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Jüdische Rundschau · 1909-06-11 · Heft 24 (11.6.1909) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 24 (11.6.1909)
Date
1909-06-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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tfef die Wurte des Redners (jegangen waren, zeigte der mimitciilungc lJei(all, der ihm sowohl von Seiten der Turner als »auch von dem Publikum zuteil wurde. Die Freiübungen, die hierauf folgten, wurden präzise ausgefiilirt und boten in der Ücsamtwirkuns ein packendes Bild. Bei dein daran anschliessenden Riegcnturiieii kam das bis dahin gezügelte Temperament der jungen 'I inner mehr zur Oeltung. Hier sah man die jugendlich schlanken Gestalten leicht umt elegant am Sturmbrett springen, da bot eine Riege fein aiifgcbaute Hebungen um Barren. QUlnzem! turnte eine Riege des Kölner Turnvereins am Pferd und zeigte vor allem an diesem schwierigen Gerat überaus viel Neues bei durchweg guter Haltung. Nicht minder hervorragend waren die Leistungen der ersten Reckriege des Bar-Kochba, Berlin und die des Wiener Jüdischen Turnveitins. Allen merkte man an, dass sie ihr ganzes Kumten aufboten, um zum Gelingen der Verunstaltung beizutragen, und der donnernde Applaus wird ihnen ja gezeigt haben, dass man allmählich anf.'ingt, die Sache zu verstehen und zu wiirdlgcn. ׳•Jetzt bildeten die Turner eine lebende Kette um den ganzen Saal, und herein schwirrten wie ein liebliches Idyll aus Reinhardt’s Sommcrnachtstraum die ganz kleinen ״Kämpfer liir die Tiirnidec." Seimell ordneten sich die kleinen Mtlnntcin und Wciblcin in Gruppen, und in dem weissen Rahmen der Turner entwickelte sich mm ein prächtiges Bild gesunder Tiimmelci. Das war ein Jagen und Haschen, und wie hell klang das Lachen aus der jungen Brust, wenn der Gegner weniger flink und geschickt war. und wie nahmen die kleinen Männlein die Sache im Kampfspicl doch so ernst, als gelte es das Leben. In ihnen sollte der frohe Mut zum Kumpfen erwachen, und die schiiiimeiulc Lebenslust rollte nicht, wie es leider zu oft der Fall ist, durch zu strenge Disziplin gedampft werden. Sic sollen zu freien Menschen heranwachsen, dünn weiden sie die Fesseln, die ihnen spiiter angetan werden, nicht dulden mul umso eher zu sprengen versuchen. Hatten die Männer hauptsächlich Kraft. Disziplin und die Kinder frohen Lebcnsimu gezeigt, so boten die Damen des Bar-Kochba, Berlin, die mit gleichzeitigen Gemein-Uehungen nach Musik am Barren, Sehwebebaum und Pferd wieder den Vogel abschossen, Grazie und Anmut. Kommt noch hinzu, dass die Hebungen ebenso neu wie schon waren und elegant ansgcfiihrt wurden, so ist der Enthusiasmus des Publikums zu begreifen, der die Vertreterinnen des schwachen Geschlechts, die sich diesmal wieder als d׳c stärksten erwiesen haben, überschüttete. Zuletzt wutde eine Musterricge am Barren vorgcfiihrt, die aus den besten Turnern der aus* würtigen mul hiesigen Vereine bestand. Aengstlichen Gemütern entfuhr oft ein Selneekeiislaut bei den geführJichcn Luftrollen und llandstundsabspri'mgen, die besonders von Jos. Lewin (Berlin) und Meyer (Köln) in höchster Vollendung gezeigt wurden. Damit war das Schauturnen beendet und mit ihm ein grosses Propaganda-Meeting und eine würdige Eröffnung des vierten jüdischen Turijmgcs. Hin anschliessender Festkommcrs vereinigte Turnbriider und -Schwestern in (roher Geselligkeit. Auch hierbei wurden turnerische Vorführungen ge* boten, und zwar war es diesmal eine Damenriege »,ns Posen, die sowohl in den Ficiübungen als auch am Barren gutes leistete. Weniger gelungen dagegen war der Reigen in rosa, den die Damen des hiesigen Vereins zu tanzen versuchten. Diese Art klassischen Tanzes Ist doch für Dilettantinnen etwas zu gewagt. Bose Zungen behaupten, dass das Tanzbein bis in den 1 frühen Morgen hinein wacker geschwungen wurde. Inwieweit dieses Gerücht Anspruch au Wahrheit machen kann, kennte niclu fcslgcstcllt werden, aber diu Teilnehmer am SS'etuirncn, das am nächsten Vormittag stattfnnd, hatten bedenklich verschlafene Gesichter. Wie lange noch?;?' In der In Berlin erscheinenden ״Jüdischen Press e" finden wir die folgenden Ausführungen, die wir auch unseren Lesern an dieser Stelle gerne zu* gänglielt machen: Der ״General •Anzeiger für die gesamten Interessen des Judentums" ist in der Lage, die nachstehenden Ausführungen ans dem Ucsehüfts-Berieht niitzuteileii, den der Vorsitzende der Deutschen Konferenzgememschafi der Alliance IsraGitc Universelle. Herr Och. Kommerzienrat L. M. Goldberger, in der vorwöchentllehen General •Versammlung des Berlincr Komitees erstattet hat: ״Sie wissen aus den Berichten des Hi!fs\׳creins, dass dies•: Organisation, da sic int Orient kaum die Möglichkeit fand, eine Schule zu gründen, sich langsam eine Spezialität aus den Kinder* gärten gemacht hat. ln diesen Kindergarten mnerriehtet man nur hebräisch, singt man nur zionistische Lieder, sind die Lehrer alle oder fast alle Zionisten, die keinen Wert darauf legen, die Kinder zu religiösem Sinn zu erziehen, sondern sich bemühen, ,!ns der ihnen au vertrauten Jugend Zionisten zu nmelicn. Das Hebräisch׳: ist für sic nur das Mittel zur Verbreitung natloiialzionlsti* scher Ideen. Weiss der Milf.svcrcin das nicht)* Oder mag er es nicht wissen? — Es ist nicht meines Amtes, auf diese Frager, zu antworten." Wörtlich so - vorausgesetzt, dass die Wiedergäbe des ״General Anzeigers" mithentisch ist, was wohl nicht bezweifelt werden kann, obgleich dieser Passus In der ״Vossischen Zeitung", der ״Frunkfurter Zeitung" und der .,Allgem. Z'g. des Judentums", die den Geschäfts-Bericht, auch die Auseinandersetzung mit dem Zionismus, wörtlich mltteilen, niclii enthalten ist. Es dürfte «hm? Analogie sein, dass der Leiter | einer Organisation in der Bcrichtcrstatmng über die j Wirksamkeit der eigenen Organisation sich, wie dies | durch Herrn Gchümrat Goldberger geschieht, in! einer Kritik ulier das Tun oder Lassen einer anderen! Organisation gefüllt, an der er vollkommen unbe- I iciligt ist. Der Vorsitzende der Deutschen Konferenz* gcincinsclmft bezeichnet es selbst als nicht seines j Amtes, auf die Fragen, die er uufwirft, zu ants worte n. M;1 n w i r d ihm entgegen halten!dürfen, o 11 e s etwa seines Amtes über- 11 a » p t ti n d /. u mal in dem Kreise, vor dem er es getan, ist, diese Fragen zu stellen? Waren die Fragen wirklich nicht rein rhetorisch gedacht und lag ihm daran, seine Neugierde zu befriedigen, so wusste er, wo er sich! Auskunft holen konnte. Dass dies nicht geschalt, dass I er ausgerechnet vor den hiesigen Mitgliedern der! Alliance 1 s r a e I i t c den ״I lihsverein" apostroj!)liierte, kennzeichnet den ganzen Zweck dieser Apostrophe, über welchen allerdings an sich kein i Zweiicl obwalten konnte: es galt, wieder einmal die A.I.U. auf Kosten des ״Milfsvcroins" hcrauszusueichcn. Ob dieser durchsichtige Zweck tatsächlich erreicht wird, darf freilich bezweifelt werden. Das wäre aucn dann nicht der Fall, wenn die Behauptungen des Herrn Gciiciuirats Goldberger wirklich zu treffen würden. In Wahrheit aber e n t b c 11 r 0 1! s! c v!, Anfang bis zu Ende ieder tut such- I i c 11 c 11 Unterlage, und man kann füglich erstaunt sein, dass derartig haltlose Behauptungen v, schlankweg nufgesttlli werden können. Richtig 1v. dass der ״llilfsvcrem" eine stattliche Anzahl von Kindergärten im Orient geschaffen hat und dass a.s Unterrichtssprache in denselben das Hebräische gc• wählt wurde. Warum Letzteres geschah, ist!!! Ucu Jahres-Versammlungen und den Jalires-Berichtei, des ״lliifsvcreins" wiederholt ausgesprochen worden: es waren keineswegs zionistische, sondern rein p1,!k• tische Gesichtspunkte entscheidend: bei der V,dsprachigkett der die Kindergärten besuchenden Kiemen musste eine F i n 11 e i t s s p r a c h c ciiigcfi.ha werden, und hierzu empfahl sich das Hebräische, ••u;l cs den Kindern als die Sprache des Gebetes geläufig ist und geläufig sein soll Dass die Errichtung dieser Kindergärten. deren bereits jetzt, während weniger Jahre, zehn, und zwar drei in Jerusalem, zwei in Jaffa, je einer in Safcd, Tibcrjas, Haifa Ikm.t und Saloniki, ins Leben gerufen worden sind, ei׳! tmiibersehüfzbarcs Verdienst des ״Hilfsvereins"!<«. deutet, wird kein Unbefangener bestreiten. Rech׳ verwunderlich nimmt sich die Behauptung aus. u.iv, der ״Hilfsverein" deshalb sich dieser seiner ״Spe/i.!• litift" zugewundt habe, weil er ״im Orient kaum die Möglichkeit fand, eine Schule zu gründen." Als ׳>> — was natürlich damit gesagt sein soll — mit dem Sclmlwcrk der Alliance die ganze indische Ju׳,׳.> ml des Orients ausreichend versoigt und für eine utidvu• Organisation nichts, rein gar nichts zu um übrig g:• wesen wäre! Als ob die Alliance auch mit 111׳ ,.׳ reicheren Mitteln, als ihr zu Gebote stehen, das Be* diirfnis auch nur annähernd zu befriedigen ui möchte! Ganz davon zu Schweiger., dass doch am letzten Ende nicht die Geldfrage das allem l'.mj scheidende ist, dass vielmehr weite Kreise der ori-a ן talisclieit Jmlenheii nun einmal Bedenken tragen, di: 1 Erziehung ihrer Kinder den Alliance-Schulen anzaverj trauen. Jedenfalls ist es Tatsache, dass diese j ״Spezialilä*" des ״Hilfsvercins" von der Alliance ן gänzlich ausser Acht gelassen war. dass auf die><1־r! Gebiete der böse ״llilfsvercin" unbestreitbar ImIkbrechend und pfadweisend gewirkt hat. Und ist etwa sein Sclmlwerk darauf beschränkt geblieben? Der j Unkundige, der die Ausführungen des Herrn Geheim• rals Goldberger liest, nmss allerdings zu dem Glaub׳.:) verleitet werden, dass der Verein sonst auf dem <ubiete des Unterrichtsvesens absolut nichts leistet. Ist dem Vorsitzenden der deutschen Konfcrenzge• meiiischaft wirklich iMbekami: geblichen, dass di: j ״Hilfsverein" ein Lehrer-Seminar, eine Handel'• Realschule, eine Mädchenschule in Jerusalem, eine Knabenschule in Jaffa ins Leben gerufen hat, dass er die Or Thora- und <I׳e Aelirida-Schulc in Konst,n;:i• uopel im wesentlichen unterhält, dass er die Talmud- Thora in Hebron mul in der Kolonie RcchoMh r.amliait subventioniert den Selmlcn in Philippopel. Bukarest, Soiiu etc. Lehrer gesandt hat und honorier. ־־־ kurz in erstaunlich schneller Zeit ein Schul« erk ins Leben gerufen, wie dies von keiner Organisatüm vorher geschehen ist? Aber vielleicht bezieht sich zu sich rufen, und redete ihn also an: ״Die Ranze hiesige Gemeinde ist dir, lieber Sebastian, zu grossem Danke verpflichtet, und sie will sich desselben mit Vergnügen entledigen. Reise daher alsoglcieh nach Pcsth und verschaffe dir dein ärztliches Diplom; du bist alsdann mit einem fixen jährlichen Gehalte von achthundert Gulden als ArmwarM vmgcstclU. Hier sind überdies tausend Gulden zu deiner Verfügung, die du später in beliebigen Raten abzahlen kannst.“ Gern hätte Sebastian die Rückkehr des Herrn Heller abgewartet; man drang jedoch auf die Beschleunigung seiner Abreise. Er musste nachgeben. Acht Monaie später sehen wir Sebastian als Doktor zu P . . . fungieren, und in seinem Hause waltet die iibcrselige Johanna als Frau Doktorin. Die beiden Grenadiere Unter diesem Titel dichtet A. de Nora in der Münchener ״Jugend": Nach Hamburg kam mit dem Heine zurück, .Der Julius Campe gegangen. Und als sie stunden am .lungfcrnstieg, 1 Sic Hessen die Köpfe hangen.! i Der Heine sprach: ״Wie weh wird mirf j Mein Rciiomiiiö ist verschandelt!! Um zehntausend Reichsmark hat mich Dir | Der Kais«, der Kaiser verhandelt)’* ) i Der Campe sprach: ״Mach Dir nichts draus! J Gern liess sicli die braunen Lappen j — Er hat ja Weib und Kind ziihaus! — j Der Kaiser, der Kaiser •berappen,"; ] ״Was scher» mich Weib, was schert mich Kind? j Ich hält־ es weit lieber gesehen, Er Kesse der toten Kaiserin | Vermächtnis in Ehrfurcht stehen! i » Gewähr’ mir, Bruder, eine Bit»': , i Werd* ich In Hamburg bleiben, 1 So lass in meines Sockels Granit { Den Korfu'cr Kaufbrief schreiben. J 1 Dann werd ich sitzen und warten stumm, j Bis einst aus ihrem Grabe 1 Die Kaiserin schreitet und forscht, warum; Ich Korfu verlassen habe, j Und selber mag sie dann lesen genau. Wer mich hinaus gewimmelt, Una wie den Liebling der hohen Frau Der Kaiser, der Kaiser verkiiinmclt." Frühgold P0r junge Morgen dämmert in die Kamme־׳. Sein bleicher Glan/, dringt in meine Seele un i weckt die Gedanken aus Träumen. Im Schlummer sah ich ein Volk auf eie** Wanderung. Wer hat dich vertrieben?, fragte ich di»* kleine Schar. Die Menschheit! — Wohin nun? In die Heimat! — Und wirst du sie finden? ־- Die Morgensonne gab mir die Antwort: Frühgold spielte über die Dächer! F. r i c h M e n d e 1 s o h n.

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