Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1909)
- Date
- 1909-06-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2651273-2651605-2651628--06430-2663519- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Lünen 1× ep/1045106
- Wrocław 1× ep/1002369
OCR text
Sa 23. JUEDISCHB RUNDSCHAU Seite 263. fj l b ׳1 r ¥ I r u4־ a ü ז> vy f \יו Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums Den Beschluss der Tagungen, in deren Zeichen m stand, bildete die Sitzung: des Aus- J1u$$ci der Gesellschaft zur Förderung der Wissen- .*,1! de» Judentums, welche jüngst Im Bureau des n j, 0. H. stattland. In dem vom Vorsitzenden Ikrm l’n't Dr• M• I*hilippson erstatteten Qc- .ylutiericlii wurde das stetige Anwachsen der Mitadcr/alil. «He seit Dezember vorigen Jahres aber- {ult um UH», von UOO aul 1200 gestiegen ist. als ein etlicher Beweis Itir die Wertschätzung hervorge- L^cs. dcua sielt die Qcsellicliult In immer weiteren Kreisen cn׳cut, Ferner teilte Herr Dr, Braun, ßrrihtu um. dass der zweite Band der üoiutttitioltoss grillen '11״ David Kauf in min. deren erster 0juj »einer Zeit nllseitlgun Hclfali gefunden hat. im Hrfbste ,wlieincn würde. Von Schriften der Qe* K»$vha(t erden demnächst der /,weite Baud der festen (־״schichte des jüdischen Volkes von Prof, ft M. I’inlippson und die Systematische Theotdr de» Jmieiitums aui geschichtlicher Grundlago 1,« Rekm; Dr. K. K o 111 c r - Cincinnati die Presse «tosen; 11׳ dem ersten Band des Philippsonschcn Werkes ist . B. eine Uebersetzimg in jüdischer uni tebraischef Sprache in Vorbereitung. Hierauf ersuttetett ס«• Vorsitzenden der wissenschaftlichen Kommissieticii ihre Berichte, wobei Herr Rabbiner Dr. (iu 11 ina 1111 - Breslau die Sammlung der agudisehen Itoraimt des paUistlnlschen Talmud des Herrn Be rdyc/ewski- Breslau als erste druckfertigo Arbeit des w'irpns Tnnnniticnm voriegte. Der Aus- Khu» beuäägtc sodann eine grossere Reihe von Sebvcnti■'«* :1 im Uesamtbetrage von 2000 Mark, was 1im nur u.1..״rch ermöglicht worden ist, dass Herr Otneralki'iis.1׳׳ Franz Phil i pp s on-BrüsscI, der der ücselK*;1.1i1 schon zu wicdcrlioltcu Malen sein üüges lnu,v»c bekundet hat, auch in diesem Jahre wieder ihr <«׳a Betrag von 4000 Mark zur Verfügung gestellt hat. Wir heben noch hervor, dass die Ge- Seilschaft einen ausführlichen Prospekt ihrer sanitliclicn Schrillen hcraiisgcgcbcn hat, welche ebenso uk־ ,i;ro Satzungen sowohl von Ihrem Bureau, Berlin N. 21. Artillcricstr. 35 A, als auch von Ihrem Verlage, (instav Fock, G. m. b. H., Leipzig, lettenlos ,:u beziehen sind. Bücher-Besprechungen Unterwegs.“ Drama aus dem jüdischen Leben von Hemr 1c 11 Grünau. Jüdischer Verlag, Köln 1909. ״iM.m heilt die grosse Krankheit nicht, Mi! Rosenöl und Moschus." Diese Verse Heines lässt der Verfasser den j Zionisten Ruhen Winter sagen, als der Herr Reprüj sentantcnvorstclicr Hirsch Mandel der jüdischen — Mrd<>n •iw 1sraclitis11-.׳cn Gemeinde aufzülilt, wieviel tr doch Bir seine russischen Glaubensgenossen geün hatte. Und wieder zitieren wir Heine: ..Es ist eine alte Geschichte, Doch bleibt sic ewig neu." Ja! Bus alte Lied, das alle Leid: Furchtbare JadenverHgungen in Russland, Nicdcrmctzclung und Händling jüdischer Frauen. In einer Stadt des zivilisierte«» Nachbarlandes wird gesammelt, 125 000 u *,lU man SC*J011 zusummengcbracht. Herr Hirsch Mandel. Vorsteher der Kultnsgcmclnde, Leiter der Mnicnkassc, Priisident des Witwen- und Waisenwerstüt/.uiigwcrcins, Beschützer des Asyls für *onke, Obdachlose, Auswanderer usw. usw., der *wi? privilegierte Wohltäter des Judentums — oder «bfn wir noch mehrere solcher Herren? — Herr •״Och Mandel also hat einen ״Wohltätigkeitsball" ^«staltct, auf dem man aus Mitleid zu Gunsten des P^tds tanzt. Hin prachtvoller Konzernen ist vor- ״anden, sogar ״die Üonatini" tritt auf. Was kann?*1י also von Herrn Hirsch Mandel, Vorsteher der *״husgcmcindc, Protektor usw. usw. mehr verlangen, *4 Qcldsammlung und Wohltütigkeitsball? Sein Qc- ^cn ist vollkommen beruhigt. Int Glanze seiner "ürdc kann er im festlich geschmückten Saale winergehen, kann den Damen, die sich aus Wohl- “hgkeit müde tanzen, Schmeicheleien sagen — kurz, ״ ^nn sich als der Held des Tages preisen; zumal doch von allerhöchster Stelle ein Orden winkt; w, und wenn man einen Orden haben will — und *״> Orden Ist viel wert — dann darf man nicht f101״« sein, beileibe nicht. Dies sagt Herr Hirsch 1״»ndel den beiden Zionisten Rüben und David, die *י Bureau der Auswanderer arbeiten. Dies ist also die Tendenz, die der Verfasser verfolgt, und die er mit etwas allzurclcltcr Phantasie• ausgcschmückt hat. Hin Kunstwerk Ist das Stück sicherlich nicht. Man wird cs bald vergessen haben, wenn man cs überhaupt je gekannt hat. Aber ein Mahnruf soll uns auch dieses Werkelten sein: Aus der Seele des Verfassers spricht der alte Judenschmerz, der nicht schläft, der bei diesen Scltand* taten gewaltig auflodcrt. Und schmerzlich lächeln müssen wir, wenn wir den braven Herrn Hirsch Mandel hören: ..Vergessen Sie nicht, wo wir wohnen, In einem Lande, wo wir gowlsscrntasicn gleichgestellt sind. Und wenn wir nun beständig In die Welt hlnausscltroion wollten, dass wir eigentlich Juden sind• und dass wir ein jüdisches Volk bilden — und dazu noch In einer aufdringlichen Welse, wie z, B. Sie und Ihr Freund, 10 kumt uns diel nur verderblich werden." Armer Hirsch Mündel, der du so viele Gesinnungsgenossen In den zivilisierten Ländern findest, glaubst du denn wirklich, die Judenfrage mit Geld, Wohltätigkcitsbällcn und Katzcbuckcln vor hohen Würdenträgern lösen zu können? Be* herzige lieber unseres Heines Worte, der, obwohl er sieh tuufcn lies», doch ein besserer Jude war als du: ״Man heilt die grosse Krankheit nicht, Mit Rosenöl und Moschus." Paul Michaelis, Berlin. * Widerspricht der Zionismus uuscror Religion? Von Dr. M. Ürody. Leipzig, Kuufmann, 1909, — Mk. a5Ü. Zur rechten Zeit erscheint die kleine, aber inhaltsreiche Broschüre in zweiter Auflage. Noch stehen wir — wenn das nicht zu viel besagt — im Zeichen der Murburger Konferenz, uie. wenn auch weniger schroff ab die Rabblncrcrkiärimg vom 6. Juli 1897, ' doch auch wieder die Erinnerung an jenen unglückseligen!,rötest sog. .,liberaler" Rabbiner weckte. Das Problem des Verhältnisses des Zionismus zur Rcligion (besser wohl zur Haluclta) ist wieder einmal aktuell. Auf wenigen Seiten bietet Brody eine geradezu überreiche Fitlle halueliischcn Materials aus dem Talmud und aus den späteren Dizlsoren und Kommentatoren zu Gunsten des Zionismus. Qewiss, einem orthodoxen Beurteiler der Frage wird vielleicht auch dieses Gutachten noch nicht erschöpfend genug sein: aber der gemässigte religiöse Liberalismus sollte seine nachgerade albernen und nicht mehr ernst zu nchinenden Hinwände zurückzichen. Mau kann den Zionismus aus alten Motiven ablcimcn: aus politischen, wirtschaftlichen, geschichtlichen oder sonst welchen: nur aus religiösen Gründen nicht! Das hat Brody nachgcwicscn. Seine Schrift, mit denen Friedmanns, M. Roths, de Vrics' und mit den Abhandlungen Aschkanazes, Lippe» und Stcckchiiachcrs in der ״Stimme der Wahrheit" zusammcngcuomincn — um nur neuere Arbeiten zu nennen —, muss cmlgiitig den vermeintliehen Widerspruch zwischen Religion und Zionismus aus der Well schaffen. Dr. Bruno K i r s c h n e r. * Die Kulte Wittib, eine Strassburger Geschichte : aus der Zeit des grossen Judenbrennens von Edward! Sorg, Verlag J. II. Ed. Heitz (Heltz u. Mündel),! Strassburg,!,reis 2 Mk. | Der Titel sagt schon genug. Wir werden hinein-. ' versetzt In die Zeit des Mittelalters, als während der Pest im heiligen römischen Reiche alle Juden vogcl-; frei waren, in Interessanter und spannender Weise ן versteht cs der Verfasser, unterstützt auch durch die , anheimelnde Schreibweise, in uns das Verständnis dafür wachzuriifcn, wie cs ln unseren Tagen unsern 1 Brüdern in Russland geht. Alle diese Schrecken der!,ogrome treten vor unsere Augen, eine andere Zeit, ein anderes Land, aber dieselbe grausame, sogen, christliche Nächstenliebe gegen uns Juden. Und können die Zeiten des 14. Jahrhunderts ln Deutschland nicht wiederkommen? — Alle unsere jüdischen Qegner mögen darüber naclulcnkon, Ihnen besonders sei ״Pie Kalte Wittib" empfohlen. Für den obigen Preis 13t cs vom Verlag sehr nett und gediegen ausgestattet. Z.-A. L, 9 Der Witz der Juden von Edmund Edel. Verlag von Louis Lamm, Berlin. Preis brosch. Mk. 1.—. ÖO Seiten Gr. 8°. Ein Witz ist eine Rakete. Und man kann wohl sagen, dass der indische Witz eine besonders leuch׳■ tende ist. Bald aus scharfem, gcissclndcn Spott, bald aus gutmütiger, behaglicher Laune entzündet. Edmund Edel führt uns in seiner Abhandlung ״Der Witz der Juden“, die er durch eine ganze Anzahl gut ausgewählter Proben wllrzt, durch dio Reihe ״altchrwürdiger überlieferter" Witze bis zu den neuesten Kalauern unserer Zeit. Er sagt in seiner kurzen Ein- Icitung: Der Witz ist nichts Doktrinäres, der Witz ist nur zum Lachen da. — Und in diesen» Sinne wollen wir allen Liebhabern einer harmlos fröhlichen Stunde dieses Büchlein empfehlen, das uns alle einzclnen Phasen des Witzes beschert: den ״Mutterwitz", den ״Kinderwitz", die ״koddrige Schnauze", den ״Börsenwitz." — Dem anspruchslosen Buche mag vieles verziehen werden. Es weis» nicht zu sondern zwischen lenem Jüdischen Witz, der die tiefsten und ursprünglichsten Regungen jüdischen Seelenlebens offenbart und all dem, was bösgesinnter Unvorstand und unfreie Sclbstlronlo unter der Flaggo jüdischen Witzes segeln lies». Und in wollen wir dem Uüchloln ul» Ultwort eines seiner eigenen Zltnto inltKObcni Wer es auch liest, ״er soll olles zum Guten umlegen." * Geseltschaltskundo ln der jüdischen Schule. Von A. Neu 11 aus. Berlin, Louis Lamm, 1907. 50 Pf. Der Vorschlag des Verb, den er in einem Vortrug der 39. Jahresversammlung der isracl. Lehrer-Konferenz Hessens unterbreitet fiat und der darauf ab• zielt, einen gcsellschaftskundliclicn Unterricht in der jüdischen Schule cinzuführcn, ist äusserst bcachtcns• wert. Die Ausführungen zeugen von einem höchst erfreulichen Verständnis des Veriassers für soziolo• gische Fragen, wenngleich sic an mancher Stelle, z. B. bei der Behandlung des Verhältnisses des Sozialismus zum Individualismus, Widerspruch erregen. Der gesunde Gedanke, dass Üescllschaftskundc hauptsächlich ״Gcsinnungsuntcrricht, der auf die Bildung des Charakters hinzuarbeiten hat" darstellt, wird an Details hübsch erläutert. Audi ein paar methodologische Bemerkungen fügt Neuhaus bei und weist so den Weg tilr die Praxis, ohne die Schwierigketten zu verkennen. Gcscllscliaftskundc soll übrigens keine neues Unterrichtsfach ausmachen, söndern lediglicli eine systematische Behandlung des bisherigen Unterrichtsstoffes vom sozialen Gesichtspunkt aus sein. — Der kräftige, moderne, gut jüdische Qeist, der die Ausführungen durchzieht, macht sie äusserst sympathisch und empfiehlt wesentlich die Lektüre. Dr. Bruno Kirscltncr. * Erweckungen. Roman von Laura Frost, Berlin. Verlag Leonhard Sintion Nflg. Berlin 19!5י Das Buch Ist ein Roman wie viele andere, nicht schlechter uti.l nicht besser. Manche Fragen werden angeschnitten wie Emanzipation der Frauen. Freund, schalt zwischen Mann und Frau ohne ganz bchan* delt zu werden. Nebenbei wird die Gcscbichtc einer unverstandenen Frau erzählt, die endlich doch zur Gefährtin Ihres Mannes wird. B. S. Preisausschreiben der Grossloge Von der Jugendschriftcn-Kor.imission der Grosslöge für Deutschland VIII. U.O.B.B. (Vorsitzender Herr Dozent Dr. J. F.lbogen), geht uns nachstehende Zuschrift zu: Infolge unseres zweiten Prcisausschrcibens vom März 1908 sind zwölf Arbeiten ein* gegangen. Das Preisrichter-Kollegium bildeten drei Mitglieder der Jugcndschriften-Kommisslon: die Herren Richard K n u f in a n n - Stuttgart, Dr. Mos c s - Mannheim und Dr. Spanier- Magdeburg, sowie die Herren Lehrer Bach rach •Altona und Meyer •Lünen, die der ״Verband der jüdischen Lchrcrvcrcinc im Deutschen Reich" ernannt hat. — Auf Grund der abgegebenen Urteile hat die Jugendschriftcii-Konimission in ihrer Sitzung vom 19. Mal d. Js. beschlossen: 1. den 11. Preis im Betrage von 500 Mk. dem Verfasser des Kulturbildcs ״Die schwarze Chaje" mit dem Motto ״Fürs Judentum" zu gewähren. 2. den III. Preis im Betrage von 300 Mk. dem Lebcnsbildc ״L u d w i g A u g u s t P r a n k l" mit dem Motto ״Durch Wort und Tat" zuzuerkennen. Verfasser war Herr Oberlehrer Dr. Eugen Wölbe-Berlin. Der I. Preis konnte keiner der Arbeiten zugesprochen werden. Die Autoren der nicht preisgekrönten Arbeiten werden ersucht, ihre Adresse dem Bureau der Grosslöge für Deutschland VUI. U. O. B. B., Wilhelm- Strasse 118, II!, anzugeben, damit ihnen die Arbeiten zurückgesandt werden können. ן ‘.r. ׳. v»* ז , r ־ : ן 1