Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 22 (25.5.1909)
- Date
- 1909-05-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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WA Ko. 22. Merkspruch Was dir an andern aerhasst, fluch andern an Dir nicht passt. Psalm Don Leo Rafaels, Ulen. Ein Hauch weht durch die Lande, Ein leiser, linder Wind, Er weckt die schlummernden Herzen, Er wecket Greis und Kind, Dt?in Odem, du ewig junger, du alter, starker Gott. Auf, auf, ihr säumigen Brüder, Und gürtet die Lenden mit MachtI Er ruft! Lasst uns ihm folgen, Er führt uns durch Nebel und Nacht, Erlauchter, du ewig junger, du alter, starker Gott. Er trägt auf Adlersflügeln Den kleinen, den treuen Rest, Ucber Berge und Täler und Meere Zum alten Felsennest. ־ toter, ewig junger, du alter, , . starker Gott. -1:1 .fl. Wir machen zum Paradiese Die öde Wüstenei: Ein Garten Ist die Heimat, Sic sei, wie sie auch sei, Unsere, deine Heimat, du alter, starker Gott. Führ’ uns zur alten Stätte, Die dir so wohl gefällt, Wir machen sie zum Kleinod, Zur Krone der ganzen Welt. Führ* uns, du ewig junger, du alter, starker Gott. Die Komposition dieser Hymne von Ignaz Brühl, dem berühmten Wiener Komponisten, ist durch den .,JüdischenVerlag", Köln a. Rh., zu beziehen: Die Belagerung Jotapatas *Ass dem Kriege der Römer gegen die Juden.) Von Julius Uprimny, Wien. Trutzig fest lag Jotapata auf dem Berge, an dessen Pussc die Strasse nach Jerusalem sich hinaufzieht. Hohe Mauern fielen von drei Seiten in Schluckten r!b. von der vierten aber gab sanftes Qcfülio freie! Zugang. Vor wenigen Wochen noch hat durch da• .'tadt die Heiterkeit eines kraftvollen, kindlich• ir'il.en Bergvolkes geklungen. Das Geschrei aber, das heim Anblick der Römer auf den dlchtbcsctztcn Wullen ausgestossen wird, ist der Aufschrei rasender Wut. Altbcrühnit durch Ihre Sicherheit war die rö-!rusche Marscliotdnung. Denn Ihre Stirne zum Feind Hin waren die erprobtesten Krieger des Lagers. Jetzt Iber, kaum dass die Legionen im Angesicht der Stadt das erste ״Halt" machten, ward Verwirrung und Tod in die ersten Reihen gekrackt durch den unvermuteten wahnwitzigen Angriff einer Handvoll leichtbewaffneter litngcr Juden. Au» Ihrer kraftvollen Hand Hessen sie den Speer fallon wie die Wolke den Blitz und stürzten waffenlos dem Peindo an die Kehle, um ihn in seiner Rüstung zu erdrosseln. Sie wufdon von dor Masse erdrückt, ohno den mlndoston Versuch gemacht zu htibon, In der Flucht dos Hell vu auclton, 80 ging 01 ouoh während der ganzen Zelt der Belagerung, Denn sie waren v'<der den Künsten gewachsen, die aus den feindliehen Streitern die gewandtesten Ihrer Zeit machte!1. noch brachte die Pcstung Ihnen Vorteil, der die höheren Türme der Römer gegenüber standen. Ihre Watten waren meist wenig tauglich. Und doch mach- Jen sie den altorworbenen Siegesstolz der berühmten Legionen zu eitel Geflunker In diesem Heldenkampfe Seite 251. H X n ״־׳׳ix!־־*:-'.;! ■ u ya um, Leben und Tod, den sic der Knechtschaft vorzogen und in einer Weise ausfochtcn, dass sic auch als Besiegte noch heute allüberall als Heiden gefeiert werden. Wenn die Chronik ans diesen! Hcldenkampfe, wo Held neben Held tollkiilm und erbittert für sein Heiligstes kiimpftc, Namen bcrmislicbt, deren Träger die anderen noch Überragen und mit ihren Taten den tobenden Kampf für den Augenblick zum Stillstand brachten, well aller Augen bewundernd an Ihnen hingen, dann mögen diese Namen in die Heidensage aufgeuuimncn und von Dichtern geleiert werden. Eleazar von Saab schmetterte in athletischem Wurfe den Kopf des Mauerwidders (eine Maschine, tun die Fcstungsmaiiern cinztirammen) mit einem Steine ab und sprang von der steilen Höhe mitten unter die Feinde, ihn heran{ zu holen. Fünf Geschosse trafen ihn, als er die Mauern erklomm. Mit den Pfeilen im Fleische, kam er bis auf die Zinne und starb dort den Heldentod. Zwei, Nctirus und Philippus aus dem Dorfe Rumn, stürzten sicli ganz allein auf die berühmte /cltutc Legion mit solchem Ungestüm, dass sie diese kampferprobten Soldaten alle vor sich hertrieben, auf zahllosen Leichen ciuhcrstürnicud. So wurden Wege gebahnt für die Fackelträger, die das Holzwcrk der Römer in Brand steckten. In Furcht und Entsetzen wagten cs die Belagerer bald nicht mehr, cs zum Kampfe kommen zu lassen, sondern die Aushungerung war alles, womit, sic ihre Schmach, einen Gegner, der an Zahl, Rüstung und Körperkrüften so minderwertig war. Monate lang zu bclagern, noch weiter in die Länge zogen. Drinnen in der Stadt, deren Bewohner durch die grossen Verluste an Kriegern endlich zur blossen Vcrtcidi- Kimg gezwungen worden waren, wurde das Äusscrste (iberboten, um die Stadt zu halten. Als der Friede einst das Glück der Jotapaten bcsonnte, da hörte man wohl, wenn man sich den Brunnen näherte, schon von weitem das fröhliche Geplauder oder das helle Lachen der Mädchen. Jetzt waren aus den anmutigen Blüten Judas Heldinnen geworden. Am letzten Tage der Belagerung war cs. Der Widder hatte Bresche in die Mauern gestossen, i!1 die Romerianzen und Schwerter schon liinelnragtcn. Ach, mul dem F.isen hatten die Juden nur weiche, schutzlose Körper cutgcgcnzusctzcn. Sicgcssichcr brauste der Kricgsgcsaug־ der Römer — — Jetzt Jetzt, die Juden weichen — da hörte man sclunciekelnd und bittend und ermunternd die lieblichen Stimmen der Mädchen, rasend und toll werden die Milden noch einmal, und noch einmal wurde der Sturm zurückgedrängt. Nach solchen Anstrengungen erlag in der folgenden Nacht alles In der Stadt einem todälmlichcn Schlaf. Der Verrat gab die Wchriosigkeit in die Hand des Feindes, den niemals seine Tapferkeit über die Mauer gebracht hätte. Zwölfhundert Kinder und Weiber wurden gefangen, als sic zwischen vierzigtausend Leichen sich verbergen wollten. Das ist ein Bild aus dem Kampfe, den Rom auf dem Gipfel seiner Macht mit einem Vasallen führte, der keiner sein wollte. Das Aufgebot glich dem im Kampfe mit Karthago. Nur dass dieser ein Kampf um dio Herrschaft war, der Krieg mit Juda aber seiner Freiheit galt. Die Hcrrschbcgierdc mag Ehrgeizige ins Feld locken, wo sic siegen — oder besiegt werden. Die Freiheit aber wird verlockten von Helden, die siegen oder sterben, deren Widerstand keine Grenze hat. Ganz Juda war dus brennende Eigen• tum der Römer, selbst Im Tempel hissten schon ihre Stürmer und hatten gesiegt. Nur ein kleines Türm* eben auf einem Turm trug noch den letzten wehrfähigen Kämpfer, einen Priester. F.r sollte sich ergehen. Da riss er einen Üiscnstah aus dem Ge- ]׳Inder und zwei Rdmcrlclchcn fielen mit Ihm in den Abgrund, 80 darf freudig und stolz unser Herz bei dem blossen Qodankcn der Abstammung von unersten Ahnen schwellen, die so herrlich den Satz in Tat Umsätzen, dass weit besser der Tod sei als die Knechtschaft. Was spielen wir? Schattenzeck Nun, da der Winter ausgcspiclt hat und die Sonne euch Ins Fenster hmcinlacht, werdet ihr auch euere Spiele aus der Stube hinaus ins Freie verlegen wollen, wo Ihr euch nach Herzenslust austoben könnt. Da will Ich euch nun von einem Spiel erzählen, dass euch gewiss, wenn ihr es nächster Tage einmal au». probiert, gut gefallen wird. Ein Jeder von euch hat gewiss schon mit seinen Kameraden Zeck gespielt. Das Spiel, das ich euch zeigen will, ist ganz ähnlich. Auch hierbei muss immer einer suchen die anderen zu fangen, nur dass er, wenn er sic eingcholt hat, sic nicht selber schlägt, sondern versuchen muss, ihnen auf den Schatten zu treten. Das ist natürlich viel schwerer, weil man durch einen kleinen Sprung leicht entkommen kann, und der andere ein jedes Mal von neuen: loslaufcn muss. Wer aber doch auf diese Weise gefangen wird, der ist dran und löst den vorherigen Fänger ab. Wer zuerst dran ist, wird abgezühlt. Dazu findet ilir hübsche Abzählverse in der vorigen Nummer von ״Jung- Israel", — Das Würfelwunder Stellt die Zeichnung sechs oder sieben Würfel dar? Kompositionsaufgabe Wie zeichnet man vorstehende Figur ln einem Zuge? Preisrätsel Schlcbcrütsel R A H E L ISAAK MIRIAM FORUM H A M A N Vorstehende Worte sind in der Weise nach rechts oder links zu verschieben, dass olnc Reihe der Buch• staben von oben nach unten gelesen den Namen einer Hafenstadt Im nördllcltcn Telle der palästinischen Küste ergibt, die danebenstehende Reihe den Namen einer Jüdischen Kolonie in Qallläa. Unter den Einsendern richtiger Lösungon (bis zum 8. Juni unter Angabe dos Alters und der Adresse des F.iniondorsl) werden folgende Preise verlost! 1, Porob, Erzählungen, gebunden und llluitrlort, (Jüdischer Verlag,) 2, Solomon .1, Solomon. KünstUr«Monographla mit Illustrationen. 3, Etno Serie Ansichtspostkarten. 4t—6. Ein Kartengruss von der Redaktion ״Jung Israel". Allo Einsendungen sind zu adressieren: ״An die Redaktion von ״Jung-Israel״, Berlln-Charlottenburg Blelbtreuttrasi• 49.״