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Jüdische Rundschau · 1909-06-11 · Heft 24 (11.6.1909) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 24 (11.6.1909)
Date
1909-06-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ich wünsche, 11.iss recht viel darüber gestritten, also dass cs recht viel gelesen werde.“ Rabbiner I)r. Gold mann schreibt im ,,General• Anzeiger liir die gesamten Interessen des Judentums" (7. Jahrgang No. 21): ״Hs hi eine schwierige Aufgabe, ein Huch objektiv zu würdigen, wenn man mit dem Verfasser in der Oi andaitsehaiumg nicht übcrcinsiimml . . . . Die Tatsache aber, dass man dieses Huch nicht wie die meisten Veröffentlichungen von zionistischer Seile liest und Jann mit Gleichmut weglegt, verrät schon, dass wir es nicht mit einem alltäglichen Werke zu tun haben. Wir wollen cs ganz unumwunden eine bedeutsame Tat neunen — wenn auch unsere Zeit der wohlfeilen Lorbeeren so .starke Lobeserhebungen in Misskredit bringt — dass der Verfasser geglaubt hat, seine interessanten Gedankengiinge über Juden und Judentum der Welt nicht vorcnthultcn zu dürfen." .... Das Huch ״zeigt zumal ir. der Problemstellung eine ausserordentliche Schärfe und Richtigkeit des Denkens, die auch vor den letzten Konsequenzen nicht ztiriicksclireckt." Karl J ent sch schreibt in der Wiener ״Zeit" (13. Dezember J9öh): ״Sollte es noch Leute geben, die den Zionismus für eine utopistische Schrulle halten, so können sic sich durch diese scharfsinnige Apologie des .... auf der Hohe heutiger wissen• sehaftlicher Bildung stehenden Dr. Joseph eines besseren belehren lassen." Nicht wahr, verehrter Leser? Soviel wenigstens geht aus all diese» Urteilen hervor, dass diejenige», gegen deren ürtutdnuschauuitg ich mich mit aller Entschiedenheit gewendet hatte, nicht■ hätten glaube» dürfen, mit Schweigen über mein Buch hinweggehcit zu können. Und nun fragen wir: Wo bleibe» die Wortführer des liberalen Jude»• t»1» s? Wo ule tonangebenden V e r treter der blossen israelitischen Re* I i gi0n sg cinc t n scha f t, wo die vom Zcntralvcrcin deutscher Staatsbürger jüdische» ״Glauben s?" Wo blieben die allzeit im Kampfe bewährten ZionistentOter? Sind sic wirklich nur immer dann zur Stelle, .wenn es gilt, unztnegen, dass den Zionisten die Staatsbürger• liehen Rechte entzogen werden, oder den Boykott der zionistischen Rabbinen zu predigen? Wo, wo blieben sic? Ist cs nur die ״kluge" Politik, die sic in sieben Sprachen schweigen lässt? Warunt entziehen sic sich einer sachlichen, wissenschaftlichen Diskussion? Hs ist doch nicht gar so schwer, gegen den Zionismus zu schreiben! Wie umfangreich ist die zionistische Literatur, wie ärmlich dagegen die;int;zionistische! Ja, gibt cs überhaupt eine solche? Warum entwickeln die Antizionisten nicht mit Hrnst und ausführlich ihre Theorie? Oder ist cs ein genügender Ausweis für die Güte der vertretenen Sache, wenn man nur das Gefühl haben darf, die kompakte Majorität hinter sich zu haben, oder wenn man nur so gelegentlich, des Beifalls sicher, einen Ausfall auf den Zionismus macht? Wo. so fragen wir, wo sind, unter Rabbinen und Laien, die Vertreter des A n t i z i 0 n i s m u s, mit denen man sich in einer ernsten Wissenschaft* liehen Diskussion auscinandcrsctzcn darf! Wahrlich, von diesem Gesichtspunkte aus muss ich meinen wenigen gegnerischen und halbgcgnelischcn Krtikern grossen Dank wissen. Sic haben doch wenigstens den Versuch gemacht, ihre ab• weichende Anschauung nicht nur auszusprechen, sondern auch zu begründen, ich freue mich aufrichtig:, dass sic mir Gelegenheit bieten, mich mit ihnen aus• cinandcrzusctzcn, Wenn ich dies erst letzt tue, so lag cs natürlich daran, dass ich bis jetzt vergeblich auf die Dinge gewartet habe, die noch kommen soll• tcn. So will ich mich denn mit den mehr oder weniger gegnerischen Bcspteehungen meines Buches beschäftigen. Erst zuletzt werde ich die allgemeine geistige und moralische Lage im Judentum beleuchten und mich mit der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland auscinandcrsctzcn, um mit einigen Bemerkungen über die Bestrebungen der Hilfsorganlsationen zu schlossen. (Portsetzung folgt.) ::AUS ßLLGR VJ6L1 I Russland Aus der Kcichsduma Am vorigen Dienstag spät abends konnte» die ,'״rtscliiittliclien Strömungen <ii der Rciehsduma einen ernsten Sieg feiern. Der Gesetzentwurf über die (wenn auch noch beschränkte) Gewisse»»• und Glau• licnsfrellielt ist mit grosser Stimmenmehrheit angcnominell worden, nachdem die Mitglieder der Reelllen erklärt hatte», dass sic sieh der Stimmabgabe enthalte», weil der Hmwurf den Grundgesetzen widerspreche• Diesen moralische» Sieg verdankt die Linke »lern iinentsehlosseiieii Auftreten Stolypins. Allerdings lässt sieh ziemlich bestimmt versichern, dass das von der Duma angenommene Gesetz weder vom Reichs rat akzeptiert noch vom Zaren bestätigt werde» wird. Am Mittwoch begannen die Debatten über die liilerpellailon wegen der Tätigkeit des Duürowiiisehen Verbandes der echt russischen Leute. Gleich nach dem Berichterstatter ergriii der Kadett Maklakow das Wort. Kr hielt eine eindrucksvollc Rede, in der er bereits zum Beginn bcmute, dass uic Atmosphäre, in der die Dubrowia- Krage beraten wurde, üusserst ungünstig sei, weil die politischen Lcidenscnattcu sieh noch nicht gelegt hätten und daher ein objektives Verhalten zu der Krage kaum schon zu erwarten sei. Kj» sei aber um jeden Preis volle Aufklärung erwünscht, da gegen den Verband die schwere Anklage erhoben worden sei, den w e i s s e n Schrecke » über Russland verbreitet zu!iahen Hierauf schildert Maklakow die K r m ״ r d u n g e n Herze nstcfns und Julius* durch \ e r I) a n d s m i t g l i e d e r und behauptet, dass die Mitglieder des Verbandes Räuber und Mör* der waren, denen die Regierung Straflosigkeit z וו g e s i e h e r t habe. Überhaupt habe jedes Ver* hamlsmiiglicd das Vorrecht besessen, jedes Vorbrechen ungestraft zu begehen. Das sei so weit gegangen, dass schliesslich auch die oberste Staatsgc* wah in diesen Parteistreit hincingczogcn wurde. Der nächste Redner der Kadett Miljukow geht näher auf die Krmordung Hcrzcnstei.ts ein und stellt sie als ein im Aufträge der Regierung durch den Verband ausgeführtes Werk hin. seur scharte Anklagen bringt der Sozialdcutn krat Gcgctschkory vor, der den Verband ah eine V c rli reche r organLsa tion schlimmste Art bezeichnet, die sieh der Protektion de! Regierung erfreut habe. Zudem sei der Verbum die einzige Organisation gewesen, der die Regierum die Agitation im Lande gestattet habe und die sii nach jeder Richtung begünstigte. So sei unter anderen von Petersburg der Befehl a u s g c gangen, dass;.Ile Rekruten der Arme! dieser Vcrbrcchcrbandc b c i t r a t c n das ganze Ministerkabiuett und die gesamte Adtmni stration Russlands sei au sämtlichen Vebieclieu de! Verbandes der echt russischen Leute beteiligt odc. wenigstens mit allen seinen Schritte» im Prinzip ein verstanden gewesen. (Lauter Beifall der Oppositioi und des Zentrums.) Die Teilnahme der Regierung ai dem verbrecherischen Treiben des Verbandes sei s« weit gegangen, dass S t o l y p i n und das P 0 li z c i d c p a r t c tu e tt t dem Verbände mehrfach sogai Geld zur A u s f ü h ru n g bestimmter Auf träge gegeben habe. Beamte zu besondtyen Aut trägen bei dem Stadtbanptmamt von Petersburg hätten den Mitgliedern des Verbandes die Waffe! gegeben, um I!erzenstem zu ermorden. Ausser׳ dem behauptete Gcgctschkory in Besitz eines Bricic! des bekannten Abgeordneten P n r i s c li k c w i t s c l zu sein, in dem die Administration bittet den Mördern l i c r .׳. c n s t c i n s jede r Schutz zu gewähren. Der Verband, der sici der besonderen Protektion der Regierung erfreut« und unter iliicm Schutze die Juden hetzen h Odessa, Kiscliincw und in anderen Städten voran staltete, hübe Ströme von Blut flicssen lassen. Hrs wenn die Autokratie in Russland atifhöre und dir Monarchie untergegangen sei, könne man auch darau: rechnen, dass diese Pestbeule am russischen Staats■ körper verschwinde. (Laute Protcsirufe von rechts.' Schliesslich ergreift Markow von der extreme! Rechten das Wort. Kr verteidigt den Verband ir zweistündiger Rede, indem er alle Verbrechen de! Verbandes rund weg ableugnct. Auch die Kr• mordur.g Herzensteins und Jollos* seien nicht auf die Rechnung des Verbandes zu setzen. Markow׳ mus?;dier immerhin zugehen, dass sich unter den zahl• reichen Mitgliedern des Verbandes auch einzelne räudige Sciiafe befänden. Aber sic fänden sich jeden■ falls in geringerer Anzahl als bei den Qruppen det Linken. Da noch 24 Redner sprechen wo!* len, wird die Verhandlung vertagt. So viel lässt sich schon jetzt mit Gewissheit sagen, dass bol der ganzen Interpellation nicht viel licrnuskommen wird. Die Regierung wird einfach ן dabei bleibe», dass sic den Ausgang der gerichtlich^ 1 Untersuchung abwai'ten müsse, die ja im Gauge i$j I Die Sitze der Minister im Parlament sind wähicnj I der Verhandlungen leer geblieben. f Der Senat hat sich vor kurze!!! mit der!זי.;• t. f .ss• ob;na*» du• jüdischen Zahnärzte als Persontn mit höherer Bildung bezeichne״ und ihnen d.mm \11fe11tinhsrceht ausserhalb des Ansicdluiigvtayor.s ז z ,sprechen kamt. Dkh• Krage wurde noch .״.Jahre 1.1117 von der Administration des Kreises fersne!! aufgeworfen, die d׳m indischen /׳almur/.tm, den < A fciul-alt in diesem kreise ״ich: gestatte» wollu. I Der ,seiiat befasste sich mit dieser Präge zum ustg.! Male'im ■fahre l'>l)b Die Ansichten darüber vurc!,! .1 ״*.׳,, im Senat gett.lt. und die Angelegenheit wurde I einer besondeicn Beraum« im Jusuzmimy.ertm״ v.her. I wiesen, die z» der Kntseheidung führte, dast, /״dm* ärzte eine höhere Bildung besitzen. Der benat l.-.aate jedoch auch Jetzt zu keiner einheitlichen M über dieses ״schwierige Problem gelange». Ua 24 Senatoren sprachen sich 121 (eurunter an.,. e,c Mmistergehüten Likosakin und Polwanow) *,׳eg, a!־״ obige Erklärung aus. Die Angelegenheit!»1 oe-.uib dem erste» Departement des Reicosrats über u-wn t worden. 0 ,, ,» 1.» ■ «II״ Jltll •Ijv LUS erste Departement des Senats mit der Krage k:; v4, ob jüdische Apothekcrgehllfen, Dentisten eie. a er. halb des Ansicdchrngsaebicts wohnen diirien. wen;! sie sieh mit »teilt zu ihrem Spezialfach geüvicen Beschäftigungen abgeben. Die Meinungen der Pc• partementsmitglieder waren darüber geteilt. u»J cs wurde beschlossen, diese Angelegenheit der c* meinen Senatssitznng zu unterbreiten. Die nistratimi hat cs aber nicht für nötig gehalten, den Beschluss dieser Sit/nnc abzuwarte». und hat iu \cr. sehiedciieii Städten vielen jüdischen Pharmazeuten and Dentisten . eine Ausweis ungshes tim. mung mit sechstägiger Kr ist /tue• steht. Die Betroffenen sind durch diese grau1-..me Massregel gänzlich ruiniert und zahlreiche von iimen zum Bankerott getrieben worden, worunter die Kabrikanten und die allgemeine Industrie im Lande in empfindlicher Weise leiden. Hi« Direktor der bc• kannten Lodzer Kirma Poznanskv. •kwf Sc 11 reihe r, hat sich deshalb nach Petersburg begeben, um an massgebenden Regierungsstellen auf die .nachteiligen Kolgcit der rigorosen ndministraiiu'it Vorgehens Itinzwwciscn und im Namen der Indusirie• Vertreter um die Verhinderung einer entsprechenden Gesetzesbestimmung zu ersuchen. Herr Schreiber wurde vom Kinaivzminister Kokowzew und dein ifaiidelsminister Thnirasjew empfangen, die mit ihm diese Angelegenheit eingehend besprachen, die von ihm angeführten Argumente anerkannten und ihrerseits im Sinne seines Gesuches zu wirken ver• sprachen. Wenn dem Gesuch ein Erfolg licsciüedcit ist. w c r d c n T a n s c n d c j ü d i s c h c r K x i s t e n. z e 11 v 0 r *1 c m Ruin bewahrt bleiben. England _vr.M«»11״«»Mu11 ״Hinan” m!:nglaitJ. der sämtliche hebräischen Sprachvereine des L.mc verschiedene Synagogengemeinden und die Kngl Zionist Kederaticm Delegierte entsandt natt Mehrere namhafte Persönlichkeiten — darunter as Chief-Rabbi Dr. Adler, Israel Z a n g w , Achad Ha*am. Prof. Abrahams, Rul Brainin — haben Begrüssungsschreibent Telegramme an die Konferenz gcrichict. Die Hau beratungsgcgeiistände bildeten die Verbreitung < hebräischen Sprache und Kultur in Kngiand. i.ebräiseh-sprachbchc Krziehunß und die Orgamsa: und Arbeitsmethode der ״Ibriali" in Kngiand. 11 de» letzten Punkt referierte Dr. Puchs, der Rciarmbeduritigkeit der hebräischen Institutionen diesem Lande hervorhob und die Notwendigkeit ei; umfassenden, systematischen :md ziclbcwuss licbräisclm Kulturarbeit darlegtc, die ein Lebetvsiw. esse des JmkTmrms sei. Dr. S a I k i n d referie über das hebräische Krzicliungswcscn. wobei er Wichtigkeit von hebräischen Kindergärten! Schulen hervorhob. An die Referate schlossen s eingehende Debatten, in denen sich einzelne Red! auch mit Icr gegenwärtigen Lage der hcbräisel Literatur und den zu ihrer Verbreitung gccigne Mitteln befassten. Ks wurde dann ein Zentralkmuii mit Sitz in Manchester, gewählt, das mit der A iühruttß der gefassten Resolution beauftragt wur — Am Sonntag abend fand zu Ehren der Delegier eine grosse Volksversammlung statt. Amerika Der Ausschuss des ״V c r h a 11 d c s i ii d i s c I! Karin er Amerikas hat in seiner letzten Sitzt׳• beschlossen, während der ersten Oktoberwoche « Jahres in New York eine Ausstellung von lamlwi schailUchcn Erzeugnissen seiner Mitglieder zu '־< anstaltcn. Die Bedeutung einer solchen Aussicht! in dem jüdischen Zentrum New York für das äussc wichtige Problem der Verteilung der cinwaudci den Massen auf das flache Land Hegt auf der Hai und cs ist zu hoffen, dass die landwirtschaftlich Erfolge ihrer Stannncsgciiossen auch unter d Ghettohewohnern eine gesunde Strömung zu gunst agriknlturejler Betätigung auslüscit werden. (Fortsetzung auf Seite 27t

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