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Jüdische Rundschau · 1909-06-11 · Heft 24 (11.6.1909) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 24 (11.6.1909)
Date
1909-06-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 24. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 271. Erklärung : Pas Zentralkomitee der Zionistischen Ver•' cj,4ning Deutschland weist die von Herrn I Cchcimrat Goldberger in der General• Versammlung der Alliance Israäite Universelle getanen Acitsscrungcn über den Zionismus mit liurüstuug zurück. Das Zentralkomitee spricht sein Befremden dariiher aus, dass eine an einen verantwortlichen platz, in einer grossen jüdischen Organisation gestdlic Persönlichkeit ein derartiges Fehlen an Sachkenntnis in der Frage des Verhältnisses der Zionisten zur türkischen Regierung und Bevöl* kerimi; auiweist und so völlig den Charakter der türkischen Juden verkeimt. iVr in der Kundgebung der Deutschen Konieren/geincinschaft der A. J. U. hervor• tretende Mangel an Verantwortlichkeitsgefühl wirk! m11<0 bedauerlicher, als gerade die A. J. U. *iiiicii ihrer Vergangenheit und ihrem Namen bcrtnV:! sein sollte, die gesamtjüdischen Inter* essen /u pflegen. Wenn statt dessen in einem öeseinüsbericht des Vorsitzenden über die Wirk• samkoit der eigenen Gesellschaft lediglich das; Trcniu.ule betont und das Empfinden zahl*; reich.; Mitglieder, die zugleich anderen grossen j jüdischen Organisationen angeboren, verletzt I wird, m» muss dieses Vorgehen als ein Versuch | ersehti ieii, andere jüdische Organisationen zu j Gummi der eigenen in ihrem Besitzstände zu i schädigen. i W ir sind überzeugt, dass ein derartiger Ver• 1 such, das friedliche Zusammenarbeiten der jü• ן disciien Organisationen zu stören, in der Oe• I schichte der A. J. U. vereinzelt bleiben wird, j Der IV. Jüdische Turntag 10 r i k i 11 a 1 b c r i c 111 der ״J. R.״) Pu־ turnerischen Veranstaltungen unserer jungen ״Muskel•! ikIcii". die zum vierten Turntag licrbeigceilt w.irei!. 11י deuteten eine Demonstration jüdischer Kr.ift. t\s neuen Erwachens unseres alt-jungen Volkev Ebenso zeichneten sich die Beratungen des Turm.iecs seihst durch Ernst. Sachlichkeit und Würde aus. .M;111 vernahm da nicht jene überflüssige zersetzende ״Kritik", wie sic auf manchen anderen jüdisciien Versammlungen und Tagungen sich bemerkbar 1׳ m.ichcn pflegt; man hörte da nichts von den OriiiHleien und der Pilpullistik, die zu unseren Qolus- Eigenschaften gehören. Dieser Turntag war eine Demonstration der Hingen jüdischen Qcncration, unseres aufrechten, stolzen und mutigen Geschlechtes! I hysische Kraft und geistiges Selbstbewusstsein vereinigten sich hier in schöner Harmonie. Und dies eröffnet uns einen hoffnungsvollen Ausblick auf die Zukunft unserer Bewegung, nuf die Zukunft des Jüdischen Volkes., s« 1» *־* In das Präsidium des Turntages wurden gewählt: Dr. Arndt als Präses, Dr. W e r n c r - Wien und Dr. J c re 111 ia s• Posen als Beisitzer. Dr. Arndt eröffnet die Tagung und weist hin auf die Bedeutung der Beratungen und auf die Erfolge der jüdischen I urnbewegung in letzter Zelt. Die Bewegung hat sich territorial ausgedehnt; in manchen Ländern, wo bisher keine jüdischen Turnvereine existierten, sind letzt solche gegründet worden; in uudercit Ländern ist die Zahl der Vereine und die der Vcreinsmit* glledcr wesentlich gestiegen. Auch qualitativ ist die jüdische Turnbewegung bedeutend gewachsen und gefestigt würden. Pflegten früher in ledern Verein nur 2—3 Mitglieder wirklich zu arbeiten, so sind jetzt alle Mitglieder von der Wichtigkeit der Sache durchdrungen und sie beteiligen sich alle mehr oder weniger an den Arbeiten der Vereine, so dass diese in ihrer Existenz und Entwickelung nicht mehr von einzelnen Personen ubhiingen. Viel erhofft der Redner von der Turiibcwcgimg In Palästina, die von dem jn Berlin ausgcbildctcn Turnlehrer Orlow organisiert wurde und geleitet wird. Dieser arbeitet jetzt im Aufträge der. Zcntralausschusscs an einem Leitfaden für die Kommando-Sprache im Hebräischen. Der Redner beleuchtet dann den Zusammenhang zwischen der jüdischen Turnbewcgung und dem Zionismus, dem crstcrc ihre Entstehung verdanke. Deshalb mögen sich die jüdischen Turner als Avantgarde der zionistischen Bewegung fühlen und im Sinne der imtionaljüdischen Ideen wirken. (Stürmischer Beifall.) Darauf wird der Kassenbericht erstattet, der in Einnahmen und Ausgaben mit 3962.13 Mk. abschlicsst. Nach dem von Pr. Z i r I; c r darauf verlesenen Bericht des Präsenz-Ausschusses beteiligen sich an der Tagung 29 Delegierte und 3 Mitglieder des Zenirutuusschussos. An die Berichte schlossen sich nur geringe Debatten, und auf Vorschlag des Dr. Jeremias- Posen erteilte die Versammlung dem bisherigen Ausschuss Dechurge und dankte ihm für seine erfolgreiche und hingebungsvolle Arbeit. Herr Sc hol ein schlügt vor, den Jahresbeitrag von 1.20 Mk. auf 2,40 Mk. zu erhöhen. Dagegen spricht Dr. Ku tz - Lemberg, da die galizischcn Mitglieder nicht imstande seien, einen höheren Beitrag zu leisten. Nach kurzer Debatte wird jedoch der Antrag Scholcm angenommen. Dem Ausschuss wird aber das Recht erteilt, Ermüssigung an bestimmte Vereine zu gewahren. Nach langen Diskussionen, die durch das Ausscheiden einiger bewährter Kräften, wie Dr. Zirkcr und Dr. Blum, aus dem Komitee veranlasst waren, wurden In den Zentralnusschuss gewählt: Dr. Arndt als Präses. Dr. Kahn-Charloucnbnrg als Vlzcpräses, Dr. Tuch als Kassierer und Turnlehrer Burin als Verbandsturnwart. imstande wären, für die Unschuld des Vaters seiner Angebeteten zu sprechen. i'r reiste nach R . . , wo er sich bei dem Koiiiinaiulanten eine Audienz verschaffte. .,Hw. Excellenz!“ redete er diesen an, ״ich komme, um mich selbst als Austausch für einen Unglücklichen nnzubieten, der trotz seiner völlis'en Schuldlosigkeit von dem hiesigen hohen k. k. Kriegsgerichte zu harter Strafe verdammt wurde, blos, weil er die Wahrheit seiner Ausnicht zu beweisen vermochte. Wenn aber in dem fraglichen Falle irgend jemand eine Schuld zu sühnen hat, so ist es kein anderer, als ich selbst.“ Als von ihm eine nähere Aufklärung verlangt wurde, erzählte er mit der glaubwürdigsteu Treuherzigkeit den Vorgang von der ersten Ucfangcnnehmung des Herrn Heller, und wie er kein anderes Mittel hatte, denselben zu retten, als indem er ihm die Dokumente, die er hier präsentierte, entzog, und ihn anstatt derselben mit einem Briefe an einen Hauptmann D ... in Komorn versah. — Die augenscheinliche Teilnahme, mit weleher der leutselige General seine Erzählung an- . hörte, erweckte seinen Mut, und er gab nun eine eben so getreue und rührende Schilderung von dem jammervollen Zustande, in dem sich eine redliche Familie seit so vielen Monaten be• findet, blos, weil das Oberhaupt im treuen Dienste für die kaiserliche Armee das Unglück gehabt hatte, in die Gewalt der Insurgenten zu geraten. Als er schwieg, sagte der wackere Korn• mandant mit sichtbarer Rührung: ״Bleiben Sie, mein Freund, bis auf meine weitere Ordre hier; und nehmen Sie die Versicherung, dass ich mich der Sache auf das Tätigste annchmen werde. Wir haben leider! so viele wirklich Schuldige zu verurteilen, und müssen Oott danken, wenn wir unter den Angeklagten solche finden, die sich rein zu machen vermögen.“ — Schon am darauf folgenden Tage wurde Sebastian vorge* laden, und von einer zu diesem Berufe niedergesetzten Kommission vernommen; und schon nach acht Tagen licss ihn der edle Kommandant zu sich bescheiden, und gab ihm den Auftrag, nach der Heimat zu reisen, und der trauernden Familic die Befreiung ihres Hauptes anzukündigen. Es ist leicht zu erraten, dass der überglückliche junge Mann mit Hast seine Rückreise betrieb. Und als er dort angelangt, seine Botschaft überbrachte; als der Freudenruf durch die Räume des Hauses erscholl; als die beiden Knaben, wonneberauscht nach einem Tehilin*) griffen, *) Loblieder Davids. Die Bestimmung des Ortes für den nüchstcnTurnta* wird dem Zentralausschuss überlassen. Erwähnenswert ist dabei, dass vom jüdischen Turnverein in Konsta n tinopcl der Antrag gcstellt war, den nächsten Turntag daselbst abzuhalten. Dr. Ka tz-Lemberg referiert über die Agitation fUr dio Turnbewegu.ig unter den galizischcn Juden, für die das Turnen besonders wichtig sei, da sic infolge der gesundheitsschädlichen ״Chcdcr'-Erziehuiig körpcrlich geschwächt sind. Redner schlägt die Heraus* gäbe einer Turnzeitung im jüdischen Jargon vor. Seine Anträge werden dem Zcntralausschuss zur Prüfung und eventuellen Durchführung überwiesen. Eine glänzende und begeisterte Rede hielt Dr. Werner- Wien über das 60jährige Jubiläum Max Nordaut, der das schöne Wort vom ״Muskel-Judontum‘* geprägt hat. Redner fmdert die jüdischen Turner auf. durch reichliche Spenden an der geplanten Qründung einer * Nordaa-Koloiiic In Palästina mitzuwirken. Längere Debatten rief ein Antrag Schwarz- Graz hervor, die hebräische Kommandosprache einzufiihrcn. Zur Prüfung dieser Frage wurde eine besondere Kommission gewählt, die dem nächsten Turntag ihre Vorschläge unterbreiten soll. Ein Referat von Erl. Th0ntaschcwsky über ״Das Turnen und die jüdische Frau" konnte wegen der vorgerückten Stunde nicht gehalten werden; das Referat wird in der ״Jüdischen Turnzcitung" erscheinen. Um l Uhr nachts wurde der Turntag geschlossen. * "" Ucbcr den turnerischen Teil des Turnfestes wird uns von unserem xr-Berichtcrstattcr geschrieben: Ein gewaltiges Bild jitngjüdischcn Lehens bot das Schauturnen, das anlässlich des ״vierten jüdischen Tnrntages“ in dem Riesensaal des Palastthcaters abgehalten wurde. Lange vor Beginn waren die Gallerien von einer Zuschancrmcngc gefüllt, von denen wohl die wenigsten aus rein turnerischem Interesse gekommen waren, sondern meist wohl um zu sehen, wie Kinder eines Volkes, dem Körperkultur bis vor wenigen Jahren ein Buch mit sichen Siegeln war. in strammer Selbstzucht die ersten Schritte zu ihrer körperlichen Regeneration getan haben. Jüdische Turner! Vor einem Jahrzehnt nötigte dieses Wott den Fernstehenden mir ein mitleidiges Lächeln ab; und ein Lächeln war cs, aber ein stolzes Lächeln unter Tränen der Begeisterung, dass die Lippen der Anwesenden umspielte, als über hundert jüdische Turner in strammem Tritt mit Israel Auerbachs markigem Liede ״Brüder schlicsst die Reihen" in den Saal marschierten. Das waren selbstbewusste Menschen. ״Aufrcchtgchcndc Juden." Wohl sah man einigen noch den Ghcttobuckcl an; da-, waren die Begeistertrten. In herzlichen Worten sprach Dr. Klee über Bestehen und Ziele der Turnbewcgung und wies, iadem er sich an die Turner selbst wandte, besonders darauf hin, dass in ihnen die grosse Hoffnung des Nationaljudentums liege, und er forderte fic auf, auch weiterhin der grossen Klee in Treue zu dienen. Wie um Dankpsalmen anzustimmen; als Johanna dem Wonnebringer um den Hals fiel und ״Unser Engel!“ schluchzte; und als auch die Hausfrau unter einem Strom von Tränen nicht aufhören wollte auszurufen: ״Gott! mein Gott! lass’ mich’s nur erleben!“. Soll ich, freundlicher Leser, zu beschreiben versuchen, was bei all dem in der Seele Sebastians vorging?.ich schweige 1 Das erste Anzeichen von der Verwirklichung dessen, was der wackere Kommandant verheissen, bestand darin, dass der Gemeinde von Seiten der Ortsbehörde die Anzeige gemacht wurde: es werde ihr die bereits eingezahlte Straf-Kontribution von vierzigtausend Gulden wieder zurückerstattet werden. Bald auch kam ein eigenhändiges Schreiben von Herrn Heller selbst. Er war bereits frei; da er jedoch den bedeutenden Betrag für seine ihm abgenommene Ware reklamierte, ihm auch die Bezahlung zugesichert worden war, wollte er vor seiner Heim* kehr dieses für ihn und seine Familie so wich* tige Geschäft gänzlich in Ordnung bringen. Eine freudige Bewegung erfüllte auch die ganze Gemeinde zu P . . ., der mit der Rückerstattung der mühsam aufgebrachten Summe zugleich eine Ehrenerklärung gegeben war. Der Obmann des Kultus-Vorstandes Hess Sebastian

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