Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1909)
- Date
- 1909-06-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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jjC Kritik ilcs Ütheimrats Goldberger einzig und ,!lei« u״i ilic Kindergrdten? Zur Kennzeichnung jicser Kritik cs* 11»™»f zu verweisen, dass dieselbe «egen ״nie Lehrer" gerichtet wird, wahrend ״«Schlich an den Kindergarten nicht c‘jn d» *iß er Lehrer, sondern nur Lehrerinnen tätig sindl Ob diese Lehrerinnen ,alle oder fast alle" 7.jt>11iNicn sind, wissen wir nicht, erscheint uns und sicherlich auch!וocיו energischeren Qegnern des Zion,* ui n >. die es a b w c i s e n, Gesinnung«• r j i• c l: c 1 e i zu treiben, vollkommen ״ c h c n י a c h I i c I». Es genügt, dass die Lehrenmicr »0e Pichten. die sic zu erfüllen haben, er• fallen, und dazu gehört, dass ihr religiöses Leben r.iniu•. ־■!ei ist - ihren etwaigen zionistischen NcigniHLcii nachzus|)iircn, 1131 niemand das Kocht. Aber mc Millen keinen Wert darauf legen, die Kinjcr /! religiösem Sinn zu erziehen, sondern sich bcumher׳- Ulis der ihnen anvertrauten Jugend Zionisten ן וון!!, vlicn.־' Von wannen kam Herrn Geheimrat (iokitv.'ir in Berlin diese intime Wissenschaft von den 1\! iiiliiingcn der indischen Kindergürtcrinncn in jeriis.1 n;.J Und man wird füglich voraussetzen ״iirfc:'• dass er zumindest bestrebt war, sich über die u . ./weifeibare Berechtigung der Anklage zu vergo«■•־>'cr11, dass sie ״keinen Wert darauf legen, die K ■ ו־ג zu religiösem Sinn zu erziehen," d. 11. dass mc e•■1 .׳ schweren i’llichtversüiimnis sich schuldig in.icl!‘ die sie eventuell ilir Amt kosten muss. Maa •\ 1r,l >'•׳!. Gewährsmann des Herrn Geheimrats Goidlcrgci •:her das palästinensische Schulwesen in Herrn Kahl'!m s Bi־. Pnrgcs-l.cipz.1g vermuten dürfen. Macht kt/tem etwa die Anklage sich zu eigen, oder bilden seine M1tte:hmgen die Grundlage für dieselbe? Hs darf \ i.uiNgcsetzt werden, dass Herr Br. Borgos »iclegv:.:!cn nclimcn wird, sich zu äussern und die \cr,1!n\'ortuiig inr diese grausame Blossstellung uaeketer junger Mädchen, die einer entsagungs• reiche.! übcit ihre husten Kräfte widmen, scinciscits .iv11kiu.cn. Überflüssig, erst iiinzuzufligen. dass das ׳.־.!tue *icieiic eitel unwahr, dass cs das Echo der IWsu•. 1u1c.cn des famosen Heirn Autdbi und seiner i'ippc denen es allerdings auf eine Vcrdilclillgiing 'uuecii ׳*der mehr nicht ankommt. . . . Sicherlich ״!fit!.eine Voreingenommenheit fiir den ״Hilfsverein" .11 de I r..ge erblickt werden, wie lange diese K.1!״p..g1te der Nadelstiche, der Verkleinerung und Verl.,Mennig i'ortdaucrn darf, ohne dass diejenigen, die mcii 1i..rin gefallen, aus den Kreisen der Mitglieder d,r Aiii.'iiwc Is.aöhte über das Ungeiiörigc dieses Oerer.N 1 clchrt Weiden? Mit vornehmer Zuiück* ii.iliung sind Uie leitenden Männer des ״Hilfsverdns", um eu er einzigen Ansnalime, in der es sieh um die giiihulaeii Interessen der Gesamtheit handelte, an d11M.11 A*.grihen in schweigender Nichtbeachtung 1!1ז0.׳<crgegangcn, and das dürfte auch in Zukunft ge• srlivlicii. weil sic mit Recht die Leistungen des Vorcmi ,1is die beredteste Widerlegung unschön. Aber findet sich unter den Herren vom Berliner Lokal- K'iin.-cv oder unter den deutschen Mitgliedern der •Vii.u.a. die ihrer Stimme Gehör verschaffen können, nu!1.;.nd. den sein Gewissen antreibt, endlich seine iüinnm. zu erheben? Qui taeet, conscntirc vlüctui I Das Judentum am Scheidewege V a Rabbiner I)r. Max Joseph, Stoip i. B. lat April!,1OS ist mein Buch ״Bas Judentum am SscU’iJewege" erschienen. Es vertritt mit prinzipieller LiU'.inedcnlieii einen Standpunkt, der von dem im ״k׳/i lleu Judentum herrschenden von Grund aus Unu!eilt. In dem Buche suche ich folgende Thesen •׳•« Hweisen: '׳' •a religiöses Judentum ohne nationale Basis ist Ki'J! unhaltbar und praktisch aussichtslos, also du.! Untergang geweiht. Der Glaube an eine religiöse "•v des Judentums in der Zerstreuung ist י"'!« risch völlig unbegründet und lässt sich mit der *1'יי"־i'cilen Weltlage und mit der politischen Lage des ״l!d iiimns nicht in Einklang bringen. Das Judentum fu,l; durchaus auf nationaler Basis. Diese hat von ielii. den festen' Unterbau des religiösen Judentums ßt'iMct. Ohne nationales Bewusstsein und ohne »mif.iiale Zukuuftshoffnungen wäre das Judentum zußriiiisle gegangen. Bis auf den heutigen Tag hat das •״״'uium seinen nationalen Charakter bewahrt. Das Anmerkung: Wir beginnen beute mit der Vor- ,׳iRuiiicliung dieser Antikritik, die nicht verfehlen dmiit, in den weitesten Kreisen grosses Interesse ׳zu cr'*ecken. Um die Geschlossenheit der Darstellung Dr. Josephs nicht zu stören, werden wir indessen ctw.1j|׳c Gegenäusserungen erst nach Abschluss ditwr Publikation bringen. — Red. der ״J. R•"• nationale Leben hat aber das religiöse in Israel nicht nur stets getragen, cs hat vielmehr auch im Altertum den rcügiös-ethischen Genius Israels zu seinen erhabenen welthistorischen Schöpfungen ange* regt. Wer daher an eine religiöse Zukunft des Judentums glaubt und eine solche ersehnt, der muss in allererster Reihe die nationale Basis fcsthaltcn und mit seinem Glauben, dass das Judentum auch künftig noch eine religiöse Mission habe, an die religiösethische Genialität Israels anknüpfen. Nicht nur um der politisch-ökonomischen und moralischen, auch nicht nur um der allgemein kulturellen Judennot willen, sondern auch wegen der religiösen Judennot, die in der Diaspora nicht zu beseitigen ist, muss für die Entfaltung des Judentums ein freies, ungeliindcrtes nationales Leben geschaffen werden. Das aber fordert, mit Anknüpfung an unser altes historisches Ideal, die Verwirklichung des Zionismus. Im Vorwort des־ Buches heisst es: ״Was wir aber vor allem erhoffen und erwarten, ist, dass unser Buch zu gründlichen, wahrheitsgemässen Untersuehungen darüber anrege, wie sich das religiöse und nationale Element im Judentum wirklich zu einander verhalten und welche Stellungnahme zum Zionismus der religiöse Genius Israels in Wahrheit fordert.“ * tt Kl Von den politischen Blättern, denen Rezensionscxcmplarc zugegangen waren, brachte die ״Frankfurter Zeitung" und die ״Neue Freie Presse“ nur eine Anzeige, das ״Berliner Tageblatt" sparte auch diese. Unter den übrigen ist nur die Besprechung in der Wiener ״Zelt" durch ihren Inhalt und ihren Verfasser Karl J e n t s c h bemerkenswert. Von den jüdischen Blättern brachten die meisten längere Besprechungen, zum Teil an leitender Stelle. Fast alle wiesen auf die Eigenartigkeit der neuen literarischen Erscheinung hin und sprachen die Erwartung aus, dass die in meinem Buche angeregten Fragen eifrig diskutiert werden würden. Das ist aber sonderbarerweise bis heute nicht gescheiten. Ja, noch merkwürdiger muss das Verhalten der jüdischen Blätter berühren, die eine Grnndanseluiming vertreten, gegen die mein Buch doch in allererster Reihe gerichtet ist. Die ״östcr* reichische Wochenschrift“ und ״Int deutschen Reich", die Zeitschrift des ״Zentralvcreins deutscher Staatsbilrgcr jüdischen Glaubens", begnügten sich mit einer blossen Anzeige. Dasselbe tat die Zeitschrift, ״Lihcrutes Judentum", das Organ der ״Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland", nur dass sic sich selbst mit der Anzeige noch etwas länger Zeit licss, als die ״Allgemeine Zeitung des Judentums" mit der Besprechung des Buches, die, offenbar wegen der Unwichtigkeii des Gegenstandes, um den cs sich liier handelte, wohl mehr" als ein Vierteljahr nach ihrer Einiieferung endlich in das Blatt mifgenommen wurde. Auch die ״Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", das ״Organ der Ge- Seilschaft zur Förderung der Wissenschaft des Jud״*utums". hat bisher eine Besprechung des Huches nicht gebracht. Nicht wahr, vereinter l.eser, diese merkwürdige Übereinstimmung in dem Verhalten derer, die es vor allem angeht, muss doch recht nachdenklich stimmen. Diese merkwürdige Übereinstimmung ist ebenso sehr ein Beweis für die innere Kraft des offiziellen Judentums, wie sie andererseits nur aus dem Motiv reinster Objektivität und Wahrhaftigkeit heraus verstanden werden kamt. Wie schön dies Verhalten den Vertretern der ״israelitischen Rcligionsgemcinsehaft" mit ihrem hohen Missionsidcal anstchtl Nur zwei jüngere liberale Rabbiner haben gesprociicn, und von diesen vertritt der eine noch obendrein einen wenigstens quasi-nationalen Standpunkt. Sonst haben sich mir orthodoxe oder ihnen nahestehende Rabbiner und Zionisten, an die ich mich doch nicht In erster Reihe gewendet iiattc, zum Worte gemeldet. Es ist mir bekannt geworden, dass in ganz vereinzelten Fällen mein Buch in jüngeren Rabbinen eine gewisse Gärung und innere Unsicher* heit hervorgerufen habe, aber das ist auch alles! Wäre ,.Das Judentum am Scheidewege" von denen, die es einer kritischen Besprechung unterzogen, als eine glcichgiltigo literarische Erscheinung bctrachtet wurden, so wäre liier weiter kein Grund, sielt zu verwundern. Aber den! Ist ganz und gar nicht so. Der l.eser wird cs daher unter dem rechten Gesichtspunkt auffassen, wenn ich aus den Besprechungen einige kurze Urteile hierhersetze, um ihn in die Lage zu bringen, selber zu entscheiden. Ich bemerke ausdrücklich, dass ich dabei Urteile aus zionistischen Blättern völlig unberücksichtigt lasse. Die ״Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" (4. Jahrgang No. ID schreibt: ״Die Ausführungca Josephs werden voraussichtlich den schürfsten Widerspruch weiter Kreise hervorrufen, zumal Joseph sich nicht unf eine Grundlegung der zionistisehen Idee beschränkt, sondern mit rücksichtsloser Offenheit die gegenwärtigen Zustände kritisch bcleuchtet. Ob de»* Verfasser das Ziel, welches er sich mit dem Buche gesteckt hat, erreichen wird, kann an dieser Stelle dahingestellt bleiben. Jedenfalls wir kein Leser das mit ehrlicher Begeisterung in markiger Sprache und mit ungemein scharfer Dialektik geschriebene Buch aus der Band legen, ohne dass cs bei ihm einen starken Eindruck hintcrlasscn und ihn zur Beschäftigung mit den darin berührten Problemen angeregt hätte." Das ״Hamburger Israelitische Fnmilienbiau (Jahrgang 1908 No. 35) schreibt: ״Wer das Recht in Anspruch nimm(, in jüdischen Dingen mitzureden, wird die Gedanken dieses Buches kennen gelernt und sich mit ihnen nuscinandergcsctzt haben müssen. Waren wir nämlich bisher gewöhnt, den Zionismus mehr als eine politische Angelegenheit anzuschcn, als einen teils der Verstimmung über den Antisemitismus, teils dein modernen, nun nucli auf die Juden abgefärbten Nationalismus seinen Ursprung verdankenden Versuch, die politische Judenfrage aus der Welt zur schaffen, so erscheint er hier als die Lösung der Frage angeboten, die zuletzt alle, die noch jüdisch fühlen, und diese am lieistcn, bewegt: Der Frage unserer religiöseu Zukunft. Das ist in der Tat eine neue Fundamenticrung des Zionismus, die der Verfasser — von Ansätzen dazu bei einigen anderen zionistischen Autoren abgesehen — als erster in umfassender Weise mit breiter rcligionsgcschichtlichcr und philotophischcr Basis unternimmt, durch die er die zionistische Bewegung in eine wesentlich neue Bcleuchitmg rückt imd ihr ein Anrecht auf eine Auscinaiidcrsctzung mit Ihr aus anderen als den bisherigen Gesichtspunkten heraus verleiht." Nach einer riehligen Analyse des Huches heisst cs dann am Schluss: ״Dies ist in grossen Zügen der Inhalt des ungemein stoff- und gedankenreichen Buches. Ohne Frage stellt dieses eine beachtenswerte Erscheinung dar. Schon wegen der Fulic seiner Gedanken, der imponicrcndcn Geschlossenheit des Standpunktes, der überall durchleuchtenden glühenden Liebe seines Verfassers zum Judentum. Vor allein aber deswegen, weil cs, als ein Angriff auf die Position, die das deutsche Judentum gemcinlün entnimmt• als ein Versuch der Umwertung von den Meisten gewohnten und lieh gewordenen Werten zum Widerspruch herausfordert und somit zum Nachdenken zwingt. Vor allem dürften die Wortführer des offiziellen Judentums, die liberalen ד hcologcit zumal, deren Auffassung vom Wesen .und Berufe des Judentums hier einer so grundstürzenden Kritik unterzogen wird, sich der Pflicht nicht versagen können, ihrem Gegner mit ebenbürtigem, wissenschaftlichem Rüstzeug cntgcgcnz.utrcten, Und hierin: dass cs voraussichtlich — so müssen wir hoffen — eine lebhafte ernste Diskussion über das Wesen, die Aufgaben, die Zukunft des Judentums licrbeitühren wird, erkennen wir die unbestreitbare Bedeutung und den ganz allgemeinen Wert des iiicr besprochenen Buches. Ludwig Rose nt hat schreibt in seinem ״Jüdischein Litern turbluu" (Jahrgang 31 No. 3); ״D.iss dies Buch allgemeine Zustimmung finden wird, erwartet Verfasser gewiss selbst nicht. Wer schreibt aber Bücher, um allgemeine Zustimmung zu erlangen? Wer Gemeinplätze vortiägt und damit der Mittelmüssigkeit huldigt. Solche Bücher sind zumeist überflüssig, während das vorliegende gerade mit dem Landläufigen und Selbstverständlichen wenig zu tun hat. Diese Abrechnung mit dem, was sonst mit in erimidcnder Selbstgefälligkeit zur Verteidigung des Judentums und als Wesen desselben vor unser Auge tritt, kann nur erfrischend wirken, wie ein Gewitterregen. Eine Masse von Grundsätzen und Anschauungen wird hier vor unseren Augen entwertet, eine Fülle anderer, die wir uns selbst verschweigen, mit zwingenden Gründen uns als richtig dargetan, und man merkt, dass sich hier nicht vermitteln lässt, dass liier das letzte Wort gesprochen wird oder dass man doch diesem letzten Worte sich nähert. Werden unserem sorglosen Gcschlcchtc ein paar Schiagwortc geraubt, »׳• wird cs sich auf etwas Besseres besinnen müssen," Gegen den Schluss hin heisst cs: ״Wir bedürfen solcher Bücher wie des Joseph'schcn, und