ ן Mittwoch niiuae». a Redaktion Jüdische Rundschau £ IlcrIin-CliaHoncnbur«, י Olclbtreustr. 49. Tel. CI1, 9881. . Sprechstunden Dienst»* und Z Protiaui 11—t Uhr mluaitt. % *tmmmmmmmm mmrnBmBmmmmmJ 1 Z60TUMO Nummer 25 Berlin, den 18. Juni 1909 —29. Siwan 5669 XIV. Jahrgang Geüeimrat Goldberger . ו und der Zionismus Bi* diese Auseinandersetzung mit Herrn I. Gdn■i;•«rat Goldberger — dem Vorsitzenden der di'itis׳ n*n Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Isra׳ i: •’ Universelle — im Druck erscheint, wird ‘ in r.»'־!i11 die angekündigte öffentliche Versamtn• lung;:plagt haben, die sich mit den Angriffen diese' i lerru auf den Zionismus zu befassen ge• denkt. Doch nicht in Berlin allein haben seine AngiinV eine starke Empörung ausgelöst. Wir f hier in der Provinz, bisher nur auf Pressberichte angewiesen, da der Jahresbericht der Alliance , norlt nicht versandt ist, sind gleicherweise ent•! riisu'i. Darum finde auch unser Protest hier ׳ Raum, selbst wenn er nur das wiederholen ן sollte׳, was in der Berliner Versammlung vorge* ׳ tragen wird. ׳ Der Leiter der deutschen Konferenz-Ge• meinscliaft hat durch öffentliche Behauptungen - deutlicher: Denunziation — den Leitsatz der 0 יrga1u!־ation, die er rerpäsentiert: כל ישו־אל ״ ערניב זה נזהganz Israel hat einzustehen, einer für den anderjj" auf das flagranteste verletzt. — l Herr Goldberger betonte die Tendenz der Alliance, die jederzeit darauf gerichtet gewesen, ihre Zöglinge in der Türkei ebenso zu guten Ottomanen, wie jene in Russland zu ״guten [ Russen" zu erziehen. Er beteuerte, dass die! Alliance dabei verharren werde, ihren Anstalten \ in der Türkei den jüdischen und ottomanischen 1 Charakter zu bewahren. Er behauptete, dass | die Alliance von Anbeginn an erkannt habe, wie gefährlich der Zionismus ״diese kräftige Kam• pague" — wie er sie nennt — sowohl für ihr Sch!!!werk in der Türkei, wie für die türkischen Juden überhaupt sei, und dass die jüngsten Er-; eignisse, die das ottomanische Nationalgefühl gesteigert, diesen Befürchtungen Recht gegeben*. Er versicherte, dass die Alliance nicht den Spuren ״anderer“ folgen werde, die ״die mora* lischen Kräfte, die der Zionismus tatsächlich repräsentiert, in den Dienst ihrer Propaganda stellen." Er apostrophiert schliesslich gerade* <{• zu den Hilfsvercin der Deutschen Juden mil Worten, die bereits in der vorigen Nummer zitiert sind.- ז Der verantwortliche deutsche Leiter einer; jüdischen Weltorganisation behauptet also:; der Zionismus sei für die türkischen Juden gefährlich, was nicht anders gedeutet werden kann, als dass er für die Türkei selbst •taatsgefährlich sei, , die Alliance habe das von Anbeginn an erkann! und ihn darum wachsamen Auges verfolgt, diese Erkenntnis aber beherrsche nicht die , Leitung des Hilfsvereins, denn dieser Ver• ein segle im Fahrwasser solch gefahrbrin-; gender Bewegung, so also die Alliance allein ״die" jüdische Organisation, deren Wirken ebensosehr ׳־ dein ״Interesse der ottomanischen Juden,’; , wie dem wohlverstandenen Interesse des j türkischen Landes" entspreche. ' Alle diese Behauptungen sind erweislich j; «heb. Zwingen aber muss man sich auf sie ein* j־ugel10n, statt einfach einem instinktiven Rein* »chkeitsgefühl .nachzugeben, das dieser ganzen ,, . ״ «•Der Zionismus erstrebt iör da» Jltdltclie Volk dl» W1»l||t tlntt &(lvntllcl1>rcchtllct1 ««Melierten IlelMMOtlo ln Painsllno," Uaieler Programm. ßas ßca italaoHf Oclicluirnt Goldberger und der Zionismus. Ulhövorclii und Alllnnce. — Rumänischer IJrlol.— Chassidismus und llttukalali. Qcdanken über ulten und neuen Chassidismus. Von S. J. liurwitz• Berlin. (Aus dein Hebräischen übersetzt von Dr. 11. Jacob). — Dns Judentum am Scheidewege. Von Rabbiner Dr. Max Joseph: Stolp i. Pomm. ״ ־־־Scudil8el1e Hausierer.״ — Berichtigung. ־— Ana oller Welt. — Pa!üstlna*Ruudscl1mt. — Vom Zionismus. — Vom Hllfsvcrohi. — Zionistische Be• wogung. — Ans den Gcmolndon. —• Vorcinsrund• ßcliuti. — Vurzelclmis der antisemitischen Er• UoUmgsortc bozw. Hotels und Pensionen. — Feuilleton: Kutlliiiali: Erzählung von Sam. Qor• uon, Frei übersetzt von M. Pulvcrmann. — Literarische Hiiiulacliuu: Ketten. Von Bertram Stern. Bilchorhcsprechutigeii. Unserliterarisches Preisausschreiben. Elngcgungono Bücher. Erörterung in weitem Bogen ausweichen möchte. Doch es sind Beschuldigungen, die ein Repräsentant der Alliance erhoben, ״unscrer Alliance", auf die jeder Jude noch immer stolz ist, selbst wenn er ihren Entwicklungsgang nicht gutheissen knnn. Schon ihrer aufrechten Vergangenheit wegen. Nicht irgend ein Frem• der, den man ignorieren könnte, hat eine jüdische Sache zu beschmutzen versucht. Wir alle, Juden und Mitglieder der Alliance, sind en* gagiert. Wir dürfen nicht schweigen. Warum nun dieses Aufgebot an falschen Behauptungen? Will Herr Goldberger wirklich den Zionismus bei der neuen Türken dcnunzic* ren, um seine Anstrengungen dort zunichte zu machen? Oder glaubt er sich gar berufen auf den Plan zu treten, um mannhafte Streiche gegen ein gefährliches Beginnen zu führen? Aber nein! Herr Goldberger glaubt gewiss selbst nicht an irgendeine Wirkung seiner Worte übe'r die Grenzpfähle seiner Wirksamkeit hinaus. Er würde sich wohl auch mit dem Zionismus ab• finden können wie bisher — abseits stehend —• stört er doch kaum seine Kreise. Aber da ist eine andere jüdische Organisation, die schon durch ihre Existenz, noch mehr aber durch ihr Wirken die Selbsthcrrlichkeit der deutschen Alliance-Leiter beleidigt: der Hilfsverein der Deutschen Juden. Die ganze Sache ist bereits von der ״Jedi• sehen Presse" als das gekennzeichnet worden, was sie in Wahrheit ist: ein schmachvolles Kon* kurrenzmanöver gegen den Hilfsvercin. Herr Goldberger spekuliert auf das Unbehagen des jüdischen Spiesscrs vor dem Zionismus, diesem stolzen und lauten— ach zu lauten — Bekenner• tum. Der Hilfsverein wirkt zwar nicht in Deutschland, ist aber auf die Sympathie der deutschen Juden angewiesen. Darum wird seine Tätigkeit dem erschröckten Bürger in zionisti* scher Sauce serviert, darum muss der Zionismus gefahrdrohend für die türkischen Juden gemacht und — was noch wirksamer — seine Staatsgefährlichkeit sogar behauptet werden. Darum Räuber und Mörder, weil der Hilfsvercin ״die moralische Kraft, die der Zionismus tatsächlich repräsentiert“ in den Dienst seiner Sache stellt. ״Die Alliance verharrt dabei, ihren Schulen den jüdischen und ottomanischen Charakter zu bewahren." Hat man ihr denn anderes je zugemutet, dass sic glaubt, das unterstreichen zu müssen? Zwar: wenn sic ottomanischen Geist bisher nicht besser gepflegt hat, als jüdischen, wird man mit ihr füglich unzufrieden sein dürfen. Und wir sind unzufrieden. Niemand würde es mehr begriissen als wir, wenn die Alliance endlich dazu überginge nichts anderem mehr zu dienen als dem wohlvcrstan• denen Interesse ihrer Zöglinge: sic zu guten Bürgern ihres Landes und zu guten Juden zu• gleich zu erziehen. Dann dient sie in Wahrheit den Landesintercssen. Wir Zionisten wür* den ihre Arbeit segnen können. Denn im Orient gehen Landesinteressen und jüdische Interessen parallel. Das haben wir immer betont. — Wie? Die zionistische Bewegung gefälirlieh für die türkischen Juden! Eine Bewegung gefährlich, deren beste, wertvollste, hingebungs• ־ reichste Anhänger erfüllt sind von dem Drang lieimzukehren in ein leeres, brachliegendes türkisches Gebiet, um dort ihr Leben der Erfüllung der Sehnsucht ihres Volkes zu weihen und eine ,, blühende jüdische Provinz zu schaffen innerhalb des türkischen Reicnes. Was anderes sollten wir erstreben wollen: welche Regierung der Welt könnte den Heimkehrenden willkommener sein, als die türkische! Welche Grundlage hat also Herr Gold• berger für seine Insinuationen? Muss nicht der Zionismus die Stellung der türkischen Juden geradezu festigen, der dem Lande neue, treue Bürger zuführt. Und wahr* lieh nicht die schlechtesten! Aber: vielleicht gab der Zionismus Veran* lassung zu solcher Missdeutung? Nun denn: wir wurden nie müde sein loyales Verhältnis zur Türkei zu betonen. Herzl in der Eröffnungsrede zum II. Kongress 189S: *9• * Darum wäre die Zuführung eines frlcd* liehen, unternehmungslustigen Volkselcmentes... fiir die Türkei eine Stärkung und Bereicherung... Wir dürfen sagen, dass der türkischen Regierung die vollkommene Loyalität unserer Bestrebungen wohlbekannt ist." Hcrzls Ansprache an den deutschen Kaiser in Jerusalem 1898: ... . . Die Freundschaft Eurer Kaiserlichen Majcstiit (iir Sc. Majestät den Sultan ist so bckannt, dass kein Zweifel über die Absichten derjenigen bestehen kann, die sich um die Allcrgnä• digstc Vermittlung ihrer Wünsche an Ew. Maj. wenden. . . . Wir sind ehrlich überzeugt, dass die Ausführung des zionistischen Planes auch für die Tütkcl Wohlfahrt bedeuten muss. , . ." Herzl in der Eröffnungsrede zum III. Kongress 1899: ״. . . Natürlich legen wir das grösste Gewicht darauf, diese Loyalität vor allem der türkischen Regierung gegenüber zu betonen und zu beweisen. Von uns wird kein Schritt unternommen, der auch nur entfernt das gerechte Misstrauen des sonverünen Besitzers Palästinas erwecken könnte." Herzl in der Eröffnungsrede zum IV. Kongress 1900: ״. . Auf diese Kulturstation, die das machtloso Volk der Judcnhcit unter der Oberhoheit Sr. Majestät des Sultans rasch errichten würde, braucht keine Macht mit Besorgnissen zu blicken. Den Juden wiirc geholfen, aber den andern auch, und den grössten Qcwinn hätte daran die Türkei. . . ."

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