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Jüdische Rundschau · 1909-06-04 · Heft 23 (4.6.1909) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 23 (4.6.1909)
Date
1909-06-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 23. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 261. Für Deutschland sind alle Anfragen!!!bezug auf Ansied lang in Pal« st Ina zweckmässiger Weise an Jas Palästina-Ressort der. Zionistischen Organisation, z. H. Herrn Prof. Dr. War&urg. jjerlin W. 15, Uhlandstr. 175, zu richten. jüdischer Jugendverbandstag Sonn tau, den 30. Mal, vorm. Vitt Uhr, OriKi n albe rieht der ״J. R.״ lu Anwesenheit von etwa 30 Delegierten eröffnet« der Vize-Präsident der QrossrLoge für Deutschland, Herr uel'.eimrat Mnretzki, die Tagung und bc• jjrnsstc die Delegierten; er führte etwa Folgendes ,ms: Er sehe in dem Zustandekommen der Tagung die Bestätigung seiner Ansicht, dass ein bewusst jüdischer Zug durch die Reihen der Alten und jungen gehe. Die Logen hatten nicht, wie befürchtet, die M'sicht, die Selbständigkeit des neuge• gri’״dcicn Verbandes zu unterdrücken; sie hatten ihm vielmehr mir in den Sattel geholfen und seien über* 7e-:e . reiicu würde er schon allein können. Heute c,.]!;c:1 die grossen Richtlinie» fiir die Verbands* tei.״•■<!.׳/eit und die Organisation gegeben werden. Da 11]n>Mc11 alle Lokal* und Sonderintercsscn zurück* neun hinter dem Wolde des Verbandes. Die Ver- ״.!!:.•:mißen müssten durchdrungen sein von dem Cu 1 •!e der Liebe und der Zusammengehörigkeit.!‘.!rauf wurde zur Konstituierung des Bureaus ge», ,׳ritten. ״ Zum Leiter der Verhandlung wurde Ih \ ין fei, Köln, gewühlt, zum stellvertretenden;/enden Meyer, Frankfurt a. M., zu Delsit/e hi Fischer, Hannover, Stern, Halberstadt, Pr.!י• o s e n k ra n z, Derlin. I n ioigt nun die Uogrussungsansprnehe des Herrn IV:. Philippsohn für den Deutsch-israelitischen Genamdelniiul; im Namen des Zcntralvcreins deut• scher Staatsbürger Jüdischen Glaubens spriciit Herr Pr*־:• lilunten thal, für den Verein fiir jüdische Goelüelitc und Literatur Herr Katz und als Re* pr.iM'id.ini des D. I.C. Herr Dr. Moses. ['s wird mm in die eigentliche Verhandlung ein* gcireivii: Referendar Dr. Apfel, Köln, referiert über das Thema: ..Was bezwee kt der Verband der jüdischen J u d c n d v e r c i n c?“ Referent führte aus: 1 »er künftige Geschichtsschreiber des Judentums werde einst nicht gleichgültig an dem Tage vorübergelten, an dem die organisierte jüdische Jugend Pciitselil.iiuls zum ersten Male als geschlossener 1'aknn• aiiigetreten sei. Die Notwendigkeit des Ver* ivitdes brauche überhaupt nicht mehr diskutiert zu weiden. Ls gebe eben Spczinlfragc», die nur in jndisdicii nicht aber in paritätischen Vereinen bc* hatuivl; weiden können. Der Verband soll die kleinen Vereine angelegentlich unterstützen, er soll ein Vec* banmorgan schaffen, dass die Interessen des Ver* lun.'es nach aussen hin aufs Nachdrücklichste untermiii/.i. Die ideellen Interessen müssen in den Vorder* grnad geschoben und alle Unstimmigkeiten überwunden werden. Die Grundidee müsse bleiben: Für die lugend durch die Jugend! k’eiercmlar Regensburger referiert über den Si.ituteiicmwnrf. — Er wünscht, dass die Leitung des Verbandes in möglichst wenig Hände gelegt werde, um weite und überflüssige Instanzcngänge zu ersparen. — Ferner behandelt er die Inaugicrung des Verbandes. — Weiter stehen zur Debatte PSi des Verbandsstatuts, der besagt, dass Vereine uni politischen oder religiösen Tendenzen nicht in den Verband aufgenommen werden dürfen, 8 2, ״.:eh dem der Verein die Mitglieder seiner Vereine zu selbstbewussten Jude» und guten Staatsbürgern erzielten will, sowie § 16, der den Verband verpflichtet, nichts zu unternehmen, was gegen das jüdische Rcligionsgesctz verstossen könne. Gegen den S I wenden sich mehrere Redner, da nach ihm die zionistischen Ju.Vndvcrcinc. die einen wesent- Kelten Faktor der Jugendbewegung darstcllcn, ausgeschlossen würden. Del 8 2 wird geltend gemacht, dass der Passus ״gute Staatsbürger" sehr leicht zu einem übertriebenen Hurrapatriotismus führen könne und ausserdem die Juden die Erziehung zu guten Staatsbürgern, die sic trotz aller P artciscliatticrungcn eo ipso wären, wirklich nicht mehr nötig Kütten. Dei § 16 erklärt der Frankfurter Verein, mit seinen 1200 Mitgliedern der grösste des Veriiandcs, dass er seinen Eintritt in den Verband von der Annahme dieses Paragraphen unbedingt abhängig machen müsse. Nach einer teilweise sehr erregten Debatte gibt Gvheimrat .V, a r e t z k i die Erklärung ab, dass cs der Grosslogc unmöglich gemacht würde, den Verband zu subventionieren, wenn der § 1 nicht in der bc* stillenden Fassung angenommen würde — hiergegen v. endet sielt Rechtsanwalt L i c h t e n b e r g, der in scharfen Worten den Standpunkt der Loge bekämpft, den er ein Ultimatum nennt. —■ Ein Antrag auf Schluss der Debatte wird abgeichnt und Generalredner gewählt. Es spricht hierzu Rechtsanwalt ן Dein, Magdeburg, der eine Erklärung von der Loge fordert, ob sic durch ihre Gcldaufwcndungen auch Unterordnung gegenüber ihren Wünschen betreffend die Tendenz des Vereins verlange. Qeheimrat Marctzki erklärte darauf, dass die Loge nur einen Verband unterstützen könne, der aus absolut neutralcn Vereinen besteht. Rechtsanwalt Horowitz, Frankfurt, bittet, falls man politisch oder religiös tendenziöse Vereine uufnehmen wolle, wenigstens einen Passus anzunehmen, der den Dclcglertcntag vor unfruchtbaren Parteidiskussionen behüten könne. Nachdem sich an der Debatte noch die Herren Rechtsanwalt Bein, Dr. Rosenkranz׳, Dr. G a 1 i n c f, Regensburger beteiligen, wird in einer Abstimimmg zuerst § 16 mit grosser Majorität nngenom- . men (Lebhafter Dcifall), Sodann wird über den Vcrmialungsantrag Dr. Apfel nbgestinunt, der sagt, dass § 1 bestellen bleibt und 8 2 an einen Ausschuss bis zum nächsten Dclcglertcntag verwiesen wird. Der Antrag Apfel wird mit Majorität angenom* men. — Weiter stellt auf der Tagesordnung 8 3, der die Organe des Vereins behandelt, § 4, der üoer die Zusammensetzung des geschäftsführenden Komitees bestimmt, § 5, der die Zusammensetzung des Ausschusses regelt. Hiernach sollen die Logen und der Zcntralvcrcin im Ausschuss Je einen Vertreter sicher haben. Nach längeren Debatten wird der Ausschuss falten gelassen, dagegen ein Verbandsverstand gewältlt, der aus je einem Vertreter der 5 grössten Jugendvereine, Frankfurt, Derlin, Köln, Hannover, Diaunsehweig und aus Je einem Delegierteil der Grossloge für Deutschland und des Zentral- Vereins, letzterer mir mit beratender Stimme, bestellt, — Ferner wird die Frage des V e r b a 11 d s 0 r g a n s behandelt, doch wurden definitive Beschlüsse noch nicht gefasst. Die Dcdcutmig des Dclcgicrlcntagcs, der mit den In so mamiigfachcr Beziehung divergierenden und widerstreitenden Anschauungen seiner Teilnehmer ein wirklich interessantes Abbild der Strömungen bot, die gegenwärtig durch die junge Judctihcit gehen, ist nicht zu unterschätzen. Die Begründung des Verbamles der Jugend vereine Deutschlands, die auf ihm vollzogen wurden, ist der erste Schritt gewesen zum Wecken und Sammeln all der zahlreichen, zerstreuten Kräfte, die im Juuentum latent liegen, zu gemeinsamer, segensreicher Arbeit. — Möge auch der Erfolg in Zukunft nicht ausblciben. — Landwirtschaftliche Versuchsstation ln Palästina In Anerkennung der Bedeutung, die der Kultivicrung des von Herrn Agronom Aarottsohn in Palästina entdeckten Urweizens für die Land- Wirtschaft von Tunis zukommt, hat der Dey von Tunis auf Vorstellung Jes französischen Ucncralresideuten Herrn Aaronsohn zum ״Olilcler du Niscliun Iftlkkar" ernannt. Dies ist eine der höchsten Ans* Zeichnungen, die der Dey von Tunis zu vergeben hat. Wie wir bereits kürzlich iniitcilten, unternahm Herr Aaronsolm kürzlich eine wissenschaftliche Studienreise nach Siiuirankrcich, Algerien und Tunis. Herr Aaronsoim ist von seiner ergebnisreichen Reise > zurückgckchrt und begibt sich jetzt im Aufträge des unter der Leitung von Prof. Dr. O. Warburg stellenden Komitees zur Errichtung einer iandwirtschaftlichcn Versuchsstation in Palästina nach Kalii 0 r 11 i e n, Arizona, Nebraska und den Baumwollstaaten Texas, Mississippi etc. Mit Rücksicht auf die klimatischen Analogien, die zwischen Palästina und Kalifornien bestehen, ist cs für die Zukunft der palästinischen Landwirtschaft von ailcrgrösstcm Werte, die Fortschritte der Landwirtschaft in Kalifornien genau zu studieren, wo bekanntlich die subtropischen Kulturen die höchste Blüte erreicht hüben. Ganz besonders soll Herr Aaroiisohn in Kalifornien die nach den neuesten Ergebnissen der Wissenschaft eingerichteten Versuchsstationen, die grossartigen Orangerien, Oelbäum-, Mandel- und anderen Baunikulturon, die bckanntlich für Palästina von grosser Bedeutung sind, einer gründlichen Besichtigung unterziehen.' Auch der Konser venfa brikation, die Voraussichtlicli schon in aller Kürze für Palästina von praktischer Bedeutung werden dürfte, wird Herr Aaronsohn gelegentlich seines Aufenthaltes in Kalifornien die grösste Aufmerksamkeit zuwenden. Ausserdem wird Herr Aaronsoim in den mittleren Gebieten (Nebraska etc.) die nach dem System des bekannten amerikunisehen Gelehrten Campbell zur Anwendung gelangenden Bodciibchandiungsmcthodcn in trockenen Gegenden (Dry-Farnihig) genau studieren und schliesslich bei der Pflege und Ernte der Baumwolle zugegen sein. im Oktober wird Herr Aaronsoim der Konferenz der liidlschoi! Farmer Nordamerikas in New-York beiwohnen und bcnbsichligt daselbst Vorträge über die Landwirtschaft Palästinas und die Ergebnisse seiner vielseitigen Studien zu halten. Von Berlin reist Herr Aaroiisohn direkt nach Washington, um milden massgebenden Funktionären des Departement Ql Agriculturc, mit dem er in enger Fühlung stellt und das an ihn vor längerer Zeit die Aufforderung ergcltcn Hess, die Funktionen eines Agricultural Explorer für Syrien zu üernehmen, über die zwcckniässigste Einrichtung seiner amerikanischen Studienreise Rücksprache zu nehmen. MifRücksicht auf die Wichtigkeit dieser Studienreise für die Kolonisation Palästinas lässt das Komitee zur Errichtung einer iandwictschuftiichen Versuchsstation in Palästina (Berlin W. 15, Uhiand- Strasse 175) an die amerikanischen Palästinafreunde die Bitte ergehen, Herrn Aaronsoim jede mögliehe Forderung zuteil werden zu lassen. Palästinafahrten Die Palästina-Kommission der Zionistischen Vercinigung für Deutschland, Cliarlottenburg, Blcibtreu- Strasse 49, ersucht uns um Aufnahme der folgenden ’ Mitteilung. Es ist uns gelungen, mit der Leitung des Oester* rciehisehei» Lloyd ganz bedeutende Ermässigungen für Reisen von Triest nach Aegypten und Palästina zu vereinbaren. Bei schriftlichen! Anträge sind wir ln der Lage, unsere» Gesinnungsgenossen eine» Nachlass von 30 Prozent fiir Fahrten in der 3. Klasse der Syrischen Linie und in der 4. Klasse der Eillinie, von 25 Prozent in der 3. Klasse und in der 2. Klasse der Syrischen Linie zu vermitteln. Wir hoffen, dass unsere Freunde von dieser ausserordeiitlicli günstigen Gelegenheit, eine Palästinarcisc zu unternehmen, recht ausgiebigen Gebrauch machen werden, um so mehr, da gerade neuerdings erfreuiielierwcisc die Palästinafahrten in unseren Kreisen mehr und mehr in Aufnahme zu kommen scheinen. AUS ALLSR W€LT :: Russland Endlich hat sich in der Rcichsduma eine Majorität gefunden, die es durchgcsctzt hat, dass dieses hohe Haus in einer Interpellation dem wüsten Treiben des Verbandes des russischen Volkes zu Leibe gegangen ist. Neununddreissig oppositionelle Duma-Abgeordnete haben in der Rcichsduma eine Anfrage an die Minister der Justiz und des Innern eingebracht, worin sic die von einem fiiiniselicn Gericht ermittelten Tatsuchen anfüliicn und betonen, diese Tatsachen zeugten von einer Tätigkeit des Verbandes des russischen Volkes und [Jezieluingen zur Polizei, die in einem geordneten Staate unzulässig seien. Die genannten Abgeordneten beantragen, die Duma möge aufragen, ob dem Jnstizministcr und dem Minister des Innern bekannt sei, dass derOencrairat des Verbandes des russischen Volkes mit Wissen der *Sic 11 er 11 cits- und der politischen Polizei Kampfgenosscnschaftcn organisiert habe, die sic 11 mit Revolvern und Bomben versahen und zwar unter Mitwirkung von Polizeibeamten; dass ferner eine ganze Reihe von Mitgliedern des Verbandes gleichzeitig als Agenten der politischen Polizei fungierten, und dass schliesslich diese Persönlichkeiten an der Erin 0 r d u n g der i r li h c r c 11 Deputierten Herzen stein und J 01 los und der Vorbereitung eines Attentats gegen den Grafen Witte u n d M i l i u k 0 w tcilgcnommcn hätte», linier Mitwirkung des Generalrats des Verbandes und dessen Vorsitzenden Dubrowin. Falls solches den Ministern bekannt sein sollte, so wäre cs wünschenswert, zu erfahren, welche Massr.cgcln iltrcrscits ergriffen worden seien, um derartigen verbrceherischcn Handlungen ein Ende zu machen. Diese interessante ״spütgeborene" Interpellation wurde nach stürmischen Debatten unter beständigem Lärm und gegenseitigen groben Ausfällen der extremen Rechten und der Linken angenommen und einer Kommission überwiesen, der eine dreitägige Frist zur Begutachtung und Wicdercinbringung in die Plenarsitzung gegeben ist. Die Stadt Kiew steht jetzt vor der Wald eine neuen Dumaubgeordneten. Es ist keine Neuwahl nac sonstigen parlamentarischen Begriffen; der dortige Ab geordnete Koliubaki» ist weder gestorben, nocli ha er sein Mandat nicdcrgclcgt ־־ sondern ist au Wunsch der Regierung von der Duma selbst ausge schlossen worden. Es ist also eine spezifisch russl sehe Nachwahl. Koliubakin hat sicii nämlich er dreistet, vor seinen Wählern über die politische um parlamentarische Lage zu referieren, wobei er fü die Regierung wenig Schmeichelhaftes zu sage! wusste. Iin. ^k]^r deputierter gehört wirklicl nicht in die dritte Dumai

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